Alle warnten vor Stau am Brenner. Offenbar hat nur keiner dem Brenner Bescheid gesagt.
Es gibt zwei Möglichkeiten, einen Urlaub zu beginnen. Entweder man steht stundenlang irgendwo im Stau und fragt sich, warum man sich das eigentlich antut. Oder man macht es wie wir: Man steht genau einmal – und zwar ausgerechnet dort, wo wirklich niemand etwas dafür kann. Aber der Reihe nach.
Am Sonntagmorgen ging es nach einem gemütlichen Frühstück um 8.30 Uhr los. Der Camper war startklar, die beiden Vespas standen geschniegelt auf ihrem neuen Anhänger und warteten auf ihren ersten großen Urlaubseinsatz. Den ganzen Part mit Verzurren, Gurten kontrollieren und Anhänger vorbereiten hatte Stefan schon am Samstag erledigt. Ich musste also tatsächlich nur noch einsteigen. Ein Zustand, den ich durchaus zu schätzen weiß.

Die Route war schnell festgelegt: A8 Richtung München, weiter über Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und anschließend über den Brenner an den Gardasee. Eigentlich nichts Außergewöhnliches. Wäre da nicht diese Dauerbeschallung der vergangenen Tage gewesen. Egal ob ADAC, Radio oder Internet – überall war zu lesen, dass der Brenner an diesem Wochenende praktisch unpassierbar sein würde. Monsterbaustelle an der Luegbrücke, kilometerlange Staus, Weltuntergang kurz hinter Innsbruck. Zumindest klang es ungefähr so.
Unsere erste Zwangspause kam allerdings deutlich früher. Auf der A95 passierte direkt vor uns ein Unfall. Keine hundert Autos vor uns, sondern wirklich nur etwa einen Kilometer entfernt. Wir konnten das Blaulicht bereits sehen, dann war Schluss. Vollsperrung. Rund eine halbe Stunde ging gar nichts mehr.

Und während wir dort standen, wurde mir bewusst, dass das eben genau die Sorte Verzögerung ist, die man niemals planen kann. Ein Unfall kann überall passieren – auf der A95, am Brenner oder direkt vor der eigenen Haustür. Nach der Freigabe lief der Verkehr wieder völlig normal. Und dann kam der Teil der Reise, mit dem ich ehrlich gesagt überhaupt nicht gerechnet hatte.
Der Brenner.
Seit Tagen wurde vor kilometerlangen Staus gewarnt. Also fuhren wir mit einer gewissen Skepsis Richtung Luegbrücke – und warteten darauf, dass irgendwann die rote Rücklichter-Wand auftaucht. Tat sie aber nicht.

Kein Stop-and-go. Kein zähfließender Verkehr. Kein nervöses Rangieren zwischen den Spuren. Wir fuhren einfach. Mit erlaubter Geschwindigkeit. Kilometer um Kilometer. Selbst an der viel diskutierten Baustelle rollte der Verkehr völlig entspannt weiter. Manchmal hat man fast den Eindruck, dass so viele Menschen wegen der Warnungen andere Strecken wählen, dass der angeblich schlimmste Stau des Wochenendes am Ende gar keiner mehr ist.
Da wir deutlich entspannter unterwegs waren als erwartet, legten wir am Brenner Outlet noch eine Mittagspause ein. Ein bisschen essen, kurz die Beine vertreten und feststellen, dass Urlaub tatsächlich schon auf dem Parkplatz beginnt.
Gegen 18 Uhr erreichten wir schließlich unser Zuhause für die nächsten Tage, den Camping MAROADI in Torbole. Das Einchecken ging schnell und genauso problemlos lief das Abladen. Die beiden Vespas rollten zum ersten Mal vom neuen Anhänger – ohne Gefummel, ohne Fluchen und ohne die Erkenntnis, dass man beim Kauf doch etwas vergessen hätte. Genau so hatten wir uns das vorgestellt.
Nachdem der Camper eingerichtet war, machten wir es uns einfach und gingen direkt ins campingplatzeigene Restaurant. Nach fast zehn Stunden unterwegs musste heute niemand mehr den Kochlöffel schwingen. Für Stefan gab es Spaghetti Carbonara, ich entschied mich für Spaghetti alla Ragù – genau das Richtige nach einem langen Reisetag.
Danach blieb nicht mehr viel auf dem Programm. Noch eine schnelle Dusche, den Wecker stellen und ab ins Bett. Schließlich wartet morgen der eigentliche Grund, warum diesmal sogar zwei Vespas mitgereist sind. Die erste Tour steht an – und wir freuen uns schon riesig darauf.






