
Blues, Enten und Rock ’n‘ Roll: Von Nashville nach Memphis
Nach einem herzhaften Frühstück in unserem charmanten Hotel in Winchester brachen wir auf, um uns in Richtung Nashville zu begeben. Schon auf der Fahrt sprudelte meine Vorfreude fast über, denn Nashville, diese pulsierende Metropole der Musik, hatte mich bei meinem ersten Besuch schon vollkommen in ihren Bann gezogen. Doch dieses Mal hatte ich ein ganz besonderes Ziel im Kopf: authentische Westernstiefel. Schließlich, wer kann schon einem Hauch von Country-Flair widerstehen? Und wenn wir ehrlich sind, verliert sich jede Frau gerne mal in der Schuhabteilung – warum also nicht stilecht im Wilden Westen?

Bereits vorab hatten wir im Internet einige vielversprechende Adressen recherchiert, und so landeten wir in einem riesigen Geschäft mit unzähligen Regalen voller Western Boots. Es war, als hätte jemand meinen persönlichen Himmel auf Erden erschaffen. Das Angebot war so überwältigend, dass ich zunächst nicht wusste, wo ich anfangen sollte. Ob mit Stickereien, glänzendem Leder oder schlichten Designs – die Auswahl war nahezu grenzenlos. Nach sorgfältiger Anprobe und einem kritisch-witzigen Blick von Stefan – „Ich dachte, wir wollen nur ein Paar kaufen?“ – fand ich schließlich die perfekten Stiefel. Mission erfüllt, und wir konnten Nashville mit einem breiten Grinsen im Gesicht verlassen.
Anstatt direkt nach Memphis zu fahren, entschieden wir uns für einen kleinen Umweg, um den berühmten Natchez Trace Parkway zu erkunden – eine Entscheidung, die wir keine Sekunde bereuten.

Unser erster Stopp führte uns ins malerische Städtchen Franklin, das mit seinem historischen Flair und den zauberhaften Antebellum-Häusern wie aus der Zeit gefallen schien. Die Straßen waren gesäumt von Antiquitätengeschäften, die förmlich danach riefen, erkundet zu werden. Im Besucherzentrum von Franklin, das eher wie ein süßes Gartenhäuschen wirkte, wurden wir von einer freundlichen älteren Dame begrüßt, die uns mit faszinierenden Geschichten über die Geschichte der Stadt fesselte. Sie gab uns außerdem den Tipp, den New Highway 96 entlangzufahren, der uns direkt zur imposanten Double-Arch-Bridge führte. Gesagt, getan – und die Aussicht war schlicht atemberaubend.

Der Natchez Trace Parkway selbst ist eine historische Straße, die sich über 715 Kilometer durch Tennessee, Alabama und Mississippi schlängelt. Ursprünglich eine Handelsroute amerikanischer Ureinwohner, verzaubert die Strecke heute mit ihrer Mischung aus dichten Wäldern, weiten Feldern, sanften Hügeln und glitzernden Flüssen. Besonders bemerkenswert: Entlang des gesamten Parkway gibt es keine kommerziellen Einrichtungen wie Tankstellen oder Restaurants – ein echtes Abenteuer!

Ein weiteres Highlight unserer Fahrt war das kleine Dörfchen Leipers’ Fork, ein Ort, der so malerisch war, dass man ihn direkt in ein Märchenbuch hätte aufnehmen können. Die Hauptstraße, die sich durch den historischen Kern schlängelte, war gesäumt von gemütlichen kleinen Läden, deren Auslagen zum Stöbern einluden, und urigen Restaurants, die mit verlockenden Düften nach frisch gebackenem Brot und herzhaften Speisen lockten. Hier schien die Zeit tatsächlich stillzustehen. Viele der Gebäude wirkten, als hätten sie die Jahrzehnte nahezu unverändert überdauert, mit hölzernen Veranden, auf denen Schaukelstühle ein sanftes Knarren von sich gaben.
Wir spazierten gemächlich durch die ruhigen Straßen, vorbei an kleinen Kunstgalerien, die die Werke lokaler Künstler präsentierten, und entdeckten einen winzigen Antiquitätenladen, der uns mit seinen kuriosen Schätzen aus längst vergangenen Zeiten geradezu magisch anzog. Die Atmosphäre war so friedlich, dass man das Gefühl hatte, die Welt außerhalb dieses kleinen Paradieses könnte nicht weiter entfernt sein. Selbst die Menschen hier schienen die Hektik des Alltags hinter sich gelassen zu haben – sie nickten uns freundlich zu und begrüßten uns mit einem herzlichen Lächeln, während sie sich Zeit für einen Plausch auf der Straße nahmen.
Es war ein Ort, der zum Verweilen einlud, und für einen Moment überlegten wir tatsächlich, ob wir nicht einfach noch ein bisschen länger bleiben sollten. Doch irgendwann rief Memphis – und so stiegen wir wieder in unser Auto, mit einem letzten Blick auf die Idylle von Leipers’ Fork.
BILDERGALERIE: Leipers Fork
Gegen 17 Uhr erreichten wir Memphis – gerade rechtzeitig, um einem der wohl ungewöhnlichsten, aber charmantesten Spektakel der Stadt beizuwohnen: der Parade der berühmten Peabody Ducks im Peabody Hotel. Schon beim Betreten der Lobby war klar, dass wir uns in einem besonderen Ort befanden. Die prachtvolle Architektur des Hotels, das bereits 1925 seine Türen öffnete, ließ die Eleganz vergangener Zeiten lebendig werden. Mit seinen hohen Decken, den kunstvollen Verzierungen und dem glitzernden Kronleuchter wirkte die Lobby wie eine Bühne, die nur darauf wartete, ihre Hauptdarsteller willkommen zu heißen – die Enten.
Seit 1933 gehört die tägliche Parade dieser tierischen Stars fest zur Geschichte des Peabody. Jeden Morgen um 11 Uhr watscheln sie unter großem Applaus durch die Lobby, um in den zentralen Brunnen einzutauchen, und am späten Nachmittag, um 17 Uhr, treten sie den Rückweg zu ihrem luxuriösen Gehege auf dem Dach an. Diese Tradition begann einst als Scherz des damaligen Hotelmanagers und entwickelte sich zu einer der bekanntesten Attraktionen von Memphis.
Pünktlich erklang die Musik von John Philip Sousas „King Cotton March“, und der Duck Master, gekleidet in seiner offiziellen Uniform mit rotem Frack und Stock, trat mit ernster Würde hervor. Mit einer Mischung aus Humor und Zeremonie führte er die Enten über den ausgerollten roten Teppich, während die Gäste begeistert applaudierten. Es war faszinierend zu sehen, wie diszipliniert die kleinen Parade-Profis ihrem Weg folgten, als hätten sie das Laufen auf rotem Samt eigens einstudiert.

Die Zuschauer, darunter Familien mit Kindern, neugierige Reisende und einige sichtlich amüsierte Geschäftsreisende, schauten gebannt zu. Es war eine Szene, die gleichzeitig surreal und charmant wirkte, aber genau deshalb so einprägsam war. Die Enten zogen sich schließlich zurück, und wir blieben noch einen Moment stehen, um die Atmosphäre auf uns wirken zu lassen. Dieses kuriose Ritual war nicht nur ein Höhepunkt des Tages, sondern auch ein Beweis dafür, wie sich aus einer einfachen Idee eine jahrzehntelange Tradition entwickeln kann – eine, die jedem Besucher ein Lächeln aufs Gesicht zaubert.
BILDERGALERIE: The Peabody Palace
Nach dem unterhaltsamen Spektakel mit den Peabody Ducks beschlossen wir, die Stadt weiter zu erkunden und uns ein echtes Stück Memphis-Atmosphäre zu gönnen. Wir stiegen in einen der historischen Streetcars, die mit ihrem nostalgischen Charme durch die Stadt rumpeln und einen Einblick in die Vergangenheit dieser faszinierenden Metropole geben. Die Waggons, in warmen Holz- und Metallictönen gehalten, schienen Geschichten aus längst vergangenen Zeiten zu erzählen. Während wir durch die Straßen fuhren, zog das bunte Stadtleben an uns vorbei, und wir entdeckten einige der Wahrzeichen von Memphis – darunter die imposante Memphis Pyramid.
Die Pyramide, die majestätisch am Ufer des Mississippi River thront, ist eine große Sport- und Unterhaltungsarena, in der sich das Leben von Memphis abspielt. Als Zuhause des NBA-Teams Memphis Grizzlies und als Veranstaltungsort für große Konzerte und Shows, ist sie ein Symbol für die moderne Seite der Stadt. Von unserem Platz im Streetcar aus bot sie einen beeindruckenden Anblick, besonders im warmen Licht der untergehenden Sonne, das die metallische Oberfläche golden erstrahlen ließ.
BILDERGALERIE: Downtown Memphis
Nach der gemütlichen Rundfahrt tauchten wir direkt ins Herz von Memphis ein: die legendäre Beale Street. Dieses Viertel, das in den späten 1800er-Jahren als Zentrum der schwarzen Gemeinschaft blühte, ist heute ein lebendiges Denkmal für die Geschichte des Blues und der Südstaatenkultur. Schon beim Betreten der drei berühmten Blocks war klar, warum die Beale Street einen solchen Ruf genießt. Aus jeder Ecke erklangen die unverwechselbaren Klänge des Blues – mal melancholisch, mal mitreißend, immer authentisch. Es war, als würde die Musik die Straßen mit Leben füllen, und die vibrierende Energie der Beale Street zog uns sofort in ihren Bann.
Wir schlenderten vorbei an legendären Orten wie B.B. King’s Blues Club, Rum Boogie Café und Elvis Presley’s Memphis, wo die Fenster bunt erleuchtet waren und die Gäste fröhlich lachten, sangen und die typische Küche der Region genossen. Es war unmöglich, nicht von der Atmosphäre angesteckt zu werden. Die Straßenszene wirkte wie eine Mischung aus Konzert, Straßenfest und Geschichtsstunde – eine Hommage an die Musiklegenden, die hier ihre Spuren hinterlassen haben.

Natürlich lockten auch die Gerüche aus den Restaurants: das verführerische Aroma von gegrillten Rippchen, würzigem Cajun-Gumbo und frisch frittierten Beignets machte die Entscheidung schwer, ob wir uns noch einen kleinen Snack gönnen sollten. Doch angesichts der vielen Eindrücke entschieden wir uns, einfach weiter durch die Straßen zu schlendern und die Szenerie in vollen Zügen aufzusaugen.
Als der Tag sich dem Ende neigte, machten wir noch einen letzten Halt am Mississippi River, um den Sonnenuntergang zu erleben. Die untergehende Sonne tauchte den breiten, majestätischen Fluss in ein warmes Gold und Rot, während das Wasser sanft gegen die Ufer plätscherte. Wir standen am Ufer und genossen diesen friedlichen Moment, der im Kontrast zu der pulsierenden Energie der Beale Street stand. Der Fluss schien zeitlos, ein stiller Zeuge der Geschichte von Memphis, und in diesem Augenblick fühlten wir uns wie ein Teil davon.
BILDERGALERIE: Memphis Bale Street
Nach einem erlebnisreichen Tag, voller Musik, Geschichte und unvergesslicher Eindrücke, führte unser Weg schließlich zu unserem Hotel, das etwa 15 Minuten außerhalb von Downtown Memphis lag – direkt gegenüber von Graceland, dem legendären Anwesen von Elvis Presley. Schon bei der Ankunft deutete alles darauf hin, dass wir uns in einem wahren Elvis-Paradies befanden.
Bereits in der Lobby empfing uns eine lebensgroße Elvis-Statue, die mit ihrer charakteristischen Pose und einem schillernden Outfit sofort alle Blicke auf sich zog. Die Wände waren über und über bedeckt mit goldenen Schallplatten, Plakaten von Elvis’ größten Hits und ikonischen Fotografien, die sein Leben und seine Karriere in Szene setzten. An jeder Ecke gab es etwas zu entdecken: von alten Plattencovern in verglasten Rahmen bis hin zu Elvis-Büsten, die jedem Fan das Herz höherschlagen ließen.
Doch damit nicht genug – im Hintergrund liefen ununterbrochen Elvis-Filme und -Songs, die den gesamten Empfangsbereich in eine ganz besondere Stimmung tauchten. Seine unverkennbare Stimme erfüllte jeden Winkel des Hotels und machte deutlich: Hier regierte der King of Rock ’n’ Roll. Selbst der Pool hatte sich dem Thema verschrieben – seine auffällige Gitarrenform war nicht zu übersehen und sorgte dafür, dass das Hotel seiner kitschigen, aber charmanten Atmosphäre treu blieb.

Unser Zimmer, das mit großzügigem Platz und makelloser Sauberkeit überzeugte, fügte sich perfekt in die Elvis-Welt ein. Die Einrichtung war geschmackvoll, aber überall fand sich ein Hauch von Nostalgie. Gerahmte Schwarz-Weiß-Bilder von Elvis, kleine dekorative Elemente und sogar die Bettwäsche schienen irgendwie von seiner Präsenz inspiriert. Es war, als hätte man sich mitten in ein Elvis-Museum begeben, das jedoch gleichzeitig ein einladender Ort zum Entspannen war.
Während wir unser Gepäck auspackten, summte ich unwillkürlich eine von Elvis’ Melodien mit – und ich war mir sicher, dass Stefan das gleiche tat, auch wenn er es nicht zugeben wollte. Es war ein einzigartiger Abschluss für einen Tag in Memphis, und schon jetzt war klar: Der nächste Tag, der uns direkt zu Graceland führen würde, würde diese magische Verbindung zum King of Rock ’n’ Roll noch verstärken. Unvergesslich? Keine Frage. Dieses Hotel war ein Erlebnis für sich!
So fielen wir, begleitet von Elvis’ Stimme, müde, aber glücklich ins Bett – bereit, am nächsten Tag Graceland zu erkunden und noch tiefer in die Welt des Rock ’n’ Roll einzutauchen.
BILDERGALERIE: Days Inn at Memphis