Esel-Express, Gipfel-Glück und die große sardische Völlerei
Vergesst alles, was ihr über entspannte Wandertage wisst. Heute stand eine Tour auf dem Programm, die es in sich hatte. Der Start war allerdings… nun ja, italienisch. Wir standen am Campingplatz und warteten auf die vorbestellten Croissants. Der Bäcker hatte wohl seinen eigenen Zeitplan (oder eine längere Espresso-Pause), jedenfalls tauchte er nicht auf. Kurzerhand beschlossen wir: Wer braucht schon Blätterteig, wenn er Esel-Abenteuer haben kann? Und so fuhren wie eben ohne Schoko-Croissants die 15 Minuten zum Treffpunkt.
Dort warteten bereits Antonio und sein Bruder mit den eigentlichen Stars des Tages: Pericle, der dunkle, stolze Gefährte für Noah, und Gastone, der geduldige Begleiter für Emilia. Während die beiden Profis die Esel vorbereiteten, checkten wir unsere GPX-Tracks. Es sollte auf versteckten Pfaden hoch über die Küste gehen.

Der Aufstieg war alles andere als ein Spaziergang im Park. Wir kraxelten auf schmalen, steinigen Wegen durch die dichte Macchia. Oli übernahm die Führung am Strick, während die Kids auf ihren „Geländewagen mit Ohren“ thronten. Emilia, stilecht mit Reiterhelm, sah aus, als würde sie gleich eine Fuchsjagd anführen, während Noah die Aussicht sichtlich genoss.
Oben angekommen, stockte uns der Atem. Ein Picknickplatz mit Blick auf den Golf von Orosei, der so perfekt aussah, dass man fast nach dem Greenscreen suchen wollte. Tief unter uns das türkisblaue Meer, über uns der weite Himmel – ein Panorama wie aus einem Werbefilm für Freiheit. Zur Stärkung gab es kleine sardische Gebäckstücke, die genau die richtige Energie für den Rückweg lieferten.
Der Rückmarsch dauerte weitere zwei Stunden, querfeldein auf Pfaden, die wir ohne die GPX-Daten wohl nie wieder gefunden hätten. Aber wir kamen an! Und was uns dann am Stall erwartete, war kein einfaches Mittagessen – es war ein kulinarischer Überfall.
Antonio und sein Bruder hatten den Tisch mit Leckereien vollgepackt. Hausgemachte Oliven, kräftiger Wein, Käse, Schinken, Salami, Brot, eingelegte Gurken, Auberginen und noch mehr Wein. Der krönende Abschluss? Mirto-Likör. Ein Teufelszeug, aber verdammt lecker! Wir aßen und tranken, bis wir das Gefühl hatten, selbst bald auf Eseln abtransportiert werden zu müssen.
Während Emilia nach der Tour völlig erledigt war und noch während dem essen enschlief, war Noah noch im Arbeitsmodus. Er durfte Antonio helfen, die Esel zu striegeln, zu füttern und sie höchstpersönlich zurück in den Stall zu führen. Ein Ritterschlag für jeden Nachwuchs-Abenteurer!
Zum Abschluss gab es das obligatorische Gruppenfoto. Wir alle – staubig, müde, aber mit einem Grinsen, das man operativ entfernen müsste. Es war das bisher beste Erlebnis des Urlaubs und ich wage mal die Prognose: Das wird verdammt schwer zu toppen sein.