Zwischen Lehmhügeln, Steinpilzen und Dino-Eiern
ein Tag in der Bisti Wilderness

Dass wir zwei Nächte in Farmington bleiben, hat genau einen guten Grund – und der heißt Bisti / De-Na-Zin Wilderness. Kein Nationalpark, keine Schranke, kein Eintritt, keine Ranger, die einem sagen, wo man laufen darf. Nur Landschaft. Roh, still, absurd schön. Rund 36 Meilen südlich von Farmington beginnt dieses Abenteuer – angekündigt durch ein unscheinbares Schild an der State Road 371, das ungefähr so viel Aufhebens macht wie ein handgeschriebener Zettel. Wer hier nicht gezielt hinwill, fährt vorbei. Und genau das macht den Reiz aus.

Bisti / De-Na-Zin Wilderness

Wir folgen der Gravel Road SR 7297, die bei gutem Wetter auch mit einem normalen Auto problemlos machbar ist. Nach zwei Meilen erreichen wir eine T-Kreuzung, biegen links in die CR 7290 ein – und eine weitere Meile später stehen wir auf dem Parkplatz der Bisti/De-Na-Zin Wilderness. Kein Kiosk, kein Souvenirshop, kein Schnickschnack. Nur eine Registrierungsbox, eine Infotafel und das leise Gefühl, dass man jetzt besser wissen sollte, was man tut.

Rucksäcke sind gepackt, reichlich Wasser dabei, ein kleines Picknick ebenfalls. Sonnencreme drauf – auch wenn es hier oben eher kühl ist – und dann geht’s los.

Bisti / De-Na-Zin Wilderness

Der Name Bisti stammt aus der Sprache der Navajo und bedeutet so viel wie „schlechtes Land“ oder „Badlands“. Eine dieser Bezeichnungen, bei denen man sich fragt, ob der Namensgeber je einen Sinn für Marketing hatte. Denn was hier wartet, ist alles – nur nicht schlecht.

Ganz wichtig: Hier gibt es keine Wege. Keine Markierungen. Keine Trampelpfade. Wer ohne Orientierung loszieht, ist schnell verloren. Ein GPS ist kein nettes Extra, sondern eine echte Lebensversicherung – nicht dramatisch gemeint, sondern ganz sachlich. Die Landschaft sieht oft ähnlich aus, Entfernungen täuschen, und Highlights liegen nicht zufällig am Wegesrand. Wir haben uns vorab ein paar Punkte gespeichert – Bisti Arch, Chocolate Hoodoos, Cracked Eggs – lassen uns aber ansonsten bewusst treiben.

Bisti / De-Na-Zin Wilderness

Am Parkplatz schlagen wir den Weg nach rechts ein, über sanfte Hügel, die zunächst noch harmlos wirken. Vom Startpunkt aus sieht die Landschaft eher nach Einöde aus. Flach, grau, unspektakulär. Doch spätestens nach den ersten Hügeln kippt das Bild komplett.

Plötzlich stehen wir mitten in einer anderen Welt.

Hoodoos überall. Dünne Steinsäulen mit schweren Köpfen, als hätten sie die Schwerkraft beleidigt. Formen, die aussehen wie Pilze, Türme, Wesen aus einem Fantasyfilm. Farben, die von Gelb über Ocker, Rostrot, Braun bis Grau wechseln – oft innerhalb weniger Meter. Ehrlich gesagt: Wir haben das so nicht erwartet. Es ist still. Kein Wind. Kein Mensch. Nur diese Landschaft, die sich anfühlt, als hätte jemand beschlossen, die Natur einmal komplett frei drehen zu lassen.

Bisti / De-Na-Zin Wilderness

Wir klettern Hügel hoch und wieder runter, Lehm unter den Schuhen, weich, bröselig, fast wie Mehl. Unter uns öffnet sich der Alamo Wash, ein breiter, trockener Flusslauf – unser nächstes Ziel. Also wieder hinab, durch den Wash, wieder hinauf. Die Landschaft verändert sich ständig. Jeder Hügel, jede Kurve bringt neue Formationen zum Vorschein. Versteinertes Holz, bizarre Felsen, Hügel in schillernden Farben. Kein Abschnitt gleicht dem anderen.

Mittagspause

In der Nähe des Bisti Arch legen wir unsere Mittagspause ein. Brot, Snacks, Wasser – nichts Besonderes. Aber der Ort macht alles außergewöhnlich. Um uns herum diese skurrilen Gebilde, absolute Stille, nur das Knirschen des Bodens unter den Schuhen. Ein Picknick, das man so schnell nicht vergisst.

Cracked Eggs

Dann geht es weiter zu einem der bekanntesten Bereiche: den Cracked Eggs, auch liebevoll „Egg Factory“ genannt. Ein weites Tal, übersät mit großen, runden Steinen, die aussehen wie aufgeplatzte urzeitliche Eier. Man erwartet fast, dass gleich etwas schlüpft. Es wirkt surreal, fast spielerisch – und gleichzeitig unglaublich alt. Wir setzen uns, schauen, fotografieren, schweigen. Dieser Ort braucht keine Erklärung.

Der Rückweg steht an. Zum Glück haben wir unseren GPS-Track auf dem iPhone. Ohne ihn wären wir vermutlich länger unterwegs gewesen – nicht verloren, aber sicher deutlich orientierungsloser. Technologie kann manchmal wirklich Leben retten. Oder zumindest Zeit.

Nach etwa einer Stunde Fußmarsch erreichen wir wieder den Parkplatz, tragen uns ordnungsgemäß aus der Registrierungsbox aus und fahren zurück. Eine weitere Stunde später sind wir wieder in Farmington – müde, staubig, aber komplett geflasht.

Schon jetzt ist klar: Das war nicht der letzte Besuch. Der nördliche Teil der Bisti Wilderness fehlt noch, ganz oben auf der Liste steht der legendäre „King of Wings“. Und die Cracked Eggs bei Sonnenuntergang? Das schreit förmlich nach Wiederholung. 2018 ist gedanklich schon gebucht.

Am Abend lassen wir den Tag ganz bodenständig ausklingen: Animas Valley Mall, Burger bei Fuddruckers, ein bisschen Bummeln. Gegen 19 Uhr sind wir zurück im Hotel.

Morgen geht es weiter – und zwar für ganze fünf Nächte nach Kanab. Ein neues Kapitel wartet bereits.

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