Ozon gegen Hello Kitty – der wohl härteste Duftkampf des Jahres. Ein Duell, bei dem selbst die Chemiewaffenkonvention vor Neid erblasst wäre.
Alles begann mit dieser unheimlichen Stille, die ja bekanntlich immer das Vorstadium einer Katastrophe ist. Wir saßen noch beim Essen, Emi war bereits zum Spielen abgetaucht. Als ich den Tatort – pardon, mein Gästezimmer – betrat, schlug mir eine aromatische Breitseite entgegen, die so dermaßen intensiv war, dass sich die Raumluft buchstäblich rosa färbte und mein Gehirn sofort den Notstand ausrief. Es roch nach einer Fusion aus explodiertem Erdbeer-Lolly-Labor, einem Kindergeburtstag auf Extasy und einer Zuckerwatte-Fabrik, die direkt neben einem Chemieunfall in die Luft geflogen ist.
Da stand sie. Emilia. Stolz wie Bolle. In der Hand die leere Hello-Kitty-Parfüm-Flasche, die ich dummerweise als „für ab und zu mal ein Tröpfchen vor dem Kindergarten“ deklariert hatte. Ein fataler Fehler.
„Oma muss doch gut riechen“, verkündete sie mit ihren großen, dunklen Kulleraugen, als hätte sie gerade einen Nobelpreis für Friedensarbeit gewonnen. Sie hatte nicht nur gesprüht. Sie hatte eine großflächige, chirurgische Parfüm-Operation durchgeführt. Das Sofa? Eine Hello-Kitty-Kondensationszone. Die Kissen? Komplett eingenebelt. Und mein Kleiderschrank? Mein heiliges Zuhause für Shirts und Hosen wurde zur biologischen Waffenkammer umfunktioniert. Emi hatte meine gesamte Garderobe in eine tragbare Zuckerhölle verwandelt.
Versuch mal, in diesem Moment die autoritäre Oma zu spielen. Geht nicht. Die Vorsätze schmelzen schneller weg als eine Kugel Gelato bei 40 Grad im Schatten, wenn Emilia mich mit ihren großen, braunen Kulleraugen ansieht. Ich fühlte mich in diesem Zimmer wie eine gefangene Schlumpfine, die in einem überdimensionierten Erdbeerkaugummi erstickt. Nach 24 Stunden Dauerlüften musste ich einsehen: Diese Hello-Kitty-Moleküle haben sich mit meinen Klamotten verschmolzen wie eine Klette mit einer Strickjacke.
Es war Zeit für die Spezialeinheit: mein Ozongenerator. Das Ding ist normalerweise dafür da, um den Geruch von Camping-Modder aus dem Ducato zu prügeln – also echte Schwerstarbeit. Ich stellte das Gerät in den „Tatort“, schloss die Tür und schaltete es ein. Zwölf Minuten Kampf der Giganten.

Das Ergebnis? Ein Unentschieden auf hohem Niveau. Der stechende, chemische Anteil der Hello-Kitty-Invasion war zwar besiegt, aber da war noch dieser Geist. Dieser verdammte, zuckersüße Hauch. Wenn ich jetzt das Zimmer betrete, passiert das Unheimliche: Ich spüre förmlich, wie Hello Kitty irgendwo zwischen meinen Blusen hockt, sich die Ärmchen reibt und schadenfroh kichert.
Ich stehe jetzt vor der existenziellen Sinnkrise: Rieche ich im Normalzustand etwa so sehr nach „alter Lokführerin“, dass mein Enkelkind die Notbremse ziehen musste? War das eine verkappte Intervention? Ein subtiler Hinweis, dass meine Aura dringend ein Upgrade auf „Erdbeere-des-Grauens“ benötigte?
Ich überlege ernsthaft, ob ich mich ergeben soll. Vielleicht sollte ich mir einfach selbst ein Hello-Kitty-Parfüm kaufen, den Look komplett adaptieren und mich in mein Schicksal ergeben. Immerhin: Wenn ich demnächst im Camper am Gardasee stehe und der Wind ungünstig steht, riecht es nicht nach Diesel und Abenteuer, sondern nach… leichtem, psychotischen Erdbeer-Schock.
Eins muss man der Maus lassen: Sie hat ganze Arbeit geleistet. Zumindest was die Hartnäckigkeit ihres Duftwolken-Anschlags angeht. Mein Zimmer und mein Kleiderschrank sind jetzt offiziell das am süßesten duftende Hochsicherheitsgebiet von ganz Esslingen. Weihnachten wird es vermutlich immer noch so riechen. Ich freue mich schon auf den ersten Adventskranz, der im Erdbeer-Nebel förmlich zu schmelzen beginnt – ein aromatisches Waterloo, wie es im Buche steht!
