Grenzenlose Gastfreundschaft und kitschige Farbenpracht: Niagara Falls

Nach einem kräftigen Frühstück in Chicago – Bagels, Cheesecream und Kaffee in rauen Mengen, um uns für den Tag zu wappnen – starteten wir voller Vorfreude in unser nächstes Abenteuer: die spektakulären Niagara Falls in Kanada! Die Route versprach eine lange, spannende Fahrt, die uns nicht nur durch drei Bundesstaaten, sondern auch über eine Landesgrenze führen würde. Roadtrip-Feeling pur!

Die Fahrt auf der Interstate 90 war entspannt – der endlose Asphalt und die vorbeiziehende Landschaft hatten etwas Beruhigendes. Als wir uns jedoch Detroit näherten, änderte sich die Szenerie. Die Stadt, einst das Herz der amerikanischen Autoindustrie, strahlte trotz ihrer rauen Kanten einen eigenartigen Charme aus. Zeit für einen längeren Stopp hatten wir nicht, aber ein paar schnelle Fotos vor dem imposanten General Motors Hauptquartier mussten einfach sein. Ein kurzer Moment der Großstadt-Vibes, bevor uns das nächste Highlight rief.

General Motors

Kurz darauf entdeckten wir – kaum zu glauben – einen ALDI! Ein kleines Stückchen Heimat mitten in der Ferne. Doch der wahre Höhepunkt kam kurz danach: Ein Fuddruckers, die Pilgerstätte für alle Fans von “World’s Greatest Hamburgers”. Der verführerische Duft war zu viel für uns. Keine Frage, wir hielten an und verschlangen zwei dieser saftigen Meisterwerke. Noch während wir die letzten Krümel vom Tisch sammelten, waren wir uns einig: Es war den Zwischenstopp mehr als wert.

Fuddruckers

Frisch gestärkt – und ehrlich gesagt immer noch leicht im Food-Koma nach den gigantischen „World’s Greatest Hamburgers“ – rollten wir weiter in Richtung Windsor-Tunnel, der uns ins verheißungsvolle Kanada führen sollte. Die Grenzkontrolle, ein Moment, der immer eine gewisse Spannung birgt (selbst wenn man nichts zu verbergen hat), verlief erstaunlich glatt. Vielleicht lag es an unseren sorgfältig gepackten Koffern, die so ordentlich waren, dass sie glatt als Schaufensterdekoration durchgegangen wären. Oder es war unser strahlendes Lächeln, das wir wie einen Joker ausspielten. So oder so: Ein Winken, ein Stempel – und voilà, wir waren drüben!

Kaum hatten wir den Tunnel hinter uns gelassen, fanden wir uns auf dem berühmten Highway 401 wieder. Der Name klang nach Abenteuer, nach einem Roadtrip, wie er im Buche steht. Links und rechts zogen Städte mit charmanten Namen wie London und Woodstock vorbei, die uns zum Schmunzeln brachten – als hätte Kanada heimlich England auf eine kleine Rundreise geschickt.

Doch so sehr uns die Namen amüsierten, die schier endlose Gerade des Highways stellte unsere Geduld auf die Probe. Jeder Kilometer schien sich zu dehnen wie Kaugummi, und die Landschaft war, sagen wir mal, eher subtil in ihrer Schönheit. Ein Feld hier, ein Baum da, und ab und zu ein Schild mit der charmanten Aufforderung, doch bitte die Höchstgeschwindigkeit einzuhalten – inklusive Preisliste für den Fall, dass man es nicht tut. Sehr praktisch, fanden wir, und fast so, als würde Kanada sagen: „Eile mit Weile, meine Freunde.“ Doch die Vorfreude auf die Niagara Falls hielt uns wach und bei Laune. Und hey, die Straße war gerade – was konnte da schon schiefgehen?

Am späten Abend erreichten wir endlich Ollie’s Bed & Breakfast in Welland. Dieses charmante Gästehaus hatte schon vorab mit seiner kleinen, mystischen Email unser Interesse geweckt. Als wir Olga, die Besitzerin, kontaktierten, schrieb sie: „Sollten Sie nach 23 Uhr eintreffen, wird die Tür offen sein, und Sie können dem Licht folgen…“ Klingt nach einem Thriller oder einem Märchen, je nach Fantasie, und beides machte uns gleichermaßen neugierig.

Doch unsere Fahrkünste und das Glück der freien Straße ließen uns bereits um 21 Uhr eintreffen. Olga und ihr Mann Ed empfingen uns so herzlich, als würden alte Freunde nach Jahren wieder aufeinandertreffen – Tee inklusive. Bei der kleinen Plauderrunde erzählte Olga uns, wie aus den Kinderzimmern ihrer längst ausgezogenen Sprösslinge Gästezimmer wurden. „So bleibt das Haus lebendig“, erklärte sie mit einem spitzbübischen Lächeln. Und wir? Wir fühlten uns auf der Stelle wie Zuhause – oder zumindest wie in der besten Version davon.

Da uns der kleine Hunger noch quälte – die Fahrt und das viele Lachen machen schließlich Appetit – hatten wir Glück: Ed, ein wandelndes Lexikon der regionalen Küche, schickte uns ins Shoeless Joe’s, wo es angeblich das beste Steak der Gegend geben sollte. Wir folgten dem Tipp natürlich blind und wurden nicht enttäuscht. Das Steak war butterzart, der Service freundlich, und der Abend einfach perfekt.

Doch damit nicht genug: Unsere Abenteuerlust führte uns noch zu den berühmten Niagara Falls, die in der Nacht ein wahrhaft schillerndes Spektakel boten. Bunt war gar kein Ausdruck – die Wasserfälle sahen aus, als hätte jemand Regenbogen-Zuckerwatte in die Tiefe gekippt. Das war Kitsch, wie er im Buche steht, aber auf eine Art, die man nicht wegschauen lässt. Wir standen einfach da, das Donnern des Wassers in den Ohren, während Violett, Türkis und Rosa um die Wette tanzten.

Als wir zurückkamen, war es, wie Olga es beschrieben hatte: Die Haustür stand offen, und alles war dunkel – bis auf das warme, einladende Licht in unserem Zimmer. Olga und Ed waren längst ins Land der Träume abgetaucht, und wir schlichen uns leise ins Haus. Eine Reise voller Eindrücke und kleiner Wunder hatte uns für heute in ihre behüteten Arme geschlossen.

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