
Abenteuerliche Reise durch (Deutsch-) Texas: Von Luckenbach bis San Antonio!
Der Morgen begann, sagen wir mal… grau. Das Wetter hielt sich stur an das Motto: „Warum sollte ich heute schöner sein als gestern?“ Und so mussten wir uns endgültig von der Hoffnung verabschieden, Lake Charles bei goldenem Sonnenaufgang in Szene setzen zu können.
Aber hey, wir lassen uns doch von ein paar Regenwolken nicht die Laune verderben! Wenn das Wetter nicht mitspielt, dann tun wir es eben. Also starteten wir den Tag mit einem gemütlichen Frühstück – gestärkt und bestens gelaunt, denn wir hatten ein neues Ziel vor Augen: New Braunfels, Texas.
Fünf Stunden Fahrt lagen vor uns, größtenteils auf der Interstate 10 West, und spätestens als wir nach einer Weile Houston erreichten, wurde uns bewusst, wie riesig diese Stadt ist. Schon beim ersten Mal auf dieser Strecke hatten wir gestaunt, wie sich die Skyline scheinbar endlos in den Himmel reckt.
Während wir durch die texanische Metropole rollten, sah das Wetter immer noch genau so aus wie heute Morgen: grau, trist, regnerisch. Houston schien uns zu sagen: „Tja, ich geb euch keine Sonne, aber ihr wolltet ja trotzdem wiederkommen.“
Aber dann – ein Wunder! Kaum hatten wir Houston hinter uns gelassen, klarte der Himmel auf, als hätte jemand den Regen einfach abgeschaltet. Die dicken Wolken verzogen sich, und plötzlich strahlte die Sonne vom Himmel. Ein Zeichen? Vielleicht. Ein Grund, das Dach unseres Mustangs zu öffnen? Definitiv!
„Oben ohne?“ fragte Stefan mit einem breiten Grinsen. „Unbedingt!“
Und so fuhren wir mit offenem Verdeck weiter durch Texas, während ich auf dem Beifahrersitz begann, eine wissenschaftliche Studie zum Thema „Welche Kopfbedeckung hält am besten gegen Fahrtwind?“ durchzuführen.
Basecap? Weht weg.
Pinker Hut? Vergiss es.
Das Haar im Wind wegen lassen? Fantastisch!
Während Stefan sich köstlich über meine Hut-Experimente amüsierte, genoss ich einfach den Moment. Die Sonne auf der Haut, der warme Fahrtwind, die weiten texanischen Straßen – genau so hatte ich mir diesen Roadtrip mit unserem Mustang vorgestellt!



Texas Hill Country ist wirklich eine Welt für sich. Wir fahren durch scheinbar endlose, weite Landschaften mit sanften Hügeln, die von der texanischen Sonne in goldenes Licht getaucht werden, und plötzlich – zack! – taucht am Straßenrand ein Ortsschild auf, das uns kurz an unserer geographischen Orientierung zweifeln lässt: New Braunfels. Moment mal… Sind wir versehentlich über den Atlantik gesprungen?
Aber nein, es gibt sie wirklich, diese kleinen Städte mit deutschen Namen mitten in Texas. Fredericksburg, Gruene, Luckenbach – als hätten sich unsere Vorfahren hier eine Mini-Version Deutschlands aufgebaut, nur mit ein bisschen mehr Texas-Flair.
Warum? Weil vor über 150 Jahren deutsche Einwanderer genau das getan haben. Und während sich andere Amerikaner den Wilden Westen mit Cowboyhüten und Colt-Revolvern eroberten, beschlossen unsere Landsleute: „Wir bauen uns hier eine nette, gemütliche Stadt mit Fachwerkhäusern und Biergärten. Prost!“ Und genau dorthin führt uns unser Weg – nach New Braunfels.
Perfektes Timing! Es ist 13 Uhr – die magische Stunde für ein anständiges texanisches Mittagessen. Unser Magen ist sich einig: Es ist Zeit für BBQ, Burger oder was auch immer uns Texas heute servieren möchte. Unser Ziel: Das Clear Springs Café.
Von außen? Sagen wir mal, es sieht aus wie eine verlassene Westernhütte, die schon bessere Tage gesehen hat. Schiefe Holzbalken, ein Hauch von Staub und eine Prise „Hier könnte jede Sekunde ein Revolverheld aus dem Fenster springen“. Aber der volle Parkplatz sagt uns: Wenn so viele Leute hier essen, kann es nur gut sein! Also, nichts wie rein!

Kaum betreten wir das Clear Springs Café, werden unsere Erwartungen komplett über den Haufen geworfen. Dieses Restaurant ist riesig!
Zwei Stockwerke, rustikale Holzwände, an denen sich mehr Deko als in einem gut sortierten Trödelladen stapelt, und eine Atmosphäre, die irgendwo zwischen Cowboy-Ranch und deutschem Biergarten liegt. Es fühlt sich an, als wären wir in einem kleinen Museum des Texas-Lifestyles gelandet – überall hängen alte Reklameschilder, verrostete Sättel, Hufeisen und ein paar Gegenstände, deren ursprünglicher Verwendungszweck uns völlig schleierhaft bleibt.
Und dann kommt der Geruch: Herzhaft, würzig, BBQ-lastig, ein bisschen frittiert – kurz gesagt, genau das, was unser hungriger Magen jetzt will. Wir lassen uns an einem urigen Holztisch nieder, werfen einen Blick in die Speisekarte und wissen sofort, dass wir hier nicht enttäuscht werden.
Unsere Wahl?
- Chicken Strips für mich – weil man in Texas wohl kaum eine sicherere Wahl treffen kann als knusprig paniertes Hühnchen mit cremigem Ranch-Dip.
- Outlaw Burger für Stefan – schon der Name verspricht Großes. Und als er serviert wird, bestätigt sich das: Saftiges Beef-Patty, geschmolzener Käse, rauchige BBQ-Sauce, dazu eine ordentliche Portion knusprige Pommes.
Und der Geschmack? Ein Traum!
Während wir essen, beobachten wir, wie um uns herum die Gäste genauso begeistert über ihre Teller herfallen wie wir. Hier scheint wirklich niemand unglücklich aus der Tür zu gehen. Texas weiß eben, wie man gutes Essen macht.



Gestärkt und zufrieden mit unserer BBQ-Burger-Hühnchen-Offenbarung im Bauch, war es Zeit für den nächsten Stopp unserer “Hill Country”-Tour: Luckenbach. Nun, sagen wir es mal so: Luckenbach ist kein Ort, Luckenbach ist ein Mythos.
Auf der Landkarte kaum zu finden, in Liedern aber verewigt – vor allem durch den legendären Waylon Jennings, der Luckenbach in seinem Country-Song besungen und damit unsterblich gemacht hat. Und wenn man einmal hier war, versteht man auch, warum dieser Ort sich in die Herzen so vieler Musiker gespielt hat.
16 Uhr. Unser Mustang rollt über die Luckenbach Town Loop, eine winzige Straße, die mitten ins Herz dieses skurrilen Fleckchens Texas führt. Und, Überraschung! Der Ort ist rappelvoll.
Wir hatten Luckenbach als verschlafene Western-Geisterstadt erwartet, aber stattdessen bietet sich uns ein ganz anderes Bild: Pickups, glänzende Motorräder, eine Menge Cowboys mit breiten Hüten und Live-Musik, die durch die Luft schwebt. Freitag in Luckenbach – scheinbar der Place to be.

Während wir uns eine Parklücke suchen, rollt neben uns ein großer Pickup ein. Zwei gut gelaunte Amerikaner springen heraus, einer schaut sich mit hochgezogener Augenbraue um und ruft dann laut:
„Is that all? You’re kidding!“ Tja, wir müssen zugeben, wir hatten uns beim ersten Mal auch genau das Gleiche gedacht. Luckenbach besteht im Grunde aus exakt drei Holzhütten.
Nein, wir übertreiben nicht. Es sind wirklich nur drei Hütten.
- Eine Dance Hall.
- Ein Postamt, das gleichzeitig ein Saloon und ein Souvenirladen ist.
- Und eine Hütte, die irgendwie aussieht, als hätte sie keinerlei Funktion, aber trotzdem dazugehört.
Drei Einwohner, eine Katze, fertig. Aber genau das ist der Charme dieses Ortes: Luckenbach ist keine Stadt, sondern eine Stimmung. Wer hierherkommt, macht das nicht, um eine Sightseeing-Liste abzuhaken. Man kommt nach Luckenbach, um zu verweilen. Also tun wir genau das.
Ich kann nicht widerstehen – ein kühles Bier muss her. Also betrete ich das skurrile alte Postamt, das gleichzeitig als Saloon dient, und hole uns zwei Flaschen Bier. Draußen finden wir eine gemütliche Bank unter einem riesigen Baum, setzen uns und lassen die Atmosphäre auf uns wirken.
Ein paar Musiker sitzen auf der improvisierten Holzbühne, Gitarren in der Hand, und spielen einfach drauflos. Keine große Show, keine feste Setlist – wer Lust hat, spielt mit. Ein Typ mit einem Cowboyhut und einer Gitarre stimmt einen Song an, zwei andere Musiker stimmen spontan ein, und plötzlich entsteht ein kleines, magisches Konzert.
Es gibt keine Eile. Keine durchgeplante Performance. Nur Musik. Und Leute, die sie genießen. Ein älterer Herr neben uns nickt anerkennend und sagt mit texanischem Akzent: „In Luckenbach gibt es nur zwei Regeln: Entweder du spielst Musik oder du hörst zu. Beides ist gut.“ Ich lehne mich zurück, nehme einen Schluck Bier und grinse. So einfach kann das Leben sein.
Und genau das macht Luckenbach zu einem der coolsten Orte in Texas.
BILDERGALERIE: Luckenbach
Nach einer gemütlichen Stunde unter den alten Bäumen von Luckenbach setzen wir unsere Reise fort. Unser nächstes Ziel ist nur 10 Meilen entfernt und gerade mal 20 Minuten später finden wir uns in einer Stadt wieder, die deutschen Besuchern auf den ersten Blick ein vertrautes Gefühl gibt: Fredericksburg.
Schon der erste Eindruck? Ein Hauch von Heimat – mitten in Texas. Die Hauptstraße – ja, sie heißt hier tatsächlich so – schlängelt sich durch das Stadtzentrum, gesäumt von charmanten alten Gebäuden, Boutiquen und Biergärten. Doch das wirklich Skurrile? Überall begegnen uns deutsche Namen, Schilder und Menüs. Fredericksburg, du kannst deine deutschen Wurzeln wirklich nicht verbergen!



Während wir durch die Stadt schlendern, fällt uns auf: Hier scheint jede Ecke von der deutschen Kultur durchzogen zu sein.
- Die Straßennamen? Schubert Street, Meusebach Creek Road, Hauptstraße.
- Die Sehenswürdigkeiten? Vereinskirche, Marktplatz, Biergarten, Rathskeller Bistro.
- Die Restaurants? Jede Menge Schnitzel, Bratwurst und Apfelstrudel.
Das berühmteste Lokal der Stadt, “Der Lindenbaum,” ist quasi eine kulinarische Zeitmaschine ins alte Deutschland. Und ja, das klingt zwar verlockend, aber sind wir nicht in den USA, um amerikanische Spezialitäten zu probieren? Also bleiben die deutschen Gerichte für heute auf der Ersatzbank – so sehr ich Bratwurst liebe, heute soll es etwas Lokales sein. Amerikanisch mit einem Hauch Texas
BILDERGALERIE: Downtown Fredericksburg
Unsere Wahl für das Abendessen fällt auf die Fredericksburg Brewing Company, die älteste Brewpub-Brauerei in Texas. Kaum betreten wir das Lokal, grüßt uns Deutschland erneut. Alte Schilder mit deutschen Schriftzügen zieren die Wände, und auf der Speisekarte tauchen auch hier wieder deutsche Einflüsse auf. Doch diesmal passt es für uns – ein bisschen Texas, ein bisschen Deutschland.
Ich bestelle mir die “Wings Over Germany” – was einfach ein schicker Name für Chicken Wings ist. Stefan entscheidet sich für einen House Salad (vermutlich als Ausgleich für all die BBQ-Burger-Hähnchen-Eskapaden der letzten Tage). Und natürlich darf das Bier nicht fehlen.
Meine Wahl fällt auf ein “El Hefe” – ein hausgebrautes Weizenbier, das irgendwo zwischen amerikanischem Craft Beer und traditionellem bayerischen Hefeweizen liegt. Ein Bier mit Identitätskrise? Vielleicht. Aber es schmeckt verdammt gut.
Das Essen ist ausgezeichnet, die Stimmung entspannt, und die kleine Brauerei hat ihren ganz eigenen Charme. Ich bin so begeistert, dass ich mir noch ein T-Shirt und ein Pint-Glas als Erinnerung kaufe – schließlich müssen unsere Souvenir-Schränke gefüllt werden. Ein Bierglas mehr für die Sammlung. Bald reicht’s für eine komplette eigene Brauerei-Deko.
Mit zufriedenen Bäuchen und einem weiteren kleinen Stück Deutschland in Texas in unserer Erinnerung verlassen wir Fredericksburg und machen uns auf den Weg zur nächsten Etappe unserer Reise. Eins steht fest: Dieses texanische “Fritztown” ist ein absolutes Muss für alle, die deutsche Geschichte an einem unerwarteten Ort erleben wollen.
BILDERGALERIE: Fredericksburg Brewing Co
Nach unserem leckeren Abendessen in der Fredericksburg Brewing Company lassen wir den Tag noch entspannt ausklingen. Ein letzter Spaziergang über die Hauptstraße – denn wenn man schon mal in so einem charmanten Städtchen ist, sollte man es auch auskosten. Doch es wird Zeit, weiterzuziehen. Unser nächstes Ziel? San Antonio.
Die Fahrt dauert etwas mehr als eine Stunde, und die Landschaft verändert sich langsam. Die sanften Hügel von Texas Hill Countrybleiben zurück, und nach und nach tauchen die ersten Hochhäuser von San Antonio am Horizont auf.
Es ist schon kurz nach 19 Uhr, als wir unser Hotel erreichen: “Best Western Plus Medical Center San Antonio.”Klingt jetzt nicht nach einer glamourösen Unterkunft mit Blick auf den River Walk, oder? Nein, aber es hat einen entscheidenden Vorteil: Es ist richtig schick und bezahlbar. Und da Hotels in San Antonio gerne mal das Reisebudget sprengen, ist das schon mal ein dickes Plus.
Der Check-in läuft reibungslos. Wir schnappen unsere Koffer, fahren mit dem Aufzug nach oben und betreten unser Zimmer. Drei Nächte bleiben wir hier – genug Zeit, um sich halbwegs einzurichten.
Kleidung sortieren, Kamera-Akkus laden, ein bisschen Planung für die nächsten Tage – all das gehört zum kleinen “Abendritual,” bevor das eigentliche Abenteuer losgeht. Denn San Antonio hat einiges zu bieten.
Morgen steht eine Erkundungstour durch eine der geschichtsträchtigsten Städte in Texas auf dem Programm. Und ja, natürlich werden wir das berühmteste Wahrzeichen der Stadt besuchen: Die Alamo Mission. Aber jetzt? Jetzt genießen wir einfach die Ruhe des Hotelzimmers und freuen uns auf das, was uns in den kommenden Tagen erwartet.

