
Ein schiefer Turm und die perfekte Disney Kulisse: Wir besuchen Pisa & Monterosso
Bevor wir Florenz endgültig verlassen, wartet noch ein letztes Highlight auf uns: der Piazzale Michelangelo. Ein Abschied ohne diesen legendären Aussichtspunkt? Unmöglich. Also verstauen wir unsere Sachen im Auto, werfen einen letzten Blick auf den Campingplatz (der unsere schlammverschmierten Eskapaden heldenhaft überstanden hat) und machen uns auf den Weg nach oben.
Die Fahrt hinauf? Entspannt. Keine halsbrecherischen Serpentinen, keine unvorhersehbaren Überraschungen – nur eine sanfte Steigung und das angenehme Wissen, dass wir diesmal nicht 463 Stufen erklimmen müssen, um einen spektakulären Ausblick zu bekommen.
Oben angekommen, breitet sich Florenz in voller Pracht vor uns aus. Und obwohl der Himmel noch immer ein wenig mürrisch wirkt, lassen wir uns die Stimmung nicht vermiesen. Denn mal ehrlich: Selbst mit Wolken sieht diese Stadt aus, als hätte sie sich für ein Renaissance-Ölgemälde in Pose geworfen.
In der Mitte des Platzes thront David. Oder besser gesagt: eine bronzene Nachbildung von Michelangelos Meisterwerk. Majestätisch, muskulös, mit diesem leicht überheblichen „Ich-bin-die-Renaissance“-Blick. Er scheint über Florenz zu wachen – oder zumindest den Touristenstrom zu beobachten, der sich um ihn herumtummelt.
Souvenirhändler haben ihre Stände aufgebaut und bieten alles an, was das Touristenherz begehrt: Mini-Davids, Postkarten, Magneten und natürlich das unvermeidliche Repertoire an Pinocchio-Figuren in allen erdenklichen Größen. (Wahrscheinlich hätte sich Collodi nicht träumen lassen, dass sein kleiner Holzjunge irgendwann als Schlüsselanhänger-König durch Florenz regieren würde.)
Und dann gibt es noch die Straßenmusiker, die mit sanften Klängen italienischer Melodien den perfekten Soundtrack für diesen Moment liefern. Man könnte meinen, sie hätten sich mit den Wolken abgesprochen, um den Abschied von Florenz mit einem Hauch von Melancholie zu untermalen.

Die Aussicht von hier oben? Atemberaubend. Selbst unter einem wolkenverhangenen Himmel hat Florenz diesen ganz eigenen Glanz. Die roten Dächer, die mächtige Kuppel des Doms, der Arno, der sich wie ein silbernes Band durch die Stadt windet – als hätte jemand eine Postkarte auf Panorama-Modus gestellt. Es fühlt sich fast so an, als würde Florenz uns leise „Arrivederci“ zuflüstern.
Natürlich greifen wir sofort zu den Kameras – denn wenn man schon mal hier oben ist, muss das dokumentiert werden! Es wird eifrig geknipst, optimiert, noch mal nachjustiert … und dann natürlich der Klassiker: „Warte, eins noch!“ (Spoiler: Es bleibt nie bei „eins“.)
Irgendwann geben wir uns geschlagen – die Speicherkarte ist voll, der Moment perfekt festgehalten. Wir werfen noch einen letzten Blick auf David, der uns weiterhin mit seinem steinernen „Ich hab schon alles gesehen“-Blick mustert.
Zeit, weiterzuziehen. Der nächste Stopp wartet – und er ist mindestens genauso legendär: Pisa! Ich bin gespannt, ob der Turm wirklich so schief ist oder ob das alles nur ein cleverer PR-Trick war. Wir werden es herausfinden!

Die Fahrt nach Pisa vergeht wie im Flug. Die Straße schlängelt sich durch die toskanische Bilderbuchlandschaft, vorbei an sanften Hügeln, endlosen Weinbergen und kleinen Dörfern, die aussehen, als hätte jemand sie direkt aus einem Reisekatalog ausgeschnitten. Ein Panorama, das jeden Italo-Film alt aussehen lässt.
Je näher wir Pisa kommen, desto freundlicher wird das Wetter. Plötzlich klart der Himmel auf, das Grau weicht einem strahlenden Blau, und die Sonne scheint uns direkt ins Gesicht zu grinsen. „Perfektes Wetter für den schiefen Turm!“, sage ich begeistert zu Stefan. Er nickt – wahrscheinlich erleichtert, dass wir diesmal nicht im Regen durch die Stadt radeln müssen.
In Pisa angekommen, lassen wir nichts anbrennen. Unser Camper bekommt einen sicheren Parkplatz etwas außerhalb des Stadtzentrums (Area Comunale, Via di Pratale 78, 56100 Pisa), denn wir haben gelesen, dass Camper in der Nähe des Domplatzes gern mal unfreiwillige Besitzerwechsel erleben. Und während wir Abenteuer lieben – eine unangenehme Überraschung dieser Art braucht wirklich niemand. Der Parkplatz ist ruhig, ordentlich, und unser rollendes Zuhause scheint hier gut aufgehoben.
Jetzt geht’s los – auf zwei Rädern. Mit unseren Fahrrädern düsen wir Richtung Zentrum, die Sonne im Rücken, den Fahrtwind im Gesicht. Die Straßen von Pisa sind quirlig, aber nicht zu hektisch – genau die richtige Mischung aus italienischem Stadtleben und entspanntem Treiben.
Überall um uns herum herrscht Energie. Straßenmusiker spielen fröhliche Melodien, in den Cafés sitzen Menschen, die ihren Espresso mit der typischen italienischen Lässigkeit genießen, und der Duft von frisch gebackenem Gebäckzieht durch die Gassen. Man spürt: Pisa ist in Aufbruchstimmung – und wir sind mittendrin.

Dann erreichen wir die Piazza dei Miracoli – und der Anblick ist einfach atemberaubend. Wirklich, kein Foto, keine Postkarte und kein noch so kitschiger Pisa-Schlüsselanhänger kann diesem Moment gerecht werden. Der schiefe Turm von Pisa, offiziell Torre Pendente di Pisa, ragt vor uns in die Höhe – oder besser gesagt, er neigt sich elegant zur Seite, als hätte er die ganze Nacht einen Schluck zu viel Vino getrunken.
Flankiert von strahlend weißen Marmor-Gebäuden, hebt er sich beeindruckend vor dem azurblauen Himmel ab. Ein Postkartenmotiv in Echtzeit. Einer dieser Momente, in denen man einfach stehen bleibt und staunt.
Zum Glück haben wir unsere Tickets schon im Voraus gebucht – Punkt zwölf dürfen wir hoch. Noch ein paar Minuten Zeit, um die Atmosphäre aufzusaugen und uns mental auf den Schräglagen-Wahnsinn vorzubereiten. Man hört ja so einiges: Dass man oben das Gleichgewicht verlieren kann, dass es sich im Inneren anfühlt wie auf einem schaukelnden Schiff, dass einem ein leichtes Schwindelgefühl beschert wird … Klingt doch nach einem Abenteuer!
Und mit jeder Minute steigt die Spannung. Gleich geht’s los – rein in eines der berühmtesten Bauwerke der Welt. Ich bin gespannt, ob sich die Legenden bewahrheiten … oder ob sich der Turm doch als stabiler erweist als gedacht.
Der Schiefe Turm von Pisa – die berühmteste Panne der Architekturgeschichte
Der Schiefe Turm von Pisa ist wohl das bekannteste Bauwerk der Welt, das durch einen Baufehler berühmt wurde. Seit Jahrhunderten neigt sich das ikonische Bauwerk zur Seite, als hätte es beim Bau ein Glas zu viel Vino getrunken. Und genau das macht seinen Charme aus.
Die Grundsteinlegung erfolgte 1173, als Pisa noch eine mächtige Seerepublik war. Doch schon während der Bauarbeiten begann der Turm langsam, aber sicher zu kippen. Der Grund? Weicher, sandiger Untergrund, der für das massive Gewicht der Marmorstruktur ungeeignet war. Die Bauarbeiten wurden immer wieder unterbrochen – teils durch Kriege, teils weil man schlichtweg keine Ahnung hatte, wie man das Problem lösen sollte. Das dauerte knapp 200 Jahre. Wer sich also über langsame Bauprojekte in der heutigen Zeit beschwert, sollte einen Blick nach Pisa werfen.
Doch nicht nur der Turm hat eine Schieflage – auch die Kathedrale und das Baptisterium auf der Piazza dei Miracolistehen leicht schräg. Pisa hat sich also nicht nur ein Wahrzeichen gebaut, sondern gleich eine ganze Sammlung von Konstruktionspannen.
Nach Jahrhunderten der Schräglage wurde es irgendwann wirklich gefährlich: 1990 war die Neigung so bedrohlich, dass der Turm für Besucher gesperrt wurde. Es folgten aufwendige Rettungsmaßnahmen, bei denen unter anderem Erde entfernt und das Fundament stabilisiert wurde. Seit 2001 ist er wieder für die Öffentlichkeit zugänglich – nun mit einer stabilen Neigung von rund 4 Grad. Angeblich soll er jetzt für mindestens 200 Jahre sicher stehen. Danach? Nun, Pisa hat ja Erfahrung mit Bauverzögerungen.
Heute zieht der 56 Meter hohe Turm jährlich Millionen Besucher an, die sich vor ihm in der wohl berühmtesten Touristenpose der Welt fotografieren – Hände ausgestreckt, als würde man ihn vor dem Umfallen bewahren. Dabei wäre es doch eigentlich viel lustiger, wenn mal jemand so tun würde, als würde er ihn umstoßen…
Wer sich der Herausforderung stellt und die 251 Stufen zur Spitze erklimmt, merkt schnell: Man spürt die Schieflage mit jedem Schritt. Der Körper will nach links, dann nach rechts – ein eigenartiges Gefühl, als würde man auf einem schiefen Schiff laufen. Aber oben angekommen, wird man mit einem fantastischen Blick über Pisa und die toskanische Landschaft belohnt.
Egal, ob man ihn bestaunt, besteigt oder nur für das klassische „Ich-halte-den-Turm“-Foto posiert – der Schiefe Turm von Pisa bleibt eines der außergewöhnlichsten Bauwerke der Welt. Und die wohl berühmteste Panne der Architekturgeschichte.
Punkt 12 Uhr ist es endlich soweit! Mit einem leichten Kribbeln im Bauch passieren wir die Sicherheitskontrolle und betreten den schiefen Turm von Pisa durch die berühmte Eingangstür. Und ja, die Schieflage merkt man sofort! Schon der erste Schritt ins Innere bringt uns ins Wanken – als hätte der Boden beschlossen, uns gleich freundlich darauf hinzuweisen, dass hier keine einzige Fläche gerade ist.
Während wir uns die Treppen hinaufarbeiten, wird das Gefühl noch intensiver. Es ist, als hätte der Turm eine unsichtbare Hand, die uns immer ein kleines Stückchen zur Seite zieht. Schwankendes Schiff? Schiefe Geisterbahn? Renaissance-Architektur mit eingebautem Schwindel-Effekt? Irgendwas dazwischen. Faszinierend – und leicht verwirrend.
Die Wände in warmen Gelbtönen, das spärliche Licht, das durch die kleinen Fenster fällt – eine fast geheimnisvolle Atmosphäre breitet sich aus. Man könnte meinen, wir wären in einer Schatzkammer aus einem Indiana-Jones-Film – nur eben mit Treppen und ohne tödliche Fallen.
Bildergalerie: Torre pendente di Pisa
Apropos Treppen: Der Turm gönnt uns 251 Stufen, die es in sich haben. Die Wendeltreppen sind eng, die Luft dünner, und die Schräglage bringt uns ordentlich ins Schwitzen. Aber jetzt umdrehen? Niemals! Schließlich wartet da oben das ultimative Pisa-Panorama – und das wollen wir uns nicht entgehen lassen.
Endspurt! Noch 12 extra Stufen bis zur Glockenkammer – und dann stehen wir endlich ganz oben. Der Blick? Einfach grandios. Pisa liegt uns zu Füßen, die roten Dächer leuchten in der Sonne, die Berge rahmen das Panorama perfekt ein, und die Piazza dei Miracoli wirkt von hier aus fast wie eine kunstvoll arrangierte Miniaturwelt.
Kamera raus, Erinnerungen festhalten! Denn eines ist sicher: Dieser Moment, dieses Panorama und dieser ziemlich schiefe Aufstieg – das bleibt. Und während wir noch kurz darüber nachdenken, ob wir uns die Neigung vielleicht doch einbilden, kommt eine Windböe … und erinnert uns sanft daran: Nein, nein. Der Turm steht wirklich schief.
Bildergalerie: Torre pendente di Pisa
Nachdem wir uns erfolgreich durch die Schräglagen-Akrobatik des schiefen Turms gekämpft haben, ist unser Gleichgewichtssinn wieder auf Normalmodus. Doch Pisa hat noch mehr zu bieten – also lassen wir uns die Gelegenheit nicht entgehen, auch den Dom Santa Maria Assunta von innen zu erkunden. Man munkelt, er sei mindestens genauso beeindruckend wie der Turm selbst – und was soll ich sagen? Die Gerüchte stimmen!
Schon beim Betreten trifft uns die Atmosphäre mit voller Wucht. Die gigantischen Decken, die kunstvollen Fresken, die Marmorsäulen, die sich mit einer fast überirdischen Eleganz in die Höhe recken – ein Ort, der sofort Respekt einflößt. Und während wir da stehen, die Köpfe im Nacken, frage ich mich unweigerlich: Wie zur Hölle haben die das alles vor Jahrhunderten ohne moderne Technik hingekriegt?
Die goldverzierte Kassettendecke ist ein absolutes Highlight. Wenn das Licht durch die bunten Glasfenster fällt,taucht es den ganzen Raum in ein warmes, fast himmlisches Leuchten. Ein Moment der Ruhe, in dem man einfach nur staunen kann – oder in dem man sich fragt, ob man hier nicht für immer sitzen bleiben sollte.
Doch der eigentliche Star des Doms? Die Kanzel von Giovanni Pisano. Eine Skulptur, die nicht einfach nur eine Kanzel ist, sondern eine komplette Renaissance-Soap-Opera aus Stein. Jede Figur, jede Szene ist so detailreich und lebendig, dass man fast erwartet, dass sie sich gleich bewegen und ihre Geschichte erzählen. Man könnte hier Stunden verbringen – wenn nicht der nächste Besucher bereits ungeduldig hinter einem wartet.
Ein Ort, der mit jedem Blick neue Details offenbart. Und während wir langsam durch den Dom schlendern, wissen wir: Dieser Besuch hat sich definitiv gelohnt. Nicht nur der schiefe Turm macht Pisa besonders – es ist dieses Zusammenspiel aus Architektur, Geschichte und einem Hauch göttlicher Perfektion, das diesen Ort so einzigartig macht.
Bildergalerie: Cattedrale Metropolitana Primaziale di Santa Maria Assunta
Nachdem wir den Dom ausgiebig bewundert haben, machen wir uns langsam auf den Weg zurück zu unseren Fahrrädern. Die stehen nur ein paar Gehminuten entfernt – und doch drehen wir uns immer wieder um, werfen noch einen letzten Blick auf das Postkartenmotiv, das wir gerade hautnah erlebt haben. Der schiefe Turm, der sich wie ein ungeschickter Akrobat zur Seite neigt, die majestätische Kathedrale, die ihn mit stoischer Würde überragt – es wirkt fast surreal. Kaum zu glauben, dass wir eben noch oben auf diesem schrägen Wunderwerk standen.
Zurück im Sattel lassen wir uns durch Pisa treiben. Die Sonne wärmt unser Gesicht, eine leichte Brise sorgt für das perfekte „Ich-bin-im-Urlaub“-Feeling, und wir gleiten entspannt durch die Straßen. Und dann – wie aus dem Nichts – taucht es auf: Ein kleines, einladendes Restaurant mit gemütlichen Außenplätzen. Der Duft von frisch gebackenem Teig und würzigem Käse liegt in der Luft. Keine Diskussion nötig. Hier bleiben wir.
Fahrräder geparkt, Plätze gesichert, Speisekarte aufgeschlagen. Die Entscheidung fällt schneller, als man „Pasta oder Pizza?“ sagen kann. Natürlich Pizza. Denn mal ehrlich: In Italien eine Pizza abzulehnen, fühlt sich ungefähr so falsch an wie in Frankreich keinen Croissant zu essen.
Wenig später steht sie vor uns: ein Meisterwerk auf knusprigem Boden. Der erste Bissen – perfekt. Die frischen Zutaten, die goldbraune Kruste, dieser herrliche Duft von geschmolzenem Käse und italienischen Kräutern – ein Genuss.
Während wir unser Pizza-Glück genießen, beobachten wir die vorbeiziehenden Menschen, lauschen dem Gemurmel der italienischen Gespräche um uns herum und lassen das Dolce Vita auf uns wirken. Und genau in diesem Moment wissen wir: Ja, das hier ist einer dieser perfekten, unaufgeregten, aber unvergesslichen Reise-Momente.


Frisch gestärkt schwingen wir uns wieder auf unsere Fahrräder und treten gemütlich den Rückweg zu unserem Camper an. Pisa verabschiedet sich von uns mit einem letzten Hauch italienischer Leichtigkeit, während wir durch die Straßen rollen – im Gepäck eine schiefe Turm-Erfahrung, grandiose Pizza und die Gewissheit, dass dieser Zwischenstopp absolut die richtige Entscheidung war.
Zurück beim Camper beginnt das nächste Kapitel unseres Abenteuers. Nächster Halt: Deiva Marina. Die Strecke verspricht einiges – und sie hält Wort. Während wir die Straßen entlanggleiten, entfaltet sich eine Landschaft, die direkt aus einem italienischen Bilderbuch stammen könnte.
Sanfte grüne Hügel, die sich mit einer fast schon überheblichen Mühelosigkeit aneinanderreihen, malerische Dörfer, die aussehen, als wären sie extra für Postkarten arrangiert, und dann immer wieder diese atemberaubenden Blicke aufs Meer. Wenn sich plötzlich hinter einer Kurve das glitzernde Blau der Ligurischen Küste offenbart, fühlt es sich an, als hätte die Natur kurz die Sonnenbrille abgesetzt und gesagt: „Na, gefällt’s euch?“
Nach dieser filmreifen Anfahrt erreichen wir unseren Campingplatz in Deiva Marina. Und hier erwartet uns direkt die erste Überraschung: Die Dame an der Rezeption spricht perfekt Deutsch. Nicht „ein bisschen“, nicht „gebrochen“, sondern so fließend, dass wir uns kurz fragen, ob wir versehentlich eine Grenze übersehen haben.
Mit einem warmen Lächeln und einer ordentlichen Portion Hilfsbereitschaft zeigt sie uns die letzten beiden freien Stellplätze. Die Wahl fällt schnell: direkt bei den Duschen und nahe am Eingang – strategisch klug und praktisch zugleich. Alles läuft reibungslos, der Platz ist ein Volltreffer, und wir sind froh, hier gelandet zu sein.
Ein neuer Ort, ein neues Abenteuer – und wir sind mittendrin.



16:30 Uhr – viel zu früh, um einfach nur herumzusitzen. Gerade hatten wir unseren Camper eingeparkt, da kam die nette Dame von der Rezeption mit einem Vorschlag um die Ecke, der zu verlockend klang, um ihn auszuschlagen: „Warum warten? Ihr könntet doch jetzt schon nach Monterosso fahren!“
Cinque Terre – Italiens bunte Dörfer zwischen Himmel und Meer
Die Cinque Terre sind eine der spektakulärsten Küstenlandschaften Italiens – fünf malerische Dörfer, die sich an die steilen Klippen der ligurischen Riviera klammern, als hätten sie Angst, ins Meer zu stürzen. Riomaggiore, Manarola, Corniglia, Vernazza und Monterosso al Mare – jedes dieser Dörfer hat seinen ganz eigenen Charme, aber sie alle haben eines gemeinsam: pastellfarbene Häuser, enge Gassen und eine unschlagbare Aussicht auf das türkisfarbene Ligurische Meer.
Ein Paradies mit Hindernissen
Die Cinque Terre waren lange Zeit fast völlig isoliert – keine Straßen, kaum Verbindungen zur Außenwelt. Bis ins 20. Jahrhundert konnte man sie nur per Boot oder zu Fuß erreichen. Und genau diese abgeschiedene Lage hat den Dörfern bis heute ihre Ursprünglichkeit bewahrt. Mittlerweile gibt es eine Bahnlinie, die die Orte verbindet, aber Autos? Fehlanzeige! Wer mit dem Auto anreist, lässt es am besten in La Spezia oder Levanto stehen und wechselt auf die Regionalzüge oder die berühmten Wanderwege.
Die schönsten Erlebnisse in den Cinque Terre
Wandern mit Aussicht:
Der Sentiero Azzurro (Blauer Weg) ist der berühmteste Wanderpfad der Region. Über steile Treppen und durch duftende Zitronenhaine führt er von Dorf zu Dorf – der Blick auf das glitzernde Meer ist atemberaubend.
Bahnfahren statt Parkplatzsuche:
Der Cinque Terre Express verbindet alle fünf Orte in wenigen Minuten – perfekt für alle, die nicht mit Schweißperlen auf der Stirn die Klippen hochklettern wollen.
Pesto und Meeresfrüchte:
Ligurien ist die Heimat des Pesto alla Genovese, das hier besonders frisch und intensiv schmeckt. Dazu gibt es fangfrische Tintenfisch-Pasta, Frittura di Mare oder Sardinen direkt aus dem Meer.
Baden mit Postkartenblick:
Während die meisten Dörfer eher felsige Küsten haben, lockt Monterosso al Mare mit einem schönen Sandstrand – perfekt für eine Erfrischung nach dem Wandern.
Bootstour statt Stau:
Die Küste aus einer anderen Perspektive sehen? Eine Bootsfahrt entlang der Cinque Terre offenbart die volle Schönheit der bunten Dörfer, die wie Miniaturkulissen in die Felsen gebaut sind.
Eine Schönheit mit Massenandrang
Die Cinque Terre sind atemberaubend schön – aber kein Geheimtipp mehr. In der Hochsaison wird es eng in den verwinkelten Gassen, und ein ruhiges Fischerdorf-Feeling gibt es hier nur noch frühmorgens oder in der Nebensaison. Wer den Trubel umgehen will, kommt am besten im Frühling oder Herbst, wenn die Temperaturen mild sind und die Strände nicht mit Badetüchern übersät sind.
Egal, ob man sie erwandert, mit dem Zug erkundet oder einfach nur mit einem Glas Weißwein aus den terrassierten Weinbergen auf das Meer blickt – die Cinque Terre gehören zu den Orten, die man einmal im Leben gesehen haben muss.
Eigentlich stand die Erkundung der fünf Dörfer der Cinque Terre erst morgen auf dem Plan, aber mal ehrlich – wer sagt schon Nein zu einer spontanen Extra-Portion Italien? Noch besser: Sie bot an, uns zum Bahnhof zu fahren, wir könnten den 17-Uhr-Zug nehmen und wären um 19:30 Uhr wieder zurück. Und weil das alles noch nicht perfekt genug war, würde sie uns sogar wieder abholen. Service-Level: Grandios.
Gesagt, getan! Wenig später saßen wir also im Zug nach Monterosso, die Vorfreude stieg mit jedem Kilometer – und unser Italien-Abenteuer nahm mal wieder eine unerwartete, aber absolut willkommene Wendung.
Und wie sind wir eigentlich auf die Idee gekommen, uns die Cinque Terre anzusehen? Ganz einfach: Disney-Zauber!
Kennt ihr den bezaubernden Film „Luca“? Genau dieser Film hat uns nach Italien gebracht! Witzig, oder? Kaum hatte ich herausgefunden, dass die malerischen Dörfer der Cinque Terre als Inspiration für die Kulisse dieses charmanten Films dienten, war klar: Ich muss da hin.
Die bunten Häuser, die sich an die steilen Klippen schmiegen, das funkelnde Meer, die engen Gassen, in denen sich kleine Abenteuer verbergen – all das wollte ich mit eigenen Augen sehen. Als großer Fan von Luca, Alberto und Giulia musste ich das Original erleben.
Und keine Sorge wegen der Seeungeheuer! Ich weiß ja jetzt, dass sie eigentlich ganz lieb sind und höchstens Lust auf ein Gelato haben. Wer weiß, vielleicht begegnet mir ja eines beim Schlendern durch die schmalen Gassen – oder ich treffe den selbstgefälligen Ercole Visconti, wie er auf seiner knallroten Vespa durch die Straßen zischt. Natürlich im obligatorischen Kaschmir-Pullover. Und gut, dass wir keine Pasta-Wettessen geplant haben – da hätten wir wohl keine Chance.
Allein die Vorstellung, durch die Straßen zu laufen, die diesen magischen Film inspiriert haben, ließ mich schon jetzt aufgeregt grinsen.
Und dann saßen wir im Zug nach Monterosso – oder sollte ich sagen Portorosso? Ich konnte meine Vorfreude kaum verbergen, während draußen die atemberaubende Küstenlandschaft an uns vorbeizog. Schroffe Felsen, die ins tiefblaue Meer stürzten, kleine Dörfer, die sich mutig an die Hügel klammerten – ein echtes Bilderbuch-Panorama.
Nach einer kurzen Fahrt erreichten wir Monterosso al Mare, das nördlichste Dorf der Cinque Terre. Kaum aus dem Zug gestiegen, fühlten wir uns sofort mitten in eine Filmszene versetzt.
Das charmante Küstenstädtchen empfing uns mit offenen Armen: bunte Häuser, verwinkelte Gassen und diese ganz besondere Magie, die man kaum in Worte fassen kann. Die warme Abendluft war erfüllt vom Duft nach Salz, Zitronen und frischem Basilikum. Und während wir uns auf den Weg ins Dorf machten, konnte ich nicht anders, als mich kurz umzusehen – nur für den Fall, dass irgendwo eine Vespa mit einer sehr arroganten Fahrweise um die Ecke kam.

Wir beschlossen, zuerst einen Spaziergang entlang der Uferpromenade zu machen. Der breite Sandstrand erstreckte sich vor uns, das Meer glitzerte in der Abendsonne, als würde es uns mit einem letzten goldenen Funkeln „Benvenuti!“ zurufen.
Ein paar mutige Schwimmer wagten sich noch ins Wasser – vermutlich mit einer deutlich besseren Kälteresistenz als wir. Andere hatten es sich längst in den Strandbars gemütlich gemacht, mit Aperol Spritz in der Hand und einem beneidenswert entspannten Gesichtsausdruck.
„Vielleicht sollten wir beim nächsten Mal unsere Badesachen mitnehmen“, meinte Stefan mit einem Augenzwinkern.
Ich überlegte kurz. Baden im Mittelmeer, während die Sonne langsam im Horizont versinkt? Klingt nach einer großartigen Idee. Wären da nicht zwei kleine Hindernisse: Erstens – wir hatten keine Badesachen dabei. Zweitens – das Wasser hatte jetzt schon eher den Charme einer kühlen Erfrischung als einer wohlig-warmen Badewanne.
Aber gut, man wächst ja bekanntlich mit seinen Herausforderungen. Also beschlossen wir, das Meer heute nur aus sicherer Entfernung zu bewundern – und beim nächsten Mal vielleicht tatsächlich den mutigen Schwimmern Gesellschaft zu leisten.
BILDERGALERIE: Cimitero di Monterosso
Eigentlich dachten wir, dass wir den Weg zur Burg eingeschlagen hatten. Doch anstatt vor mittelalterlichen Mauern und wehrhaften Türmen zu stehen, fanden wir uns plötzlich auf einem Friedhof wieder – dem Cimitero di Monterosso.
Nun gut, Umwege gehören zum Abenteuer dazu. Und wenn wir schon einmal hier waren, wollten wir uns diesen besonderen Ort auch in Ruhe ansehen. Und tatsächlich – dieser Friedhof war kein gewöhnlicher. Zwischen den alten Grabsteinen und kunstvollen Mausoleen lag eine friedvolle Stille, die fast greifbar war.
Die weißen Marmorengel und Statuen wirkten, als würden sie über das Meer wachen, während sich bunte Blumen zwischen den Gräbern breitmachten und dem Ort unerwartete Lebendigkeit verliehen.
Und dann bemerkten wir es: Von hier oben hatten wir eine atemberaubende Aussicht auf das tiefblaue Meer und das malerische Dorf unter uns.
Ein ungeplanter, aber magischer Moment. Die Sonne brach durch die Wolken, tauchte alles in ein warmes, goldenes Licht, und wir standen einfach nur da – staunend, still, völlig verzaubert.
Manchmal führt ein vermeintlicher Irrweg zu einem der schönsten Augenblicke. Und während wir dort standen und den Blick schweifen ließen, dachten wir: „Burg? Später. Dieser Moment hier ist perfekt.“

Als wir unseren Weg fortsetzten, stolperten wir – diesmal ganz bewusst – über eine der beeindruckendsten Sehenswürdigkeiten von Monterosso: die Statue von San Francesco d’Assisi.
Dort stand er, hoch oben auf dem Hügel, mit einer Haltung, als würde er sagen: „Keine Sorge, ich passe auf dieses kleine Küstendorf auf.“ Und während er würdevoll auf das glitzernde Meer hinabblickte, mussten wir feststellen: Der Mann hatte definitiv den besten Aussichtspunkt der Stadt erwischt.
Von hier oben hatten auch wir noch einmal einen grandiosen Blick auf Monterosso – und dann, fast wie durch göttliche Fügung (oder einfach gutes Kartenlesen), fanden wir endlich den Weg zurück in die Altstadt.
Manchmal führen die ungeplanten Abzweigungen eben zu den schönsten Entdeckungen. Ein bisschen Irren gehört eben dazu – und wenn man dabei noch atemberaubende Panoramen und einen Heiligen mit Meerblick trifft, dann hat sich der Umweg doch mehr als gelohnt!
BILDERGALERIE: Monterosso al Mare
Die Altstadt von Monterosso zog uns magisch an. Ihre engen Gassen, die kleinen verwinkelten Läden, die charmanten Trattorien – alles wirkte wie eine perfekt inszenierte Filmkulisse, nur eben echt.
Wir schlenderten vorbei an Boutiquen mit handgefertigtem Schmuck, in denen filigrane Ohrringe und Armbänder in der Sonne funkelten. Ein paar Schritte weiter: Ein Geschäft voller duftender Seifen, in dem es nach Lavendel, Zitrone und einem Hauch italienischer Lebensfreude roch. Und dann, als ob unser Magen es genau getimt hätte, strömte uns der verlockende Duft von frisch gebackener Pizza aus einer kleinen Trattoria entgegen. Bella Italia in ihrer reinsten Form.

Ein Straßenmusiker saß in einer Ecke, spielte auf seiner Gitarre eine sanfte italienische Melodie – die Art von Musik, bei der man sofort das Gefühl bekommt, dass das Leben gerade in Slow Motion läuft. Wir blieben einen Moment stehen, lauschten, atmeten die Atmosphäre ein.
Die Sonne begann langsam unterzugehen. Die Boote im Hafen schaukelten sanft auf den Wellen, die wie Millionen kleiner Diamanten glitzerten. Alles war in dieses besondere goldene Licht getaucht, das jeden Moment magisch erscheinen lässt.
Ich lächelte, drehte mich zu Stefan und sagte: „Das ist doch wie im Film!“ Und für einen Moment fühlte es sich genau so an. Nur besser – weil wir mittendrin waren.
BILDERGALERIE: Abendstimmung in Monterosso al Mare
Natürlich konnten wir nicht widerstehen. Eine italienische Altstadt ohne Gelato? Undenkbar. Also steuerten wir eine der vielen verlockenden Eisdielen an, die uns bereits von weitem mit ihren kunstvoll aufgetürmten Sorten entgegenstrahlten.
Die Wahl fiel mir schwer – es war ein bisschen wie ein Finale beim „Gelato Grand Prix“. Aber schließlich entschied ich mich für Haselnuss und Stracciatella. Stefan nahm … irgendwas mit Schokolade, aber meine Aufmerksamkeit galt längst meinem eigenen Eis.
„Ach, wie lecker!“, schwärmte ich, während wir durch die langsam dämmrig werdenden Gassen schlenderten.Cremig, nussig, perfekt – Italien, du kannst einfach Gelato!
Mit einem letzten Blick auf das malerische Monterosso verabschiedeten wir uns von diesem bezaubernden Ort. Aber es war kein Abschied für lange. Morgen kommen wir wieder – und dann erkunden wir alle fünf Dörfer der Cinque Terre. Mehr Gelato, mehr Meer, mehr Italien!