Von Yellowstone ins Nirgendwo – 800 Kilometer Montana, Burger und eine Hütte mit Bärenspray
Heute heißt es Abschied nehmen von Gardiner und damit auch vom Yellowstone. Ein bisschen Wehmut ist schon dabei, denn die letzten Tage waren genau die Sorte Urlaub, bei der man morgens nie so recht weiß, ob man bis zum Abend einen Geysir, einen Bären, einen Bison oder gleich alles zusammen gesehen haben wird. Aber unsere Reise ist noch lange nicht vorbei. Im Gegenteil: Heute wartet erst einmal ein ordentlicher Fahrtag auf uns, denn wir müssen Montana praktisch einmal der Länge nach durchqueren. Unser Ziel liegt ganz oben im Norden, nur etwa 15 Kilometer von der kanadischen Grenze entfernt.
Dort haben wir für zwei Nächte eine kleine Cabin auf der Paul Ranch gebucht, weil wir morgen den Glacier National Park erkunden wollen. Natürlich hätte man auch direkt am oder im Park übernachten können, allerdings wurden dort Preise aufgerufen, bei denen offenbar nicht nur das Bett, sondern gleich ein kleiner Anteil am Nationalpark mitverkauft wird. Also Paul Ranch. Klang nett, sah nett aus und war erheblich freundlicher zu unserer Reisekasse. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen: Zur Ausstattung gehören unter anderem eine Waschschüssel, ein Dixie-Klo und Bärenspray. Aber der Reihe nach.
Nach einem typisch amerikanischen Frühstück – Pancakes, Speck, Rührei und Kaffee, also praktisch alles, was ein Mensch braucht, um anschließend mehrere hundert Kilometer regungslos in einem Auto zu sitzen – stopfen wir unsere Sachen wieder in den Kofferraum und fahren los.
Kaum haben wir Gardiner hinter uns gelassen, stehen am Straßenrand noch ein paar Elks herum und frühstücken ebenfalls. Allerdings deutlich gesünder als wir. Während wir Speck und Pancakes intus haben, begnügt man sich dort mit Gras. Die Tiere lassen sich von uns überhaupt nicht beeindrucken und mampfen weiter, als würden täglich deutsche Touristen mit Kameras vorbeikommen. Vermutlich tun sie das auch. Nach den letzten Tagen im Yellowstone haben wir ohnehin schon eine etwas verschobene Wahrnehmung entwickelt. Zuhause würde vermutlich ein einzelnes Reh am Straßenrand reichen, damit im Auto hektisch „Guck mal!“ gerufen wird. Hier stehen Elks herum und man denkt beinahe schon: Ach, Elks. Nett. So schnell verdirbt einen Yellowstone. Dann liegt Montana vor uns. Und zwar sehr viel davon.

Je weiter wir nach Norden fahren, desto weiter wird die Landschaft. Berge, Hügel, Prärie, Felder, Himmel – und dazwischen eine Straße, die offenbar von jemandem geplant wurde, der Kurven grundsätzlich für unnötigen Firlefanz hielt. Teilweise zieht sich der Highway so schnurgerade bis zum Horizont, dass man das Lenkrad eigentlich nur noch aus Gewohnheit festhält. Montana nennt sich „Big Sky Country“, und nach ein paar Stunden versteht man ziemlich gut, warum. Der Himmel scheint hier tatsächlich größer zu sein. Nicht ein bisschen größer, sondern so, als hätte jemand beim Aufbau der Landschaft versehentlich die Panorama-Version bestellt. Über uns ein gewaltiges Blau mit riesigen weißen Wolken, darunter goldene Felder und dieses schwarze Asphaltband, das irgendwo am Horizont verschwindet. Man fährt und fährt und fährt – und die Straße sieht zehn Minuten später immer noch genauso aus.

Langweilig finde ich das trotzdem überhaupt nicht. Im Gegenteil. Gerade diese unglaubliche Weite fasziniert mich. Zwei Drittel Montanas gehören zu den Great Plains, und hier bekommt man eine ziemlich eindrucksvolle Vorstellung davon, was das bedeutet. Stundenlang ziehen Weizenfelder an uns vorbei, irgendwo arbeitet eine Erntemaschine und verschwindet dabei fast in einer riesigen Staubwolke, daneben stehen Getreidesilos, Heuballen und immer wieder Farmen, die so weit auseinanderliegen, dass „beim Nachbarn kurz Zucker holen“ vermutlich eine Tankfüllung voraussetzt.

Manchmal taucht am Horizont ein Haus auf, dann wieder minutenlang gar nichts. Die Straße läuft schnurgerade durch diese Landschaft, über Hügelkuppen hinweg und dahinter einfach weiter bis zur nächsten Kuppe. Es ist vollkommen unspektakulär und gleichzeitig großartig. Genau diese Gegensätze liebe ich an Amerika. Gestern noch brodelt im Yellowstone die Erde unter unseren Füßen, heute fahren wir durch eine Landschaft, in der offenbar seit 200 Kilometern nichts passiert – und trotzdem klebe ich mit der Kamera am Fenster.
Unterwegs legen wir einen Stopp in Helena ein. Wenn man schon quer durch Montana fährt, kann man schließlich auch kurz bei der Hauptstadt vorbeischauen. Das Montana State Capitol macht dabei durchaus etwas her: eine mächtige Kuppel, davor gepflegter Rasen und ein riesiges Blumenbeet, alles sehr repräsentativ und deutlich weniger nach Wildem Westen, als der Rest unseres heutigen Tages noch werden wird. Wir vertreten uns ein bisschen die Beine, machen natürlich Fotos und stehen kurze Zeit später schon wieder am Auto. Helena ist heute kein großes Besichtigungsprogramm, sondern eher ein gepflegtes „Wenn wir schon mal hier sind“. Schließlich haben wir noch einige Kilometer vor uns und inzwischen beginnt außerdem eine andere Sache zunehmend an Bedeutung zu gewinnen: Hunger.

Etwa anderthalb Stunden später erreichen wir Great Falls und damit einen Ort, an dem wir ein sehr wichtiges Stück amerikanischer Hochkultur besuchen: Fuddruckers. Wir lieben Fuddruckers. Hier bekommt man seinen Burger zunächst gewissermaßen im Rohbau – Bun und Fleisch sind vorhanden, den Rest erledigt man selbst an der großen Theke mit Salat, Tomaten, Zwiebeln, Gurken, Saucen und allem, was sich noch zwischen zwei Brötchenhälften stapeln lässt. Das ist insofern genial, weil anschließend niemand behaupten kann, der Burger sei falsch belegt. Man war es schließlich selbst. Natürlich führt diese Freiheit dazu, dass aus einem harmlosen Burger schnell ein statisch fragwürdiges Bauwerk entsteht, das man spätestens beim ersten Bissen nicht mehr würdevoll essen kann. Aber Würde wird beim Burgeressen ohnehin überschätzt. Hauptsache lecker – und das ist er.
Da Great Falls außerdem einen Harley-Davidson-Händler besitzt, ist unser weiterer Tagesablauf praktisch alternativlos. Ein Harley-Shop am Wegesrand wird von uns nicht einfach ignoriert. Andere Menschen sammeln vielleicht Kühlschrankmagnete oder Postkarten, wir betreiben eher die textile Variante der Reiseerinnerung. „Been there – got the shirt“ funktioniert hervorragend und sorgt nebenbei dafür, dass man irgendwann einen Kleiderschrank besitzt, anhand dessen sich komplette USA-Routen rekonstruieren lassen. Also rein zu Big Sky Harley-Davidson, ein bisschen zwischen Motorrädern und Merchandise herumstöbern und selbstverständlich mit neuen T-Shirts wieder herauskommen. Damit ist Great Falls erfolgreich abgearbeitet: Burger gegessen, Harley-Shirts gekauft. Kulturprogramm beendet.

Bevor wir die Stadt verlassen, geht es noch zu Walmart. Unsere Unterkunft heute Abend liegt der Beschreibung nach eher in einer Gegend, in der man nach Ladenschluss nicht mal eben zum nächsten Supermarkt läuft, sofern man unter „mal eben“ nicht eine kleine Expedition versteht. Also decken wir uns vorsichtshalber mit Sandwiches, Getränken und allem ein, was wir für ein Abendessen brauchen. Danach geht es wieder auf den Highway und weiter nach Norden. Und jetzt wird Montana endgültig groß.
Die Landschaft wird immer leerer, die Orte kleiner und die Abstände dazwischen länger. Goldene Felder ziehen bis zum Horizont, Lastwagen und landwirtschaftliche Fahrzeuge tauchen gelegentlich auf der Straße auf, riesige Getreidesilos stehen mitten im Nirgendwo und zwischendurch passiert kilometerlang überhaupt nichts. Das Handynetz verabschiedet sich irgendwann ebenfalls. Erst ein Balken, dann keiner mehr, es schient so als würde es hier draußen schlicht nichts geben, womit sich das Telefon verbinden könnte. Montana hat an dieser Stelle offenbar beschlossen, dass Kommunikation überschätzt wird.
Nach ungefähr drei weiteren Stunden erreichen wir Babb. Wobei „erreichen“ für Babb fast ein bisschen groß klingt. Babb besteht, soweit wir das auf den ersten Blick beurteilen können, im Wesentlichen aus einem General Store, einer kleinen Kirche, ein paar verstreuten Gebäuden und sehr viel Gegend drum herum. Wenn man hier aus Versehen am Ortsschild blinzelt, besteht durchaus die Gefahr, dass man anschließend fragt, wann Babb denn endlich kommt.
Bianca betrachtet die Sache etwas weniger romantisch als ich. Kein Handynetz, kaum Menschen, endlose Landschaft und irgendwo da draußen unsere Ranch – für jemanden mit einem gewissen Konsum einschlägiger amerikanischer Krimiserien ist das natürlich hervorragendes Ausgangsmaterial. Während ich die Gegend wunderbar finde, beginnt bei ihr offenbar bereits die innere Titelmelodie von „Criminal Minds“ zu laufen. Was denn sei, wenn wir hier überfallen oder entführt würden? Ich muss lachen. Wer genau uns hier entführen soll, ist zwar unklar, aber Bianca hat offensichtlich schon ein komplettes Drehbuch im Kopf. Ich versuche sie mit dem Hinweis zu beruhigen, dass die meisten Menschen hier vermutlich einfach nur Kühe besitzen und nicht heimlich Touristen in Kellern sammeln. Ob dieser Gedanke wirklich hilft, weiß ich nicht. Einen Keller würde man hier schließlich problemlos irgendwo verstecken können.
Die Paul Ranch finden wir trotzdem ohne Schwierigkeiten. Das liegt allerdings weniger an unseren hervorragenden Navigationskünsten als an der Tatsache, dass es hier schlicht nicht besonders viele Möglichkeiten gibt, falsch abzubiegen. Ein Schild weist den Weg, wir rumpeln die Zufahrt entlang – und dann stehen wir vor unserem Zuhause für die nächsten beiden Nächte.

Und ich bin sofort begeistert. Unsere kleine Cabin sieht aus, als hätte jemand eine amerikanische Ranch aus einem Film genommen und auf handliches Ferienformat geschrumpft. Eine kleine Veranda, Blumen vor dem Haus, Holzzaun, ringsherum Weiden und Landschaft. Dazu ein geschnitzter Bär vor der Tür, der ein „Welcome“-Schild hält. Sehr beruhigend. Vor allem, wenn man wenige Minuten später feststellt, dass im Haus echtes Bärenspray bereitliegt.
Ein menschliches Empfangskomitee brauchen wir zunächst gar nicht, denn dafür ist die Tierabteilung zuständig. Zwei große Hunde kommen zu uns, eine Katze ist ebenfalls sofort zur Stelle, auf den Weiden stehen Kühe und direkt neben unserer Cabin wohnen sieben Alpakas und ein Lama. Letztere schauen uns mit dieser wunderbaren Mischung aus Neugier und leichter Überheblichkeit an, die Alpakas offenbar serienmäßig eingebaut haben. Sie sehen aus, als würden sie seit unserer Ankunft gemeinsam darüber beraten, ob wir ihren Qualitätsansprüchen genügen. Besonders ernst kann man sie dabei allerdings nicht nehmen. Ein Alpaka sieht selbst dann noch ein bisschen albern aus, wenn es vermutlich gerade über sehr wichtige Dinge nachdenkt.
Die Tür unserer Cabin ist offen. Drinnen liegt der Schlüssel für uns bereit. Daneben: eine Dose Bärenspray. Nun gut. Bis zu diesem Moment hatte die Sache noch etwas von „Little House on the Prairie“. Das Bärenspray verschiebt die Stimmung kurzfristig in Richtung „Grizzly Adams für Anfänger“.
Die Hütte selbst ist herrlich rustikal. Es gibt eine kleine Küche, einen Tisch, Betten und sogar Strom. Nur bei der Wasserversorgung hat man beschlossen, dass moderner Luxus überschätzt wird. Fließendes Wasser gibt es nämlich nicht. Dafür stehen Kanister bereit, und zum Waschen gibt es eine Schüssel. Im Grunde wohnen wir also wie amerikanische Siedler, nur mit elektrischem Licht und Kühlschrank. Ich finde das großartig.
Bianca noch nicht. Denn dann entdeckt sie das Badezimmer. Das befindet sich draußen und ist braun. Ein Dixie-Klo. Ihr Gesicht ist unbezahlbar. Für sie fügt sich nun alles zu einem erschreckend schlüssigen Gesamtbild zusammen: kein Handynetz, Bärenspray auf dem Tisch, kein fließendes Wasser und für nächtliche Toilettengänge soll sie das Haus verlassen und zu einem mobilen Plastikklosett marschieren. Vermutlich läuft in ihrem Kopf inzwischen nicht mehr „Criminal Minds“, sondern bereits irgendein Horrorfilm, bei dem man als Zuschauer schon nach zehn Minuten weiß, dass die blonde Frau auf gar keinen Fall nachts allein vor die Tür gehen sollte.

„Da gehe ich nicht drauf.“ Sie sagt das mit einer Entschlossenheit, als hätte sie gerade eine wichtige politische Grundsatzentscheidung getroffen. Stattdessen kündigt sie an, einfach bis morgen zu warten, bis wir wieder irgendwo in der Zivilisation sind. Ich lasse das unkommentiert. Der menschliche Körper und Bianca werden diese Angelegenheit untereinander klären müssen. Stefan und ich haben jedenfalls weniger Probleme mit unserem blauen Badezimmer. Luxus sieht anders aus, aber ganz ehrlich: Wir wollten mitten im Nirgendwo wohnen. Jetzt wohnen wir mitten im Nirgendwo. Man kann schlecht Wildnis bestellen und sich anschließend darüber beschweren, dass das Bad keinen beheizten Handtuchhalter hat.
Hinter der Hütte gibt es eine kleine Sitzecke, Blumen und einen winzigen Garten, und mit jedem weiteren Blick gefällt mir die Paul Ranch besser. Direkt nebenan stehen die Alpakas und beobachten uns weiterhin. Die Hunde haben inzwischen beschlossen, dass wir offenbar zur Familie gehören, und auch die Katze scheint keine größeren Einwände gegen unsere Anwesenheit zu haben. Das Ganze ist so herrlich unkompliziert, dass man automatisch einen Gang herunterschaltet. Kein Verkehr, kein Lärm, kein Handyempfang. Nur Weite, Tiere und diese kleine Hütte.
Später kommt Janice, die Besitzerin der Ranch, vorbei, um uns persönlich zu begrüßen. Sie erzählt uns ein bisschen vom Leben hier draußen – und natürlich komme ich irgendwann auf das Bärenspray zu sprechen. Das liegt schließlich nicht zufällig neben dem Schlüssel wie ein Werbegeschenk. Janice erklärt uns völlig gelassen, dass es in der Gegend jede Menge Grizzlys und andere Bären gibt und wir das Spray insbesondere nachts mitnehmen sollen, wenn wir zur Toilette gehen.

Biancas Gesicht möchte ich an dieser Stelle gern konservieren. Vor wenigen Minuten war das Dixie-Klo noch das Problem. Jetzt muss sie, sollte ihre angekündigte Blasenkontrolle wider Erwarten versagen, nachts durch die Dunkelheit zu einem Dixie-Klo laufen – bewaffnet mit Bärenspray. Mehr Argumente für „Ich gehe erst morgen wieder“ hätte Janice ihr kaum liefern können.
Natürlich interessiert mich sofort eine andere Frage. Direkt neben unserer Hütte stehen schließlich sieben Alpakas und ein Lama herum. Wenn hier tatsächlich Grizzlys unterwegs sind, was ist dann mit denen? Janice erklärt, dass die Bären die Alpakas normalerweise in Ruhe lassen. Offenbar kennen sie diese Tiere nicht so recht und betrachten sie deshalb nicht als typische Beute. Bei einem Kälbchen könne das allerdings anders aussehen; da sei es durchaus schon vorgekommen, dass ein Bär hinterher war.
Ich schaue zu den Alpakas. Kann ich verstehen. Das Auge isst schließlich mit. Und Alpakas sehen nun einmal ein bisschen aus, als hätte jemand beim Zusammenbauen mehrerer Tierarten die Anleitung verloren.

Janice erzählt weiter, wir sitzen zusammen vor unserer Hütte und lernen nach und nach auch die übrigen Ranchbewohner kennen. Besonders schön finde ich die Geschichte ihrer Katze. Die heißt Fluffy. Soweit nichts Ungewöhnliches. Fluffy hat allerdings eine Schwester, die deutlich weniger flauschig geraten ist. Und weil man hier offenbar wenig von komplizierter Namensfindung hält, heißt die schlicht „Not-so“.
Fluffy und Not-so. Ich bin begeistert. Das eröffnet völlig neue Möglichkeiten zus Namensgebung von Kindern. Pretty und Not-so. Clever und Not-so. Friendly und Not-so. Eigentlich lässt sich damit jede Geschwisterkonstellation lösen, sofern eines der Kinder später bereit ist, mit den psychischen Folgen zu leben.
Fluffy selbst interessiert sich unterdessen weniger für unsere Namensphilosophie als für unser Auto. Irgendwann sitzt die Katze nämlich einfach im offenen Kofferraum zwischen unseren Koffern, wenig später auf dem Beifahrersitz und sieht dabei so selbstverständlich aus, als hätte sie beschlossen, morgen mit uns in den Glacier National Park zu fahren. Die Hunde liegen vor der Veranda, die Alpakas stehen auf der Weide und wir mittendrin. Ich glaube, wir sind seit wenigen Stunden hier und bereits vollständig adoptiert worden.

Unsere Walmart-Einkäufe werden schließlich zum Abendessen erklärt. Kein Restaurant, kein gedeckter Tisch, keine große Küche – stattdessen sitzen wir draußen vor unserer kleinen Hütte, essen Sandwiches und andere zusammengekaufte Leckereien, trinken Bier aus Dosen und haben Gesellschaft von zwei Hunden, die sehr genau wissen, dass Menschen beim Essen gelegentlich Dinge fallen lassen. Es ist eines dieser Abendessen, die kulinarisch vermutlich keinen Michelin-Prüfer aus dem Auto springen lassen würden und trotzdem perfekt sind. Hinter uns die kleine Cabin, vor uns die endlose Landschaft Montanas, irgendwo stehen Kühe herum, nebenan schauen die Alpakas zu und über allem verändert der Himmel langsam seine Farbe.
Und dieser Himmel gibt zum Abschluss noch einmal richtig an. Die Sonne sinkt über der Prärie, das Licht wird immer wärmer und die Landschaft scheint plötzlich noch größer zu werden. Wir sitzen lange draußen, reden mit Janice, trinken unser Bier und schauen zu, wie aus dem hellen Nachmittag langsam Abend und schließlich Dunkelheit wird. Kein Handy piepst, niemand muss irgendwohin, und nach diesem langen Tag auf der Straße ist genau das herrlich. Heute Morgen sind wir noch zwischen den Bergen rund um Yellowstone gestartet, haben Montana von Süd nach Nord durchquert, Elks am Straßenrand gesehen, das Capitol in Helena besucht, bei Fuddruckers Burger gebaut, bei Harley T-Shirts eingesammelt und sind schließlich in einem Ort gelandet, in dem selbst unser Telefon aufgegeben hat.
Jetzt sitzen wir vor einer winzigen Hütte fast an der kanadischen Grenze, trinken Dosenbier mit einer Rancherin, werden von Hunden bewacht, von Alpakas beobachtet und wissen, dass wir für einen nächtlichen Toilettengang vorsichtshalber Bärenspray mitnehmen sollen. Ganz ehrlich: Viel besser kann ein Tag in Montana eigentlich nicht enden. Nur Bianca sieht das mit dem Toilettengang vermutlich etwas anders.



































