Noch schnell ein Cornetto – dann geht’s nach Hause
Der Freitag begann deutlich ruhiger als die Tage zuvor. Kein Markt, kein Vaporetto, keine Oldtimer und keine spontane Expedition auf irgendeine Insel. Nur Frühstück und Heimfahrt. Wobei „nur Frühstück“ dem Ganzen eigentlich nicht gerecht wird. In Italien ist Frühstück selten nur Frühstück. Es ist eher ein kleiner Abschiedsvertrag zwischen Mensch, Kaffee und Gebäck.
Bevor wir den Camper endgültig Richtung Heimat lenkten, machten wir noch einen letzten Stopp am Migross Superstore. Genau dort, wo wir am Vortag bereits einen halben italienischen Supermarkt auf Fahrrädern zum Campingplatz transportiert hatten. Rational betrachtet hätten wir sämtliche Einkäufe natürlich auch einfach heute erledigen können. Mit dem Camper. Ohne Rucksäcke. Ohne Gleichgewichtsprobleme. Ohne die ständige Sorge, dass irgendwo eine Salami aus dem Gepäck springt. Aber das wäre ja vernünftig gewesen. Und Vernunft spielt in unseren Urlauben bekanntlich nur eine Nebenrolle. Eher Statist. Ohne Text.

Also gingen wir stattdessen noch einmal in den Food Court und gönnten uns ein letztes italienisches Frühstück. Cappuccino für beide und dazu Cornetti mit Pistaziencreme und Schokolade. Nicht ein bisschen Pistaziencreme und nicht ein Hauch Schokolade. Sondern genau die italienische Definition von „gefüllt“: so viel, dass man nach dem ersten Bissen kurz kontrolliert, ob noch genügend Füllung für die nächsten Bissen übrig bleibt. War sie. Mehr als genug. So muss das sein. Alles andere wäre ja nur Gebäck mit Ambitionen.
Danach ging es endgültig auf die Heimreise. Die verlief erfreulich unspektakulär. Ein bisschen Verkehr am Drackensteiner Hang, den wir rechtzeitig umfahren konnten, ansonsten lief es erstaunlich entspannt. Kilometer für Kilometer wurde der Gardasee im Rückspiegel kleiner und Esslingen kam näher. Dieses merkwürdige Gefühl auf der Heimfahrt setzte ein: einerseits froh, wieder nach Hause zu kommen, andererseits innerlich noch mit einem Bein auf dem Campingplatz und mit dem anderen im italienischen Supermarktregal.
Pünktlich zum Abendessen rollten wir schließlich zu Hause ein, wo bereits Oli, Nadine, Noah und Emilia auf uns warteten. Das vorbereitete Vesper wurde kurzerhand um die italienischen Mitbringsel erweitert. Wein auf den Tisch. Käse auf den Tisch. Schinken auf den Tisch. Salami natürlich ebenfalls. Und dann wurden die Tüten ausgepackt. Es war weniger ein Abendessen als eine kleine Zollabfertigung mit Familienanschluss.
Während wir uns über italienische Spezialitäten hermachten, waren Noah und Emilia völlig aus dem Häuschen über ihre neuen Kleidungsstücke vom Markt. Die beiden probierten und präsentierten ihre Ausbeute mit einer Begeisterung, die vermutlich größer war als unsere Freude über sechs Liter Olivenöl. Fast. Denn sechs Liter Olivenöl sind natürlich auch nicht irgendwas. Das ist flüssige Erinnerung mit Pfeffernote.
So endete unser kurzer Gardasee-Trip genauso, wie er begonnen hatte: entspannt, fröhlich und mit viel zu viel Essen. Und das Verrückte ist: In gerade einmal vier Wochen geht es schon wieder an den Gardasee. Diesmal in den Norden. Vier Wochen arbeiten. Das wird hart. Nicht körperlich. Seelisch. Italien-Entzug ist schließlich kein Spaß.

