Stockholm, ein überraschender Zoo und wie ich einmal Björn zum Lachen brachte
Nach einem ausgiebigen Frühstück auf unserem gemütlichen Campingplatz machten wir uns auf den Weg in die Hauptstadt des Landes, das nicht nur für seine königlichen Schlösser bekannt ist, sondern auch für ABBA, sündhaft gute Zimtschnecken und eine Fähigkeit, Touristen auf die charmanteste Art in die Irre zu führen. Stockholm!

Zwei Stunden Fahrt, entspanntes Cruisen durch schwedische Bilderbuchlandschaften – das war der Plan. Und tatsächlich: Der Start war entspannt, die Landschaft wie immer in diesem Postkartenmodus, dem Schweden so mühelos zu beherrschen scheint. Doch kaum näherten wir uns der Stadtgrenze, wurden wir plötzlich Teil eines Verkehrsmärchens, das eher „Hans im Stau“ als „Astrid Lindgren-Romantik“ hätte heißen können. Stockholm wollte uns offensichtlich nicht so schnell in seine Arme schließen. Stattdessen ließ es uns warten. In einer langen, geduldigen Schlange aus Autos, Bussen und Camperfahrern aus ganz Europa, die alle denselben Gedanken hatten: Warum haben wir nicht früher einen Umfahrungsweg gegoogelt?
Aber gut. Abenteuer beginnt eben nicht immer erst nach der Ankunft, sondern manchmal schon auf der letzten Autobahnabfahrt.
Als wir endlich auf dem Långholmen Husbilscamping eintrafen, war unsere Laune – sagen wir mal – ausbaufähig. Doch die freundliche Dame an der Rezeption hatte offensichtlich ein gutes Auge für erschöpfte Camperfahrer und winkte uns ganze anderthalb Stunden früher durch den Check-in, als eigentlich erlaubt war. Ein kleiner Sieg des Tages.

Stefan lud in Rekordzeit unsere Fahrräder aus – dieser Mann kann 30 kg-Klapp-Fahrräder mit einer Effizienz entladen, die ich bis heute nicht nachvollziehen kann –, und schon waren wir startklar für Stockholm. Unser Plan für die nächsten zwei Tage: Hop-on-hop-off-Bus-Tour! Perfekt, um die Stadt entspannt zu erkunden. Also schwangen wir uns voller Tatendrang auf die Räder und radelten zum Stadshuset, dem imposanten Rathaus, wo einer der Haltepunkte sein sollte.
Dort angekommen: ein klitzekleiner Haken. Der nächste Bus war gerade am anderen Ende der Stadt. Natürlich. Wunderbar. Unsere Geduld hatte vor dem ersten Sightseeing-Punkt bereits ihren Tiefpunkt erreicht, aber wir wären nicht wir, wenn wir uns von so etwas aufhalten ließen. Flexibilität ist schließlich unser zweiter Vorname. Also: Plan B. Wieder rauf auf die Räder, selbst in die Pedale treten, Stockholm auf eigene Faust erkunden.

Kaum hatten wir uns ein wenig durch die Stadt geschlängelt, meldete sich der Hunger – und zwar lautstark. Mein Magen grummelte in einer Lautstärke, die man vermutlich noch auf den Schären hören konnte. Erste Idee: die Saluhall! Die berühmte Markthalle, wo uns frische schwedische Köstlichkeiten erwarteten. Wir freuten uns. Wir radelten. Wir traten ein.
Und dann: nichts, das uns wirklich anlachte. Nichts, das unserem Budget entsprach. Nichts, das diese dringende Stille in unseren Mägen besänftigt hätte. Die Halle war zweifellos beeindruckend – hohe Gewölbe, schöne Auslagen, eine Atmosphäre, die nach Geschichte roch – aber der kulinarische Funke wollte einfach nicht überspringen.
Tja. Manchmal läuft’s eben nicht nach Plan. Aber genau das macht eine Reise spannend. Also weiter.

Plan B – und wenn der auch nicht zündet, gibt es immer noch Plan C. Und Plan C heißt in unserem Fall: Hard Rock Café. Immer. Überall. Ohne Kompromisse.
Auf dem Weg dorthin gönnten wir uns aber eine kleine Pause auf der Strandvägen – einer der schönsten Promenaden der Stadt, wo elegante Jugendstilgebäude auf schicke Yachten treffen und sich alles ein kleines bisschen nach Monaco anfühlt, nur mit mehr Wolken und besseren Zimtschnecken. Ein erster Vorgeschmack auf Stockholm – morgen würden wir die Innenstadt richtig erkunden, aber dieser kurze Blick reichte, um zu verstehen, warum diese Stadt so viele Menschen in ihren Bann zieht.

Dann: Hard Rock Café. Ich sage nur: Es gibt eine eiserne Regel in unserem Reiseleben, an der nicht zu rütteln ist. Bin ich in einer Stadt mit einem Hard Rock Café, dann muss ein Souvenir mit. Die Sammlung wächst, die Wände zuhause in Esslingen werden immer bunter – und genau so soll es sein. Jedes Shirt, jede Mini-Gitarre ist eine kleine Zeitkapsel, ein Stück Erinnerung an den Moment, an den Ort, an den Tag.
Ich? Ein schickes Stockholm-T-Shirt. Für Nadines wachsende Sammlung? Drumsticks, natürlich im typischen Hard-Rock-Design. Und weil es Stockholm ist und weil ich Sammlerinnen keine halben Sachen machen: Die Mini-Gitarre mit den Sehenswürdigkeiten der Stadt musste auch mit. Stefan sah zu, wie sich die Einkaufstüte füllte, und sagte nichts. Das ist bei mir ein anerkanntes Zeichen der Zustimmung.

Direkt nebenan wartete dann das Mittagessen. Und hier möchte ich kurz innehalten und etwas klarstellen, das mich kein bisschen beschämt: Es wurde McDonald’s. Ja. In Stockholm. Der Stadt mit einer fantastischen Restaurantszene, exquisiten Küchen und dem sündhaft guten Smørrebrød. Wir aßen McDonald’s. Und es war genau richtig. Manchmal muss es einfach ein Klassiker sein – verlässlich, schnell, sättigend, ohne Überraschungen und ohne Preisschock. Der Big Mac ist das Anti-Kopenhagen-Hotdog. Er kostet, was er kostet, und man weiß vorher, was man bekommt. Das hat seinen Wert.
Mit vollem Magen und neuer Energie machten wir uns bereit für den nächsten Teil des Tages.

Nachdem Magen und Seele versorgt waren, war es Zeit für das nächste Highlight: die Bergbanan. Ich hatte im Internet bereits beeindruckende Panoramaaufnahmen von Stockholm gesehen – Fotospots, die atemberaubende Blicke über die Stadt versprachen – und hatte Stefan bereits zu Hause damit beauftragt: „Find mir die besten Fotospots!“
Stefan hatte seinen Auftrag ernst genommen. Sehr ernst sogar. Bereits zu Hause in Esslingen hatte er recherchiert, Karten studiert – und dabei die Bergbanan entdeckt. Eine Seilbahn, die einen Hügel hinauffuhr. Und Stefan zog eine Schlussfolgerung, die so typisch Stefan ist, dass ich sie eigentlich hätte kommen sehen müssen: Warum laufen, wenn man fahren kann?
Er hatte mir das zu Hause mit einer Selbstverständlichkeit präsentiert, als wäre es die einzig logische Lösung. Ich nickte. Klang gut. Klang praktisch. Klang nach einem Mann, der seine Hausaufgaben gemacht hatte. „Runter laufen wir, gell? Wegen der Fotos!“ Stefan nickte. Ich freute mich auf die Aussicht – und ahnte nicht, was uns gleich erwarten würde.
Am Ticketschalter angekommen, forderte ich voller Selbstbewusstsein zwei One-Way-Tickets. Die Dame hinter dem Schalter runzelte kurz die Stirn – nur ganz kurz, dann zog sie ohne weiteren Kommentar die Kreditkarte durch. Zahlung bestätigt. Kassenbon in die Hand gedrückt. Fertig. Ich reichte Stefan den Bon.

Er warf einen kurzen Blick darauf. Dann noch einen. „Das Bahnfahren kostet über 50 Euro!!!“ Oh.
Und da war es: Stefans Faulheit hatte uns soeben 50 Euro gekostet. Wäre er einfach zu Fuß gegangen wie ein normaler Mensch, wären wir gratis oben angekommen – mit denselben Fotospots, demselben Panorama, und ohne diesen Moment der langsam sinkenden Erkenntnis. Aber nein. Warum laufen, wenn man fahren kann.
Ich sagte nichts. Stefan sagte nichts. Die Dame am Schalter sagte – natürlich – auch nichts.
Ich blinzelte. Schaute auf den Bon. Schaute zu Stefan. Schaute wieder auf den Bon. Das musste ja eine spektakuläre Seilbahnfahrt werden. Mit Champagner, vielleicht. Und einer persönlichen Stadtführung. Und einem Konzert irgendwo auf halber Höhe.
Was soll ich sagen: Knapp drei Minuten später waren wir oben. Ohne Champagner. Ohne Stadtführung. Ohne Konzert. Dafür mit der langsam dämmernden Erkenntnis, dass wir soeben die teuerste Mini-Bahnfahrt unseres Lebens absolviert hatten.
Und wo waren sie jetzt, die versprochenen Fotospots mit Blick über Stockholm? Statt eleganter Panoramawege sahen wir plötzlich… Tiergehege.
Wir schauten uns an.
Dann schauten wir die Gehege an.
Dann schauten wir uns wieder an.
Es dämmerte uns langsam und unausweichlich: Wir waren nicht auf einem aussichtsreichen Hügel mit Stadtpanorama gelandet. Wir waren in einem Zoo. Genauer gesagt: in Skansen – dem berühmten Stockholmer Freilichtmuseum mit angeschlossenem Tierpark. Stockholm hatte uns reingelegt. Vollkommen, elegant und ohne mit der Wimper zu zucken. Das erklärt natürlich auch den stolzen Preis.
Stefan sah mich an. Ich sah Stefan an. Keiner sagte etwas. Dann lachten wir beide gleichzeitig los – weil man entweder lachen oder weinen kann, und Lachen die schönere Option ist.
Was blieb uns also anderes übrig? Wir beschlossen, unseren vollkommen unbeabsichtigten Zoo-Besuch in vollen Zügen zu genießen. Und tatsächlich: Skansen war ein echtes Erlebnis – und das nicht nur, weil wir 50 Euro dafür bezahlt hatten und verdammt nochmal etwas dafür sehen wollten.

Besonders die Braunbären hatten es uns angetan. Vier prächtige Tiere, die sich bei ihrer Fütterung richtig ins Zeug legten. Mit ihren mächtigen Pranken buddelten sie das Futter aus der Erde, rollten es hin und her, beäugten uns kurz mit dem gelangweilten Blick von jemandem, der weiß, dass er hier die Attraktion ist und sich dabei ausgesprochen wenig drum schert. Ein bisschen wie wir, wenn wir im Supermarkt nach dem letzten reduzierten Stück Käse suchen. Nur größer. Und mit mehr Fell.
Doch der wahre Star des Tages war ein anderer: Ein majestätischer Pfau, der mitten auf dem Weg stand und sich in voller Pracht präsentierte. Er schlug sein Rad mit einer Selbstverständlichkeit, als wäre er der eigentliche König von Stockholm und all die Touristen um ihn herum lediglich seine geduldeten Untertanen. Langsam drehte er sich, als wollte er sichergehen, dass auch wirklich jeder Winkel seiner Farbenpracht gewürdigt wurde. Die funkelnden Blautöne, die goldenen Augen im Federkleid, das schimmernde Grün – ein Anblick, bei dem man unwillkürlich stehenbleibt und denkt: Wenn ich so aussehen würde, würde ich das auch tun.
Wir zückten die Kamera. Natürlich. Das war ein Moment für die Ewigkeit – oder zumindest für die nächste Fotogalerie.
Wir schlenderten durch alte Bauernhöfe, entdeckten traditionelle Handwerkskunst, bewunderten malerische Windmühlen und charmante Fachwerkhäuser, die wie aus einem alten Geschichtsbuch direkt ins Freie gestellt wurden. Es fühlte sich wirklich wie eine Zeitreise an – nur eben eine, die wir nicht geplant hatten. Aber mit jedem Schritt wuchs die Erkenntnis, dass wir hier etwas erlebt hatten, das wir freiwillig vielleicht nie aufgesucht hätten. Und genau das ist ja das Schöne an unerwarteten Abenteuern: Die besten Geschichten sind immer die ungeplanten.

Skansen – Das älteste Freilichtmuseum der Welt
Und weil wir schon mal dort waren – und 50 Euro gezahlt hatten – ließen wir uns auch den Rest nicht entgehen. Skansen wurde 1891 von Artur Hazelius gegründet und gilt als das erste Freilichtmuseum der Welt. Auf rund 75 Hektar zeigt es auf der Stockholmer Insel Djurgården, wie Schweden früher aussah: über 150 historische Gebäude, originalgetreu aus ganz Schweden hierhergebracht. Bauernhöfe, Kirchen, Windmühlen, Werkstätten – ein Miniatur-Schweden unter freiem Himmel.
Was Skansen besonders macht: Es ist kein Museum zum Anschauen, sondern zum Erleben. Schauspieler in historischen Kostümen betreiben Schmieden, Bäckereien und Höfe, zeigen alte Handwerkstechniken und lassen Besucher hautnah spüren, wie man im 18. und 19. Jahrhundert lebte. Dazu ein eigener Zoo mit Elchen, Wölfen, Luchsen, Rentieren und eben jenen Braunbären, die uns so begeistert haben. Und von den Hügeln des Geländes hat man einen der besten Panoramablicke über Stockholm.
Den hätten wir übrigens auch ohne Seilbahn erreicht. Aber das ist jetzt müßig.
Nach zwei Stunden verließen wir das Gelände durch einen anderen Ausgang – und wurden von einladenden Pavillons empfangen. Einer davon hatte etwas, das meinen Puls sofort beschleunigte: Soft-Eis. Cremig, perfekt gedreht, frisch und kühl. Wenn ein Tag so beginnt wie dieser – Stau, kein Bus, Saluhall-Enttäuschung, versehentlicher Zoo – dann kann er nur mit einem großen, himmlischen Soft-Eis enden. Oder in unserem Fall: beginnen, mit dem nächsten Highlight. Mit Eis in der Hand und gutem Gewissen machten wir uns auf den Weg zum krönenden Abschluss des Tages.
Doch unser Stockholm-Abenteuer war noch lange nicht vorbei. Auf der To-Do-Liste stand noch ein ganz besonderes Highlight: ABBA: The Museum.
Und damit ist es Zeit für einen kurzen Blick in die Vergangenheit.
Irgendwann in den frühen 80ern – ich war ungefähr zehn Jahre alt und mein Kinderzimmer war ein einziger ABBA-Schrein. Jedes noch so kleine Bravo-Bildchen wurde mit höchster Sorgfalt ausgeschnitten, gesammelt und an die Wand gepinnt, bis kein einziger Quadratzentimeter Tapete mehr zu sehen war. Ich kannte jeden Songtext, jedes Kostüm, jede Frisur. Hätte es damals eine offizielle ABBA-Fanclub-Urkunde gegeben, ich hätte sie mit Stolz über meinem Bett hängen gehabt.

Heute sind meine Musikvorlieben definitiv härterer Natur – Rammstein und Volbeat haben inzwischen die ABBA-Schallplatten abgelöst, zumindest in der Playlist. Aber das kleine Mädchen in mir, das ABBA vergötterte, existiert noch immer. Und wenn „Dancing Queen“ aus dem Radio schallt, ist es sofort wieder da: dieses warme, glitzernde Gefühl, das keine Gitarre der Welt ersetzen kann.
25. März 2004 – ein Tag, den ich wohl nie vergessen werde.
Damals arbeitete ich im Stuttgarter Musical Theater und war für die Gästebetreuung zuständig. An diesem Tag feierte „Mamma Mia!“ seine Premiere in Stuttgart – ein riesiges Event mit Trubel, Prominenz und aufgeregten Gästen, bei dem ich von früh bis spät im Einsatz war. Ich war gerade im Foyer mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt, als ich eine Stimme hinter mir hörte, die nach dem Weg zur Bühne fragte. Ich drehte mich um.
Und musste zweimal blinzeln: Da stand tatsächlich Björn persönlich.
Ich? Kurz vorm inneren Fangirl-Kollaps. Äußerlich bewahrte ich die Contenance – zumindest bilde ich mir das ein, Stefan bezweifelt es –, während mein zehnjähriges Ich innerlich Luftsprünge machte und gleichzeitig überlegte, ob man dem Mann meiner Kindheitsträume einfach so um den Hals fallen darf. Man darf nicht. Aber man denkt kurz dran.
Ich grinste ihn an und sagte auf Englisch, mit einer Direktheit, die mir im Nachhinein selbst ein bisschen Respekt abnötigte: „Wissen Sie, vor ungefähr 30 Jahren waren Sie der Mann meiner Träume.“
Er lachte laut. Wirklich laut. Wir plauderten noch ein bisschen – und dieser Moment brannte sich unauslöschlich in mein Gedächtnis ein. Hach, was hätte mein zehnjähriges Ich wohl für diese Begegnung gegeben? Alle Bravo-Poster der Welt. Mindestens.
Ich betrat das Museum und war sofort wieder zehn Jahre alt.
Schon beim ersten Schritt empfängt einen diese ganz besondere Energie – eine Mischung aus Glitzer, Musik und dem Gefühl, dass man hier nicht einfach nur durch eine Ausstellung läuft, sondern in eine Welt eintaucht. Und was für eine Welt.

Gleich am Eingang begrüßen einen die vier – als überlebensgroße Puppen, die einem mit ihren unverwechselbaren Gesichtern und den typischen 70er-Jahre-Outfits entgegenstarren. Agnetha, Björn, Benny, Anni-Frid – in Stoff und Silikon, aber mit dieser unverkennbaren ABBA-Energie, die man sofort erkennt. Ich musste kurz innehalten. Und ja, ich machte ein Foto. Natürlich machte ich ein Foto.
Dann die Kostüme. Oh, die Kostüme! Wer sich fragt, warum die 70er für Bühnenoutfits die kreativste Dekade der Menschheitsgeschichte war – hier bekommt man die Antwort. Schimmernde Stoffe in Weinrot und Olivgrün, bodenlange Roben neben verspielten Kurzoutfits, Glitzer wo man hinschaut, Stickereien die im Scheinwerferlicht der kleinen Spotlights des Museums zum Leben erwachen. Jedes einzelne Kostüm hat eine Geschichte. Jede Naht erzählt von Konzertabenden, von Auftritten, von Momenten, die in die Musikgeschichte eingegangen sind. Ich stand davor wie ein Kind vor einem Schaufenster zu Weihnachten.

Dann das „Arrival“-Album-Cover – dieser legendäre Hubschrauber, mit dem ABBA 1976 aus dem Himmel schwebte. Im Museum steht er tatsächlich da, originalgetreu, und man kann hineinsitzen. Ich saß natürlich nicht drin. Ich fotografierte ihn nur ausgiebig aus jedem Winkel. Aber ich dachte kurz dran.
Besonders berührt hat mich der Bereich mit den persönlichen Gegenständen – der Schreibtisch, an dem Benny und Björn ihre größten Hits komponierten. Die Gitarre. Die kleinen, unspektakulären Alltagsgegenstände, die auf einmal eine ungeheure Bedeutung bekommen, weil man weiß, was an diesem Tisch entstanden ist. „The Winner Takes It All“, „Dancing Queen“, „Fernando“ – alles, was man seit Kindheitstagen auswendig kennt, nahm hier seinen Anfang.
Und dann die Garderobe und die Backstage-Bereiche – nachgebaut bis ins kleinste Detail. Schminktische mit persönlichen Gegenständen, Kostüme auf Bügeln, Tourjacken, Setlisten. Alles so, als hätten die vier gerade die Bühne verlassen und kämen gleich zurück. Man wartet fast darauf, dass gleich jemand um die Ecke kommt.

Das Polar Music Studio – originalgetreu nachgebaut, inklusive des Klaviers, das über einen geheimen Mechanismus mit Benny Anderssons Klavier in seinem heutigen Studio verbunden ist. Wenn Benny Lust hat, ein paar Tasten zu drücken, erwacht das Klavier im Museum plötzlich von selbst zum Leben. Ich wartete. Es passierte nicht. Aber die Möglichkeit allein ist schon wunderbar.
Und die virtuelle Bühne – wo man als fünftes Bandmitglied performen, singen, tanzen kann. Ich überlegte kurz. Sehr kurz. Und entschied mich dann doch dagegen. Agnetha hätte geweint. Und ich habe meinen Ruf zu wahren.
Also wanderte ich weiter, von Raum zu Raum, von Exponat zu Exponat, von Lied zu Lied. Jedes Detail eine Erinnerung. Jedes Kostüm ein Déjà-vu. Und irgendwo zwischen dem „Chess“-Bereich mit seiner düsteren Theaterkulisse und den glitzernden Tournee-Outfits war er wieder da – dieser warme, glitzernde Moment. Nicht Nostalgie, nicht Wehmut. Einfach Freude. Die tiefe, echte Freude an Musik, die überdauert. An Liedern, die man dreißig Jahre später noch auswendig kann. An einer Band, die aus einem kleinen Land in Nordeuropa stammte und die ganze Welt zum Tanzen brachte – und das bis heute tut.
Björn, falls du das liest: Damals warst du wirklich der Mann meiner Träume. Das bleibt.
ABBA: The Museum – Mehr als nur eine Ausstellung
ABBA: The Museum ist kein klassisches Museum mit verstaubten Vitrinen – es ist eine Zeitmaschine, die einen direkt in die glitzernden 70er katapultiert. Seit seiner Eröffnung 2013 auf der Insel Djurgården zählt es zu den größten Touristenmagneten Stockholms. Was wenig überrascht: ABBA hat mit über 400 Millionen verkauften Platten Musikgeschichte geschrieben, und dieses Museum tut ihr Bestes, dem gerecht zu werden.
Neben den berühmten Kostümen – und die sind wirklich spektakulär, man versteht sofort, warum die 70er für Bühnenoutfits die kreativste Dekade der Menschheitsgeschichte waren – zeigt das Museum echte persönliche Gegenstände der Bandmitglieder. Björns Gitarre. Agnethas Bühnenoutfits. Den Schreibtisch, an dem Benny und Björn ihre größten Hits komponierten.
Und dann ist da noch das Polar Music Studio – originalgetreu nachgebaut, inklusive eines Klaviers, das über einen geheimen Mechanismus mit Benny Anderssons Klavier in seinem heutigen Studio verbunden ist. Wenn Benny Lust hat, ein paar Tasten zu drücken, kann es passieren, dass das Klavier im Museum plötzlich von selbst zum Leben erwacht. Ich warte auf diesen Moment. Er kam nicht. Aber die Möglichkeit allein ist schon wunderbar.
Das Beste aber: Man kann selbst zum Superstar werden. Denn hier gibt es nicht einfach nur Musik zum Anhören oder Videos zum Anschauen – hier kann man auf der virtuellen Bühne mit ABBA performen, sich als fünftes Bandmitglied projizieren lassen, in originale Kostüme schlüpfen, ein Musikvideo drehen. „Walk in, Dance out“ – das ist das Motto. Und es stimmt. Niemand verlässt dieses Museum ohne Ohrwurm. Das ist eine Garantie.
Nachdem wir die glitzernde Welt von ABBA vollständig durchforstet hatten – und ich vielleicht ein paar Sekunden länger vor Agnethas Bühnenoutfits stand als unbedingt nötig (ich könnte das ich anziehen, oder?) –, schnappten wir uns unsere Fahrräder und machten uns auf den Rückweg zum Campingplatz. Stockholm genoss den lauen Abend, die Straßen waren noch belebt, und wir hatten nur noch eines im Kopf: Ribeye-Steaks.
Zurück am Camper war es Zeit für das ultimative Finale eines ereignisreichen Tages: Zwei saftige Ribeye-Steaks auf unserem brandneuen Weber-Grill. Der Grill war kaum angeschmissen, da breitete sich schon dieser Duft aus – ihr wisst schon, dieser unverwechselbare „Das-wird-richtig-gut“-Geruch, der einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt und der sich an einem Campingplatz noch besser entfaltet als sonst irgendwo.
Die Sonne stand tief, tauchte den Campingplatz in goldenes Licht. Die Steaks zischten. Stefan hielt sein Bier. Ich hielt meins. Über uns: Stockholmer Abendhimmel. Hinter uns: ein Tag voller Überraschungen, Stau, versehentlichem Zoo, einem stolzen Pfau, Dancing Queen auf der virtuellen Bühne – und einer Begegnung mit Björn, die ich vor zwanzig Jahren gemacht hatte und heute endlich erzählen durfte.
Ein perfekter Abschluss. Mit Ribeye.
























