Schluchten, Rote Felsen & Historischer Charme: Antelope-X Canyon, Sedona und Prescott

Es ist 7:00 Uhr, und wir sind bereit für den ersten Programmpunkt des Tages: Frühstück. Unsere Erwartungen? Gering.Sehr gering. So gering, dass wir schon vorsorglich Denny’s als Plan B eingeplant hatten. Denn seien wir ehrlich: Motel-Frühstück kann alles bedeuten – von „akzeptabel“ bis „eine Packung trockene Cornflakes und ein Toaster aus den 80ern“.

Doch dann passiert das Unerwartete: Das Page Boy Motel überrascht uns. Und zwar positiv. Es gibt frischen Toast, Frischkäse, dampfenden Kaffee, erfrischenden Saft – und das absolute Highlight: einen Waffelautomaten!Waffeln! Selbstgemacht! Plötzlich ist der Denny’s-Besuch kein Thema mehr. Wir genießen unser Frühstück, das – zugegeben – einfach, aber vollkommen ausreichend ist, und stellen fest: Manchmal sollte man seine Erwartungen eben nicht zu tief ansetzen.

Frühstück erledigt, Zeit übrig. Unsere Tour zum Antelope-X Canyon startet erst um 10:00 Uhr, also bleibt uns noch ein bisschen Spielraum. Und was macht man mit unverhoffter Freizeit in den USA? Man geht zu Walmart. Natürlich brauchen wir eigentlich nichts – aber das war noch nie ein Grund, nicht durch die Gänge zu schlendern. Besonders, wenn die Halloween-Dekoration bereits die Regale übernommen hat. Plastikskelette, künstliche Spinnweben, gruselige Kürbisse – ein wahres Fest für Dekorationsliebhaber.

Nebenbei gibt es hier WLAN. Also nutze ich die Gelegenheit, ein paar Nachrichten zu checken, während Stefan sich irgendwo zwischen den Getränke- und Snackregalen verliert. Nach einer Weile wird es uns dann doch zu eintönig, also beschließen wir, unseren Pickup aufzutanken und die 12 Meilen bis zum Antelope-X Canyon zu fahren. Vielleicht haben wir Glück und können uns für eine frühere Tour einschreiben.

Wir waren schon einmal hier in der Gegend, im Jahr 2007, als wir den Upper Antelope Canyon besichtigt haben. Damals war der Preis schon knackig, aber heute? Mittlerweile sind die Kosten so astronomisch, dass selbst ein Mondflug eine günstigere Option zu sein scheint. Die Popularität der berühmten Antelope-Canyons hat ihren Preis – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Tourgruppen werden im Sekundentakt durchgeschleust, und die Besucherzahlen steigen Jahr für Jahr.

Doch dann stießen wir im Internet auf eine Alternative: den Antelope-X Canyon. Weniger bekannt, kleinere Gruppen, vernünftige Preise – ein echter Geheimtipp? Klingt nach einer vielversprechenden Möglichkeit, die spektakulären Slot Canyons ohne Massenandrang zu erleben. Da sich der Canyon auf dem Gebiet der Navajo Nation befindet, ist ein Besuch nur im Rahmen einer geführten Tourmöglich. Zum Glück haben wir unsere Plätze bereits online reserviert.

Wir kommen deutlich früher als geplant an – fast eine Stunde zu früh. Doch statt uns auf eine lange Wartezeit einzustellen, erleben wir das, was wir in den letzten Jahren immer wieder bei den Navajo erfahren haben: herzliche Gastfreundschaft.

Die Navajo-Frau vor Ort begrüßt uns mit einem Lächeln und schiebt uns ganz unkompliziert in eine frühere Tourgruppe. Einfach so. Keine Wartezeit, kein bürokratisches Hin und Her – einfach entspannte, freundliche Menschen, die sich über unsere Begeisterung freuen.

Der Antelope-X Canyon liegt etwa fünf Kilometer vom Highway entfernt – erreichbar nur über eine staubige Schotterpiste, die unser Auto ordentlich durchrüttelt. Hier draußen gibt es keine riesigen Besucherzentren, keine Menschenmassen, kein Gedränge.

Als wir unser Ziel erreichen, wartet bereits unser Guide auf uns: ein junger Navajo, der uns mit einem breiten Grinsen empfängt. Wir wissen sofort: Das hier wird gut. Das hier wird anders. Jetzt beginnt unser nächstes Abenteuer.

Antelope Canyon X

Kaum haben wir den sandigen Boden des Canyons betreten, beginnt unser Guide mit einer kleinen Geschichtsstunde – aber nicht die langweilige Art, bei der man unauffällig aufs Handy schielt, sondern die Sorte, bei der man sich plötzlich dabei ertappt, mit offenem Mund zuzuhören.

Er erzählt von der Entstehung dieser atemberaubenden Slot-Canyons, geformt durch Jahrtausende von Wasser, Sand und Wind. Er erklärt, wie sich das Wasser in die weichen Sandsteinwände fräste, jede Kurve, jede Schicht eine andere Epoche der Erdgeschichte offenbart. Man fühlt sich plötzlich winzig – ein Wimpernschlag im Vergleich zu den unermüdlichen Kräften der Natur, die diesen Canyon erschaffen haben.

Der erste Slot-Canyon ist vergleichsweise kurz, aber sehr beeindruckend. Das Licht fällt in sanften Streifen durch die engen Wände, jede Windung offenbart neue Muster, die sich wie flüssige Wellen durch den Stein ziehen. Und das Beste? Wir haben alle Zeit der Welt. Kein Guide, der drängt, keine Horden an Menschen – wir dürfen diesen Moment in aller Ruhe genießen.

Und als ob das nicht schon großartig genug wäre, wartet am Ausgang des Canyons eine kleine Kühltasche mit kostenlosem Wasser. In der Wüstenhitze ist das nichts weniger als ein göttliches Geschenk. Nach einer ausgiebigen Fotosession und einem erfrischenden Schluck Wasser geht es weiter – zu unserem zweiten, deutlich längeren Canyon. Die Spannung steigt.

Als wir den zweiten Canyon erreichen, hören wir bereits aufgeregte Stimmen und eifriges Kamera-Klicken. Und dann sehen wir sie: eine Gruppe junger Frauen, die offenbar mit einer Mission unterwegs sind – die spektakulärsten Canyon-Posen aller Zeiten einzunehmen.

Sie klettern, drehen sich, werfen ihre Haare dramatisch zurück, während ihre Begleitung mit höchster Präzision den perfekten Winkel sucht. Aber es reicht nicht. Das Licht muss stimmen. Der Schatten darf nicht zu hart sein. Der Rock muss genau richtig wehen.

Unser Guide tauscht einen amüsierten Blick mit seinem Kollegen, der nur grinst und trocken sagt: “Very special group.”

Wir lehnen uns zurück und genießen das Schauspiel. Und obwohl die Damen ganz offensichtlich nicht zum Spaß hier sind (sondern für die perfekten Instagram-Momente), sorgt es für köstliche Unterhaltung. Nach ein paar dramatischen Blicken auf die Kamera und mehrfacher Diskussion über das ideale Sonnenlicht geben die „Divas“ – wie unser Guide sie inzwischen nennt – den Canyon endlich frei. Jetzt sind wir dran.

Sobald wir eintreten, schlägt die Stimmung um. Der Canyon verschluckt die Geräusche, die Temperatur sinkt leicht, das Licht fällt in perfekten Strahlen auf die geschwungenen Wände. Hier drin herrscht eine fast ehrfürchtige Stille.

Unser Guide entpuppt sich als wandelndes Lexikon, beantwortet jede Frage mit unendlicher Geduld und geht weit über die typischen Touristen-Infos hinaus. Er erzählt von den Navajo, ihrer Kultur und den Familien, denen der Antelope Canyon gehört. Es ist faszinierend, wie tief verwurzelt die Geschichte dieses Ortes mit dem Volk ist, das ihn schützt und bewahrt.

Zwischendurch übernimmt er mit Freude die Rolle des Fotografen, nimmt sich für jeden von uns Zeit, bis jeder sein perfektes Erinnerungsbild hat. Kein Stress, keine Eile – genau so sollte eine Tour sein.

Dann folgt eine kleine Live-Demonstration, die uns völlig fasziniert: Mit ein wenig Sand und Wasser zeigt er uns, wie ein Slot-Canyon entsteht. Wir sehen mit eigenen Augen, wie sich Wasser durch Sandstein fräst, Spuren hinterlässt, Schichten formt – im Miniaturformat, aber mit demselben Prinzip, das über Millionen von Jahren die Canyons geschaffen hat. Es ist simpel, aber genial.

Unser Guide zeigt uns noch ein kleines, aber spannendes Detail: Der Antelope-X Canyon trägt seinen Namen nicht zufällig. Wer nach oben schaut, kann kurz nach dem Eingang ein großes „X“ im Fels erkennen – eine Markierung der Natur, die dem Canyon seinen Namen gibt.

Antelope Canyon X

Nach etwa einer Stunde ist es Zeit, aufzubrechen. Wir erklimmen den letzten Anstieg zurück Richtung Ausgang.Nach all der Zeit in den kühlen Schatten des Canyons schlägt uns die Wüstenhitze wieder mit voller Wucht entgegen – aber immerhin, der Aufstieg ist weniger anstrengend als der Abstieg.

Oben angekommen, müssen wir noch kurz auf unser Fahrzeug warten, das uns zurück zum Parkplatz bringt. Ich drehe mich ein letztes Mal um, werfe einen Blick auf die dunkle Felsspalte, die so unscheinbar in der Landschaft liegt – und doch eine Welt in sich verbirgt. Der Canon X – ein echter Geheimtipp.

Pünktlich um 12:45 Uhr sitzen wir wieder im Auto, der Motor brummt, die Straße liegt vor uns – bereit für das nächste Kapitel unserer Reise. Nach ein paar Meilen Richtung Page biegen wir auf die State Route 98 ab und folgen dem Highway gen Süden.

Die Landschaft um uns herum ist weit, still, fast melancholisch schön. Rote Tafelberge und endlose Weiten, die bis zum Horizont reichen. Doch während der Blick nach draußen zunächst postkartenwürdig erscheint, zeigt sich mit jedem weiteren Kilometer ein anderes Bild.

Wir fahren durch das Gebiet der Navajo, und hier wird schnell klar: Die Natur mag atemberaubend sein, aber das Leben ist es oft nicht. Nur eine Straße weiter, abseits des Highways, stehen ärmliche Fertighäuser, verfallene Wohnwagen und marode Holzhütten. Großfamilien leben hier auf engstem Raum, ohne fließendes Wasser, mit begrenztem Zugang zu Strom und grundlegender Infrastruktur. Ein harter Kontrast zu den Reisenden, die mit vollgetankten SUVs auf dem Weg zu den berühmtesten Nationalparks der Welt sind. Es ist ein Anblick, der nachdenklich macht.

Doch für einen Moment rückt der Hunger in den Vordergrund. Denn nach 60 Minuten Fahrt taucht am Horizont endlich ein bekanntes Schild auf: Cameron Trading Post.

Jedes Mal, wenn wir hier ankommen, wissen wir genau, was uns erwartet: ein köstliches Mittagessen in einem Restaurant, das mitten in einem riesigen Souvenirshop eingebettet ist. Und heute ist keine Ausnahme.

Die Cameron Trading Post ist eine Institution – ein Stück Wildwest-Atmosphäre mit Geschichte. Die Wände sind mit historischen Navajo-Teppichen, Schmuck und kunstvollen Schnitzereien geschmückt, überall hängen Bilder, die von vergangenen Zeiten erzählen. Von hier aus sind es nur noch wenige Meilen bis zum Grand Canyon, aber heute haben wir uns entschieden, das wohl bekannteste Erdloch der Welt links liegen zu lassen. Manchmal muss man auch ohne Grand Canyon auskommen.

Nach einer kurzen Wartezeit werden uns endlich Plätze zugewiesen, und dann gibt es kein langes Überlegen mehr. Ich nehme den Navajo Burger.

Wer noch nie einen Navajo Burger probiert hat, hat wirklich etwas verpasst. Es ist kein gewöhnlicher Burger – kein labbriges Sesambrötchen aus dem Supermarkt. Stattdessen kommt hier ein saftiger Hamburger auf frittiertem Fladenbrot, außen knusprig, innen weich, mit genau der richtigen Menge Fett, um absolut unwiderstehlich zu sein.Die perfekte Mischung aus Fast Food und traditioneller Navajo-Küche.

Mit vollen Bäuchen und zufriedenen Gesichtern schlendern wir danach noch durch den angrenzenden Souvenirshop, der mal wieder hält, was er verspricht: unzählige Schmuckstücke, handgefertigte Teppiche, Holzschnitzereien und alles, was man als Andenken oder Staubfänger brauchen könnte. Und natürlich kann ich nicht widerstehen – ein kleines Schätzchen wandert mit in unser Gepäck.

Dann heißt es weiterfahren. Das nächste Ziel: Flagstaff. Flagstaff ist heute nur eine Durchfahrtsstraße für uns. Eigentlich ein schönes, historisches Städtchen an der Route 66, aber diesmal bleibt keine Zeit für einen Stopp. 

Sedona, dieses kleine Künstlerstädtchen mitten in den roten Felsen von Arizona, hat uns schon lange in seinen Bann gezogen – zumindest in unseren Köpfen. Seit Jahren nehmen wir uns vor, Sedona richtig zu erkunden, doch es läuft immer gleich ab: Samstag, Wochenendverkehr, Stau. Heute ist es nicht anders. Die Stadt ist ein einziges Nadelöhr, in dem sich Wohnmobile, SUVs und Motorräder stauen, während die Sonne die berühmten Felsen in warmes Rot taucht. Jeder scheint die gleiche Idee zu haben: Ein perfekter Tag in Sedona. Und was machen wir? Nun ja, zumindest versuchen wir einen kleinen Zwischenstopp.

Die Parkplatzsuche ist eine Herausforderung für sich. Sedona ist nicht nur schön, sondern auch klein – was bedeutet, dass Parkmöglichkeiten rar sind und jede Lücke heiß begehrt ist. Gerade als wir uns darauf einstellen, eine weitere Ehrenrunde zu drehen, passiert das Unmögliche: Direkt vor uns wird ein Parkplatz frei, genau an der Main Street. Wir parken unseren Truck, füttern die Parkuhr und sind bereit für unser kurzes Abenteuer.

Peanuts Rock

Natürlich führt unser erster Weg in den Harley Store. Kein Roadtrip ohne Harley-Davidson-Souvenirs – das ist ein ungeschriebenes Gesetz. Sedona enttäuscht uns nicht. Zwei neue T-Shirts, eine Handtasche und eine fantastische Beratung später sind wir rundum glücklich. Die Verkäuferin ist nicht nur freundlich, sondern auch eine wahre Sedona-Insiderin. Sie zeigt aus dem Fenster und sagt: „Seht ihr die beiden Felsen da drüben? Der eine sieht aus wie Snoopy, der andere wie Lucy.“ Und tatsächlich, als wir genauer hinschauen, erkennen wir sie sofort. Snoopy liegt lässig auf seinem Felsen, genauso wie auf seinem Dach in den Peanuts-Comics. Lucy steht ein Stück weiter, streng und wachsam, als hätte sie gerade eine weitere ihrer berühmten Therapiesitzungen abgehalten. (Ja, man kann sie wirklich gut erkennen – schaut euch das Bild an!)

Nach unserem erfolgreichen Shopping-Stopp schlendern wir noch ein wenig durch die charmanten Straßen von Sedona. Überall kleine Boutiquen, Galerien und gemütliche Cafés, dazu diese unglaubliche Kulisse der roten Felsen. Sedona atmet Kunst und Kreativität, und es hat diese ganz besondere Atmosphäre, die einem das Gefühl gibt, hier einfach mal länger bleiben zu müssen. „Warum haben wir hier eigentlich noch nie übernachtet?“, fragen wir uns wieder einmal. Es ist fast schon Tradition, dass wir Sedona nur im Vorbeifahren erleben, aber jedes Mal wird der Wunsch nach einem richtigen Aufenthalt größer.

Heute reicht die Zeit wieder nicht. Der Verkehr drängt, der Plan ruft, und Sedona bleibt – wie so oft – ein kurzer Stopp auf unserer Reise. Doch diesmal fahren wir mit einem festen Plan weiter: Das nächste Mal kommen wir nicht nur für eine Stunde. Das nächste Mal nehmen wir uns die Zeit, die diese Stadt verdient.

Highway 89A

Nach einer entspannten Fahrt auf der 89A und einem kurzen Abstecher durch das leider überfüllte Jerome – das wir uns für einen späteren Besuch fest vornehmen – nähern wir uns Prescott. Die Sonne steht schon tief am Himmel, ihr warmes Licht lässt die umliegenden Hügel und Wälder in goldene Töne tauchen. Unser Ziel: der Watson Lake, einer der malerischsten Orte in der Region.

Die Straße schlängelt sich durch Prescott, und sobald wir uns dem See nähern, spüren wir, dass uns etwas Besonderes erwartet. Die Granite Dells, diese surrealen Felsformationen aus glatt geschliffenem Granit, scheinen aus einer anderen Welt zu stammen. Runde Felsen, die wie überdimensionale Kieselsteine aus der Erde ragen, umgeben den See und spiegeln sich im ruhigen Wasser.

Watson Lake

Fast im letzten Sonnenlicht erreichen wir den Parkplatz. Die ersten Sterne blinken bereits am Himmel, aber noch ist der Abend hell genug, um die Kamera auszupacken. Und wie könnte ich anders? Dieser Ort ist einfach zu schön, um ihn nicht festzuhalten.

Wir schlendern langsam entlang des Ufers, die kühle Abendluft und das leise Plätschern des Wassers sorgen für eine beinahe magische Atmosphäre. Die Felsen, die sich im See spiegeln, leuchten in den letzten Strahlen der Sonne in einem warmen Orange. Es ist, als würde die Natur ein letztes großes Kunstwerk für uns malen, bevor die Nacht übernimmt.

Die Granite Dells wirken in diesem Licht noch surrealer. Die runden Formen und die spiegelglatte Wasseroberfläche verleihen dem Ort eine friedliche, fast mystische Stimmung. An einigen Stellen klettern wir vorsichtig über die kleineren Felsen, um den perfekten Fotowinkel zu finden. Der See ist still, die umliegenden Hügel spiegeln sich in seiner Oberfläche, und ab und zu hört man nur das Zirpen der Grillen oder das Rufen eines Vogels in der Ferne.

Watson Lake

Ich richte die Kamera auf die sanften Kurven der Felsformationen, versuche, die Farben des Himmels und die Reflexionen im Wasser einzufangen. Es fühlt sich an, als wäre dieser Moment für uns gemacht, als ob die Natur uns sagen wollte: „Bleibt noch ein bisschen.“

Stefan lehnt sich entspannt gegen einen der Felsen und beobachtet, wie ich ein Foto nach dem anderen mache. „Du hast es wieder geschafft“, sagt er mit einem Lächeln. „Noch zehn Minuten und du willst hier campen.“ Und ja, er hat recht. Dieser Ort ist einfach zu verlockend, um ihn zu verlassen.

Doch irgendwann beginnt die Dunkelheit, den See und die Felsen in ihren Bann zu ziehen. Die Farben verblassen langsam, und die ersten Sterne nehmen die Bühne ein. Wir nehmen einen letzten tiefen Atemzug der frischen Luft, packen die Kamera ein und machen uns auf den Rückweg zum Auto.

Während wir langsam die Straße hinauffahren, werfe ich einen letzten Blick zurück. Der Watson Lake, mit seinen faszinierenden Granite Dells, hat uns wieder einmal gezeigt, wie unglaublich schön und friedlich die Natur sein kann – und wie wichtig es ist, solche Momente zu genießen.

Watson Lake

Nur noch zehn Minuten trennen uns von der Innenstadt von Prescott, und schon bald rollen wir durch die charmanten, historischen Straßen dieses kleinen Städtchens. Das Flair der Stadt ist einzigartig: eine Mischung aus nostalgischem Wildwest-Charme und lebendigem, modernem Kleinstadtgefühl. Wir parken unseren Truck in einer Seitenstraße, der Geruch von frischer Abendluft und der Klang des nahenden Wochenendtrubels wecken unsere Vorfreude.

Unser ursprünglicher Plan ist klar: Direkt zur Prescott Brewing Company und endlich etwas Herzhaftes essen. Doch kaum haben wir die Tür geöffnet, hören wir von der anderen Straßenseite her die Klänge einer Band, die live auf der Courthouse Plaza spielt.

Und wie könnte man da widerstehen?

Die Musik zieht uns magisch an, und wir finden uns wenig später auf der Wiese vor der Bühne wieder, umgeben von Familien, Pärchen und Einheimischen, die den Abend genauso genießen wie wir. Die Band, deren Namen wir nicht mal kennen, spielt mit einer Leidenschaft, die den ganzen Platz in eine magische Stimmung taucht. Kinder tanzen barfuß, Paare lehnen sich entspannt aneinander, und wir sitzen einfach da, lauschen der Musik und saugen die Atmosphäre in uns auf.

Live Music

Als die Band ihren letzten Song ankündigt, wissen wir, dass es Zeit ist, unseren ursprünglichen Plan in die Tat umzusetzen. Wir müssen los – jetzt, bevor alle anderen die gleiche Idee haben.

Kaum überqueren wir die Straße, finden wir uns in der Prescott Brewing Company wieder. Zum Glück haben wir den perfekten Zeitpunkt erwischt. Einer der letzten freien Tische gehört uns, und keine fünf Minuten später ist das Restaurant brechend voll. Menschen strömen durch die Tür, der Wartebereich füllt sich, und wir lehnen uns entspannt zurück, dankbar für unser gutes Timing.

Yavapai County Courthouse

Die Atmosphäre in der Brauerei ist warm und einladend. Rustikale Holztische, das leise Klirren von Gläsern, das Summen der Gespräche – es ist genau die Art von Ort, die einen nach einem langen Tag willkommen heißt. Die Karte ist ein Fest für hungrige Reisende: deftige Burger, knusprige Fish and Chips, hausgebraute Biere mit witzigen Namen.

Wir entscheiden uns für einen klassischen Burger und ein kühles, lokales IPA, das hier gebraut wird. Jeder Bissen, jeder Schluck fühlt sich an wie eine Belohnung für all die Kilometer, die wir heute zurückgelegt haben.

Während wir essen, lassen wir den Abend auf uns wirken. Die Musik, die Plaza, die Gelassenheit dieser kleinen Stadt – alles passt perfekt zusammen. Prescott hat uns wieder einmal gezeigt, warum wir immer wieder hierher zurückkehren.

Als wir schließlich das Restaurant verlassen, ist die Luft angenehm kühl, die Straßen belebt, aber nicht hektisch. Der Abend fühlt sich perfekt an – ein harmonischer Abschluss eines ereignisreichen Tages. Wir nehmen uns vor, beim nächsten Besuch noch mehr Zeit in Prescott zu verbringen. Doch heute? Heute geht’s zurück zum Truck, mit vollem Bauch, glücklichen Herzen und einer Playlist, die uns noch eine Weile begleiten wird.

Mit einem der letzten freien Tische in der Prescott Brewing Company haben wir nicht nur Glück, sondern auch die perfekte Gelegenheit, den Abend mit gutem Essen und lokaler Braukunst zu krönen. Die Atmosphäre im Restaurant ist herrlich entspannt – rustikale Tische, die Geräusche fröhlicher Unterhaltungen und der unverkennbare Duft von frisch Gebrautem.

Ich entscheide mich für Chicken Wings – weil man in einer Brauerei doch etwas Herzhaftes braucht – während Stefan den leichten, knackigen Caesar Salad wählt. Ein bisschen Balance muss schließlich sein. Doch das wahre Highlight? Der Beer-Flight, den ich mir bestelle.

Vier verschiedene Sorten, alle mit Liebe und Kreativität gebraut:

  • Willow Wheat – ein mildes, erfrischendes Weizenbier, perfekt für den Start.
  • Palepricot – leicht fruchtig, mit einer dezenten Aprikosennote, ein Bier, das man so schnell nicht verrgisst.
  • Java-Nator – eine dunkle, samtige Bierspezialität mit einem Hauch von Kaffee, ideal für den Genießer.
  • Oktoberfest – malzig und süffig, genau das, was man sich von einem Festbier erwartet.

Das Essen ist ein Volltreffer. Die Chicken Wings sind außen knusprig, innen saftig, perfekt gewürzt und mit einem Dip, der genauso süchtig macht wie die Wings selbst. Stefan ist mit seinem Caesar Salad ebenso zufrieden, der mit frischen, knackigen Zutaten und einem cremigen Dressing genau richtig ist.

Der Beer-Flight ist das Tüpfelchen auf dem i. Jedes Glas ist ein kleines Abenteuer, und ich genieße jeden Schluck, während wir über die Erlebnisse des Tages plaudern und die entspannte Stimmung auf uns wirken lassen.

Satt, zufrieden und ein bisschen schwerfällig (danke, Beer-Flight), machen wir uns nach dem Mahl auf den Weg zu unserem Hotel.

Unser Hotel, das Days Inn, liegt etwa zwei Meilen außerhalb von Downtown Prescott, was die Rückfahrt zu einem angenehmen, kurzen Ausklang des Abends macht. Die Straßen sind ruhig, die Lichter der Stadt blinken uns sanft hinterher, und wir lassen den Tag noch einmal Revue passieren: die Musik auf der Plaza, das Essen in der Brauerei, der warme Glanz des Sonnenuntergangs am Watson Lake.

Im Hotel angekommen, checken wir schnell ein, schleppen uns mit vollen Mägen und einem Hauch Bierglückseligkeit ins Zimmer. Morgen wartet ein neuer Tag voller Abenteuer, aber für heute genießen wir einfach das Gefühl, satt, glücklich und zur Abwechslung mal nicht in Bewegung zu sein.

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