
Vom Lake Tahoe nach Virginia City auf den Spuren von Ben, Hoss, Adam und Little Joe
Unser Tag beginnt gemächlich, mit einem entspannten Frühstück um 7:30 Uhr. Keine Eile, kein Stress – einfach genießen. Unsere Sachen hatten wir bereits in den Pick-up geladen, also sind wir nach dem Essen direkt startklar. Unser heutiges Ziel? Virginia City, Nevada. Doch bevor wir uns ins Herz des Wilden Westens begeben, steht noch ein kurzer, aber lohnenswerter Abstecher zum bezaubernden Lake Tahoe auf dem Programm.
Unsere Reise beginnt auf dem malerischen Highway 120, der uns nach Norden führt, bevor wir auf den Highway 4abbiegen. Diese Straßen sind ein Traum für Roadtrip-Liebhaber – wenig Verkehr, perfekte Asphaltbänder, die sich durch eine Landschaft schlängeln, die von dichten Wäldern, rauschenden Flüssen und funkelnden Bergseen geprägt ist. Mal geht es schnurgeradeaus, dann wieder in engen Serpentinen hinauf und hinab, während wir mit jedem Kilometer die Natur um uns herum noch intensiver wahrnehmen.
Ein unerwarteter Stopp bringt uns nach Jamestown, wo wir zufällig an einem Harley-Davidson-Händlervorbeikommen. Klingt nach einer perfekten Gelegenheit, um ein cooles T-Shirt als Souvenir mitzunehmen, oder?😎 Also nichts wie rein! Doch die Ernüchterung folgt auf dem Fuß – die Auswahl ist leider mehr als überschaubar.Keine auffälligen Designs, kein Shirt, das laut „Nimm mich mit!“ ruft. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als den spontanen Shopping-Plan wieder ad acta zu legen und ohne Beute weiterzufahren.

Doch die Landschaft entschädigt uns dafür mehr als genug. Jede Kurve offenbart neue, atemberaubende Ausblicke.Dichte Kiefernwälder, glitzernde Flussläufe, und immer wieder öffnen sich Abschnitte, die den Blick auf tiefblaue Bergseen freigeben. Es fällt uns fast unmöglich, einfach weiterzufahren, ohne immer wieder kurz anzuhalten, um die Kamera zu zücken. Jedes Foto ein kleines Kunstwerk, jedes Motiv eine Erinnerung, die wir festhalten wollen. 📸
Während wir weiter durch dieses Naturparadies rollen, wächst die Vorfreude auf den kommenden Tag – doch zunächst erwartet uns noch ein weiteres Highlight: der Lake Tahoe. Und wir sind mehr als gespannt, was uns dort erwartet.
BILDERGALERIE: Golden Chain Highway / Hells Kitchen
Punkt 12 Uhr rollen wir in das malerische Städtchen Markleeville ein – ein kleines, charmantes Nest, umgeben von dichten Wäldern und sanften Hügeln, das aussieht, als wäre es direkt aus einer Postkarte des Wilden Westensgefallen. Perfektes Timing für ein Mittagessen, denn unser Magen meldet sich bereits lautstark zu Wort.
Glücklicherweise gibt es hier zwei kleine, einladende Restaurants, und während wir noch überlegen, für welches wir uns entscheiden sollen, fällt unser Blick auf eine markante Gestalt in Uniform. Der örtliche Sheriff schlendert gemütlich in Richtung Alps Haus Café. Ein Mann des Gesetzes weiß schließlich, wo es gutes Essen gibt, oder? Also folgen wir seinem Beispiel und treten hinter ihm in das kleine Café.
Drinnen erwartet uns eine urige, fast schon familiäre Atmosphäre. Gerade mal fünf Tische, ein Tresen mit hausgemachten Kuchen, und eine Bedienung, die mit einem breiten Lächeln fragt: „Hungrig?“ Oh ja. Hungrig sind wir definitiv.

Wir bestellen uns herzhafte Sandwiches, nehmen an einem der gemütlichen Holztische Platz – und siehe da: Der Sheriff sitzt direkt neben uns. Na, wenn das mal kein Zeichen ist! Während wir unser Essen genießen, beobachten wir, wie jeder einzelne Gast beim Eintreten den Sheriff mit einem kurzen „Howdy“ oder einem freundlichen Nicken begrüßt. Hier kennt jeder jeden, und offensichtlich gehört ein kleiner Plausch mit dem Gesetzeshüter zur Tagesordnung.Nicht die schlechteste Strategie, wenn man hier lebt – eine gute Beziehung zum Sheriff kann ja nie schaden.
Und was das Essen betrifft? Zum Reinbeißen lecker! Das Sandwich ist perfekt getoastet, mit frischen Zutaten und einer hausgemachten Sauce, die jedes Fertigprodukt alt aussehen lässt. Ein echtes Soulfood-Erlebnis.
Während wir unseren letzten Bissen genießen, lehnen wir uns entspannt zurück und nehmen die Atmosphäre in uns auf. Markleeville ist klein, gemütlich und ein bisschen wie aus einer anderen Zeit. Genau der richtige Zwischenstopp, um sich zu stärken – und gleichzeitig einen kleinen Einblick in das Leben in einer dieser winzigen Western-Städte zu bekommen.



Nachdem wir eine weitere Stunde auf der Straße unterwegs waren, erreichten wir endlich unseren langersehnten Stopp – den Lake Tahoe. Doch es war inzwischen 14 Uhr, und was erwartet man an einem perfekten Samstag bei traumhaftem Wetter? Richtig, Verkehr!
Die Straße war voll von Wochenendausflüglern, Familien mit Picknickkörben, Sonnenhungrigen und Outdoor-Fans, die alle das Gleiche im Sinn hatten: den Tag am größten Alpensee Nordamerikas genießen. Unser Ziel war die malerische Emerald Bay, eine der bekanntesten Buchten des Sees, berühmt für ihr tiefblaues Wasser, die kleine Insel mitten in der Bucht und die umliegenden Berggipfel, die sich dramatisch über dem See erheben.
Unser Plan? Eine kleine Wanderung zu den Eagle Falls. Doch ein winziges Problem tauchte auf: Parkplatz? Fehlanzeige. Wirklich jede noch so kleine Parklücke war besetzt, und die wenigen Autos, die die Hoffnung aufgaben, drehten resigniert um.
Nach einigen Runden des erfolglosen Parkplatzsuchens entschieden wir uns für den Plan B: Wir hielten einfach kurz am Straßenrand, um die bezaubernde Emerald Bay zu bewundern. Und auch wenn es keine lange Wanderung wurde – dieser Blick war jede Minute der Fahrt wert. Kristallklares, türkisblaues Wasser, eingerahmt von steilen Berghängen und tiefgrünen Wäldern – ein Postkartenmotiv, das man einfach nicht verpassen darf. Natürlich ließen wir es uns nicht nehmen, einige Schnappschüsse zu machen, bevor wir weiterzogen. 📷

Dann führte uns unsere Reise nach Stateline, wo das beeindruckende Hard Rock Hotel Lake Tahoe thront. Doch unsere Mission hatte weniger mit Hotelzimmern oder Casino-Spaß zu tun – wir hatten einen ganz besonderen Auftrag von unserer Tochter Nadine. Sie sammelte Hardrock Drumsticks und wir sollten ihr welche mitbringen.
Schon 2013 hatten wir hier Halt gemacht, und ich erinnerte mich genau daran, wo sich das Hard Rock Cafe befand. Doch dann der Schock: Das Hard Rock war einfach verschwunden! 🤷♂️ Aber Moment – ich war mir absolut sicher, dass es genau hier sein sollte, wo unser Auto jetzt parkte: an der Ecke Lake Tahoe Blvd und State Line Avenue, direkt im Harvey’s Casino.
Google sei Dank! Das Rätsel ließ sich schnell lösen: Das Hard Rock war nicht weg – es war einfach umgezogen! Inzwischen gab es ein neues Hard Rock Hotel, nur 0,2 Meilen weiter, und dort fanden wir auch den Rockshop. Erleichterung! Die Shopping-Mission für Nadine konnte endlich erfüllt werden – das war knapp!


Unsere Reise entlang des malerischen südöstlichen Ufers des Lake Tahoe setzte sich fort, während die Straße sich sanft an die Konturen des Sees schmiegte. Die späten Nachmittagsstrahlen der Sonne ließen das Wasser in intensivem Blau leuchten, und immer wieder öffneten sich zwischen den hohen Kiefern kleine Fenster, durch die wir einen ersten Blick auf die nächste spektakuläre Aussicht werfen konnten.
Wir beschlossen, einen kurzen Fotostopp am Logan Shoals Vista Point einzulegen – und was für eine Entscheidung das war! Dieser Aussichtspunkt, perfekt auf einem Felsvorsprung gelegen, bot einen atemberaubenden Panoramablick über den tiefblauen Lake Tahoe und seine umliegenden Bergketten. Und das Beste? Wir waren völlig allein.
Kein anderer Tourist, kein Autolärm, keine Selfie-Sticks, die ins Bild ragten – nur wir, der sanfte Wind, das Plätschern des Wassers weit unter uns und diese unendliche Weite. Ein fantastischer Moment, der im starken Kontrast zu unserem kurzen Abstecher an die Emerald Bay stand, wo das Parkplatzproblem uns fast zur Verzweiflung gebracht hatte. Nur ein paar Meilen entfernt kämpften die Leute um Stellplätze, während wir hier das Paradies für uns allein hatten.

Die Aussicht war schlichtweg magisch. Der Lake Tahoe, dessen Wasser durch das späte Sonnenlicht noch intensiver funkelte, lag unter uns wie ein Juwel, eingerahmt von den Sierra-Nevada-Bergen, deren Gipfel in der Ferne. Wir lehnten uns an die steinerne Brüstung und ließen die Szenerie auf uns wirken. Kein Wunder, dass dieser Ort oft als einer der romantischsten Aussichtspunkte am Lake Tahoebezeichnet wird.
Natürlich konnten wir nicht widerstehen, die Kamera zu zücken. Ein paar letzte Schnappschüsse, die diese Schönheit zumindest ansatzweise einfangen sollten, bevor wir wieder in den Pick-up stiegen und weiterfuhren. Logan Shoals war definitiv ein Geheimtipp – ein Ort, an dem man die Pracht des Lake Tahoe ohne Menschenmassenauf sich wirken lassen konnte. Ein Platz, den wir mit Sicherheit nicht zum letzten Mal besucht hatten.

Mit einem letzten Blick zurück auf den bezaubernden Lake Tahoe setzen wir unsere Reise fort, diesmal in Richtung Carson City. Der See verblasst langsam im Rückspiegel, die Sonne senkt sich tiefer über die Sierra Nevada, und während die Landschaft sich verändert, bleibt die Magie dieses Ortes noch in unseren Gedanken.
Die Fahrt nach Carson City ist erfreulich kurz – gerade einmal 30 Minuten, in denen sich die dichten Wälder allmählich in eine weitläufige, offene Wüstenlandschaft verwandeln. Nevadas Hauptstadt erwartet uns, und wir sind gespannt darauf, was dieser Ort zu bieten hat.
Carson City empfängt uns mit offenen Armen, eine Stadt, die zwar nicht riesig, aber dennoch beeindruckend ist. Hier atmet man förmlich den Geist der alten Pionierzeit, während moderne Annehmlichkeiten direkt daneben ihren Platz gefunden haben.
Unser erster Halt? Walmart. Frisches Obst, ein paar kühle Getränke – die kleinen Dinge, die eine lange Fahrt so viel angenehmer machen. Dann geht es weiter zum nächsten Pflichtstopp: Harley Davidson. Nach unserer kleinen Shopping-Enttäuschung in Jamestown wollten wir es hier erneut versuchen – und diesmal wurden wir fündig. Coole T-Shirts, die definitiv Roadtrip-würdig waren.
Natürlich darf ein Besuch in Carson City nicht ohne einen kurzen Halt am hübschen State Capitol enden. Der klassisch weiße Kuppelbau, umgeben von grünen Bäumen und gepflegten Gehwegen, ist ein beliebtes Fotomotiv – also nichts wie raus aus dem Auto und ab zum Schnappschuss!
Nachdem wir unsere Besorgungen erledigt haben, setzen wir unsere Reise fort – diesmal auf dem Highway 50, der sich sanft durch die trockene Landschaft Nevadas schlängelt. Nach einigen wenigen Meilen biegen wir auf die 342 in Richtung Norden ab, und plötzlich fühlt es sich an, als wären wir in einer anderen Zeit gelandet. Nach nur 25 Minuten Fahrt erreichen wir unser Tagesziel: Virginia City.
Eine Stadt, die einst eine Hochburg des Goldrausches war – und die bis heute diesen wilden, rauen Charme bewahrt hat. Staubige Straßen, historische Gebäude, ein Hauch von Wilder Westen – wir sind angekommen, und das Abenteuer geht weiter!

Virginia City – auf den Spuren der Cartwrights!
Schon beim Einfahren in die Stadt fühlen wir uns wie in eine Bonanza-Folge katapultiert. Fehlt nur noch, dass Hoss Cartwright unseren Pick-up einweist, während Little Joe charmant eine Lady in Not rettet und Ben Cartwright mit strengem Blick von der Veranda seines Landhauses nickt.
Unser erstes Ziel ist das Sugarloaf Mountain Motel, das sich irgendwo zwischen rustikaler Western-Lodge und romantischem Puppenhäuschen bewegt. Unser Zimmer? Gemütlich! So gemütlich, dass es für einen waschechten Cowboy vielleicht eine Herausforderung wäre, mit Hut und Sporen darin zu manövrieren. Und unser treuer Pick-up? Zu groß für den Parkplatz vor der Tür. Während wir ihn ein paar Meter weiter am Straßenrand abstellen, frage ich mich, ob er dort morgen noch steht oder ob ein gewisser Hop Sing ihn längst zum Heutransport umfunktioniert hat.



Doch keine Zeit für Spekulationen – wir haben eine Mission! Schließlich sind wir in DER Westernstadt schlechthin, wo sich einst die Cartwrights ihre staubigen Stiefel abgelaufen haben. Also nichts wie los in die historische Altstadt von Virginia City.
Bonanza, wir sind mitten drin!
Für alle, die sich jetzt fragen: „Bonanza, was war das noch gleich?“ – eine Bildungslücke, die dringend geschlossen werden muss! Diese legendäre TV-Serie aus den 1960er Jahren war das, was Netflix-Serien heute gerne wären: episch, dramatisch, voller Familiensinn und mit einem Heldenteam, das niemals versagte.
Im Mittelpunkt standen die Cartwrights – Ben, Adam, Hoss und Little Joe, die auf ihrer Ponderosa-Ranch zwischen Viehtrieb, Ganovenjagd und tragischen Romanzen alles regelten, was der Wilde Westen ihnen entgegenwarf. Und das nicht irgendwo – sondern in Virginia City!
Während wir die staubigen Straßen entlangschlendern, kann ich mir förmlich vorstellen, wie sich hier einst Ben Cartwright mit düsterem Blick an einen windschiefen Zaun lehnt, während sein Sohn Little Joe wieder einmal eine unglückliche Liebe hinter sich lässt – seufzend, mit traurigem Blick in die Ferne, während dramatische Westernmusik einsetzt.


Der Saloon Silverdollar, ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt in der Serie, scheint zwar nicht mehr so zu vibrieren wie damals, aber man kann die Stimmen von Cowboys und Gesetzeshütern noch förmlich in der Luft spüren. Hier wurde Whiskey bestellt, Intrigen gesponnen, Wirtshausschlägereien ausgetragen und natürlich – wie könnte es anders sein – schwerwiegende Entscheidungen getroffen.
Die Stadt, die einst größer als Chicago war
Virginia City war im Jahr 1875 eine wahre Metropole – mit fast 30.000 Einwohnern, mehr als 100 Saloons, mehrere Banken, Theatern, Kirchen und sogar einem Opernhaus! Heute? Nun ja, es ist Samstag, aber die Stadt scheint nicht allzu belebt. Entweder sind die meisten Cowboys in den Ruhestand gegangen, oder das moderne Publikum hat einfach den Zugang zu diesem einzigartigen Ort voller Geschichte und Nostalgie verloren.
Aber wir nicht! Für uns ist Virginia City immer noch lebendig, weil es eben mehr ist als nur eine Stadt – es ist eine Zeitmaschine, ein lebendiges Westernset und eine Hommage an eine der größten Fernsehserien aller Zeiten.
Und während wir weiter durch die Stadt schlendern, halte ich immer wieder Ausschau – wer weiß, vielleicht taucht ja doch noch einer der Cartwrights um die nächste Ecke auf. Falls ja, wir sind bereit für ein Abenteuer! 🤠

Unser knurrender Magen übernimmt nun das Kommando – schließlich kann selbst der härteste Cowboy nicht allein von Western-Romantik und Nostalgie leben. Die Lösung? Ein waschechter Saloon! Und was könnte passender sein als der legendäre Red Dog Saloon?
Schon beim Betreten fühlen wir uns, als hätten wir soeben die Schwingtüren eines typischen Western-Films aufgestoßen. Holzbalken, gedimmtes Licht, knarzende Dielen und eine Bar, hinter der sich ganz sicher ein Barkeeper mit markantem Schnurrbart und einem leicht mürrischen Blick befindet. Die perfekte Kulisse für ein zünftiges Mahl.
Ich bestelle ohne zu zögern eine ordentliche Portion knuspriger Chicken Wings, während Stefan sich – wie der gesetztere Part unserer Reisegruppe – für eine Cola entscheidet. Ich hingegen halte es stilecht und gönne mir ein kühles Bier von der Bar. Schließlich wäre es fast eine Beleidigung für diesen ehrwürdigen Saloon, sich nicht zumindest für ein authentisches Western-Gefühl zu entscheiden.
Die Wings? Ein Traum. Würzig, knusprig, mit genau der richtigen Menge an Soße – so, wie es sich gehört. Während ich mich meinem Mahl widme, lässt mein Blick durch den Raum schweifen. Und siehe da – der Saloon ist überraschend gut besucht! Also doch noch ein paar hungrige Seelen in der Stadt. Cowboys, Reisende, ein paar Einheimische – die Western-Romantik lebt!
Es ist dieser besondere Moment, wenn man merkt: Ein Ort mag sich über die Jahre verändern, aber wenn man genau hinsieht, findet man immer noch das ursprüngliche Herz eines Ortes. Und genau das macht Virginia City so besonders.
Mit jedem Bissen, jedem Schluck und jeder Minute, die wir hier verbringen, wird eines klar: Wir sind nicht nur zu Besuch – wir sind mitten drin im Wilden Westen. Und das Beste? Wir haben noch den ganzen Abend vor uns!
BILDERGALERIE: Red Dog Saloon
Nach dieser köstlichen Stärkung – und mit dem Gefühl, dass wir nun bereit wären, notfalls eine Rinderherde durch die Sierra Nevada zu treiben – ziehen wir weiter. Unser Ziel? Die nächste Station auf unserer Zeitreise durch Virginia City: die Virginia City Brewery & Taphouse.
Ein paar Schritte genügen, und schon stehen wir vor einem Gebäude, das mehr Geschichte ausstrahlt als so mancher Dokumentarfilm. Errichtet im Jahr 1860, hat dieses Haus mit Sicherheit schon mehr Geschichten gehört als der Sheriff in seinem ganzen Leben. Die eigentliche Brauerei? Seit 1995 hier ansässig, aber der Charme der Vergangenheit ist geblieben – rustikale Wände, knarzende Holzböden, und eine Bar, die sich so anfühlt, als könnte jederzeit ein durstiger Cowboy in den Raum schlurfen.
Und was tut man in einer Brauerei? Genau – man bestellt einen Flight! Eine kleine, aber feine Auswahl verschiedener Biere, serviert in Gläsern, die groß genug sind, um den Geschmack zu erleben, aber klein genug, um uns nicht direkt aus den Stiefeln zu kippen. Von hellem Ale über ein würziges IPA bis hin zu einem dunklen Stout – alles dabei.
Die Atmosphäre? Gemütlich, entspannt… und beinahe privat. Außer uns sitzt genau ein weiterer Gast an der Theke, was bedeutet: Wir haben praktisch eine exklusive Bierverkostung in einem Gebäude, das die Goldrauschzeit überlebt hat!
Mit jedem Schluck stellen wir uns vor, wie hier vor über 150 Jahren Goldgräber mit staubigen Stiefeln, müden Blicken und einem Sack voller Nuggets an genau dieser Theke standen, ihre letzten Dollar auf den Tresen legten und sich ein kühles Bier gönnten. Ob sie damals auch so einen Flight hatten? Eher unwahrscheinlich. Aber eines ist sicher: Der Geist dieser Stadt lebt noch in jeder Ecke, jedem Schluck und jeder Geschichte, die hier erzählt wird.
Während wir die letzten Tropfen genießen, ist eines klar: Das war nicht nur eine Brauereipause – das war ein weiteres kleines Abenteuer auf unserer Reise durch den Wilden Westen. Und genau deshalb lieben wir diesen Ort.

Während ich mein Bier genieße, bemerke ich mal wieder, wie Stefan seine Nase rümpft – ja, er ist nicht unbedingt der größte Bierfan. Ein bisschen als hätte er gerade an einem fauligen Fass geschnüffelt. Aber mir schmeckt es umso mehr! Ein kühles Craft Beer, handgebraut, voller Charakter – was gibt es Besseres?
Amerikanische Mikrobrauereien sind für mich eine wahre Spielwiese des Geschmacks. Jede Brauerei hat ihre eigene Handschrift, ihre eigene wilde Interpretation von Hopfen, Malz und Hefe. Manchmal ist es bitter, manchmal fruchtig, manchmal rauchig – aber immer ein Abenteuer.
Bierkunde für Genießer und solche, die es werden sollten
Und weil ich ja ein gewissenhafter Genießer bin, habe ich mir mal die Mühe gemacht, ein paar der wichtigsten Biersorten aufzulisten, die ich auf meinen Reisen durch die USA probieren konnte:
🍺 Ale
Obergäriges Bier mit höherem Alkoholgehalt. Dazu zählen IPA, Pale Ale, Porter und Stout, aber auch Barley Wines. Ein echtes Bier für Abenteurer!
🍺 India Pale Ale (IPA)
Einst erfunden, um englische Soldaten in Indien mit Bier zu versorgen. Hopfig, bitter und voller Charakter. Wer ein IPA trinkt, sollte keine Angst vor Geschmack haben.
🍺 Lager
Das klassische untergärige Bier, wie Pilsner, Bock oder Vienna Lager. Perfekt für Einsteiger oder alle, die einfach mal ohne Geschmacksexplosion ihr Bier genießen wollen.
🍺 Nut Brown Ale
Dunkel, karamellig, malzig – quasi das Dessert unter den Bieren. Perfekt für alle, die ihr Bier mit einem Hauch von gerösteten Nüssen genießen wollen.
🍺 Pale Ale
Hell, obergärig, trocken. Quasi der lockere Kumpel vom IPA, aber mit weniger Hopfen-Selbstbewusstsein.
🍺 Pilsner
Goldfarben, hopfig, untergärig. Der klassische Bierstil, den selbst Stefan trinken würde, wenn es denn sein müsste.
🍺 Porter
Dunkel und leicht bitter, aber nicht so brachial wie ein Stout. Perfekt für kühle Abende und Männer mit Bart (auch ohne Bart erlaubt).
🍺 Season / Farmhouse Ale
Früher nur im Winter gebraut, heute ein rustikales, leichtes Bier für alle Jahreszeiten. Ein Hauch von Bauernhof, aber im besten Sinne.
🍺 Sour
Obergäriges, fruchtiges Sauerbier, oft mit wilden Hefen gebraut. Für alle, die sich trauen, Bier mal anders zu probieren.
🍺 Stout
Das Schwarze Loch unter den Bieren. Schwer, dunkel, manchmal süßlich, manchmal rauchig. Guinness ist der berühmteste Vertreter, aber in den USA gibt es wahre Meisterwerke dieses Stils.
🍺 Wheat Beer (Weizenbier)
Der deutsche Klassiker, aber oft mit amerikanischem Twist. Obergärig, mit höherem Weizen- als Gerstenanteil – und manchmal mit Zitrus oder Koriander gewürzt.
Amerikanische Bierkultur? Absolut beeindruckend!
Während sich der Rest der Welt lange über „amerikanisches Bier“ lustig gemacht hat, hat sich hier eine Brauereiszene entwickelt, die mit Experimentierfreude, Kreativität und einer gesunden Portion Wahnsinn überzeugt. Die Vielfalt ist gigantisch, und es macht einfach Spaß, sich durch die unzähligen Brauereien zu probieren. Jedes Bier erzählt eine Geschichte – genau wie Virginia City.
Mit diesem Gedanken verabschiede ich mich vom heutigen Tag.
Gute Nacht, Virginia City.
Gute Nacht, Ben, Hoss, Adam und Little Joe.
Und Prost auf viele weitere Bierabenteuer! 🍻✨
BILDERGALERIE: Virginia City Tap & Brew House