Zwischen Aliens, Area 51 und 520 Meilen durchs Nirgendwo
Heute stand ein klassischer Fahrtag auf dem Programm. Wobei „Fahrtag“ bei uns selten bedeutet, dass wir morgens irgendwo losfahren und abends einfach nur woanders ankommen. Das wäre viel zu effizient. Ein ordentlicher Fahrtag braucht Umwege, merkwürdige Dinge am Straßenrand, mindestens eine Situation, bei der Benni sich fragt, ob das hier wirklich alles normal ist, und natürlich ausreichend Gelegenheiten, irgendwo anzuhalten, obwohl wir eigentlich noch mehrere hundert Meilen vor uns haben. Zunächst brauchten wir allerdings Kaffee. Den besorgten wir uns an der Tankstelle, frühstückten gemütlich auf unserem Zimmer und machten uns anschließend auf den Weg. Rund 520 Meilen lagen heute zwischen Beatty und Kanab – eigentlich eine Strecke, bei der vernünftige Menschen vermutlich einfach fahren würden. Wir hingegen hatten unterwegs Goldfield, wilde Mustangs, den Extraterrestrial Highway, Area 51, Aliens, den Snow Canyon und selbstverständlich ein Texas Roadhouse eingeplant. Man muss schließlich Prioritäten setzen.

Kaum hatten wir Beatty in nördlicher Richtung verlassen, bekamen wir auch schon das erste amerikanische Unterhaltungsprogramm des Tages geboten: eine Baustelle. Oder zumindest etwas, das offiziell als solche galt. An einem Stoppschild-Halter mussten wir warten, bis uns ein sogenanntes Pilot Car entgegenkam, den Gegenverkehr ordnungsgemäß ablieferte, anschließend vor uns wendete und unsere kleine Fahrzeugkolonne durch die Gefahrenzone eskortierte. Für Benni war das natürlich hochinteressant. Für uns war es nach diversen USA-Reisen inzwischen eher Kategorie „Ach ja, die machen das hier so“. Trotzdem begann auch ich irgendwann nach der dazugehörigen Baustelle zu suchen, denn außer Straße, Wüste und ein paar Sträuchern war weit und breit nichts zu erkennen. Hinter einer kleinen Kuppe kam dann endlich der Beweis, dass das Ganze keine staatlich organisierte Beschäftigungstherapie war: Ein Lastwagen stand am Straßenrand, daneben werkelten zwei Männer an irgendetwas herum. Was genau sie dort machten, blieb unklar, aber offensichtlich war es gefährlich genug, um mehrere Meilen Highway nur unter Begleitschutz passieren zu dürfen. Ein Stück weiter drehte unser Pilot Car wieder um und wir waren offiziell aus der Gefahrenzone entlassen. Benni verfolgte das gesamte Verfahren mit einer Faszination, bei der ich eigentlich nur noch darauf wartete, dass er ein Notizbuch hervorholt und später am Abend eine kleine Auswertung über Personalaufwand, Wartezeit und Kosten-Nutzen-Verhältnis dieser Baustelle präsentiert.
Unser nächster Halt war Goldfield, eine dieser Ortschaften in Nevada, bei denen man beim Durchfahren nie ganz sicher ist, ob sie noch existieren oder nur vergessen haben, das Ortsschild abzubauen. Rund 450 Menschen leben hier tatsächlich noch, womit Goldfield streng genommen keine Ghosttown ist, sich aber sichtbar Mühe gibt, wenigstens optisch in diese Richtung zu gehen. Alte Gebäude, verlassene Ecken, jede Menge Wüstencharme und einige ziemlich skurrile Fahrzeuge boten jedenfalls genügend Gründe, den Ford abzustellen und mit den Kameras loszuziehen. Genau solche Orte liebe ich: ein bisschen heruntergekommen, ein bisschen schräg und mit deutlich mehr Charakter als so manches frisch gestrichene Touristenstädtchen. Danach ging es weiter nach Tonopah, das mit seinen ungefähr 2.500 Einwohnern im direkten Vergleich schon fast den Eindruck einer pulsierenden Großstadt vermittelte. Wer gerade aus Goldfield kommt, entwickelt offenbar erstaunlich schnell neue Maßstäbe.
Hinter Tonopah wurde es dann richtig einsam. Häuser verschwanden, Ortschaften ebenfalls, und irgendwann bestand die Umgebung im Wesentlichen aus Straße, Landschaft und Tieren, die offenbar der Meinung waren, Nevada gehöre sowieso ihnen. Kühe standen herum, als hätten sie einen langfristigen Pachtvertrag mit dem Highway abgeschlossen, und dann entdeckten wir tatsächlich wilde Mustangs. Und bei aller Begeisterung für merkwürdige Baustellen und halb verlassene Minenstädte: Das war etwas ganz Besonderes. Diese Pferde einfach frei in dieser riesigen Landschaft zu sehen, ohne Zaun, ohne Stall, ohne irgendjemanden, der ihnen sagt, wo sie gefälligst hinzulaufen haben, ist schon beeindruckend.
Die Straße zog sich kilometerweit schnurgerade durch die offene Landschaft, Gegenverkehr war inzwischen ein Ereignis, das man fast persönlich begrüßen wollte, und je weiter wir fuhren, desto deutlicher wurde dieses Gefühl, wirklich mitten im Nirgendwo zu sein. Aber genau dieses Nirgendwo ist einer der Gründe, warum ich den amerikanischen Westen so liebe. Man kann ewig fahren, sieht kaum einen Menschen und hat trotzdem nicht das Gefühl, dass nichts da wäre. Im Gegenteil: Diese unglaubliche Weite ist manchmal spannender als jede Sehenswürdigkeit, die jemand freundlicherweise mit Parkplatz, Visitor Center und Souvenirshop versehen hat.

Wobei wir an diesem Tag natürlich noch ausreichend Gelegenheit bekommen sollten, das Thema Souvenirshop zu vertiefen. Vom Highway 6 bogen wir auf den Highway 375 ab, besser bekannt als Extraterrestrial Highway. Rund hundert Meilen Straße durch die Wüste Nevadas, vorbei an der geheimnisumwitterten Area 51 – und damit natürlich ein Ort, an dem seit Jahrzehnten jedes seltsame Licht am Himmel zuverlässig zum außerirdischen Raumschiff erklärt wird. Angeblich sollen hier irgendwo UFOs, Aliens und vermutlich sämtliche Dinge versteckt sein, die die amerikanische Regierung uns nicht erzählen möchte.
Nach ungefähr 60 Meilen erreichten wir Rachel, wobei schon das Ortsschild deutlich machte, dass man sich hier mit der Frage nach der tatsächlichen Einwohnerzahl nicht unnötig auf Menschen beschränkt. Vielleicht werden Aliens mitgezählt, vielleicht auch nicht. Man scheint sich diesbezüglich noch nicht abschließend geeinigt zu haben.
Natürlich hielten wir am Little A’Le’Inn, denn wenn man schon auf dem Extraterrestrial Highway unterwegs ist, kann man schlecht an einer Kneipe mit UFO vor der Tür vorbeifahren. Das Little A’Le’Inn ist Restaurant, Bar, Motel und Souvenirshop in einem und sieht ungefähr so aus, wie man sich eine Raststätte vorstellen würde, wenn deren Innenarchitekt jahrelang ausschließlich „Akte X“ geschaut hätte.
Auf dem Parkplatz hing ein UFO an einem Abschleppwagen, Aliens grinsten von Wänden und Schildern und sogar fürs Parken gab es offenbar Sonderregelungen für außerirdische Besucher. Wir kamen allerdings mit einem Ford Explorer und mussten deshalb selbst einparken. Diskriminierung von Erdlingen, aber gut. Inzwischen war Mittagszeit, und obwohl die Speisekarte selbstverständlich Alien Burger und Galaxy Wraps anbot, entschieden wir uns ausgerechnet für Pancakes. Die waren allerdings dermaßen lecker, dass man fast vermuten konnte, die entscheidende Zutat sei tatsächlich nicht von diesem Planeten.
Danach beging ich den strategischen Fehler, den Souvenirbereich näher anzuschauen. Es gab schließlich Dinge mit Aliens darauf. Viele Dinge. Und wenn irgendwo mitten in der Wüste Nevadas ein Gegenstand herumsteht, auf dem ein grünes Männchen abgebildet ist, entwickelt dieser Gegenstand bei mir offenbar automatisch eine Existenzberechtigung. Die Speisekarte musste schon einmal mit, dazu Postkarten und noch das eine oder andere völlig unverzichtbare Stück außerirdischer Kulturgeschichte. Stefan beobachtete meine zunehmende Begeisterung mit jener Mischung aus Geduld und Sorge, die vermutlich jedem Mann bekannt ist, dessen Frau in einem Souvenirshop plötzlich einen Einkaufskorb nimmt. Irgendwann griff er regulierend ein.
Wir hätten schließlich noch einen großen Teil des Urlaubs vor uns und könnten uns nicht bereits jetzt durch Dinge ruinieren, deren praktischer Nutzen irgendwo zwischen null und Alien Burger lag. Ich hielt das für eine übertrieben pessimistische Einschätzung unserer finanziellen Situation, ließ mich aber trotzdem aus dem Laden führen. Außerdem hatten wir noch etwas vor: Wir wollten nicht nur auf dem Extraterrestrial Highway herumfahren und uns Aliens auf T-Shirts anschauen, sondern tatsächlich bis zum Backgate der Area 51. Also verließen wir Rachel und fuhren weiter durch die herrlich leere Wüste Nevadas zur nächsten wichtigen Adresse unserer kleinen außerirdischen Rundreise – der Black Mailbox.

Die Black Mailbox ist nämlich nicht nur einer dieser legendären UFO-Treffpunkte mitten im Nirgendwo, sondern markiert gleichzeitig die Kreuzung, an der man vom Extraterrestrial Highway auf die Piste Richtung Backgate der Area 51 abbiegt. Verfehlen sollte man sie also besser nicht, wobei das inzwischen gar nicht mehr so einfach ist: Bei unserem letzten Besuch vor fünf Jahren hatte hier noch ein weißer Briefkasten gestanden, der mittlerweile verschwunden war. Heute lag an seiner Stelle ein großer Stein, dekoriert mit kleinen Steinen, Münzen, Botschaften und diversen Hinterlassenschaften von Menschen, die entweder an Außerirdische glauben oder einfach gern Sachen auf Steine legen.
Die berühmte Mailbox gehörte ursprünglich einem Rancher und entwickelte sich im Laufe der Jahre zum Treffpunkt für UFO-Fans, die hier auf verdächtige Lichter über der nahen Area 51 warteten. Irgendwann wurde aus der weißen eine schwarze Mailbox, später verschwand auch diese, aber der Treffpunkt blieb – und für uns war klar: Hier waren wir richtig. Von genau dieser Kreuzung würde es gleich über die einsame Piste direkt Richtung Area 51 gehen. Vorher sah Stefan mich allerdings noch mit einem Blick an, der sehr eindeutig bedeutete, dass ich jetzt bitte weder Steine noch Münzen noch sonstige außerirdisch aufgeladene Gegenstände als Souvenir einpacken sollte. Nach der gerade erst erfolgten Intervention im Little A’Le’Inn war sein Misstrauen offenbar noch frisch. Also setzte ich mich artig neben den Stein, machte Fotos und ließ sämtliche Gegenstände liegen. Man kann mir schließlich Selbstbeherrschung nicht grundsätzlich absprechen.
Die Geschichte der Black Mailbox
Die berühmte Black Mailbox ist eines dieser wunderbaren amerikanischen Phänomene, bei denen aus einem vollkommen gewöhnlichen Gegenstand mitten im Nirgendwo irgendwann eine Sehenswürdigkeit wird. Ursprünglich stand hier nämlich schlicht der Briefkasten des Ranchers Steve Medlin, dessen Ranch in der Nähe der Area 51 lag. Und dieser Briefkasten war – was die Sache namensmäßig schon einmal ausgesprochen überzeugend macht – weiß.
In den 1980er- und 1990er-Jahren wurde die Gegend zunehmend zum Treffpunkt für UFO-Fans, Hobby-Verschwörungstheoretiker und Menschen, die ihre Abende offenbar lieber mit Fernglas in der Wüste verbrachten als vor dem Fernseher. Von hier aus ließ sich der Himmel über der geheimnisvollen Area 51 beobachten, und weil irgendwo ein Treffpunkt her musste, wurde ausgerechnet Medlins unschuldiger Briefkasten zum Orientierungspunkt. Man traf sich an der „Black Mailbox“, wartete auf seltsame Lichter am Himmel und diskutierte vermutlich darüber, ob das da hinten gerade ein geheimes Militärflugzeug, ein UFO oder doch nur jemand mit Fernlicht war.
Weil Besucher immer wieder Post und Nachrichten hineinwarfen oder sich anderweitig daran zu schaffen machten, ersetzte Medlin seinen weißen Briefkasten irgendwann tatsächlich durch einen schwarzen, abschließbaren Kasten. Damit stimmte wenigstens vorübergehend auch der Name. Später verschwand auch dieser Briefkasten, doch die Legende blieb. An der Stelle fanden sich zeitweise andere Kästen und schließlich vor allem Steine, Münzen, Botschaften und kleine Hinterlassenschaften von Besuchern.
Für Reisende hat der Ort außerdem einen ganz praktischen Nutzen: Die Black Mailbox markiert die Kreuzung, an der die Piste Richtung Backgate der Area 51 abzweigt. Man steht also mitten in der Wüste vor einem nicht mehr vorhandenen Briefkasten, der ursprünglich die falsche Farbe hatte, und weiß dadurch, wo man zu einer Militärbasis abbiegen muss, die offiziell möglichst wenig Aufmerksamkeit möchte. Nevada kann sowas einfach.
Und natürlich gilt auch hier die wichtigste Regel: Anschauen, fotografieren und liegen lassen. Wobei Stefan diesen Hinweis in meinem Fall vermutlich gern noch um „Gabi, das ist KEIN Souvenirshop“ ergänzen würde. Nach Rachel war sein Vertrauen in meine Fähigkeit, außerirdisch angehauchte Gegenstände einfach irgendwo liegen zu lassen, verständlicherweise etwas erschüttert.
Von hier führte eine staubige Piste Richtung Area 51, und selbstverständlich fuhren wir hinein. Genau dafür waren wir schließlich hier. Zunächst ging es über Schotter, dann wechselte der Untergrund plötzlich zu erstaunlich perfektem schwarzen Asphalt. Gleichzeitig tauchten entlang der Strecke Kameras auf, und spätestens jetzt hatte die Sache etwas herrlich Unheimliches. Die Landschaft war menschenleer, irgendwo hinter diesen Bergen befand sich eine der geheimnisvollsten Militäranlagen der Welt und wir rollten auf einer einsamen Straße immer weiter darauf zu.
Irgendwann standen wir tatsächlich am Backgate der Area 51 vor den berühmten Warnschildern. Bis hierhin und keinen Meter weiter. Die Hinweise darauf, was passiert, wenn man diese Grenze ignoriert, sind ausreichend deutlich formuliert, um selbst bei ausgeprägter touristischer Neugier keinen Diskussionsbedarf entstehen zu lassen. Also machten wir unsere Fotos, betrachteten die Umgebung noch einmal sehr aufmerksam und drehten um. Irgendwo saß mit ziemlicher Sicherheit jemand vor einem Monitor und beobachtete drei Deutsche, die begeistert Warnschilder fotografierten. Vermutlich nicht der spektakulärste Arbeitstag für die Sicherheitsleute dort.
Nach weiteren zwanzig Meilen verabschiedeten wir uns langsam aus der Alien-Zone, allerdings nicht ohne noch am Alien Research Center bei Crystal Springs anzuhalten. Schon von Weitem begrüßte uns ein riesiges silbernes Blech-Alien, das ungefähr zehn Meter hoch über dem Gelände thronte und unmissverständlich klarmachte, dass wir noch einmal Gelegenheit bekommen würden, Geld für Dinge auszugeben, die kein Mensch braucht. Das sogenannte Research Center entpuppte sich nämlich überraschenderweise weniger als wissenschaftliche Forschungseinrichtung und mehr als gewaltiger Souvenirshop.
Die Tür stand offen, wir gingen hinein und schauten uns ausgiebig um – nur war niemand da. Kein Verkäufer, kein Besitzer, überhaupt kein Mensch. Wir liefen durch den Laden, warteten, schauten noch einmal, benutzten schließlich die Toiletten und warteten eigentlich nur darauf, dass irgendwann jemand aus einem Hinterzimmer auftauchte. Nichts. Stefan konnte also aufatmen, denn ohne Personal ließ sich mein Souvenirbudget nur schwer weiter belasten. Warum der Laden offen und komplett unbesetzt war, fanden wir nicht heraus. Vielleicht Mittagspause. Vielleicht kurz weggefahren. Vielleicht tatsächlich von Aliens entführt. Auf dem Extraterrestrial Highway sollte man keine Möglichkeit vorschnell ausschließen.

Danach wurde aus unserem Alien-Ausflug wieder ein ganz normaler Roadtrip. Über den Highway 93, den Great Basin Highway, fuhren wir durch Caliente und Panaca, über den Highway 319 nach Utah und anschließend auf dem Highway 56 weiter Richtung Beryl Junction. Der Himmel hing inzwischen tief und grau über der Landschaft, am Straßenrand lagen stellenweise sogar kleine Schneereste, und nach all den Aliens, Mustangs und geheimen Militäranlagen war dieser Abschnitt beinahe irritierend unspektakulär.
Straße, Wolken, Landschaft, fahren. Auch das gehört zu einem Roadtrip, und ich mag selbst diese Strecken, auf denen einfach mal nichts passiert. Man schaut hinaus, redet irgendeinen Unsinn, fährt weiter und plötzlich sind wieder fünfzig Meilen verschwunden.
Dann kam der Snow Canyon State Park und beendete das Grau mit einem ziemlich überzeugenden Auftritt. Plötzlich standen da diese gewaltigen roten Felsen, und obwohl der Himmel noch immer wolkenverhangen war und das Licht nun wirklich nicht sein Bestes gab, sah die Landschaft großartig aus. Wir nahmen die Strecke durch den Park als Abkürzung Richtung St. George und waren uns ziemlich schnell einig, dass „Abkürzung“ diesem Ort nicht gerecht wurde.
Eigentlich hätten wir hier aussteigen, loslaufen und uns alles genauer ansehen müssen, aber nach inzwischen etlichen Stunden unterwegs und noch einigen Meilen vor uns blieb es diesmal bei der Durchfahrt und diversen Fotostopps. Der Snow Canyon wanderte deshalb direkt auf die gedankliche Liste der Orte, an die wir noch einmal zurückkommen müssen – dann bitte mit Sonne, ausreichend Zeit und ohne weitere 520 Meilen Tagesprogramm im Nacken.
St. George empfing uns anschließend wieder mit seinen roten Felsen und diesem Anblick, bei dem ich jedes Mal denke, dass man hier eigentlich auch mal länger bleiben müsste. Wir sind inzwischen so oft auf dem Weg zwischen Las Vegas, Zion und Bryce durch diese Stadt gefahren und haben es trotzdem nie geschafft, sie wirklich anzuschauen. Auch diesmal sollte sich daran nichts ändern, denn unser Interesse galt zunächst einer Sehenswürdigkeit, die wir wesentlich konsequenter besuchen: dem Texas Roadhouse.
Nach einem Tag voller Wüste und Straße war ein ordentliches Ribeye genau das Richtige, und Benni lernte damit neben Pilot Cars, Ghosttowns und Area 51 gleich noch einen weiteren festen Bestandteil unserer amerikanischen Reisekultur kennen. Andere Menschen arbeiten systematisch Nationalparks ab, wir verfügen zusätzlich über eine ziemlich zuverlässige innere Landkarte der Texas-Roadhouse-Filialen.
Danach mussten wir allerdings wirklich noch einmal fahren. Rund 80 Meilen trennten uns von Kanab, und irgendwann war selbst bei uns der Punkt erreicht, an dem ein Fahrtag einfach mal zu Ende gehen darf. Gut anderthalb Stunden später rollten wir nach insgesamt rund 520 Meilen und 12,5 Stunden unterwegs endlich auf den Parkplatz unseres Hotels. Und dort wartete eine Unterkunft, die mit dem Begriff „Zimmer“ deutlich unter Wert verkauft gewesen wäre: Für die nächsten Tage hatten wir eine Penthouse Suite. Sehr schick, sehr gemütlich und nach einem Tag, an dem wir von einer Baustelle ohne erkennbare Baustelle über wilde Mustangs zu Aliens, Area 51, roten Felsen und einem Ribeye gefahren waren, auch ausgesprochen willkommen.

Wir schleppten unser Zeug hinein, machten es uns bequem und ließen den Tag noch einmal Revue passieren. 520 Meilen klangen morgens nach einem Fahrtag. Am Abend hatten wir dagegen das Gefühl, ungefähr drei verschiedene Urlaubstage gleichzeitig erlebt zu haben. Und Benni hatte nun endgültig verstanden, was bei uns „wir fahren heute eigentlich nur von A nach B“ bedeutet.





















































