Adriaaaan, Rocky, Philadelphia und der Heimflug
Abschied mit Anlauf
Was bei einem Besuch in Philadelphia natürlich auf gar keinen Fall fehlen darf, ist dieser eine Moment, der irgendwo zwischen Sport, Kino und sehr persönlicher Jugendheldenverehrung liegt: die Rocky Steps.
Nach einem überraschend guten und vor allem entspannten Frühstück im Hotel – so ein Frühstück, bei dem man merkt, dass der Tag noch Großes vorhat – machen wir uns auf den Weg nach Philly. Ziel klar, Erwartungen hoch, innerlich läuft bereits ein ganz bestimmter Song.
Vor dem Philadelphia Museum of Art wartet dann diese etwas… sagen wir: ungewöhnliche Sehenswürdigkeit. Die berühmten Treppenstufen, offiziell Teil eines renommierten Kunstmuseums, inoffiziell aber längst weltbekannt als „Rocky Steps“. Und ja – sie heißen wirklich so. Kein Spitzname, keine Touristenfantasie. Einfach Rocky Steps.
Hier kann man genau das tun, was Rocky Balboa getan hat: die Stufen hinaufrennen, die Arme in die Höhe reißen, einmal tief durchatmen – und sich für ein paar Sekunden fühlen wie der Held seiner eigenen Montage-Sequenz. Ob sportlich elegant oder leicht außer Atem, spielt dabei keine Rolle. Wichtig ist nur, dass man oben ankommt.
Von dort oben hat man einen großartigen Blick: den Benjamin Franklin Parkway, die City Hall am Ende der Achse – und ein Gefühl, das irgendwo zwischen Stolz, Nostalgie und leichter Selbstironie liegt. Ja, man steht auf den Stufen eines Museums und spielt Filmszene. Und ja, es macht trotzdem unglaublich Spaß.
Direkt auf dem Vorplatz steht sie dann: die berühmte Rocky-Statue, die Sylvester Stallone selbst anfertigen ließ. Natürlich machen wir Fotos. Natürlich aus allen Winkeln. Und während wir noch dabei sind, taucht eine weitere Gruppe auf – vier Rocky-Fans, deutlich besser vorbereitet als wir. Auf ihrem Smartphone läuft „Eye of the Tiger“. Laut. Sehr laut. Fotos mit Soundtrack. Man kann sagen, was man will – das Commitment stimmt.
Und hier beginnt der Teil, der mich wirklich beschäftigt. Denn eigentlich ist das Ganze ja… schräg. Da steht eine Statue. Nicht von einem Präsidenten. Nicht von einem Revolutionär. Sondern von einer Filmfigur. Und nicht irgendwo, sondern in einer Stadt, in der Geschichte an jeder Straßenecke klebt.
Im Independence Visitor Center gibt es einen riesigen Souvenirshop. Dort findet man alles: Reproduktionen der Declaration of Independence, Mini-Statuen der ersten Präsidenten, historische Bücher, Fahnen, Erinnerungsstücke. Und mittendrin – eine nicht gerade kleine Abteilung nur für Rocky. T-Shirts, DVDs, Bücher, Statuen. Alles Rocky.
Und da stellt sich zwangsläufig die Frage:
Gab es Rocky wirklich?
Ist Rocky ein Held dieser Stadt?
Steht er hier auf einer Stufe mit Thomas Jefferson & Co.?
Ich glaube, es gibt Menschen, die das ernsthaft so sehen.
Und ehrlich gesagt: Ich auch. Zumindest ein bisschen.
Denn Rocky steht nicht für Geschichte auf Papier, sondern für Durchhalten, Wiederaufstehen, Weitermachen. Für jemanden, der nicht der Beste ist – aber es trotzdem versucht. Und irgendwo ruft dann innerlich jemand ganz leise: „Adriiiiaaaaaannnnnn!“
Irgendwann heißt es Abschied nehmen. Wir fahren weiter zum Flughafen. Die Reise neigt sich dem Ende zu. Check-in, Sicherheitskontrolle, dieses leicht unwirkliche Gefühl, wenn ein großer Trip langsam wieder Alltag wird.
Im Flugzeug dann das bekannte Ritual: Chicken or Pasta. Ein Film läuft, halb geschaut, halb verschlafen. Die Lichter gehen aus, Gedanken kreisen noch einmal durch New York, Philadelphia, all die Eindrücke. Landung in Frankfurt, Umstieg, weiter nach Stuttgart. Wieder deutscher Boden unter den Füßen. Wieder Zuhause
Aber eines ist klar: Wir kommen wieder.
Schon im Herbst. Dann in den Westen. Und dann mit der anderen Tochter.