SoHo, Little Italy und Chinatown
Himmelshohe Aussichten und Irrfahrten in der Subway
Ein neuer Tag in New York City, und schon am Morgen liegt dieses ganz spezielle Versprechen in der Luft: Heute wird gut. Zwar hängen noch ein paar Wolken am Himmel, aber die Sonne arbeitet sichtbar daran, sich durchzusetzen. Kein hektisches Wegdrücken von Grau, eher ein langsames, selbstbewusstes Zurückerobern des Himmels. Wir spüren sofort: Das wird ein klassischer New-York-Tag – lang, intensiv und am Ende garantiert zu kurz.
Für 12 Uhr haben wir eine weitere Tour eingeplant, natürlich wieder über unseren bewährten New York Pass. Auf dem Programm stehen SoHo, Little Italy und Chinatown – drei Viertel, die unterschiedlicher kaum sein könnten und genau deshalb perfekt zusammenpassen. Bis dahin bleibt uns Zeit. Und Zeit in New York sollte man nutzen, nicht verplanen.
Wir starten mit einem entspannten Spaziergang durch den Battery Park, direkt am Hudson River entlang. Der Blick aufs Wasser wirkt beruhigend, fast unwirklich ruhig für diese Stadt. Der Weg führt uns weiter zum World Financial Center, genauer gesagt zum Winter Garden am North Cove Harbor. Und dort stehen wir dann plötzlich in einer 36 Meter hohen Glaskathedrale, die eher an einen futuristischen Palmengarten erinnert als an ein Bürogebäude.
Sechzehn mächtige Fächerpalmen wachsen aus dem spiegelnden Steinboden, umgeben von Granit und Glas, Licht von allen Seiten. Menschen sitzen an Tischen, lesen, essen, ruhen sich aus – ganz ohne Konsumzwang. Kostenloses WLAN inklusive. Ein Ort, der wirkt, als hätte jemand beschlossen, Manhattan für einen Moment freundlich zu machen. Wir setzen uns, lassen den Blick schweifen, laden Akkus – unsere und die der Kameras.
Dann wird es Zeit. Unser Weg zum Treffpunkt führt uns durch einen nagelneuen, schneeweiß mit Marmor ausgekleideten Gang zu den PATH-Trains. Von dort aus geht es vorbei am Ground Zero, ein Ort, der trotz aller Neubauten immer noch innehält. Schließlich erreichen wir die Spring Street, wo unser Tourguide bereits wartet.
„Bobby“ heißt er. Charmant, gut gelaunt, aufmerksam. Er checkt uns und die restlichen Teilnehmer ein – eine bunt gemischte Gruppe – und dann geht es los. SoHo empfängt uns mit seinen typischen Cast-Iron-Gebäuden, breiten Straßen und diesem Mix aus Geschichte, Mode und kreativer Selbstinszenierung. Bobby erzählt, gestikuliert, erklärt, und man merkt sofort: Der Mann liebt seinen Job.
Schon früh kommen wir an einer unscheinbaren Bäckerei vorbei, die für einen der absurdesten Food-Hypes dieser Stadt verantwortlich ist: den Cronut. Eine Kreuzung aus Donut und Croissant, rund mit Loch, aber aus buttrigem Croissant-Teig, gefüllt mit Creme und überzogen mit Glasur. Bobby erzählt uns von Zuständen, die an iPhone-Verkaufsstarts erinnern. Menschen stehen ab 5 Uhr morgens Schlange. Um 8 Uhr öffnet der Laden – und die Schlange reicht mehrere Blocks weit.
Es gibt Regeln. Kein Vordrängeln. Keine Platzreservierung für Freunde. Pro Person maximal zwei Cronuts. Die Tagesproduktion liegt bei etwa 350 Stück – danach ist Schluss. Der Hype geht so weit, dass Leute anbieten, sich gegen Geld anzustellen und die Beute auszuliefern. Preise: 25 bis 50 Dollar pro Cronut, Originalpreis: fünf Dollar. Obelix hätte dazu nur einen Kommentar.
Natürlich sind sie ausverkauft. Natürlich habe ich kein Foto. Natürlich passt das perfekt.
Wir ziehen weiter durch den Cast Iron District, sehen das Haus, in dem Heath Ledger lebte und starb (421 Broome Street), kommen an einer alten Polizeistation vorbei, hören Geschichten, die man in keinem Reiseführer findet. SoHo zeigt sich von seiner rauen, ehrlichen Seite.
Dann tauchen wir ein in Little Italy, genauer gesagt in die Mulberry Street – das historische Herz des Viertels. Bobby erzählt von Einwanderern, Familiengeschichten, Konkurrenz zwischen Restaurants. Er zeigt uns „seine“ liebste Pizzeria, die älteste im Viertel und – seiner Meinung nach – die beste. Hier wollen wir später essen. Die Vorfreude wächst. Es riecht nach Pizza, nach Espresso, nach Italien auf amerikanisch.
Wir schlendern weiter, besuchen kleine, alteingesessene Läden: Bäckereien, Feinkostgeschäfte, Pastahändler. Orte, die Geschichten erzählen, ohne ein Wort zu sagen. Danach wechseln wir die Welt – fast abrupt – und landen in Chinatown Manhattan. Enge Gassen, bunte Schilder, fremde Gerüche, exotische Waren. Abseits der Hauptstraßen wirkt alles authentischer, roher, echter. Chinatown ist kein Viertel, es ist ein eigener Kosmos.
Inzwischen präsentierte sich uns der strahlend blaue Himmel, der perfekte Hintergrund für unsere erste Aussichtsplattform, das Top of the Rock. Der Rockefeller Center Gebäudekomplex, der sich über drei Blocks erstreckt und insgesamt 21 beeindruckende Hochhäuser umfasst, ist ein faszinierendes Wahrzeichen der Stadt. Das GE Building, mit seinen 259 Metern Höhe und 70 Stockwerken, ragt als das höchste Gebäude des Rockefeller Centers empor. Genau dort wollten wir hin, um die Stadt aus der Vogelperspektive zu bewundern.
Bei der Wahl zwischen dem Top of the Rock und dem Empire State Building konnte ich mich einfach nicht festlegen. Immer wieder hatte ich gelesen, dass der Ausblick vom Rockefeller Center mindestens genauso atemberaubend ist wie der vom Empire State. Und so entschieden wir uns für das Beste aus beiden Welten. Vom Top of the Rock aus genießt man einen atemberaubenden Blick auf das majestätische Empire State Building sowie den grünen Central Park. Doch das Empire State Building selbst ragt noch höher in die Höhe, und der direkte Blick von oben auf die anderen, scheinbar winzigen Wolkenkratzer und die mit Yellow Cabs gesäumten Straßen von Midtown fand ich ebenfalls absolut spektakulär.
Also beschlossen wir kurzerhand, beide Aussichtsplattformen zu besuchen, eine bei Tageslicht und die andere am späten Nachmittag. In meinen Augen die perfekte Wahl. Für den ersten Teil unserer Erkundungstour entschieden wir uns für das Top of the Rock bei Tageslicht. Dank unseres New York Passes konnten wir sogar die Fast-Track-Option nutzen, was die Wartezeit erheblich verkürzte.
Unser Besuch auf der Aussichtsplattform des Top of the Rock war schlichtweg atemberaubend! Wir erreichten die Aussichtsebene nach einem kurzen Aufenthalt im Rockefeller Plaza, wo wir uns die Zeit mit einem Bummel durch die verschiedenen Geschäfte und Restaurants vertrieben. Die organisierte Struktur ermöglichte es uns, das Beste aus unserer Wartezeit zu machen, anstatt uns in einer endlosen Schlange zu langweilen.
Nachdem wir das „Check Inn“ passiert hatten, war es endlich soweit. Der Aufzug brachte uns in nur wenigen Augenblicken auf die beeindruckende Aussichtsplattform. Die Aufregung stieg, als sich die Türen öffneten und wir von der grandiosen Aussicht überwältigt wurden.
Der Ausblick war schlichtweg phänomenal. Wir konnten das beeindruckende Empire State Building in seiner ganzen Pracht bewundern, wie es majestätisch über die umliegenden Wolkenkratzer ragte. Der Central Park erstreckte sich als grüne Oase mitten in der Stadt, und die Straßen von Midtown pulsierten vor Leben. Der Blick über die Dächer von New York war einfach atemberaubend.
Wir nutzten die Gelegenheit, um Fotos zu machen und einfach nur zu staunen. Die Stadt erstreckte sich endlos vor uns, und die verschiedenen Stadtviertel offenbarten sich in ihrer ganzen Vielfalt. Es war ein unvergesslicher Moment, den wir in vollen Zügen genossen haben. Der Himmel strahlte in einem tiefen Blau, was die Aussicht noch eindrucksvoller machte.
Nach unserem beeindruckenden Besuch auf dem Top of the Rock machten wir uns auf den Weg zur Roosevelt Island Tram Station. Wir hatten gehört, dass die Fahrt mit der Tram, die übrigens mit einer Subway Card kostenlos ist, uns spektakuläre Ausblicke auf die Queensboro Bridge, die Avenues und den East River bieten würde. Und sie enttäuschte nicht!
Die Tramfahrt führte uns über den East River, und von hoch oben hatten wir die Möglichkeit, einige der schönsten Bilder von der majestätischen Queensboro Bridge und dem glitzernden East River zu schießen. Die Aussicht war einfach spektakulär, und wir genossen jeden Moment dieser einzigartigen Reise.
Anschließend machten wir uns auf den Weg zu Serendipity III, um einen erfrischenden Frozzen Hot Chocolate zu genießen, bevor es weiter zum Times Square ging. Inzwischen war die Stadt in das faszinierende Lichtermeer des Times Square getaucht, und wir spürten die Erschöpfung in unseren Füßen. Wir ließen uns auf den belebten Treppen des Times Square nieder und beobachteten das bunte Treiben um uns herum.
Nach einer entspannten Pause beschlossen wir, uns in Planet Hollywood zu begeben, wo wir mit unserem NY Pass nicht nur den Fast Track nutzen konnten, sondern auch von einem großzügigen $10 Rabatt profitierten. Ein herzhafter Burger war genau das Richtige, um unsere Energiereserven wieder aufzufüllen.
Dann Heimweg. Rote Subway-Linie Richtung South Ferry. Und hier kommt der Moment, der uns noch eine Weile begleiten wird.
Wir sitzen im hintersten Waggon. Der Zug leert sich. Komisch. Nächste Station: Rector Street. Noch eine, dann sind wir da. Oder so denken wir. Der Zug hält im Tunnel. Wartet. Fährt weiter. Und plötzlich stehen wir wieder… in der Rector Street.
Verwirrung. Dann sehe ich ein Plakat. Erklärung. Um an der Endstation South Ferry auszusteigen, muss man in den vorderen fünf Waggons sitzen. Wir saßen im hintersten. Der Zug passte nicht komplett an den Bahnsteig, also fuhr er einfach zurück.
Wir steigen aus, warten, setzen uns diesmal klug nach vorne. Die 23-Uhr-Fähre ist natürlich weg. Und dann kommt Nadines trockener Kommentar: Sie habe im Zug Durchsagen gehört. Man solle nach vorne gehen.
Tja. Dachten wir wohl, das gilt nicht für uns.
New York eben.