
Wildes Abenteuer im Water Canyon entspanntes Ankommen in Page und Wave Lottery-Glück!
Ein neuer Tag, ein neuer Duft von frischem Kaffee – die wohl schönste Art, geweckt zu werden. Während die Kaffeemaschine leise blubberte und Stefan mit geübter Hand das Frühstück vorbereitete, breitete sich eine wohlige Mischung aus geröstetem Toast und Abenteuerlust in der Luft aus. Es roch nach einem perfekten Start in einen Tag voller Entdeckungen.
Und dann die beste Nachricht des Morgens: Nadine war zurück! Nach zwei Tagen Zwangspause hatte sie ihr Fieber erfolgreich in die Flucht geschlagen und war nun wieder voller Energie – bereit für die nächste Etappe unseres Roadtrips. Ihr zufriedenes Lächeln beim ersten Schluck Kaffee war ansteckend, und spätestens als sie begeistert von der heutigen Wanderung zum Water Canyon sprach, war klar: Unsere Truppe war wieder komplett.
Pünktlich um 9:40 Uhr war es Zeit zum Aufbruch. Ein letzter prüfender Blick auf die Unterkunft, Rucksäcke ins Auto, Wanderschuhe geschnürt – denn heute stand nicht nur eine Wanderung auf dem Programm, sondern auch ein Unterkunftswechsel. Unser Tagesziel: Page, Arizona, wo wir die nächsten Nächte verbringen würden.
Kaum auf der Straße, begrüßte uns ein strahlend blauer Himmel, die Sonne tauchte die Landschaft in goldenes Licht, und die Straßen zogen sich endlos vor uns hin. Perfektes Roadtrip-Wetter, das uns direkt in den nächsten Abschnitt unseres Abenteuers entführte.

Nachdem St. George langsam im Rückspiegel verblasste, lenkten wir unseren Wagen auf die I-15 East, bevor wir die Ausfahrt Richtung Hurricane nahmen. Von dort aus führte uns der Highway 59 durch eine weitläufige, fast endlose Ebene, die von fernen Hügelketten gesäumt war. Blauer Himmel, warme Erdtöne und eine Straße, die uns direkt in die Wildnis führte – eine bessere Einstimmung konnte es kaum geben.
Hilldale begrüßte uns mit einer Szenerie aus alten Holzhäusern und gepflegten Gärten, ein Ort, der den Charme vergangener Zeiten ausstrahlte. Doch viel Zeit zum Verweilen blieb nicht – nach einer kurzen Durchfahrt bogen wir nach Norden auf die Utah Avenue ab. Noch drei Meilen auf gut asphaltierter Straße, dann wechselte das Bild: Die Canyon Street lag vor uns – eine Schotterpiste, die uns in die unberührte Natur führte und unser heutiges Ziel in greifbare Nähe rückte.
Die ersten Kilometer auf der Schotterstraße? Ein Kinderspiel. Fester Untergrund, eine ruhige Fahrt, die Landschaft rechts und links von uns weit und eindrucksvoll. Wüstenvegetation schimmerte im Sonnenlicht, und die ersten rotbraunen Felsformationen zeichneten sich am Horizont ab – als Vorboten des rauen, faszinierenden Water Canyons.
Doch je weiter wir fuhren, desto spannender wurde es. Der Untergrund wurde weicher, und besonders in den Kurven spürten wir, wie sich die Reifen ein wenig tiefer in den Sand gruben. Zwar wäre die Strecke nach Regen ein echtes Offroad-Abenteuer gewesen, doch heute hielt sich die Herausforderung in Grenzen – genau die richtige Dosis Adrenalin, um das Roadtrip-Gefühl am Leben zu halten.
Schließlich endete die Straße, und wir rollten auf einen staubigen Parkplatz – das Signal für den nächsten Abschnitt unserer Expedition. Kaum hatten wir die Autotüren geöffnet, schlug uns warme, trockene Luft entgegen. Staub wirbelte leicht auf, während wir die Wanderschuhe festzurrten und die Rucksäcke schulterten. Vor uns lag der Water Canyon, eingebettet zwischen hoch aufragenden Sandsteinwänden, umrahmt von wilder Vegetation. Die perfekte Bühne für unser nächstes Abenteuer.

Schon nach den ersten Metern wurde klar: Das hier war kein gemütlicher Spaziergang. Der schmale Pfad führte uns durch dichtes Gestrüpp, über Geröllfelder und sandige Passagen – jede Kurve brachte eine neue Herausforderung mit sich. Der Weg begann mit tiefem Sand, der unsere Schritte verschluckte, als würde der Boden uns sanft zurückhalten wollen, bevor es in steiniges Gelände überging.
Das stetige Rauschen des Flusses begleitete uns, ein leises Versprechen, dass wir auf dem richtigen Kurs waren.Und mit jedem Schritt spürten wir es deutlicher: Heute würde ein Tag voller Entdeckungen werden.
Die Kinder sind voll in ihrem Element. Während wir Erwachsenen uns mit bedächtiger Trittsicherheit durch das unwegsame Gelände bewegen, springen Noah und Emilia von Felsen zu Felsen, als hätten sie jahrelang für eine Wüsten-Olympiade trainiert. Sie klettern, rutschen, balancieren – völlig in ihrem Entdeckerdrang versunken. Ihre Energie ist ansteckend, auch wenn wir uns lieber nicht auf ihre Sprungtechniken verlassen.
Nadine kämpft noch ein wenig mit ihrer Kondition, aber nach zwei Tagen Zwangspause ist es beeindruckend, wie tapfer sie sich durch das Gelände arbeitet. Immer wieder tauschen wir ermutigende Blicke aus – eine wortlose Abmachung, dass wir das hier gemeinsam meistern. Selbst Emilia, unsere kleinste Abenteurerin, zeigt eine Ausdauer, die uns staunen lässt. Und wenn die kleinen Beine dann doch irgendwann müde werden, nehmen wir sie auf den Arm und tragen sie ein Stück – denn hier draußen gibt es keine Einzelkämpfer.
Der Pfad folgt dem Fluss, der sich glitzernd durch den Canyon schlängelt, als wollte er uns den Weg weisen. Dann öffnet sich plötzlich die Landschaft, und vor uns erhebt sich das „Eye of Heaven“ – auch bekannt als Water Canyon Arch. Eine gewaltige Felsformation an der Ostwand des Canaan Mountain, so perfekt geformt, dass es aussieht, als hätte jemand mit Bedacht eine Öffnung in den Stein gemeißelt.
Bildergalerie: Water canyon trail
Der Anblick ist atemberaubend. Der riesige Bogen des Felsens rahmt den Himmel ein, wie ein Fenster in eine andere Welt. Durch das „Auge“ hindurch kann man die raue Weite der Wüste erahnen, die hinter den Schluchten beginnt und sich ins Unendliche erstreckt. Ein Moment zum Innehalten – und zum Staunen, wie perfekt die Natur ihr eigenes Kunstwerk geschaffen hat.
Dann erreichen wir den Eingang zur Schlucht – und plötzlich verändert sich die Atmosphäre. Die Wände aus dunklem Sandstein ragen steil in die Höhe, lassen nur schmale Lichtstreifen herein, die auf dem Wasser tanzen und die feinen Gischtwolken zum Schimmern bringen.
Vor uns liegt das Herzstück des Lower Water Canyon. Kleine Wasserfälle stürzen über die Felsen hinab, sammeln sich in glasklaren Pools, die von den hoch aufragenden Felswänden geschützt werden. Die Luft ist frisch, fast kühl, und erfüllt von einem sanften, beständigen Rauschen.
Die Anstrengung der Wanderung fällt mit einem Mal von uns ab. Es ist dieser eine Moment, in dem man sich vollkommen mit der Natur verbunden fühlt – als wäre man Teil von etwas Altem, Zeitlosem, das hier seit Ewigkeiten in unberührter Schönheit existiert.
Bildergalerie: Water Canyon
Nachdem wir die Magie dieses Ortes in uns aufgesogen haben, suchen wir uns einen großen, flachen Felsen, der wie gemacht für eine Pause wirkt. Die hohen Felswände umrahmen uns, das stetige Rauschen des Wassers verleiht der Szenerie eine fast meditative Ruhe.
Und dann? Picknick-Zeit. Kaum ausgepackt, schmecken die mitgebrachten Snacks gleich doppelt so gut – denn alles, was man mitten in einer atemberaubenden Naturkulisse isst, wird automatisch zur Delikatesse.
Die Kinder lassen sich zufrieden auf den warmen Felsen nieder, während wir das Essen herumreichen und einfach nur den Moment genießen. Kein Zeitdruck, keine Ablenkung – nur wir, die Natur und das Gefühl, genau am richtigen Ort zu sein.
Eine Stunde vergeht – gefühlt in fünf Minuten. Ein sicheres Zeichen, dass wir uns an einem dieser Orte befinden, die einem die Zeit klammheimlich aus der Tasche ziehen. Doch als wir einen Blick auf die Sonne werfen, die sich langsam anschickt, hinter den Felsen zu verschwinden, wird klar: Es wird Zeit für den Rückweg.

Also: Sachen zusammenpacken, Wanderschuhe festzurren und einen letzten wehmütigen Blick auf die Szenerie werfen. Der Trail, der auf dem Hinweg noch streckenweise nach einem Trainingslager für angehende Bergziegen aussah, wirkt plötzlich gar nicht mehr so furchteinflößend. Die steinigen Passagen? Na gut, ein bisschen Trittsicherheit ist immer noch gefragt, aber wir wissen jetzt, wo die tückischen Stellen lauern. Der tiefe Sand? Wir haben gelernt, dass Fluchen nicht hilft, also gehen wir einfach mit mehr Schwung durch.
Die Kinder? Voller Energie. Während wir uns innerlich schon auf das Sofa und eine kalte Dusche freuen, springen Noah und Emilia mit unerschütterlicher Begeisterung über die Felsen, als hätten sie erst jetzt so richtig warmgelaufen.
Immer wieder bleiben wir stehen, um die Aussicht zu genießen – oder um zu atmen. Die Landschaft hat sich im Licht des Nachmittags verändert, die Felsen glühen in warmem Rot und Gold, und der Canyon scheint regelrecht aufzuleuchten. Ein Spektakel, das einen kurz vergessen lässt, dass die Beine langsam protestieren.
Es ist erstaunlich, wie die Natur aus verschiedenen Blickwinkeln immer wieder neue Seiten offenbart. Und wenn wir morgen zurückblicken, werden wir uns nicht an den müden Rückweg erinnern, sondern an genau diesen Moment – den Canyon, der in den letzten Sonnenstrahlen funkelt, den Staub, der in der Luft tanzt, und das Gefühl, ein kleines Abenteuer erlebt zu haben.

Der Rückweg hält noch einmal alles für uns bereit, was das Fotografenherz begehrt. Und da wir ja nicht einfach „nur zurücklaufen“, sondern die Kunst des epischen Abschieds zelebrieren, ziehen wir die Kamera gefühlt alle zehn Meter aus der Tasche.
Hier ein dramatischer Blick in die Tiefe der Schlucht, dort ein Sonnenstrahl, der sich kunstvoll durch eine Felsspalte schlängelt – als hätte er sich extra für uns in Szene gesetzt. Jedes Detail verlangt nach einer Aufnahme, und wenn man nicht aufpasst, kann eine Wanderung schnell in ein komplettes Fotoshooting ausarten. Aber was soll’s – wenn schon ein Muskelkater, dann wenigstens mit guten Erinnerungen.
Als wir endlich den Parkplatz erreichen, sind wir müde, staubig – und glücklich. Unsere Beine signalisieren leise, dass sie für heute genug Höhenmeter gesehen haben, aber das Gefühl der Zufriedenheit übertönt alles. Der Water Canyon hat uns nicht nur mit seiner wilden Schönheit begeistert, sondern auch mit seinen kleinen Herausforderungen – von rutschigen Pfaden bis zu strategischen Klettereinlagen. Aber genau das macht eine gute Wanderung aus: ein Hauch von Abenteuer, gepaart mit dem Stolz, dass man sich sein Abendessen heute redlich verdient hat.
Wir lassen uns in die Sitze fallen, atmen tief durch und werfen einen letzten Blick zurück. Hinter uns liegt eine Landschaft, die uns so viele unvergessliche Eindrücke geschenkt hat – und vor uns? Ein neuer Abschnitt unseres Roadtrips.
Nach unserem wilden Abenteuer im Lower Water Canyon setzen wir die Fahrt fort und lassen Hilldale hinter uns.Der Weg führt uns über Fredonia, dann weiter Richtung Kanab – eine Stadt, die uns immer wieder mit offenen Armen empfängt. Doch heute gibt es keine ausgedehnte Erkundungstour, nur einen kleinen Anflug von Wehmut beim Vorbeifahren. In Kanab gibt es immer etwas Neues zu entdecken – aber diesmal ruft ein anderes Ziel: Page.
Der Highway 89 empfängt uns mit seinen endlosen Kurven und Panoramen, die direkt aus einem Monument Valley-Werbespot stammen könnten. Links ragen imposante Felswände in den Himmel, die im Licht der Nachmittagssonne warm glühen, rechts erstrecken sich weite Täler, die in der Ferne verschwinden und mit jedem Kilometer noch spektakulärer wirken.

Es ist eine dieser Fahrten, bei denen man sich zwingen muss, den Blick auf der Straße zu halten, weil die Landschaft einfach zu beeindruckend ist. Auch wenn wir diese Route schon oft gefahren sind, verliert sie nie ihren Zauber – im Gegenteil, sie weckt Erinnerungen an frühere Abenteuer und macht Lust auf das nächste. Und genau das ist es, was einen echten Roadtrip ausmacht: nicht nur das Ziel, sondern die unzähligen magischen Momente unterwegs.
Mit jedem gefahrenen Kilometer wächst die Vorfreude auf Page. Es ist, als würde die Straße uns nicht einfach nur führen, sondern uns mit jeder sanften Kurve ein Stück näher ans Abenteuer heranziehen. Man könnte fast meinen, sie kennt unser Ziel und will die Spannung langsam steigern.
Auch wenn wir uns heute gegen Zwischenstopps entschieden haben, zieht uns die vertraute Landschaft erneut in ihren Bann. Diese Gegend hat eine ganz eigene Magie – selbst wenn man sie schon mehrmals durchquert hat, fühlt es sich jedes Mal wieder an wie ein Willkommen. Fast so, als würde die Wüste leise flüstern: „Na, wieder da? Dann lasst euch überraschen, was ich diesmal für euch bereithalte.“
Unser Fokus liegt jetzt darauf, rechtzeitig in Page anzukommen und unser Appartement zu beziehen. Die Aussicht auf ein paar Tage in dieser spektakulären Umgebung wirkt dabei wie eine Art innerer Energiebooster – die Vorfreude auf neue Entdeckungen, kombiniert mit der Aussicht auf eine heiße Dusche und ein gemütliches Bett, ist eine unschlagbare Mischung.
In Gedanken sehen wir uns schon in unserer Unterkunft: Schuhe in die Ecke, Rucksäcke fallen lassen, sich kurz seufzend auf das Sofa plumpsen lassen. Dann ein kaltes Bier auf der Terrasse, während die Sonne hinter den roten Felsen untergeht – ein würdiger Abschluss für einen Tag, der uns alles abverlangt, aber auch reich beschenkt hat.
Je näher wir Page kommen, desto mehr spüren wir diese besondere Mischung aus Abenteuerlust und wohltuender Ruhe. Heute war ein Tag voller Herausforderungen, doch jetzt übernimmt das entspanntere, fast feierliche Gefühl, dass wir wieder ein Stück mehr von dieser einzigartigen Landschaft erlebt haben.
Die Straße liegt vor uns, das Abenteuer ruft – diesmal jedoch mit einer sanften Stimme, die nach Entspannung klingt. Und genau diese Balance aus Entdecken und Durchatmen ist es, die einen perfekten Roadtrip ausmacht.

Am Nachmittag erreichen wir Page, und schon auf dem Weg zu unserem Appartement bekommen wir einen Vorgeschmack darauf, was uns in den nächsten Tagen erwartet. Die Landschaft beginnt sich vor uns zu öffnen, und als wir den Grand View Overlook passieren, bleibt uns kurz die Luft weg – nicht vor Erschöpfung, sondern vor Staunen.
Vor uns erstreckt sich ein schier endloses Labyrinth aus Canyons, Tafelbergen und dem schimmernden Band des Lake Powell, das sich durch die Wüste zieht. Ein Anblick, der uns zwingt, kurz den Plan zu ändern. Also: Stopp, Motor aus, Türen auf – raus in die Weite.
Der Wind streicht über die Ebene, der Horizont scheint nicht enden zu wollen, und für einen Moment stehen wir einfach nur da, sprachlos. Es gibt diese seltenen Augenblicke, in denen die Natur uns daran erinnert, wie winzig wir eigentlich sind – und wie großartig die Welt um uns herum.
Nach diesem kleinen Reality-Check setzen wir unseren Weg fort und legen die letzten Meter zu unserem Airbnb zurück. Kaum angekommen, wissen wir sofort: Glücksgriff.

Das Haus ist geräumig, hell und so gemütlich, dass wir uns am liebsten direkt aufs Sofa fallen lassen würden. Doch dazu kommen wir erstmal nicht, denn die Kinder haben längst das Kommando übernommen. Sie stürmen in die Zimmer, ihr Lachen hallt durch das Haus, und ehe wir uns versehen, hat der Schaukelstuhl im Wohnzimmer seine neue Bestimmung gefunden: als Arena für epische „Schaukelduelle“.
Während sich Noah und Emilia mit Schwung an die Physik der Fliehkraft eines Schaukelstuhles herantasten, widmen sich die Erwachsenen den weniger abenteuerlichen, aber unvermeidlichen Aufgaben: Auto ausladen, Koffer verteilen, Taschen verstauen. Ein geordnetes Chaos bricht aus, doch irgendwann haben alle ihre Sachen untergebracht.
Stefan übernimmt mit der gewohnten Gründlichkeit die Küchenkontrolle. Vorräte durchchecken, Kaffeevorrat inspizieren, sicherstellen, dass alles für ein ordentliches Frühstück vorhanden ist. Frischer Kaffee? Check. Eier, Brot, Marmelade? Alles da. Mit einem zufriedenen Nicken signalisiert er, dass wir kulinarisch überlebensfähig sind.
BILDERGALERIE: airbnb page, Arizona
Bevor wir unser hungriges Abenteuer in einem der Restaurants von Page starten, gibt es noch eine Mission, die absoluten Vorrang hat. Eine Mission, die nicht verschoben, vertagt oder ignoriert werden kann: die Jagd nach den heiß begehrten Wave Permits!
Für Uneingeweihte: Die Wave ist nicht einfach nur eine Wanderung. Sie ist der Heilige Gral der Sandsteinformationen, eine surreale Welle aus Stein, für die man kein Ticket kauft, sondern sich einem bürokratischen Glücksspiel unterzieht. Wer das Permit bekommt, darf sich freuen wie ein Lottogewinner – wer leer ausgeht, muss sich mit der bitterschönen Gewissheit trösten, dass er es zumindest versucht hat.
Stefan und ich gehören zur Kategorie „Wir geben nicht auf“. Wir haben die spektakuläre Wave bereits 2018 besucht – und wer jetzt denkt, einmal sei genug, liegt weiter daneben als ein Navi ohne GPS-Signal.
Die schiere Schönheit dieses Ortes hat uns damals so umgehauen, dass wir uns geschworen haben: Wenn wir jemals wieder die Chance haben, versuchen wir es erneut. Und da die Lotterie jeden Tag aufs Neue einen Hoffnungsschimmer verspricht, werfen wir auch diesmal unsere Namen in den Ring.
Es ist ein bisschen wie beim Roulette – nur dass wir statt auf eine Zahl auf das Wohlwollen des Zufalls hoffen.Doch eins ist sicher: Der Nervenkitzel ist Teil des Spiels – und allein das macht es schon lohnenswert.
Unsere Wave-Historie – oder: Wie oft kann man sein Glück herausfordern?
Unsere Liebe zur Wave begann lange davor – 2009, um genau zu sein. Damals stießen wir auf ein paar private USA-Homepages und sahen zum ersten Mal Bilder dieser surrealen Sandsteinformationen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Klar war: Da müssen wir hin!
Damals war die Lotterie noch überschaubar – 20 glückliche Menschen durften täglich die Wave betreten. 10 Permits wurden online verlost, die anderen 10 gab es als Walk-In-Permits am Vortag um 9 Uhr im Bureau of Land Management in Kanab.
Seit 2011 läuft das System, und wir haben es seither unermüdlich genutzt. Wann immer wir in der Gegend waren haben wir vorab an der Online-Lotterie teilgenommen – und 2018 war es tatsächlich soweit. Zwei Permits, unser Name auf der Gewinnerliste, und ein Gefühl, als hätten wir gerade den Jackpot geknackt. Die Nachricht, dass wir die Wave betreten dürfen, war ein Adrenalinschub der Extraklasse – und der anschließende Besuch? Einfach alles, was wir uns erhofft hatten, und noch viel mehr.
Doch damit war unsere Leidenschaft für das Lotteriespiel noch lange nicht gestillt. Ganze zwölf Mal haben wir uns zusätzlich der Walk-In-Lotterie in Kanab gestellt – jener einzigartigen Mischung aus Nervenkitzel, Gruppendynamik und der leisen Hoffnung, dass das Schicksal heute auf unserer Seite sein könnte.
Die Atmosphäre war unvergleichlich. Die Spannung im Raum stieg mit jeder Minute, während der Park Ranger mit seiner dramatischen Begrüßung noch eine Schippe Nervenkitzel drauflegte: „You enter a wild and dangerous country…“ Ein Satz, der sich jedes Mal so anhörte, als stünden wir kurz davor, einen Dschungel zu durchqueren oder uns einem Western-Duell zu stellen.
Und dann – die Lostrommel. Eine kleine, unscheinbare Bingo-Maschine, die über unsere nächsten 24 Stunden entschied. Der Park Ranger bediente die kleine Handkurbel, die Bälle rollten, die Nummern wurden verkündet – ein paar Sekunden der puren Hoffnung, gefolgt von entweder unbändiger Freude oder kollektivem Seufzen.
Unser größter Walk-In-Erfolg kam 2020. Nach zahlreichen gescheiterten Versuchen wurden tatsächlich unsere Nummern gezogen! Wir hatten es endlich geschafft – doch das Glück ist eben ein schelmischer Begleiter. Denn als wir am nächsten Tag aufbrechen wollten, machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung: Starkregen, unpassierbare Straßen, keine Chance, auch nur in die Nähe der Wave zu kommen. Schweren Herzens mussten wir unsere heiß erkämpften Permits zurückgeben – eine bittere Niederlage, die wir in einem eigenen Beitrag ausführlich verarbeitet haben.
Mit den Jahren gerieten die Walk-In-Verlosungen in Kanab immer mehr außer Kontrolle. Was einst eine überschaubare Angelegenheit mit ein paar hoffnungsvollen Glücksrittern war, verwandelte sich nach und nach in eine Art Massenauflauf mit Bingo-Stimmung. Die Zahl der Bewerber stieg rasant, der Raum platzte aus allen Nähten, und irgendwann war klar: Das System würde nicht mehr lange durchhalten.
Eine reine Online-Lotterie? Auch keine Lösung. Schließlich kamen unzählige Besucher extra wegen der Verlosung nach Kanab, übernachteten dort, aßen in den Restaurants und ließen ihre Dollars in der Stadt. Einfach alles ins Internet zu verlagern wäre für die lokale Wirtschaft ein harter Schlag gewesen – und mal ehrlich, die nervenaufreibende Live-Ziehung hatte schon ihren ganz eigenen Charme.
Doch dann – der Fortschritt! Mit dem Siegeszug der Smartphones und den immer besseren digitalen Möglichkeiten passte man das Lotteriesystem an und schuf eine neue, smartere Lösung. Jetzt konnte man sich vor Ort per App registrieren, ohne sich um 8 Uhr morgens mit 200 anderen in einen überfüllten Raum quetschen zu müssen. Effizient, spannend – und vor allem mit weniger Körperkontakt zu fremden, ebenfalls nervösen Mitbewerbern.
Heute ist es soweit – unsere erste Teilnahme am neuen System. Wird das Schicksal uns gewogen sein? Oder bleibt uns nichts anderes übrig, als die 3D-Bilder der Wave auf unseren Handys anzustarren? Unsere persönliche Erfolgsstatistik kann sich jedenfalls sehen lassen – und wenn man bedenkt, dass allein im Jahr 2018, als wir die Online-Permitts gewonnen haben über 200.000 Menschen für gerade einmal 7.300 Permits an der Lotterie teilnahmen, kann man schon mal stolz sein, gewonnen zu haben.
Jetzt heißt es also Daumen drücken – und abwarten, was die moderne Glücksfee für uns bereithält.
So funktioniert das neue Wave-Permit-System
Die Online-Lotterie gibt es nach wie vor – allerdings mit einer erfreulichen Neuerung: Statt kümmerlicher 10 Permits werden nun 48 Tickets pro Tag vergeben. Klingt nach besseren Chancen, oder? Nun ja, wenn da nicht ein paar hunderttausend andere Bewerber wären.
Aber der wahre Gamechanger? Die altbewährte Walk-In-Verlosung in Kanab wurde durch eine smarte, digitale Geofence-Lotterie ersetzt. Klingt futuristisch, ist aber im Grunde genommen eine clevere Methode, Menschen dazu zu zwingen, sich tatsächlich vor Ort aufzuhalten, während sie ihr Glück versuchen.
Das Schlüsselwort lautet Geofencing – eine digitale Barriere, die sicherstellt, dass man sich physisch innerhalb eines festgelegten geografischen Bereichs befindet, bevor man sich überhaupt bewerben kann. Mit anderen Worten: Wer nicht in der Zone ist, spielt nicht mit.
Und wie genau läuft das Ganze ab?
Tag 1: Bewerbung einreichen
- Einer aus der Gruppe (max. 6 Leute) muss sich innerhalb des Geofence-Gebiets befinden und über die recreation.gov-App die Bewerbung einreichen (Achtung: nur mit der neuesten Version!).
- Das Bewerbungsfenster läuft von 6:00 AM bis 6:00 PM Utah-Zeit – wer zu spät kommt, den bestraft die Lotterie.
- Kostenpunkt: 9$ Lottery Fee.
- Um 7:15 PM Utah-Zeit wird die Ziehung veröffentlicht. Wer gewonnen hat, kann sich freuen – wer nicht, kann den Frust mit einem kühlen Bier in Page oder Kanab ertränken.
- Gewinner haben bis 8:00 AM am nächsten Morgen Zeit, den „Lottogewinn“ zu akzeptieren, Gruppenmitglieder anzugeben und die 7$ Recreation Fee pro Person zu bezahlen.
Tag 2: Safety Briefing & Permit abholen
- Jetzt wird’s ernst: Alle (!) aus der Gruppe müssen um 8:30 AM Ortszeit zum obligatorischen Sicherheitsbriefingerscheinen.
- Ohne Briefing – kein Permit.
- Das Ganze kann entweder in Page, AZ, oder in Kanab, UT abgeholt werden – man hat die Wahl, aber Vorsicht: Im Sommer gibt es eine Zeitverschiebung zwischen Arizona und Utah!
- Wer sich verspätet – egal ob wegen Verkehr, verschlafener Wecker oder einem missglückten Pancake-Flip beim Frühstück – hat Pech gehabt. Das Permit wird ohne Gnade neu vergeben.
Tag 3: Die Wave erkunden!
- Glückwunsch! Du hast es geschafft!
- Jetzt heißt es: Wanderstiefel schnüren, genug Wasser einpacken und die atemberaubenden Sandsteinwellen der Wave in vollen Zügen genießen.
Fazit:
Das System ist vielleicht moderner geworden, aber die Regeln sind klar: Pünktlichkeit ist nicht verhandelbar, Technik muss funktionieren, und wer sich im Geofence-Bereich aufhält, hat zumindest eine theoretische Chance auf das Ticket ins Naturparadies.
Viel Glück – und möge die Lotterie-Göttin euch gewogen sein!


Zurück zu unserem heutigen Abenteuer! Nachdem Nadine erfolgreich die erforderlichen Daten für die Wave Lottery in die App gehackt – äh, eingetippt – hatte, machten wir uns auf den Weg zu einem wohlverdienten Abendessen. Ziel: die Grand Canyon Brewery & Distillery.
Die Vorfreude? Groß. Nach einem langen Tag klang die Kombination aus Burgern, Craft-Bier und gemütlicher Atmosphäre wie das perfekte Finale. Die Location? Einladend rustikal. Holztische mit Charakter, eine Bar mit den typischen Zapfhähnen, und ein verführerischer Duft von frisch gebratenem Fleisch, der uns bereits an der Tür begrüßte. Zugegeben, die Preise waren etwas gehobener, aber für gutes Essen nach einem Tag voller Staub und Abenteuer gibt es keine falschen Entscheidungen.
Also ließen wir uns nieder, orderten nach Herzenslust und stürzten uns genussvoll auf unsere Burger. Doch mitten in der kulinarischen Euphorie – das Handy vibrierte.
Nadine sah auf das Display, stutzte, dann verwandelte sich ihr Gesichtsausdruck innerhalb einer Sekunde von „Hm, wer stört jetzt?“ zu „OH. MEIN. GOTT.“
„Congratulations! You were successful in the Coyote Buttes North Daily Lottery.“
Für einen Moment hielten wir den Atem an. Dann brach der pure Jubel aus.
Wir hatten es geschafft! Die Coyote Buttes North Daily Lottery gewonnen! Ein Moment, der irgendwo zwischen Lottogewinn und Heureka lag. Der heilige Gral aller Wüstenwanderungen lag nun in greifbarer Nähe: Die Wave – übermorgen würde es tatsächlich losgehen!
Die Burger? Plötzlich zweitrangig. Stattdessen feierten wir unseren Triumph, als hätten wir gerade eine archäologische Sensation ausgegraben. Denn genau so fühlt es sich an, wenn man die Wave-Lotterie gewinnt: ein seltenes, fast mythisches Ereignis – ein echter Schatz in der Wüste.

Die Vorstellung, schon bald vor diesen surrealen Sandsteinwellen zu stehen – einem Naturgemälde aus leuchtenden Farben und kunstvoll geschwungenen Linien – ließ uns alle jubeln. Der Gedanke daran, durch diese spektakuläre Landschaft zu wandern, sorgte für eine spürbare Spannung in der Luft – fast so, als könnte man die Vorfreude anfassen.
Für einen Moment stand die Zeit still. Dann realisierten wir, dass wir noch unsere Teller vor uns hatten. Also gut, zurück zur Realität – zumindest vorübergehend. Doch jetzt schmeckten die Burger irgendwie noch besser, und jedes Craft-Bier fühlte sich wie ein zusätzlicher Grund zum Feiern an. Als ob das Universum beschlossen hätte, unser Glück auf allen Ebenen zu perfektionieren.
Während wir die letzten Bissen genossen, begannen die ersten taktischen Besprechungen: Wann brechen wir auf? Welche Route nehmen wir? Hat eigentlich jeder genug Sonnencreme? Pläne wurden geschmiedet, Strategien entwickelt – denn wer einmal die Wave gesehen hat, weiß: Das ist nicht einfach nur ein Spaziergang, das ist ein Erlebnis, das man mit allem Drum und Dran zelebriert.
Nach dem Essen wanderte mein Blick über die Souvenirs – und blieb an einem schicken Bierglas hängen. Ein stilvolles Erinnerungsstück an diesen besonderen Abend und ein weiteres Glas für unsere stetig wachsende Sammlung. Denn wenn man schon einen Grund zum Feiern hat, sollte man das passende Trinkgefäß dazu besitzen.
Mit glücklichem Lächeln verließen wir das Restaurant – doch unser Abenteuer war noch nicht vorbei. Nächster Halt: Walmart. Klingt profan? Nicht heute. Denn heute fühlte sich selbst das Getränkenachfüllen an, als würden wir uns für eine Expedition rüsten. Wasser, Snacks, ein paar Extras – die letzten Vorbereitungen für das große Abenteuer.
Mit vollen Tüten und voller Vorfreude ging es zurück ins Apartment. Doch während wir langsam zur Ruhe kamen, rasten unsere Gedanken bereits voraus – hin zu den schillernden Felsformationen, den unendlichen Weiten und den Farben, die je nach Sonnenstand ihr Gesicht verändern.
Der morgige Tag würde uns einen Schritt näher an dieses Naturwunder bringen. Erste Station: die Visitor Information in Page. Dort erwartete uns das obligatorische Sicherheitsbriefing und – noch viel wichtiger – die offizielle Übergabe der heiß begehrten Permits.
Mit diesen Eintrittskarten in eine der faszinierendsten Landschaften der Welt in der Hand, würde unser Abenteuer endgültig beginnen. Und während wir uns in unsere Betten fallen ließen, ließ uns die Spannung nicht mehr los – wir konnten es kaum erwarten, dass der nächste Tag endlich beginnt.