Strada della Forra – und dann haben wir spontan den ganzen Gardasee umrundet
Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, im Urlaub auch mal etwas länger zu schlafen. Eigentlich. Um Punkt acht Uhr rollten die beiden Vespas nämlich schon wieder vom Campingplatz. Langsam bekamen wir den Verdacht, dass wir zu Hause vermutlich länger schlafen als im Urlaub. Aber was soll’s – bei diesem Wetter und diesen Straßen wäre Ausschlafen ohnehin reine Zeitverschwendung gewesen.
Heute stand nämlich eine der bekanntesten Straßen rund um den Gardasee auf dem Programm: die Strada della Forra. Schon Winston Churchill soll sie einmal als das „achte Weltwunder“ bezeichnet haben, und spätestens seit einer spektakulären Verfolgungsjagd in einem James-Bond-Film gehört sie zu den berühmtesten Panoramastraßen Italiens. Wir waren sie zwar schon einmal gefahren, aber manche Straßen verlieren ihren Reiz einfach nie. Eher im Gegenteil.

Bereits die Anfahrt zu Strada della Forra machte unglaublich viel Spaß. Hinter jeder Kurve öffnete sich ein neuer Blick auf den Gardasee, dessen Wasser am frühen Morgen fast spiegelglatt in der Sonne lag. Die Luft war noch angenehm kühl, kaum Verkehr unterwegs – kurz gesagt: perfektes Vespa-Wetter.
Die Straße wirkt, als hätte sich jemand den Fels angeschaut und beschlossen: „Da passt doch bestimmt noch eine Straße durch.“ Und genau so sieht sie auch aus. Mal verschwindet sie in einem Tunnel, wenige Sekunden später fährt man wieder mitten zwischen meterhohen Felswänden hindurch, dann öffnet sich plötzlich der Blick tief hinunter in die Schlucht oder hinaus auf den Gardasee. Dabei vergisst man völlig, dass diese Straße jahrzehntelang praktisch die einzige Verbindung zwischen Tremosine und dem See war. Heute ist sie zwar längst eine Touristenattraktion, gebaut wurde sie aber nicht für Ausflügler mit Kamera, sondern weil die Menschen dort oben überhaupt irgendwie ins Tal kommen mussten. Wenn man zwischen den Felsen unterwegs ist, kann man sich gut vorstellen, was das damals für ein gewaltiges Bauprojekt gewesen sein muss.
Nur eines hatte ich völlig unterschätzt. Mich selbst. Eigentlich wollten wir die Straße einfach genießen und gemütlich hinauffahren. Tatsächlich entwickelte sich die Fahrt aber zu einer Art fotografischer Vollbremsung. Kaum hatten wir den ersten Tunnel hinter uns, entdeckte ich schon den nächsten Aussichtspunkt. Also Blinker rechts, Vespa abstellen, Kamera raus.
„Jetzt können wir doch langsam mal weiterfahren“, meinte Stefan noch ganz geduldig. Zwei Kurven später stand ich schon wieder am Straßenrand. „Aber schau dir das doch mal an!“ Und so ging das die ganze Zeit. Ich glaube, ich habe auf den wenigen Kilometern häufiger angehalten als auf der kompletten Anreise über den Brenner. Stefan wollte eigentlich Motorrad fahren. Ich wollte gefühlt alle zwanzig Meter ein neues Titelbild für den Blog fotografieren. Das führte zwangsläufig zu zwei leicht unterschiedlichen Vorstellungen von einer flüssigen Fahrt.
Das Verrückte ist: Ich habe mir wirklich vorgenommen, jetzt wirklich weiterzufahren. Und dann kommt hinter der nächsten Kurve wieder ein Tunnel, eine Brücke oder ein Ausblick, bei dem man denkt: Nein… hier muss ich jetzt wirklich noch einmal kurz anhalten. Die Strada della Forra gewinnt diesen Kampf jedes Mal. Sorry Stefan!
Irgendwann hatten wir tatsächlich das Ende der Strada della Forra erreicht. Fast ein bisschen schade. Gleich am Ortseingang von Pieve di Tremosine gönnten wir den Vespas erst einmal einen Schluck Super – nach den vielen Höhenmetern hatten sie sich den genauso verdient wie wir später unseren Espresso.
Die Tankstelle war übrigens herrlich italienisch. Direkt mitten im Ort. Kein riesiger Rasthof, kein Shop mit dreißig Sorten Energy-Drinks und zwölf Zapfsäulen, sondern einfach eine kleine Tankstelle auf einem gepflasterten Platz. Helm runter, volltanken, weiter geht’s.

Nur ein paar Schritte später stellten wir die Vespas ab und machten das, was wir in Italien ohnehin am liebsten tun: einfach loslaufen. Pieve gehört nicht ohne Grund zu den schönsten Dörfern Italiens. Und trotzdem ist es keiner dieser Orte, die geschniegelt und geschniegelt aussehen, als wären sie nur für Touristen gebaut worden. Im Gegenteil. Hier wirkt alles angenehm echt. Die alten Natursteinhäuser stehen teilweise schon seit Jahrhunderten an ihrem Platz, dazwischen schmale Gassen, kleine Torbögen und Kopfsteinpflaster, das wahrscheinlich schon Generationen von Schuhsohlen verschlissen hat.
Wir hatten überhaupt kein Ziel. Genau das war das Schöne. Mal bogen wir rechts ab, weil dort eine besonders schmale Gasse verschwand, dann wieder links, weil uns ein kleiner Innenhof neugierig machte. Hinter fast jeder Ecke wartete schon das nächste Fotomotiv. Alte Fensterläden, verwitterte Natursteinfassaden, eine Kirche, die über dem Dorf aufragt, kleine Plätze, auf denen um diese Uhrzeit noch kaum jemand unterwegs war. Selbst eine Katze schien sich von unserer fotografischen Begeisterung anstecken zu lassen und posierte geschniegelt zwischen den alten Mauern, als hätte sie den ganzen Morgen nur auf uns gewartet.
Überhaupt herrschte diese angenehme Ruhe, die viele Bergdörfer am frühen Vormittag haben. Kein Gedränge, kein Stimmengewirr, keine Reisegruppen mit bunten Fähnchen. Man hörte hier und da das Klappern von Geschirr aus einem Café, irgendwo wurden gerade Fensterläden geöffnet, und ansonsten schien das Dorf noch gemütlich in den Tag zu starten.
Genau solche Orte mögen wir. Es gibt keine spektakuläre Sehenswürdigkeit, die man unbedingt gesehen haben muss. Der eigentliche Reiz besteht darin, einfach ziellos durch die Gassen zu schlendern und sich treiben zu lassen. Und genau dabei entdeckt man meistens die schönsten Ecken – die, die in keinem Reiseführer auf der Titelseite landen.
Irgendwann öffnete sich zwischen den Häusern plötzlich der Blick auf die Terrazza del Brivido. Eigentlich ist sie gar nicht so riesig. Ein paar Schritte aus dem Ort hinaus, vorbei am Hotel Paradiso, und schon steht man auf einer Betonplattform, die mehr als 350 Meter senkrecht über dem Gardasee in der Luft hängt. Sie wurde bereits Ende der 1950er-Jahre gebaut und war ihrer Zeit irgendwie weit voraus – lange bevor am Grand Canyon jemand auf die Idee kam, eine spektakuläre Aussichtsplattform in den Abgrund zu setzen.

Direkt an der Terrazza gab es ein kleines Café. Also setzten wir uns einmal an den kleinen Tischen Platz und bestellten einen Espresso. Denn mal ehrlich: Für einen Moment wie diesen gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Entweder man steht sprachlos am Geländer oder man sitzt mit einem kleinen italienischen Espresso in der Hand da und genießt einfach die Aussicht. Wir entschieden uns selbstverständlich für Variante zwei.
Vor uns glitzerte der Gardasee in der Morgensonne. Tief unten zog die Gardesana wie ein dünnes Band am Ufer entlang, auf der anderen Seeseite ragte der Monte Baldo aus dem Dunst empor und irgendwo dort unten konnten wir sogar die ersten Kurven der Strada della Forra erkennen, die wir gerade eben noch selbst gefahren waren.
Dann machte ich Fotos auf der Terrasse. Für Stefan war das schon eine kleine Herausforderung. Höhen sind nicht unbedingt sein bevorzugtes Hobby. Er blieb deshalb erst einmal in sicherer Entfernung zum Geländer und betrachtete die Aussicht lieber mit einem gesunden Sicherheitsabstand. Ich dagegen ticke da völlig anders. Je weiter Vorne, desto besser das Foto. Für ein gutes Bild lehne ich mich notfalls auch noch ein Stück über das Geländer. Zumindest so weit, dass Stefan hinter mir schon leicht nervös wird. Irgendwann kam dann auch der obligatorische Satz: „Jetzt reicht’s aber mal langsam!“ Ich glaube, er hatte deutlich mehr Angst um mich als ich selbst.
Dabei weiß man natürlich, dass die Plattform absolut sicher ist. Trotzdem wirkt die Höhe unglaublich beeindruckend. Man schaut nicht einfach auf den Gardasee hinunter – man blickt gefühlt direkt senkrecht in die Tiefe. Unten fahren die Autos auf der Gardesana inzwischen nur noch wie kleine Spielzeugautos vorbei und die Boote wirken, als hätte jemand sie aus Versehen im See vergessen.
Natürlich entstanden dabei auch wieder die obligatorischen Urlaubsfotos. Ich möglichst weit vorne, Stefan mit dem Blick, der irgendwo zwischen „Lächeln für die Kamera“ und „Kannst du jetzt bitte wieder einen Schritt zurückgehen?“ lag. Wir blieben noch eine ganze Weile dort oben. Mal schweigend, mal einfach nur staunend. Es gibt Aussichtspunkte, die sind schön. Und dann gibt es die Terrazza del Brivido. Der Name ist nicht übertrieben. Ganz und gar nicht.
Nach unserem Espresso mit Aussicht schwangen wir uns wieder auf die Vespas und machten uns auf den Weg Richtung Tignale. Die Straße führte zunächst durch kleine Waldstücke, vorbei an Wiesen und vereinzelten Bauernhöfen. Nach den spektakulären Felswänden der Strada della Forra wirkte dieser Abschnitt fast schon beruhigend. Statt nacktem Fels dominierten jetzt dichte Bäume, Zypressen und immer wieder kleine Lichtungen mit herrlichen Ausblicken über den Gardasee.
Die Fahrt dauerte allerdings nicht besonders lange. Denn plötzlich bremste Stefan. Nicht weil die Straße gesperrt gewesen wäre. Sondern weil am Straßenrand mehrere Esel standen. Ich kenne diesen Blick inzwischen. Manche Menschen bleiben vor Oldtimern stehen, andere vor Sportwagen – ich nach jeder Kurve auf der Strade della Forra. Stefan hält bei Eseln. Also wurden die Vespas am Straßenrand geparkt und Sekunden später stand er auch schon mit dem Handy vor dem Zaun.
Zwei der Vierbeiner ließen sich von der ungewohnten Aufmerksamkeit überhaupt nicht beeindrucken. Im Gegenteil. Kaum hielt Stefan das Handy hoch, rückten sie neugierig immer näher. Offenbar wollten sie unbedingt mit aufs Foto. Oder sie hofften auf etwas Essbares. Wahrscheinlich Letzteres. Was dann folgte, war ein kleines Fotoshooting. Erst ein klassisches Selfie. Dann noch eins. Und noch eins, weil der linke Esel auf dem ersten Bild nicht richtig in die Kamera geschaut hatte. Schließlich streckte einer der beiden neugierig seine Schnauze direkt neben Stefans Gesicht.
Perfekter hätte man das vermutlich gar nicht inszenieren können. Ich stand ein paar Meter daneben, beobachtete das Schauspiel und musste lachen. Ehrlich gesagt war ich mir nicht ganz sicher, wer von den Dreien gerade mehr Spaß hatte. Nach einigen Minuten verabschiedeten wir uns schließlich von Stefans neuen Bekanntschaften. Die Esel widmeten sich wieder ihrem Frühstück, Stefan kontrollierte zufrieden die Ausbeute auf seinem Handy und wir setzten unsere Tour fort. Es gibt eben Begegnungen, die kann man nicht planen.

Nach dem ungeplanten Fotoshooting mit den Eseln ging es weiter Richtung Tignale. Eigentlich sind es nur ein paar Kilometer. In der Praxis dauerte es natürlich deutlich länger. Nicht etwa, weil die Straße schwierig gewesen wäre, sondern weil sie hinter jeder Kurve wieder einen neuen Grund lieferte, anzuhalten.
Die Route führte durch winzige Bergorte wie Pregasio und Sermerio – Dörfer, die aus ein paar Häusern, einer kleinen Kirche und gefühlt einem einzigen Dorfplatz bestehen. Alles wirkte herrlich entschleunigt. Vor den Häusern standen Blumenkästen, an den Mauern rankte Wein, irgendwo saß eine ältere Dame vor ihrer Haustür und beobachtete das Dorfleben, als hätte sie genau für diesen Job seit fünfzig Jahren einen unbefristeten Vertrag.
Natürlich hielten wir immer wieder an. Mal wegen einer besonders schönen Aussicht über den Gardasee, mal weil sich die Straße elegant um den Hang schlängelte und dahinter schon wieder das nächste Panorama wartete. Irgendwann kommentierte Stefan nur noch trocken: „Wir könnten die Strecke wahrscheinlich auch zu Fuß schaffen. Viel schneller wären wir heute auch nicht.“
Er hatte nicht ganz unrecht.
Aber genau dafür waren wir schließlich hier. Nicht, um möglichst viele Kilometer zu sammeln, sondern um diese kleinen Momente mitzunehmen. Die Straßen wurden schmaler, die Häuser ursprünglicher und irgendwo zwischen den Bergen und dem glitzernden See entstand genau dieses Gefühl, weshalb wir den Gardasee so mögen: Hinter jeder Kurve könnte schon wieder die nächste Postkarte warten.
Schließlich rollten wir nach Tignale hinein, parkten die Vespas und machten das, was wir am liebsten tun: einfach loslaufen, ohne Plan.
Tignale ist kein Ort, der einen mit großen Sehenswürdigkeiten empfängt. Stattdessen entdeckt man ihn Schritt für Schritt. Enge Gassen wechseln sich mit kleinen Plätzen ab, dazwischen alte Natursteinhäuser, pastellfarbene Fassaden und immer wieder Bögen, unter denen man automatisch langsamer wird, weil dahinter schon die nächste hübsche Ecke wartet. In einer schmalen Gasse kämpfte sich ein winziges italienisches Lieferfahrzeug durch die Häuser – gefühlt breiter hätte es wirklich nicht sein dürfen. Aus einer kleinen Bäckerei strömte der Duft von frischem Brot, auf dem Dorfplatz saßen die ersten Einheimischen beim Espresso, während wir gemütlich durch die Straßen schlenderten und wieder einmal feststellten: Die schönsten Orte sind oft genau die, von denen man vorher kaum etwas erwartet hatte.
Irgendwann meldete sich dann doch der Magen. Und wie so oft in Italien mussten wir dafür gar nicht lange suchen. Direkt am kleinen Platz entdeckten wir die Pizzeria Al Torchio – genau die Art von Restaurant, bei der man schon von außen das Gefühl hat, hier könnte man nichts falsch machen. Die Speisekarte war erfreulich italienisch kurz, die Terrasse gut besucht und spätestens das war für uns Grund genug, Platz zu nehmen. Stefan entschied sich für ein perfekt gegrilltes Steak, ich blieb der italienischen Grundversorgung treu und bestellte Spaghetti al Pomodoro. Dazu kam noch eine große Portion gegrilltes Gemüse auf den Tisch. Kein aufwendiges Sterne-Menü. Einfach ehrliches Essen, frisch zubereitet und genau das Richtige nach einem Vormittag auf der Vespa. Manchmal sind es genau diese einfachen Mittagessen, an die man sich später am liebsten erinnert. Nicht weil sie spektakulär waren, sondern weil einfach alles gepasst hat.
Nach dem Mittagessen verabschiedeten wir uns von Tignale und machten uns wieder auf den Weg talwärts. Die Straße schlängelte sich in unzähligen Kurven durch die grünen Hänge hinunter Richtung Gardasee. Immer wieder öffnete sich zwischen den Bäumen der Blick auf das tiefblaue Wasser, das mit jedem Höhenmeter ein Stück näher rückte. An manchen Stellen legten wir noch einmal einen kurzen Fotostopp ein. Nicht, weil wir mussten. Sondern weil diese Straße einfach zu schön war, um sie nur abzufahren.
Wenig später erreichten wir bei Belvedere wieder die Gardesana am Seeufer. Eigentlich war der Plan ziemlich eindeutig gewesen: einfach nach Norden zurück Richtung Riva. Das wären vielleicht dreißig Kilometer gewesen. Vernünftig. Effizient. Schnell.
Dann schauten wir beide gleichzeitig auf den See. „Warum eigentlich nicht einmal komplett außen herum?“ Es war einer dieser typischen Urlaubsbeschlüsse, die man zu Hause wahrscheinlich niemals fassen würde. Keine große Diskussion. Kein Abwägen. Einfach Helmvisier runter und los. Also wurde aus einer kleinen Rückfahrt kurzerhand eine komplette Umrundung des Gardasees.
Manchmal braucht es gar keine Sehenswürdigkeiten. Die Straße selbst reicht völlig aus. Kilometer um Kilometer rollten wir am Ufer entlang, vorbei an kleinen Häfen, bunten Orten, Olivenhainen und Stränden. Mal fuhren wir direkt am Wasser entlang, wenige Minuten später wieder oberhalb des Sees mit weitem Blick über die glitzernde Oberfläche. Wir hielten diesmal kaum noch an. Nicht, weil es nichts zu fotografieren gegeben hätte – ganz im Gegenteil. Sondern weil wir einfach fahren wollten. Kurven genießen. Die warme Luft spüren. Den Motor leise unter uns arbeiten hören. Es war einer dieser Momente, in denen man irgendwann vergisst, wie spät es eigentlich ist.
Deshalb gibt es von diesem Teil der Tour erstaunlich wenige Bilder. Nicht weil er langweilig gewesen wäre. Sondern weil wir ihn einfach erlebt haben. Die Karte erzählt heute mehr als die Kamera.

Irgendwann erreichten wir schließlich Padenghe sul Garda. Dort legten wir einen kurzen Zwischenstopp an genau dem Supermarkt ein, den wir schon vom letzten Jahr kannten, als wir dort eine Woche Urlaub gemacht hatten. Es ist schon erstaunlich, wie schnell sich so ein gewöhnlicher Supermarkt plötzlich vertraut anfühlt. Kaum auf dem Parkplatz angekommen, wussten wir wieder genau, wo der Eingang ist, wo das Wasser steht und an welcher Kasse wir damals wahrscheinlich schon angestanden hatten. Verrückt eigentlich, woran man sich erinnert.
Anschließend ging es weiter auf der Gardesana Richtung Norden. Pünktlich, als wir wieder in Riva del Garda ankamen, beschloss das Wetter erneut, seinen Beitrag zum Urlaub zu leisten. Dunkle Wolken zogen auf und kurze Zeit später prasselte der Regen herunter. Zum Glück lag direkt nebenan die Blue Garden Shopping Mall. Also machten wir aus der Not eine Tugend und drehten gemütlich eine Runde durch das Einkaufszentrum. Trocken bleiben kann schließlich auch ein Programmpunkt sein.
Im Einkaufszentrum fiel unser Blick auf eine Menschenschlange vor einer Pizzeria. Und zwar keine kleine. Menschen stellen sich in Italien nur äußerst ungern freiwillig an. Wenn sie es doch tun, hat das meistens einen guten Grund. „Da gehen wir rein.“ Ein ausgeklügelterer Auswahlprozess war gar nicht nötig.
Die Pizzeria SUD erwies sich als absoluter Glücksgriff. Drinnen herrschte ein lebhaftes Durcheinander, ständig kamen neue Pizzen aus dem Ofen, Kellner flitzten zwischen den Tischen hindurch und irgendwo spielte italienische Musik. An den Wänden hingen Bilder von Maradona, in der offenen Küche wurde Teig in beeindruckender Geschwindigkeit verarbeitet und schon nach den ersten Bissen war klar, warum die Leute draußen bereitwillig auf einen Tisch warteten. Manchmal sind genau das die besten Restauranttipps. Nicht die aus dem Reiseführer. Sondern die, vor denen einfach viele hungrige Italiener stehen.
Als wir das Restaurant verließen, hatte der Regen inzwischen deutlich nachgelassen. Die Straßen glänzten noch vom Schauer, doch der Himmel schien langsam wieder Frieden schließen zu wollen. Also schwangen wir uns ein letztes Mal für diesen Tag auf unsere Vespas und fuhren die wenigen Kilometer zurück zum Campingplatz.
Hinter uns lagen spektakuläre Straßen, schwindelerregende Aussichtspunkte, verschlafene Bergdörfer, neugierige Esel, eine spontane Gardasee-Umrundung und am Ende auch noch eine Pizza, für die sich das Anstehen mehr als gelohnt hatte. Eigentlich war der Tag viel zu schnell vergangen.
Die Helme wanderten an ihren Platz, die Vespas durften schlafen und wir wenig später auch. Morgen wartete schließlich schon das nächste Abenteuer. Und erfahrungsgemäß hält der Gardasee immer noch die eine oder andere Überraschung bereit.
























































