
Von Wüstenwundern zu Casino-Lichtern: Joshua Trees, stachelige Teddybären & Laughlin
Heute steht unser erster Joshua Tree National Park-Besuch auf dem Programm – der Beginn eines Abenteuers, das sich wie der Auftakt eines Natur-Blockbusters anfühlt. Wir verlassen Indio, werfen noch einen Blick auf die bereits wieder steigenden Temperaturen (die uns nichts mehr anhaben können, zumindest in der Theorie), und steuern den South Entrance des Parks an. Die ersten Meilen auf dem Weg dorthin sind ein Vorgeschmack auf das, was uns erwartet: endlose Weiten, faszinierende Felsformationen und das Gefühl, in eine andere Welt einzutauchen.
Am Cottonwood Visitor Center legen wir den ersten Boxenstopp ein. Dort bewaffnen wir uns mit Karten, Broschüren und so vielen Tipps, dass wir uns wie echte Forscher auf einer Schatzsuche fühlen. Ein kurzer Blick auf die Karte zeigt: Dieser Park ist riesig. Und es gibt mehr zu entdecken, als ein einzelner Tag erlauben würde – also Challenge accepted!
Weiter geht’s zur nächsten Station: dem „Parkwächterhäuschen“. Doch Überraschung – dieses ist komplett verwaist. Kein Ranger weit und breit, nur ein Schild, das uns freundlich darauf hinweist, dass wir die Parkgebühren auch später bezahlen können. Klingt fast zu entspannt, um wahr zu sein, aber hey, wer sind wir, den Regeln des Joshua Tree National Parks zu widersprechen?
Mit dieser lockeren Note setzen wir unsere Fahrt fort. Die Straße schlängelt sich durch eine Landschaft, die mit jeder Meile beeindruckender wird. Die ersten Joshua Trees tauchen auf – diese skurrilen Gewächse, die wie aus einem surrealen Gemälde entsprungen sind. Nach etwa 20 Meilen erreichen wir schließlich den Cholla Cactus Garden, und der Name ist Programm.
Die Cholla-Kakteen, auch bekannt als „Jumping Teddy Bears“, sehen aus der Ferne tatsächlich fast kuschelig aus. Aber der Schein trügt – und zwar gewaltig. Ein falscher Schritt, und diese „Teddys“ greifen mit ihren Stacheln zu, schneller, als man „Autsch!“ sagen kann. Wir wagen uns vorsichtig näher heran und bestaunen diese skurrile Kakteenlandschaft, die gleichzeitig faszinierend und ein bisschen bedrohlich wirkt. Jeder Windstoß, jede Bodenerschütterung lässt uns kurz innehalten – diese Kakteen meinen es ernst. Aber solange man sie respektvoll aus der Ferne betrachtet, sind sie ein Highlight, das uns ein erstes „Wow“ des Tages entlockt.
Die Cholla-Kakteen, insbesondere die Sorte Cylindropuntia bigelovii, die im Cholla Cactus Garden des Joshua Tree National Parks zu finden ist, gehören zu den faszinierendsten, aber auch tückischsten Bewohnern der Wüstenlandschaft. Diese Kakteen sind für ihre ungewöhnliche Erscheinung bekannt: Ihre dichten, goldgelben Stacheln lassen sie im Sonnenlicht fast leuchten, was ihnen aus der Ferne ein fast einladendes, kuscheliges Aussehen verleiht – daher der Spitzname „Jumping Teddy Bear Cactus“. Doch der Name ist irreführend: Nichts an diesen Kakteen ist weich oder kuschelig.
Die „Springen“-Legende basiert darauf, wie leicht sich die Stacheln bei der kleinsten Berührung lösen und an Kleidung, Haut oder sogar Tieren haften bleiben. Das liegt an den kleinen Widerhaken an den Spitzen der Stacheln, die wie Miniatur-Angeln wirken. Selbst ein Windstoß oder eine leichte Erschütterung des Bodens kann dazu führen, dass die Stacheln auf scheinbar magische Weise „springen“ und sich in ihre Umgebung verankern.
Diese Abwehrstrategie schützt die Cholla-Kakteen vor Fressfeinden und sorgt gleichzeitig dafür, dass Teile der Pflanze transportiert werden – eine clevere Methode der Fortpflanzung. Denn die abgebrochenen Teile können an einem neuen Ort Wurzeln schlagen und zu eigenständigen Pflanzen heranwachsen. Diese Fähigkeit macht die Cholla-Kakteen zu überlebensfähigen Bewohnern der Wüste, wo Ressourcen knapp und Bedingungen oft extrem sind.
Neben ihrer beeindruckenden Anpassungsfähigkeit bieten sie auch einen Lebensraum für verschiedene Wüstenbewohner. Zwischen ihren stacheligen Armen suchen kleine Vögel Schutz vor Raubtieren, und Insekten nutzen sie als Unterschlupf. Trotz ihrer scheinbar gefährlichen Erscheinung spielen die Cholla-Kakteen also eine wichtige Rolle im Ökosystem der Wüste – ein Paradebeispiel für die faszinierende Balance der Natur, selbst in den unwirtlichsten Gegenden.

Die Straße windet sich weiter bergauf, und mit jedem Meter spüren wir, wie sich die Landschaft verändert. Die Luft wird trockener, die Vegetation spärlicher, und die Farben der Umgebung wechseln in erdige Töne. Willkommen in der Mojave-Wüste, dem höheren und raueren Teil des Joshua Tree National Parks. Hier scheint die Weite endlos, und die Szenerie könnte direkt aus einem Western stammen: massive Felsen, verstreute Büsche und ein Horizont, der sich in die Ferne verliert.
Dann entdecken wir ein Schild: “Geology Road Tour” – eine unbefestigte Schotterpiste, die als Rundkurs durch einen abgelegenen Teil des Parks führt. Das klingt genau nach dem Abenteuer, das wir gesucht haben. Die Strecke ist für Geländefahrzeuge ausgelegt, und unser Jeep freut sich offensichtlich, endlich zeigen zu können, was er draufhat. Also nichts wie rein ins Vergnügen!
Die 12 Meilen lange Strecke hat alles, was das Offroad-Herz begehrt: kleine Schlaglöcher, holprige Abschnitte und Kurven, die uns fast das Gefühl geben, wir wären auf einem Abenteuerfilm-Set. Die Landschaft entlang der Route ist spektakulär – riesige Felsformationen, die aussehen, als hätte ein Riese sie wahllos übereinander gestapelt, und ein Kontrast aus steinigem Untergrund und azurblauem Himmel.
An mehreren Aussichtspunkten halten wir an, steigen aus und lassen die Umgebung auf uns wirken. Die Weite der Mojave-Wüste ist beeindruckend – hier draußen fühlt man sich klein, fast winzig, und gleichzeitig irgendwie frei. Es gibt keine Zäune, keine Menschenmassen, keine Geräusche außer dem gelegentlichen Rascheln des Windes.
Während wir von einem Aussichtspunkt aus auf die schroffen Felsen und die endlose Wüste blicken, stellen wir uns vor, wie es wohl gewesen sein muss, als die ersten Pioniere hier unterwegs waren. Ohne Karte, ohne GPS, nur mit Mut und einer Prise Wahnsinn. Plötzlich fühlt sich unser Roadtrip mit all seinem Komfort wie ein Spaziergang an – aber ein verdammt schöner.
Zurück im Auto meistern wir die letzten Meilen der Geology Road mit einem breiten Grinsen. Dieses Stück Wildnis hat uns gezeigt, wie abenteuerlich und gleichzeitig friedlich die Wüste sein kann. Wer einen Geländewagen hat, sollte diese Route auf keinen Fall verpassen – sie ist der perfekte Mix aus Action und Natur. Abenteuer: abgehakt. Nächster Stopp? Die Straße hat sicher noch ein paar Überraschungen für uns auf Lager.

Am Ende der Geology Road Tour stehen wir vor einer klassischen Weggabelung: Links oder rechts? Der eine Weg führt zum Nordeingang, der andere zum Westeingang. Nach kurzem Kartenstudium und der Überlegung, welcher Name besser klingt (westlich klingt irgendwie nach Abenteuer), entscheiden wir uns für die Route Richtung Westen. Und wir haben Glück – der Weg führt uns weiter hinein in die spektakuläre Mojave-Wüste, jetzt auf stolzen 1.800 Metern Höhe. Wer hätte gedacht, dass Wüste und Höhenmeter so gut zusammenpassen?
Die Landschaft um uns herum wird mit jedem Kilometer dramatischer. Die Vegetation wird spärlicher, aber die Felsen – die stehlen hier eindeutig die Show. Bald tauchen die ersten der berühmten Jumbo Rocks vor uns auf. Und „Jumbo“ ist wirklich kein übertriebenes Versprechen: Diese massiven Steingebilde sehen aus, als hätte ein Riese sie mit einer Riesenhand aufgetürmt, nur zum Spaß. Es sind natürliche Kunstwerke, die man einfach nicht ignorieren kann.
Das Beste daran? Viele dieser Steinriesen sind ganz bequem mit dem Auto erreichbar – Roadtrip-Luxus in seiner besten Form. Wir parken unseren Jeep immer wieder an kleinen Haltebuchten und springen hinaus, um die Felsen aus nächster Nähe zu bestaunen. Die Formen sind beeindruckend: mal rund und glatt, mal kantig und rau, als hätte die Natur alle Register gezogen, um hier eine Wüsten-Galerie zu schaffen.
Die Felsen laden auch förmlich dazu ein, ein bisschen herumzuklettern – natürlich mit Vorsicht, denn hier gibt es keine Geländer oder Sicherheitsvorkehrungen. Aber das ist ja genau der Reiz. Zwischen den Jumbo Rocks herumzustapfen, sich an die warmen Steine zu lehnen und die Umgebung auf sich wirken zu lassen, hat etwas Beruhigendes und gleichzeitig Abenteuerliches.
Wir lassen uns Zeit, machen Fotos, klettern ein paar Meter nach oben und genießen die Aussicht. Von hier oben reicht der Blick weit über die Mojave-Wüste, und es fühlt sich an, als wären wir auf einem anderen Planeten. Die Jumbo Rocks sind nicht nur eine Sehenswürdigkeit – sie sind eine Erfahrung, eine Einladung, das Tempo rauszunehmen und die wilde Schönheit dieser Landschaft zu genießen. Und genau das tun wir.

Unser Weg führt uns weiter ins Queen Valley, und hier sind unendlich viele Joshua Trees – die Namensgeber des Parks in voller Pracht! Diese knorrigen, skurril geformten Bäume sehen mit ihren ausgebreiteten Ästen aus, als würden sie versuchen, den Himmel zu umarmen. Jeder Baum scheint seine eigene Geschichte zu erzählen, und es fühlt sich fast so an, als würden sie uns mit einem „Willkommen in unserer Welt“ begrüßen.
Die Joshua Trees prägen die Landschaft auf eine Weise, die uns kurz vergessen lässt, dass wir noch auf der Erde sind. Umgeben von den bizarren Felsformationen und der weiten Wüste wirkt das Queen Valley wie eine Szenerie aus einem Science-Fiction-Film. Es ist dieser Moment, in dem man einfach nur anhalten möchte, um tief durchzuatmen und die Magie dieses Ortes aufzunehmen.
Nach einigen weiteren Stopps – schließlich muss jeder besonders fotogene Joshua Tree dokumentiert werden – erreichen wir den Westeingang des Parks, der für uns gleichzeitig der Ausgang ist. Und siehe da: Hier steht tatsächlich ein kleines Häuschen, das wie geschaffen ist, um endlich unseren National-Park-Pass zu erwerben. Dieser Pass ist unser goldenes Ticket für ein ganzes Jahr voller Abenteuer – freier Eintritt in alle Nationalparks der USA. Die Vorstellung allein reicht aus, um uns kurzzeitig vor Aufregung zu vergessen, dass draußen immer noch Wüstenhitze herrscht.
Mit dem Pass in der Tasche und einem letzten Blick zurück auf die felsige, von Joshua Trees durchzogene Wüste verabschieden wir uns vom Park. Der Joshua Tree National Park hat uns mehr als beeindruckt – eine Landschaft, die sich einem nicht nur zeigt, sondern einen richtig packt und mitreißt.
Unser nächstes Ziel? Die kleine Stadt Twenty Nine Palms.
BILDERGALERIE: Joshua Tree National Park
Der Joshua Tree National Park ist ein faszinierendes Stück Natur, das sich über eine riesige Fläche von fast 3.200 Quadratkilometern erstreckt und zwei der berühmtesten Wüsten Nordamerikas vereint: die Mojave und die Colorado-Wüste. Dieses besondere Zusammenwirken verschiedener Wüstenökosysteme schafft eine einzigartige Landschaft voller Kontraste. Besonders beeindruckend sind die namensgebenden Joshua Trees – eine Art der Yucca-Palme, die mit ihren krummen Ästen und spitzen Blättern wie eine skurrile Mischung aus Baum und Kaktus wirkt. Die Mormonen benannten diese Bäume nach dem biblischen Joshua, da ihre Äste an ausgebreitete Arme erinnern, die in den Himmel weisen.
Ein Besuch im Joshua Tree National Park ist wie eine Reise in eine andere Welt. Die Mischung aus rauen Felsformationen, scheinbar endlosen Kakteenfeldern und den stacheligen Joshua Trees verleiht der Landschaft eine surreale Atmosphäre. Besonders faszinierend sind die massiven Granitfelsen, die vor Millionen von Jahren entstanden und heute wie zufällig in die Landschaft gestreut wirken. Sie locken nicht nur Kletterer, sondern auch Fotografen und Naturliebhaber an, die hier die stille Schönheit und die außergewöhnliche Formenvielfalt genießen.
Der Park beherbergt außerdem eine erstaunliche Artenvielfalt, die trotz der extremen Bedingungen hier lebt und gedeiht. Neben den berühmten Cholla-Kakteen gibt es hier auch das seltene und vom Aussterben bedrohte California Desert Tortoise, Klapperschlangen, Kojoten und verschiedene Arten von Eidechsen. Der Joshua Tree National Park ist damit ein Paradies für Tierbeobachtungen, vor allem in den frühen Morgenstunden und gegen Abend, wenn die Tiere aktiver sind.
Der Joshua Tree National Park vereint Naturwunder, raues Wüstenklima und stille Schönheit zu einem einzigartigen Erlebnis. Von der wilden Landschaft bis hin zum atemberaubenden Nachthimmel bietet der Park ein unvergleichliches Abenteuer, das die rohe Schönheit der Wüste in all ihren Facetten präsentiert.
Unser Tagesplan war klar: Auf direktem Weg nach Laughlin, Nevada. Der Start verlief so glatt, dass wir fast schon misstrauisch wurden – der Highway 62 führte uns problemlos durch die unendliche, sonnenüberflutete Wüste, und wir genossen die weiten Ausblicke und das Gefühl von Freiheit. Doch wie es bei perfekten Plänen oft der Fall ist, schlug das Schicksal zu: Ein großes, unübersehbares Schild mit der charmanten Aufschrift „Road Closed“ stoppte uns abrupt. Tja, so viel zu „direktem Weg“.
Die einzige Alternative? Eine Umleitung auf den Highway 177, die uns – sagen wir mal – in ungeplante Gebiete führte. Mit einem Schulterzucken und einer Prise Galgenhumor schlugen wir den neuen Weg ein, hoffend, dass es uns nicht allzu weit aus der Bahn wirft.
Nach etwa 25 Meilen erreichten wir die Interstate 10, und für einen Moment schien die Welt wieder in Ordnung. Doch unser Abenteuer wollte sich offenbar nicht so schnell geschlagen geben. Weitere 50 Meilen später lotste uns das Navi erneut von der vertrauten Route ab, diesmal auf den Highway 95. Es war, als hätte die Straße beschlossen, uns eine ganz eigene Sightseeing-Tour durch die kalifornische Wüste zu schenken – auch wenn wir das Ticket dafür nicht freiwillig gelöst hatten.
Nach einer unfreiwilligen Odyssee von etwa 150 Kilometern Umweg, einem leichten Anflug von Orientierungslosigkeit und ein paar Sprüchen à la „Das gehört halt zum Roadtrip dazu“, rollten wir am späten Nachmittag endlich in Laughlin ein. Die heiße, trockene Luft der Wüste traf uns wie eine unsichtbare Wand, aber der glitzernde Colorado River, der ruhig vor uns dahinfloss, machte alles wieder gut. Laughlin, diese kleine Casinostadt direkt am Wasser, wirkte fast wie eine Fata Morgana – nur dass sie tatsächlich real war.
Unser Hotel, das Golden Nugget, war schnell gefunden – wir hatten es schon von zu Hause aus gebucht. Der Anblick des riesigen Gebäudes und die klimatisierte Lobby waren der krönende Abschluss eines etwas holprigen, aber dennoch unvergesslichen Tages. Lachen wir darüber? Sicher. Aber erst, nachdem wir uns ein kühles Getränk geschnappt haben.
BILDERGALERIE: Golden Nugget, Laughlin
Laughlin, diese kleine Stadt im Süden Nevadas, zieht sich wie eine glitzernde Oase entlang des Colorado Rivers, der hier die Grenze zu Arizona markiert. Auf der anderen Seite des Flusses liegt Bullhead City, von wo aus wir über die Brücke direkt nach Laughlin fahren. Es ist ein Anblick, der so ganz anders ist als die schillernde Wüstenmetropole Las Vegas: Bescheidene, aber charmante Casinos säumen das Ufer, und das Golden Nugget sticht uns sofort ins Auge. Einchecken? Kein Problem. Wir sind schnell im kühlen Inneren und überlegen schon, wie wir den Rest des Tages verbringen.
Doch dann fällt uns ein Einkaufszentrum ins Auge, das wir auf dem Weg zum Hotel gesehen haben. Warum nicht ein bisschen verrückt sein, denken wir uns, und beschließen, uns trotz der glühenden Hitze auf den Weg dorthin zu machen – zu Fuß. Bei 47 Grad Außentemperatur. Ja, wir wissen, was Sie denken, und ja, Sie haben recht: Es ist vielleicht nicht die klügste Idee. Aber Abenteuer haben selten mit Vernunft zu tun.
Die Luft flirrt über dem Asphalt, als wir losmarschieren. Jeder Schritt fühlt sich an, als würden wir durch eine unsichtbare Wand aus Hitze stapfen. Der Wind – wenn man ihn überhaupt so nennen kann – trägt keine Erleichterung, sondern ist eher ein heißer Föhn, der uns ins Gesicht bläst. Kurzzeitig überlegen wir, ob das Ganze eine schlechte Idee war, doch der Gedanke an klimatisierte Geschäfte gibt uns den nötigen Schub, weiterzumachen.
Während wir uns vorwärts kämpfen, können wir nicht anders, als die Ironie der Situation zu genießen: Hier sind wir, mitten in der Wüste, unterwegs zu einem Einkaufszentrum, als wären wir auf einer wichtigen Mission. Und wer weiß, vielleicht sind wir das ja auch. Denn letztendlich geht es bei einem Roadtrip doch genau darum: sich auf Dinge einzulassen, die ein bisschen verrückt sind, und darüber zu lachen, wenn man mit einem großen Eisbecher und einer klimatisierten Umgebung belohnt wird.
BILDERGALERIE: Laughlin
Im Einkaufszentrum angekommen, treffen wir auf die ersehnte Erlösung: klimatisierte Luft. Es fühlt sich an, als würde uns ein unsichtbarer Engel mit einer kühlen Brise umarmen. Plötzlich sind die Strapazen des kurzen Marschs fast vergessen, und wir schlendern entspannt durch die Läden. Hier ein bisschen Stöbern, da ein kurzer Blick auf Souvenirs, und natürlich gönnen wir uns das, worauf jeder echte Hitze-Märtyrer Anspruch hat: ein kaltes Getränk, das gefühlt direkt aus einer arktischen Quelle stammen muss.
Nach einer Weile wird uns klar, dass das Einkaufszentrum zwar klein und überschaubar ist, aber seinen Zweck erfüllt hat: Wir sind wieder aufgetankt, sowohl mit Energie als auch mit kleinen Einkäufen. Doch irgendwann müssen wir uns der Realität stellen – nämlich der Rückkehr ins Freie. Der Gedanke an den glühend heißen Marsch zurück zum Golden Nugget ist nicht unbedingt verlockend, aber der Gedanke an klimatisierte Räume und vielleicht einen kühlen Drink macht das Ganze erträglicher.
Zurück im Hotelzimmer lassen wir uns erst einmal aufs Bett fallen, während die Klimaanlage ihre Magie wirken lässt. Doch lange bleibt keine Zeit zum Faulenzen, denn der Hunger meldet sich lautstark. Es ist klar: Der nächste Programmpunkt ist Essen, und nichts anderes als ein ordentliches Steak wird diesen Tag gebührend abschließen können.
Wir stöbern durch die Hotelbroschüren und stellen mit Begeisterung fest, dass es im Golden Nugget ein hauseigenes Steakhouse gibt: das Saltgrass Steakhouse. Perfekt! Warum in der Wüstenhitze nach Alternativen suchen, wenn das beste Steak vielleicht nur einen Fahrstuhl entfernt ist? Zufrieden mit dieser Entdeckung machen wir uns fertig, bereit, den Abend mit einem kulinarischen Highlight ausklingen zu lassen. Laughlin, du machst das ziemlich gut!

Mit knurrendem Magen und dem festen Ziel vor Augen, die nächste Stunde ausschließlich einem perfekt gegrillten Steak zu widmen, betreten wir das Saltgrass Steakhouse. Der Plan ist einfach: Kellner rufen, Steak bestellen, Fleisch genießen. Doch das Saltgrass hat da offenbar andere Vorstellungen – hier wird der Fleischgenuss zum Erlebnis. Oder sagen wir: zu einem kleinen Theaterstück.
Die erste Szene beginnt, als ein Kellner mit einer großen Kuh-Skizze an unseren Tisch tritt. Mit der Begeisterung eines Biolehrers erklärt er uns die verschiedenen Steakcuts – von Ribeye bis T-Bone. Ich nicke höflich, aber mein innerer Monolog schreit: „Ja, ja, wir wissen, wo das Steak herkommt, und nein, wir müssen es nicht auf der Kuhkarte markieren – wir wollen nur essen!“ Doch der Vortrag zieht sich, und mein Magen bringt sein Missfallen deutlich zum Ausdruck.
Kaum ist die Lektion beendet, erscheint der nächste Akteur auf der Bühne: ein zweiter Kellner, der sich vorgenommen hat, jedes Detail der Karte auszubreiten, als wäre sie ein historisches Manuskript. Begriffe wie Strip Steak, Sirloin und Filet Mignon prasseln auf mich ein, doch mein Verstand bleibt irgendwo in der Mitte stecken. Ich nicke immer noch höflich, während ich insgeheim überlege, wie ich den Redefluss elegant stoppen kann, ohne unhöflich zu wirken – der Hunger hat längst die Kontrolle übernommen.
Und dann fällt endlich das magische Wort: Prime Rib. Ein vertrauter Klang! Mit „Rib“ im Namen muss das doch so etwas wie ein Ribeye sein, oder? Ohne zu zögern – und bevor eine weitere Vorlesung beginnt – sage ich entschlossen: „That’s it – that’s our choice!“ Ein zufriedenes Nicken vom Kellner, und ich lehne mich zurück, sicher, die richtige Entscheidung für uns getroffen zu haben.
Doch die Überraschungen gehen weiter. Als das Essen serviert wird, landet kein gegrilltes Meisterwerk vor mir, sondern ein großes, blassgraues Stück Fleisch auf einer Scheibe amerikanischem Brot. Meine Vorstellung von einem saftig-krossen Ribeye wird schlagartig durch einen völlig anderen Anblick ersetzt. Ein fragender Blick zwischen uns beiden, ein zögernder Griff zur Gabel – das soll ein Ribeye sein?
Ein erster Bissen: Das Fleisch ist unglaublich zart, fast wie Butter. Der Geschmack? Unverfälscht, aber auch – na ja – etwas… langweilig? Keine Grillnoten, keine Röstaromen, nur Fleisch pur. „Das muss doch Absicht sein“, denke ich, während ich versuche, herauszufinden, ob das Stück gekocht, gedämpft oder irgendwie sanft überredet wurde, gar zu werden.
Nach dem Essen schauen wir uns an und können uns ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Also, das war… interessant“, sagen wir, und wir meinen es tatsächlich so. Die Prime Rib-Erfahrung ist definitiv eine, die uns im Gedächtnis bleibt – wenn auch anders als erwartet.
Mit einem leicht fragenden Gefühl im Magen und der Erkenntnis, dass wir „Prime Rib“ und „Ribeye“ in Zukunft nicht mehr verwechseln werden, kehren wir ins Zimmer zurück. Aber wie es bei Reisen so ist: Manchmal lernt man eben durch die eigenen Fehler.
Spoiler: Dies war nicht unser letzter „Prime Rib“-Moment auf dieser Reise. Aber dazu später mehr…
Zurück im Zimmer, satt und etwas verwirrt von unserer „Primerib“-Erfahrung, überlegen wir, wie wir den Abend abschließen könnten. Die Hitze des Tages hat sich gelegt, und von unserem Fenster aus sehen wir die bunten Lichter der Casinos am Colorado River. Kurzerhand beschließen wir, nochmal loszuziehen – diesmal über die Brücke nach Bullhead City, um Laughlin aus einer anderen Perspektive zu betrachten.
In Bullhead City angekommen, bietet sich uns ein fantastischer Anblick: Die beleuchteten Casinos spiegeln sich im Wasser des Colorado Rivers und zaubern eine fast magische Szenerie. Die bunten Lichter tanzen auf der Flussoberfläche, und wir zücken sofort die Kamera, um diese nächtlichen Reflexionen festzuhalten. Es ist ein wunderbarer Kontrast zum rauen Nationalpark am Tag und ein unvergesslicher Abschluss für unseren Abend in Laughlin. Mit tollen Fotos und zufriedenen Lächeln machen wir uns schließlich auf den Rückweg ins Hotel – bereit für die Abenteuer, die morgen auf uns warten.
BILDERGALERIE: Laughlin Nights