
Von Retro-Charme zu Naturgigant: Auf der Mother Road bis zum Grand Canyon
Unser Tag beginnt früh – so früh, dass wir fast die einzigen sind, die sich schon auf den Beinen befinden. Laughlin liegt noch verschlafen da, als wir über die Brücke zurück nach Bullhead City fahren. Die Sonne hat gerade ihren ersten Kaffee gehabt und streckt sich gemächlich über den Colorado River, der im sanften, goldenen Morgenlicht funkelt. Ein Moment, der fast romantisch wäre, wenn unser Jeep nicht vor sich hin brummeln würde, als wollte er sagen: „Los jetzt, Leute, Abenteuer ruft!“
Unser Ziel? Ein echter Klassiker: die Historic Route 66. Ein bisschen Geschichte, ein bisschen Nostalgie – und, wenn alles gut läuft, auch ein bisschen Spaß. Nach einer kurzen Fahrt über den Highway 68 erreichen wir Kingman, das sich stolz als „The Heart of Route 66“präsentiert. Und ja, hier lebt der Geist der Mother Road. Überall nostalgische Schilder, alte Tankstellen, die aussehen, als könnten sie jeden Moment in einem Westernfilm auftauchen, und Souvenirläden, die alles von Route-66-Schlüsselanhängern bis zu – ich schwöre – getrockneten Klapperschlangen anbieten.
Doch bevor wir uns dieser legendären Straße widmen, gibt es ein wichtiges Ritual: tanken und frühstücken. Die Tankstelle, an der wir Halt machen, hat genau das, was man an einem Morgen wie diesem braucht: Donuts. Nicht irgendeine Sorte, sondern diese fluffigen, amerikanischen Kalorienbomben, die mehr Zucker enthalten als unser gesamter Roadtrip bisher. Mit einem Donut in der einen und einem Kaffee in der anderen Hand sind wir bereit – jetzt fehlt nur noch der passende Soundtrack, und die Reise kann losgehen.
Die ersten Meilen auf der Route 66 sind wie eine Zeitreise. Die Straße ist schnurgerade, flankiert von endlosen Weiten und kleinen, schrulligen Orten, die aussehen, als hätte die Zeit hier einfach mal eine Pause eingelegt. Es ist eine Mischung aus „Mad Max“ und „Zurück in die Zukunft“, mit einem Hauch von „Was machen wir hier eigentlich?“. Aber genau das ist der Charme. Hier geht es nicht um Geschwindigkeit oder Zielstrebigkeit – hier geht es darum, jeden Meter zu genießen.
Mit dem Wind in den Haaren (oder was davon durch das Autofenster kommt) und einem leichten Zuckerschock von den Donuts rollen wir weiter. Die Route 66 hat etwas Magisches – sie erinnert uns daran, dass Reisen nicht immer nur das Ziel ist, sondern oft die kleinen, verrückten Momente unterwegs. Und wir haben das Gefühl, dass heute noch jede Menge davon auf uns warten.

Unsere erste Station auf der Route 66 führt uns nach Hackberry – ein Städtchen, das so klein und unscheinbar ist, dass man es leicht übersehen könnte, wenn da nicht der Hackberry General Store wäre. Auf den ersten Blick sieht der Laden aus wie eine alte, halb verlassene Tankstelle, die in der Wüste vergessen wurde. Aber schon beim Näherkommen wird klar: Dieses Gebäude hat es in sich. Der General Store ist kein gewöhnliches Geschäft – er ist ein Schrein der Nostalgie, ein Ort, der die glorreiche Vergangenheit der Route 66 feiert, als wäre sie nie vergangen.
Der erste Hinweis darauf? Der Parkplatz, der einem Freilichtmuseum gleicht. Hier stehen alte Autos, rostige Werbeschilder, Benzinpumpen und eine bunte Sammlung von Sammlerstücken, die direkt aus den 1950er- und 1960er-Jahren zu stammen scheinen. Man kann sich kaum sattsehen – jede Ecke erzählt eine Geschichte, jedes Objekt scheint seinen eigenen kleinen Platz in der Historie dieser legendären Straße zu haben.
Und dann, der absolute Hingucker: eine leuchtend rote Chevrolet Corvette von 1956. Dieses Auto ist der Star der Show. Es steht direkt vor dem Eingang, als wollte es jedem Besucher klarmachen: „Hier geht’s um Klasse, um Stil – um die guten alten Zeiten.“ Die Corvette sieht aus, als hätte sie gerade eine Zeitreise gemacht, perfekt aufpoliert und so makellos, dass man sich fast fragt, ob sie jemals über eine echte Straße gefahren ist.
Schon bevor wir überhaupt den Store betreten, sind wir begeistert. Hackberry mag klein sein, aber dieser Ort hat Charakter – und das mit einem Augenzwinkern, das perfekt zur Route 66 passt. Wir machen Fotos, laufen um die Corvette herum und genießen den Charme dieser kleinen Zeitkapsel, bevor wir uns in den Store wagen. Was uns wohl drinnen erwartet? Eines ist sicher: Hackberry hat seinen Platz auf der Route 66 mehr als verdient.

Im Inneren des Hackberry General Stores eröffnet sich ein wahres Paradies für Nostalgie-Fans – oder, wie ich es nenne: der Ort, an dem die Zeit stehen geblieben ist. Die Wände sind vollgepackt mit antiken Werbetafeln, alten Coca-Cola-Flaschen, Radios, Telefonen und allerlei Vintage-Kuriositäten. Es ist, als ob man in den 1950ern durch eine Tür getreten wäre und direkt ins Herz der Route 66 katapultiert wurde. Jeder Winkel des Ladens erzählt Geschichten, und überall gibt es etwas zu entdecken.
Man bleibt stehen, liest ein altes Schild, lacht über einen Werbeslogan, der heute völlig absurd klingt, und fragt sich, wie viele Menschen hier schon vor einem genau das Gleiche gedacht haben. Es ist dieser Mix aus Kuriosität und Authentizität, der den Hackberry General Store zu einem magischen Ort macht. Hier stöbern ist kein Zeitvertreib – es ist eine kleine Reise für sich.
In einer Ecke entdecke ich ein Regal mit alten Schildern, die in großen Lettern „Route 66“ verkünden – der perfekte Ort, um noch schnell ein Souvenir mitzunehmen. Doch wer glaubt, hier geht es nur um den Verkauf, hat die Seele des Ladens nicht verstanden. Es ist eher so, als hätte jemand die Erinnerungen an die goldene Ära des amerikanischen Roadtrips gesammelt und sie liebevoll zur Schau gestellt, damit sie niemals verloren gehen.
Der Hackberry General Store ist mehr als nur ein Zwischenstopp. Er ist eine lebendige Homage an die Route 66, an ihre Bedeutung als Symbol für Freiheit, Abenteuer und den Traum vom „American Roadtrip“. Es ist fast unmöglich, diesen Ort zu verlassen, ohne das Gefühl, ein kleines Stück der Geschichte dieser legendären Straße in sich aufgesogen zu haben.
Doch irgendwann ziehen wir uns – schweren Herzens – von den Wundern des Stores los. Voller Eindrücke, mit einer Kamera voller Bilder und einer Prise Nostalgie setzen wir unsere Reise auf der Mother Road fort. Denn eines ist klar: Auf der Route 66 wartet hinter jeder Kurve das nächste kleine Abenteuer.
BILDERGALERIE: Hackberry
Nach unserem eindrucksvollen Besuch in Hackberry rollen wir weiter auf der Route 66, die sich wie ein nostalgisches Band durch die Wüste zieht. Bald taucht das kleine Städtchen Peach Springs vor uns auf. Der erste Eindruck? Ruhig. Fast schon verschlafen. Doch wir wissen: Hier liegt die Hualapai Lodge – unser Ziel für ein längst überfälliges Frühstück.
Schon beim Betreten der Lodge spüren wir, dass dieser Ort mehr ist als nur eine Raststation. Die Lodge liegt im Herzen der Hualapai Indianer-Reservation, und ihre authentische Atmosphäre ist sofort greifbar. Die Mitarbeitenden, allesamt Angehörige der Hualapai-Nation, begrüßen uns mit einer Freundlichkeit, die den Raum mit Wärme füllt. Es ist nicht einfach nur ein Frühstücksort, sondern ein Ort, der uns einen kleinen Einblick in die Kultur und Geschichte der Hualapai schenkt.
Während wir auf unser Essen warten, werfen wir einen Blick auf die Fotografien und Kunstwerke an den Wänden. Die Bilder erzählen Geschichten: vom Leben der Hualapai, ihren Traditionen, ihren Herausforderungen. Es fühlt sich an, als gäbe uns die Lodge eine kurze Geschichtsstunde – charmant und ohne Tafel und Kreide.
Das Frühstück selbst? Einfach, aber genau das, was wir brauchen. Die Eier sind perfekt, der Kaffee stark, und die Toasts – nun ja, es sind Toasts. Aber nach unserem bisherigen Roadtrip-Morgen ist es ein Festmahl. Gestärkt und zufrieden spüren wir, wie uns die Straße wieder ruft. Es gibt noch so viel zu sehen, und die Route 66 wartet nicht.
Unser nächster Halt ist das legendäre Seligman. Schon bei der Anfahrt merkt man: Dieses Städtchen ist anders. Hier lebt die Route-66-Romantik weiter – nicht als Kopie, sondern als liebevoll gehegtes Erbe. Vintage-Schilder, alte Relikte und kuriose Souvenirlädensäumen die Straße, und alles schreit förmlich nach: „Mach ein Foto, bevor du weiterziehst!“ Es ist ein Paradies für Nostalgiker und ein Ort, der uns daran erinnert, dass das Reisen auf der Route 66 einst ein echtes Abenteuer war – und es irgendwie immer noch ist.
Mit jedem Schritt durch Seligman fühlen wir uns mehr wie Zeitreisende. Es ist nicht nur ein Ort, sondern eine Hommage an die Vergangenheit der Mother Road. Und während wir durch die Straßen schlendern, wissen wir: Das ist genau das, was die Route 66 ausmacht – ein bisschen Geschichte, ein bisschen Kitsch und jede Menge Charakter.

Seligman wirkt auf den ersten Blick wie ein Ort, den jemand aus einem Oldtimer-Magazin herausgeschnitten und mitten in die Wüste gepflanzt hat. Die bunten, hölzernen Häuserfronten, einige stolz restauriert, andere ein bisschen schief und charmant verfallen, erzählen Geschichten aus einer Zeit, als die Route 66 noch das pulsierende Herz des amerikanischen Roadtrips war. Überall sieht man rostige Zapfsäulen, Oldtimer, die von „fahrbereit“ bis „Dekoobjekt“ alles abdecken, und Werbeschilder, die mit ihrem Retro-Charme selbst die modernsten Instagram-Filter in den Schatten stellen.
Hier fühlt es sich an, als hätte die Zeit einfach beschlossen, mal eine Pause einzulegen – und zwar in den 1950er Jahren. Jede Ecke, jedes Schaufenster, jedes Geschäft ist dekoriert mit Schrifttafeln, alten Reklametafeln und allerlei Relikten, die den Geist der „Mother Road“ lebendig halten. Es ist, als würde man durch ein lebendiges Museum schlendern, in dem man alles anfassen, bestaunen und kaufen kann. Für Nostalgie-Fans ist Seligman ein einziger Glücksrausch – das perfekte Chaos der Vergangenheit.
Wir lassen uns von diesem bunten Durcheinander treiben und stöbern durch die kleinen Läden, die sich hier aneinanderreihen. Ein Geschäft hat es uns besonders angetan: Es bietet eine schier unendliche Auswahl an Route-66-Souvenirs. Von T-Shirts über Kaffeetassen bis zu Magneten, die die gesamte Straße repräsentieren – es gibt nichts, was es hier nicht gibt. Natürlich können wir nicht widerstehen und gönnen uns ein paar T-Shirts, die uns noch lange an dieses kleine Juwel der Nostalgie erinnern werden.
Während wir uns langsam von einem Geschäft zum nächsten bewegen, fällt uns auf, dass Seligman nicht nur von seiner Vergangenheit lebt, sondern sie feiert. Hier wird nichts versteckt oder geschönt – es ist ehrlich, chaotisch und irgendwie perfekt. Und genau das macht diesen Ort zu einem der ganz besonderen Highlights auf der Route 66. Mit einem breiten Grinsen, Tüten voller Andenken und dem Gefühl, ein Stück Geschichte hautnah erlebt zu haben, ziehen wir weiter – bereit für das nächste Abenteuer auf der legendären Straße.
BILDERGALERIE: Seligman
Mit unseren frisch erstandenen Route-66-Souvenirs im Gepäck und einem Hauch Nostalgie im Herzen setzen wir unsere Fahrt fort. Bald erreichen wir Williams, ein charmantes kleines Städtchen und das letzte Ziel auf unserer heutigen Route-66-Etappe. Hier endet die nostalgische Reise auf der „Mother Road“ – aber keine Sorge, das Abenteuer ist noch lange nicht vorbei. Denn jetzt wird es richtig spektakulär.
In Williams wechseln wir auf den Highway 64, der uns in eine völlig neue Welt führen wird. Unser nächstes Ziel? Der Grand Canyon. Schon beim bloßen Gedanken daran steigt die Vorfreude ins Unermessliche. Nach all den Weiten der Wüste, den schrulligen Kleinstädten und der charmanten Nostalgie der Route 66 wartet jetzt eines der größten Naturwunder der Welt auf uns. Ein Ziel, das selbst in den kühnsten Roadtrip-Träumen immer einen besonderen Platz hat.
Während wir auf den Highway 64 einbiegen, ändert sich die Landschaft allmählich. Die endlose Weite weicht sanft ansteigenden Hügeln, und die Vegetation wird dichter. Es ist, als würde sich die Natur selbst darauf vorbereiten, uns in die Kulisse eines Weltwunders zu führen. Mit jedem Kilometer spüren wir die Spannung steigen – und ja, vielleicht auch ein bisschen Ehrfurcht. Schließlich ist der Grand Canyonnicht nur irgendein Ausflugsziel, sondern ein Ort, der jeden Besucher sprachlos machen soll.
Die Straße zieht sich durch die stille, weite Landschaft, und während wir fahren, stellen wir uns vor, wie es wohl sein wird, das erste Mal an der Kante dieses gigantischen Canyons zu stehen. Werden wir die richtigen Worte finden? Werden wir überhaupt welche finden? Eines ist sicher: Grand Canyon, wir kommen! Und wir sind mehr als bereit, von dir überwältigt zu werden.

Endlich ist es so weit: Wir erreichen den Grand Canyon, und die Spannung steigt mit jedem Kilometer. Die Straße windet sich durch die Landschaft, und irgendwo da draußen, hinter den Bäumen und Hügeln, wartet das gigantische Naturwunder, von dem wir bisher nur in Bildern und Erzählungen gehört haben. Unser Ziel: der Mather Point, einer der bekanntesten Aussichtspunkte im Nationalpark. Und die Erwartungen könnten kaum höher sein.
Kaum sind wir aus dem Auto gestiegen, spüren wir die besondere Atmosphäre dieses Ortes. Es ist, als würde die Luft selbst von der Größe und Bedeutung des Grand Canyons erzählen. Mit jedem Schritt nähern wir uns dem Rand, und dann – plötzlich – ist er da. Der erste Blicküber die Kante ist einer dieser Momente, der einen für einen Augenblick völlig sprachlos macht. Der Grand Canyon breitet sich vor uns aus, so gigantisch und überwältigend, dass er fast unwirklich erscheint.
Das Panorama ist schlicht atemberaubend: endlose Weiten, die in dramatischen Felsformationen und schwindelerregenden Schluchtenunter uns verschwinden. Die warmen Farben der Nachmittagssonne lassen die rotbraunen, violetten und goldenen Gesteinsschichtenfast lebendig wirken. Es ist ein Farbenspiel, das keine Kamera, kein Foto jemals vollständig einfangen könnte. Man muss es sehen, spüren, erleben.
Die Dimensionen des Canyons sprengen alles, was wir uns vorstellen konnten. Es ist, als würde die Landschaft uns sagen: „Du dachtest, du wüsstest, was groß ist? Denk nochmal.“ Die Schluchten ziehen sich so weit, dass sie in der Ferne einfach mit dem Horizont verschmelzen, und die tiefen Schatten, die die Nachmittagssonne wirft, verleihen dem Ganzen eine Dramatik, die fast filmreif ist.
Wir stehen eine Weile einfach nur da, den Blick gebannt auf diese unvorstellbare Weite gerichtet. Hier, am Mather Point, wird einem klar, warum der Grand Canyon zu den größten Wundern der Natur zählt. Es ist ein Ort, der einen Demut lehrt – vor der Zeit, vor der Natur, vor der Welt selbst. Und genau das macht ihn so magisch.

Nach diesem ersten, schier überwältigenden Blick auf den Grand Canyon machen wir uns auf den Weg ins Grand Canyon Village. Die Vorfreude ist groß, denn ich habe ein kleines Ass im Ärmel: ein Zimmer in der Bright Angel Lodge. Und nicht irgendein Zimmer – eines, das ich in einem wahren Buchungs-Wunder in letzter Minute ergattert habe. Ursprünglich hatten wir uns mit der Yavapai Lodge arrangiert, die ich pflichtbewusst neun Monate im Voraus gebucht hatte – damals die einzige verfügbare Option. Doch nur wenige Tage vor unserer Abreise tauchte wie aus dem Nichts ein freies Zimmer in der Bright Angel Lodge auf, und ich habe natürlich nicht gezögert. Zack, umgebucht!
Die Bright Angel Lodge ist ein echter Klassiker, ein kleines Juwel mit einem Charme, der nur schwer zu toppen ist. Schon von außen wirkt sie wie aus der Zeit gefallen – rustikal, gemütlich und mit dem Flair eines Gebäudes, das Geschichten zu erzählen hat. Sobald wir unser Zimmer betreten, fühlt es sich an, als wären wir in eine kleine Puppenstube gezogen: Holzvertäfelungen, warme Farben und dieser Hauch von Nostalgie, der einen sofort an vergangene Zeiten denken lässt. Es ist gemütlich, ohne kitschig zu sein, und hat genau die richtige Balance zwischen historischem Flair und modernem Komfort.
Das Beste? Die Lodge liegt direkt am Canyon-Rand. Der Gedanke, dass wir nur ein paar Schritte von diesem unglaublichen Naturwunder entfernt übernachten, macht den Aufenthalt noch besonderer. Es ist, als hätten wir den Jackpot gezogen – zumindest, wenn es um Roadtrip-Unterkünfte geht.
Während wir unser Gepäck abstellen und die Atmosphäre des Zimmers aufsaugen, wissen wir: Dieser Tag wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. Der Grand Canyon, die Bright Angel Lodge, und der Gedanke, dass wir all das fast verpasst hätten, lassen uns einmal mehr den Zufall – oder das Reiseglück – feiern. Und jetzt? Erst mal tief durchatmen und dann schauen, was der Abend noch so bringt.
BILDERGALERIE: Bright Angel Lodge
Nachdem wir in der Bright Angel Lodge eingecheckt und uns kurz sortiert haben, schnappen wir uns den Shuttle-Bus, der entlang des Rim Trails die verschiedenen Aussichtspunkte ansteuert. Die Route liest sich wie das Who’s Who der Grand-Canyon-Highlights: Trailview Overlook, Maricopa Point, Powell Point, Hopi Point, Mohave Point, The Abyss, Pima Point und schließlich Hermits Rest. Es klingt fast wie eine Sightseeing-Tour im Canyon-Olymp – und wir sind mittendrin.
Am Abyss, der seinen Namen völlig verdient, steigen wir aus. Hier bietet sich ein erster Eindruck von der unfassbaren Tiefe des Grand Canyons – ein Anblick, der uns sofort innehalten lässt. Doch wir wollen nicht nur gucken, sondern auch wandern. Der Plan? Ein Stück des Rim Trails zurück in Richtung Hopi Point laufen. Die Strecke schlängelt sich entlang des Canyon-Rands, und mit jedem Schritt eröffnet sich ein neuer, atemberaubender Blick. Es ist diese Mischung aus Stille, Weite und der Gewissheit, dass der Canyon uns mit jedem Kilometer ein bisschen mehr in seinen Bann zieht.
Der Hopi Point hat einen besonderen Ruf – er soll einer der besten Orte sein, um den Sonnenuntergang zu erleben. Und als wir dort ankommen, wissen wir sofort, warum. Die Sonne neigt sich langsam dem Horizont, und der Canyon verwandelt sich in ein gigantisches Farbspektakel. Die rotgoldenen Töne der Felsen beginnen zu glühen, während die Schluchten in tiefes Lila und Schattenblau getaucht werden. Es ist, als hätte jemand eine Farbpalette über die Landschaft gekippt – und wir stehen einfach nur da und lassen es auf uns wirken.
Kein Foto, keine Beschreibung könnte diesem Moment gerecht werden. Es ist einer dieser seltenen Augenblicke, in denen man sich wünscht, die Zeit anhalten zu können. Der Sonnenuntergang am Hopi Point ist nicht nur wunderschön – er ist schlicht „der Hammer“. Wir sehen zu, wie das Licht langsam schwindet, und der Canyon in einen ruhigen, magischen Dämmerzustand übergeht.
Mit dem letzten Hauch Sonnenlicht machen wir uns schließlich auf den Rückweg zur Lodge – müde, beeindruckt und mit der Gewissheit, dass dieser Tag noch lange in unseren Erinnerungen nachhallen wird. Der Grand Canyon? Er hat uns endgültig in seinen Bann gezogen.

Auch nachdem die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist, können wir uns nicht von diesem magischen Ort lösen. Am Hopi Point bleiben wir noch lange stehen, beobachten, wie die letzten Lichtstreifen den Himmel in zarte Orangetöne tauchen, und lassen die unglaublichen Eindrücke auf uns wirken. Der Canyon hüllt sich langsam in Schatten, und die Stille wird nur von einer leichten Brise unterbrochen. Es fühlt sich an, als würde die Landschaft selbst zur Ruhe kommen, nachdem sie uns mit ihrem spektakulären Finale verzaubert hat.
Schließlich machen wir uns gemächlich auf den Rückweg, begleitet von der leisen Dämmerung, die den Canyon in einen mystischen Schleier legt. Wir wandern entlang des Trails bis zum Maricopa Point, wo wir uns erneut Zeit nehmen, um die nächtliche Ruhe und die schier endlose Weite des Canyons zu genießen. Die Nacht beginnt ihren Einzug, und der Himmel über uns ist klar und voller Sterne – ein weiterer Anblick, der fast unwirklich schön ist.
Am Maricopa Point steigen wir in den Shuttle-Bus, der uns für die letzte Strecke zurück zur Bright Angel Lodge bringt. Während der Fahrt lassen wir die Eindrücke des Tages noch einmal Revue passieren. Es ist schwer, die richtigen Worte für das zu finden, was wir gesehen und gefühlt haben. Der Grand Canyon ist nicht einfach nur eine Landschaft – er ist ein Erlebnis, das tief berührt und das man mit jeder Minute mehr zu schätzen lernt.
Zurück in der Lodge spüren wir, wie müde wir von diesem langen Tag sind, aber es ist eine glückliche Müdigkeit. Die Bilder des Canyons, die Farben des Sonnenuntergangs und die friedliche Stille des Abends werden uns noch lange begleiten. Ein Erlebnis, das sich zwar schwer beschreiben lässt, aber genau deshalb so unvergesslich ist.
BILDERGALERIE: Grand Canyon
Nach einem unvergesslichen Sonnenuntergang und der Rückkehr zur Bright Angel Lodge meldet sich trotz aller Erschöpfung unser Hunger – und zwar lautstark. Glücklicherweise müssen wir nicht weit suchen, denn die Lodge hat ein Restaurant, das uns genau das bietet, was wir jetzt brauchen: ein einfaches, aber solides Abendessen. Wir ergattern noch einen Tisch und bestellen ohne langes Zögern. Die Speisekarte ist keine kulinarische Weltreise, aber genau das macht ihren Charme aus. Das Essen ist bodenständig und – seien wir ehrlich – schmeckt in der frischen Canyon-Luft irgendwie doppelt so gut. Vielleicht ist es auch einfach die Kombination aus Erlebnissen und Hunger, die uns das Gefühl gibt, gerade ein Festmahl zu genießen.
Während wir die letzte Mahlzeit des Tages genießen, steigt schon die Vorfreude auf den nächsten Morgen in uns auf. Ein Sonnenaufgang am Grand Canyon – das verspricht ein weiteres Highlight zu werden. Wir wissen, dass es ein früher Start wird, aber der Gedanke an die ersten goldenen Lichtstrahlen, die den Canyon in einen neuen Tag tauchen, macht den bevorstehenden Wecker um 5 Uhr irgendwie erträglicher.
Mit dem letzten Bissen beenden wir unser Dinner und machen uns auf den Weg zurück ins Zimmer. Dort sinken wir in die Betten, müde, aber zufrieden – und vielleicht auch ein bisschen stolz auf uns, dass wir diesen Tag so intensiv ausgekostet haben. Die Aussicht auf eine kurze Nacht stört uns kaum, denn die Magie des Grand Canyons scheint uns regelrecht wachzuhalten. Während wir die Augen schließen, wissen wir: Morgen wartet ein weiteres Spektakel, das uns wieder sprachlos machen wird.