Von Vampiren, Regenwald ohne Regen und einem ziemlich perfekten Sonnenuntergang
Am nächsten Morgen wachten wir in Forks auf und konnten zunächst eine erfreuliche Bilanz ziehen: Wir waren noch vollständig. Keine Bissspuren, keine unerklärliche Blässe und Stefan glitzerte auch nicht im Sonnenlicht. Wobei Letzteres an diesem Morgen sogar überprüfbar war, denn entgegen allem, was ich inzwischen über Forks und seine notorisch wolkenverhangene Twilight-Atmosphäre gelernt hatte, zeigte sich das Wetter ausgesprochen freundlich. Bevor wir uns allerdings endgültig aus der Vampirhauptstadt verabschiedeten, hatten wir noch einen Auftrag zu erfüllen. Unsere Tochter hatte sehr deutlich gemacht, dass man nicht einfach nach Forks fahren und anschließend wieder abreisen konnte, ohne die einschlägigen Twilight-Schauplätze fotografiert zu haben. Gestern hatte ich noch einen Crashkurs über Edward, Bella, Jacob und vegetarische Vampire benötigt, heute war ich bereits auf Location-Tour. Meine Lernkurve war beeindruckend.
Also fuhren wir noch einmal kreuz und quer durch Forks und arbeiteten gewissermaßen die Twilight-Pflichtliste ab. Wir fotografierten die Forks High School, das Haus, das hier als Cullen House vermarktet wurde, Charlie und Bella Swans Haus, die Polizeistation und natürlich Bellas roten Chevy Pickup, der in Forks offenbar ungefähr denselben Stellenwert genoss wie anderswo ein historisches Denkmal. Besonders hübsch fand ich das Schild am Forks Community Hospital: „Dr. Cullen – Vampire Parking Only.“ Man muss den Leuten hier lassen, dass sie ihre berühmtesten Einwohner konsequent in den Alltag integriert hatten. Eigener Parkplatz für Vampire – vermutlich schattig gelegen. Und selbstverständlich gehörte auch Forks Outfitters auf unsere fotografische Beweisliste, jener Supermarkt, der für Twilight-Fans offenbar keineswegs einfach nur ein Laden war, sondern ein Ort mit Bedeutung. Für mich war er vor allem praktisch, denn wir brauchten Frühstück. So unterschiedlich können Prioritäten sein. Während irgendwo auf der Welt vermutlich ein Twilight-Fan ehrfürchtig davon träumte, einmal vor Forks Outfitters zu stehen, liefen Stefan und ich hinein und kauften Lebensmittel.
Damit war unsere kurze Karriere als Twilight-Locationscouts beendet, und wir verließen Forks in Richtung Hoh Rain Forest. Je weiter wir auf der Upper Hoh Road in den Olympic National Park hineinfuhren, desto mehr übernahm wieder die Landschaft das Kommando. Die Straße schlängelte sich durch dichten Wald, überall Grün, riesige Bäume und dieses zunehmend urzeitliche Gefühl, als würde hinter der nächsten Kurve weniger ein Parkplatz als vielmehr ein Dinosaurier auftauchen.
Am Visitor Center angekommen, hatten wir offenbar genau das richtige Zeitfenster erwischt. Es war noch früh, kaum jemand unterwegs, und ausgerechnet im Regenwald schien die Sonne. Wir waren auf eine gewisse Weise fast ein bisschen enttäuscht. Da fährt man extra in einen der berühmtesten gemäßigten Regenwälder Nordamerikas, stellt sich innerlich auf tropfende Kapuzen, beschlagene Objektive und das vertraute Geräusch nasser Schuhe ein – und bekommt blauen Himmel. Es gibt Schlimmeres.

Wir machten uns auf die Trails und standen schon nach wenigen Minuten mitten in einer Welt, die mit einem normalen Wald nicht mehr besonders viel gemeinsam hatte. Die Bäume waren riesig, ihre Äste schwer mit Moosen behangen, Farne bedeckten den Boden und von manchen Stämmen hingen ganze grüne Vorhänge herunter. Sonnenstrahlen fanden hier und da einen Weg durch das dichte Blätterdach und trafen auf Moose, Wurzeln und umgestürzte Baumriesen, sodass der Wald ständig anders aussah.
An manchen Stellen wuchsen neue Bäume direkt auf alten, längst gefallenen Stämmen, als hätte die Natur beschlossen, dass Abriss völlig unnötig sei, solange man einfach eine neue Etage daraufsetzen könne. Unsere Kameras liefen entsprechend heiß. Hinter jedem Baum stand nämlich ein noch fotogenerer Baum, hinter jedem Farn wartete noch mehr Moos und irgendwann fotografiert man Dinge, die man zu Hause vermutlich unter „grüner Baum Nummer 73“ abspeichern würde, die in diesem Moment aber selbstverständlich unverzichtbar erscheinen.
Weil wir so früh unterwegs waren, gehörte der Wald anfangs fast uns allein. Kein Stimmengewirr, keine Menschengruppe vor uns, nur das Knacken unter den Schuhen, Vogelstimmen und irgendwo Wasser. Gerade zwischen diesen gewaltigen, moosüberzogenen Bäumen bekam die Stille allerdings auch etwas leicht Unheimliches. Und natürlich war mein Kopf inzwischen durch Forks nachhaltig verdorben. Noch einen Tag zuvor hätte ich einfach einen Wald gesehen. Jetzt betrachtete ich das Dickicht und überlegte, ob dort möglicherweise gleich Edward Cullen hervorkam. Oder Jacob. Wobei Edward bei diesem Sonnenschein wegen seiner Glitzerei vermutlich schon aus hundert Metern Entfernung aufgefallen wäre. Immerhin wusste ich inzwischen, dass wir von den Cullens nichts zu befürchten hatten – Vegetarier. Dass dieser Begriff in Forks eine gewisse Sonderbedeutung hatte, verdrängte ich großzügig.
Wir gingen zwei Trails und kamen schließlich bis an den Hoh River, dessen helles Wasser durch die gewaltige grüne Kulisse floss. Dort blieben wir eine Weile sitzen und genossen genau das, weswegen sich frühes Aufstehen auf solchen Reisen immer wieder lohnt: Man hat einen Ort für kurze Zeit tatsächlich fast für sich. Als wir später Richtung Parkplatz zurückgingen, war es damit vorbei. Uns kamen immer mehr Menschen entgegen, und am Visitor Center füllten sich inzwischen die Parkplätze. Wir hatten also wieder einmal alles richtig gemacht – eine Erkenntnis, die man ruhig genießen darf, weil sie im Reisealltag keineswegs selbstverständlich ist. Es gibt schließlich auch die Tage, an denen man genau dann irgendwo auftaucht, wenn sämtliche Reisebusse des Bundesstaates dieselbe Idee hatten.
Bevor wir weiterfuhren, wurde allerdings erst einmal gefrühstückt. Und dieses Frühstück hatte mit dem romantischen Bild von Kaffee, Croissant und hübsch gedecktem Tisch eher wenig zu tun. Wir besetzten einen der massiven Picknicktische, stellten unsere Einkaufstüten darauf und packten aus, was Forks Outfitters hergegeben hatte. Milch, Frühstücksflocken, Chips und allerlei Dinge, die zusammen vermutlich keine Ernährungsberaterin zu spontanen Jubelrufen veranlasst hätten. Das Foto davon gefällt mir bis heute besonders gut: Ich stehe mit einem Becher am Tisch und esse, Stefan sitzt daneben und hält sich eine Banane ans Ohr. Warum? Keine Ahnung. Vielleicht war der Empfang im Hoh Rain Forest schlecht. Vielleicht führte er ein wichtiges Gespräch. Vielleicht waren wir nach mehreren Tagen Amerika einfach bereits an einem Punkt angekommen, an dem Obst völlig neue Funktionen übernahm. Jedenfalls sieht unser Frühstück aus wie das improvisierte Basislager zweier Menschen, die ihre komplette Küche in Plastiktüten mit sich führen und dabei ausgesprochen zufrieden sind. Und genau so war es auch.

Gut gestärkt verließen wir den Hoh Rain Forest und machten uns auf den Weg Richtung Süden. Nach ungefähr 45 Meilen legten wir am Kalaloch Beach den nächsten Stopp ein, und inzwischen hatte das Wetter endgültig beschlossen, sämtliche Klischees über Washington für einen Tag außer Kraft zu setzen. Über uns spannte sich ein tiefblauer Himmel, der Pazifik glitzerte in der Sonne und der breite Strand lag fast leer vor uns. Schon der Weg hinunter führte über und zwischen den gewaltigen Baumstämmen hindurch, die das Meer hier an Land geworfen hatte. Unten liefen wir einfach los, barfuß beziehungsweise zumindest mit den Füßen dort, wo die Wellen gerade noch gewesen waren, und hinterließen unsere Spuren im nassen Sand. Wir fanden angeschwemmte Krabben, Muscheln und allerlei kleine Überbleibsel des Meeres und genossen eine Weile dieses wunderbare Nichts, das an der Pazifikküste manchmal das Beste überhaupt ist: Wasser, Strand, Wind und Platz bis zum Horizont.

Auf dem Rückweg entdeckten wir dann Bäume, bei denen man unweigerlich zweimal hinschauen musste. An ihren Stämmen saßen riesige knubbelige Wucherungen, teilweise so groß, dass die Bäume aussahen, als hätten sie beim Waldarzt dringend einen Termin nötig. Wir gingen einen kleinen Trail durch den Spruce Tree Forest und sahen uns diese merkwürdigen Gebilde genauer an. Den Infotafeln zufolge handelte es sich um Wucherungen, sogenannte Burls, die den Bäumen offensichtlich nicht zwangsläufig schadeten.

Das beruhigte mich zwar, machte die Sache optisch aber nicht weniger spektakulär. Manche Fichten trugen regelrechte Kugeln am Stamm, andere hatten mehrere übereinander und sahen aus, als hätte jemand beim Modellieren des Baumes irgendwann die Kontrolle über die Materialmenge verloren. Nach dem filigranen Mooszauber im Hoh Rain Forest präsentierte uns die Natur hier also ihre etwas rustikalere Designabteilung. Langweilig wurde es jedenfalls nicht.
Danach allerdings schon ein bisschen. Die Fahrt weiter Richtung Süden zog sich, Washington zeigte uns viel Straße und Landschaft, ohne alle fünf Minuten eine neue Sensation bereitzuhalten, und irgendwann verfällt man in diesen Roadtrip-Modus, in dem Kilometer einfach vorbeiziehen. Bis am Nachmittag plötzlich der Columbia River vor uns lag – und damit die Grenze zu Oregon. Vor allem aber lag dort die Astoria-Megler Bridge. Dieses Ding ist mit seinen rund 6,5 Kilometern keine Brücke, die man mal eben übersieht. Sie zieht sich gewaltig über die Mündung des Columbia River, erst flach über das Wasser und dann mit ihrem markanten Stahlgerüst hinüber nach Astoria. Spätestens auf der Brücke war die leichte Fahr-Lethargie verschwunden. Oregon, wir kommen.
Astoria war für uns keine Unbekannte. Vier Jahre zuvor waren wir schon einmal hier gewesen und hatten uns auf die Spuren von Kindergarten Cop gemacht. Arnold Schwarzenegger als Undercover-Polizist im Kindergarten – einer dieser Filme, bei denen wir natürlich nicht einfach sagen können: „Ach ja, wurde hier gedreht.“ Nein. Wenn wir schon in der Stadt sind, müssen die Drehorte gesucht und fotografiert werden. So funktioniert das bei uns. Dieses Mal hatten wir allerdings kein großes Movie-Location-Programm vorgesehen, sondern wollten nur einen Zwischenstopp machen. Ganz ohne Aussichtspunkt ging es natürlich trotzdem nicht, und deshalb fuhren wir hinauf zur Astoria Column.

164 Stufen führten im Inneren der Säule spiralförmig nach oben. Das klingt auf dem Papier überschaubar. Nach ungefähr der Hälfte entwickelt man allerdings eine überraschend persönliche Beziehung zu jeder einzelnen Stufe. Oben angekommen war sämtliche Meckerei vergessen, denn die Aussicht war fantastisch. Unter uns lag Astoria, dahinter der breite Columbia River, und in der Ferne konnten wir die Astoria-Megler Bridge sehen, über die wir gerade gekommen waren. Bei diesem klaren Wetter reichte der Blick weit über die Landschaft, und natürlich musste auch ein Foto von Stefan und mir auf der Plattform her. Wenn man 164 Stufen hochgelaufen ist, braucht man schließlich Beweismaterial. Sonst hätte man unten ja genauso gut behaupten können, man sei oben gewesen und die Kamera habe leider versagt.
Danach hatten wir uns etwas Essbares verdient und landeten am Riverfront im Wet Dog Cafe & Brewery. Wir saßen draußen mit Blick auf den Columbia River, vor uns Burger und Bier – eine Kombination, bei der auf amerikanischen Roadtrips grundsätzlich wenig schiefgehen kann. Stefan blieb beim Bier eher auf vertrautem Terrain, während ich natürlich wissen wollte, was die Brauerei noch so zu bieten hatte. Die Kellnerin empfahl mir zunächst ein Strawberry Blonde, ein Bier mit Erdbeer- beziehungsweise Himbeercharakter, und weil mein Verhältnis zu kulinarischen Experimenten gelegentlich stärker ausgeprägt ist als mein Selbsterhaltungstrieb, probierte ich es.
Und siehe da: Das Zeug schmeckte tatsächlich richtig gut. Also folgte noch eines mit Mandarinen- beziehungsweise Zitrusnote. Bierpuristen hätten vermutlich leise geweint, ich dagegen war begeistert. Wenn man mir Obst ins Bier tun möchte und das Ergebnis schmeckt, bin ich für internationale Zusammenarbeit jederzeit offen. Dazu gab es einen ordentlichen Burger mit Kartoffelecken, der Columbia River lag vor uns und irgendwo am Riverfront stand der alte Trolley – Astoria machte es uns ausgesprochen schwer, wieder ins Auto zu steigen.
Wir mussten trotzdem weiter, denn der Tag hatte noch einen ziemlich großen Programmpunkt vor sich. Etwa eine halbe Stunde später erreichten wir Cannon Beach, und dort passte plötzlich alles zusammen: wolkenloser Himmel, Ebbe und die Sonne bereits auf dem Weg Richtung Horizont. Vier Jahre zuvor hatten wir den Haystack Rock schon einmal gesehen, damals allerdings bei deutlich höherem Wasserstand. Dieses Mal hatte sich der Pazifik weit zurückgezogen und vor uns lag eine riesige Fläche aus nassem Sand, in der sich Himmel und Felsen spiegelten. Also liefen wir hinaus zum Haystack Rock, der mit seinen 72 Metern Höhe ohnehin schon beeindruckend ist, im Abendlicht aber noch einmal eine völlig andere Wirkung bekam.

Mit jeder Minute wurde das Licht wärmer. Der Himmel wechselte von Blau zu Gold, dann zu Orange, und der Haystack Rock wurde langsam zur dunklen Silhouette vor der untergehenden Sonne. Auf dem nassen Sand spiegelten sich die Farben, zwischen den Felsen lagen kleine Wasserflächen von der Ebbe zurück und wir liefen einfach herum, fotografierten und warteten darauf, was die Sonne als Nächstes veranstalten würde. Solche Sonnenuntergänge haben ja die unangenehme Eigenschaft, dass man ungefähr alle dreißig Sekunden glaubt, jetzt sei das schönste Foto entstanden – nur damit es dreißig Sekunden später noch besser aussieht. Entsprechend dürfte meine Speicherkarte an diesem Abend irgendwann um Gnade gebeten haben. Aber wenn die Sonne so perfekt neben dem Haystack Rock versinkt, wäre fotografische Zurückhaltung auch völlig unangebracht gewesen.
Die Ebbe hatte rund um den Haystack Rock außerdem kleine Tide Pools freigelegt, und natürlich fanden wir darin wieder Seeanemonen und Seesterne. Nach unserem Erlebnis am Rialto Beach waren wir inzwischen beinahe professionelle Seesternsucher, wobei Cannon Beach mengenmäßig nicht mithalten konnte. Das musste es aber auch gar nicht. Hier spielte eindeutig der Sonnenuntergang die Hauptrolle. Wir blieben, bis die Sonne verschwunden war und der Himmel hinter den Felsen nur noch orange und violett glühte. Der Strand wurde langsam dunkler, die Silhouetten der Felsen standen schwarz gegen den Horizont und irgendwann mussten selbst wir einsehen, dass dieser Tag nicht noch schöner werden würde, nur weil wir weitere 200 Fotos machten.
Nun hatten wir allerdings noch ein kleines logistisches Detail zu erledigen: Unsere Unterkunft lag an der Tillamook Bay, ungefähr eine Stunde entfernt. Die Sonne war weg, es wurde dunkel und wir fuhren auf dem Highway 101 weiter nach Süden. Den Gastgebern unseres Bed & Breakfast hatten wir bereits angekündigt, dass wir vermutlich erst gegen 21 Uhr eintreffen würden, worauf völlig entspannt ein „No problem“ zurückgekommen war. Das Sheltered Nook on Tillamook Bay lag mitten in einem ruhigen Wohngebiet, was bei Tageslicht sicherlich sehr idyllisch war, bei Dunkelheit aber zunächst dazu führte, dass wir ein wenig herumkurvten und nach irgendeinem Hinweis suchten, ob wir hier überhaupt richtig waren. Schließlich fanden wir einen Zaun mit einem Schild und einer Telefonnummer. Ich rief an, erklärte, dass wir draußen standen, und kurz darauf öffnete sich das große Tor. Das hatte nach Forks und Twilight fast schon wieder etwas Verdächtiges. Man ruft nachts eine unbekannte Nummer an, ein Tor öffnet sich langsam und man fährt auf ein dunkles Grundstück. Wenigstens waren wir inzwischen in Oregon. Die Vampire hatten wir hoffentlich in Washington zurückgelassen.

Mark und Dee begrüßten uns herzlich und zeigten uns unsere Family Suite, die sich oben in einem Anbau befand. „Oben“ war dabei durchaus wörtlich zu nehmen, denn der Zugang führte über eine Treppe, die auf den Fotos schon eine gewisse Abenteuerbereitschaft erkennen lässt und mit Gepäck noch einmal an Charakter gewann. Dafür war die Suite riesig: Schlafbereich, Wohnzimmer, Tisch, Fernseher, eigenes WC und Waschbecken – eher kleine Wohnung als klassisches B&B-Zimmer. Nur die Dusche befand sich unten im Haupthaus. Mark und Dee erklärten uns natürlich genau, wie wir dorthin kamen. Wir hörten aufmerksam zu. Wir nickten verständig. Wir waren überzeugt, alles begriffen zu haben. Und einige Zeit später standen wir im Dunkeln da und hatten keine Ahnung mehr, wo diese verdammte Dusche war.
Wir irrten also ein wenig über das Grundstück beziehungsweise durchs Haus und suchten einen Raum, dessen Existenz uns glaubhaft versichert worden war, der sich aber offenbar erfolgreich vor deutschen Touristen versteckte. Nach einem Tag mit Vampirparkplätzen, Regenwald, knubbeligen Bäumen, 164 Stufen, Fruchtbier und einem Sonnenuntergang am Haystack Rock war die Suche nach einer Dusche um diese Uhrzeit allerdings auch nur noch die passende Schlussprüfung. Irgendwie bekamen wir auch das hin. Danach krochen wir müde in unsere Family Suite und ließen einen Tag enden, der morgens mit Bellas Pickup in Forks begonnen hatte und uns über einen sonnigen Regenwald, den Pazifik, zwei Bundesstaaten, eine 6,5 Kilometer lange Brücke und einen leuchtend orangefarbenen Cannon Beach bis an die Tillamook Bay gebracht hatte. Für einen einzigen Reisetag war das eine ziemlich ordentliche Ausbeute. Und vor allem hatten wir Washington endgültig verlassen, ohne gebissen worden zu sein. Mehr konnte man nach zwei Tagen in Forks wirklich nicht verlangen.

































































