Hamburg erleben: Vom Michel bis zur Elbphilharmonie!

Ich recke mich, reibe mir die Augen – und werfe einen Blick auf Stefan, der sich demonstrativ noch tiefer in die Decke kuschelt. „Guten Morgen, Hamburg! Die frühe Möwe fängt den Fisch!“ verkünde ich voller Tatendrang, doch die Reaktion aus dem Bett ist ein unmotiviertes Brummen. Keine Sorge – ich nehme das als Zustimmung.

Landungsbrücken

Also los! Kamera geschnappt, Schuhe an, und raus in die frische Morgenluft. Die ersten Sonnenstrahlen tauchen den Hafen in ein goldenes Licht, das sich schimmernd auf der Wasseroberfläche spiegelt. Ein Traum für Fotografen. Die Silhouette der Elbphilharmonie glänzt majestätisch im Morgenlicht, während die Stadt langsam erwacht. Ein paar Klicks mit der Kamera – Hamburg, du machst dich gut auf Bildern.

Doch dann – etwas fällt mir ins Auge. Drei riesige Lastwagen. Unscheinbar in einer Ecke geparkt, aber viel zu imposant, um ignoriert zu werden. Was um alles in der Welt transportieren die so früh am Morgen?

Meine Neugier ist geweckt. Ich gehe näher. Und dann erkenne ich es: Riesenrad-Teile! Riesige weiße Speichen, Sitzgondeln, ein massiver Stahlrahmen – da wird eindeutig ein Gigant der Lüfte auf Reise geschickt.

Ein breites Lächeln breitet sich auf meinem Gesicht aus. Na klar! Der Hamburger Dom steht vor der Tür, und hier wird bestimmt fleißig am Aufbau gearbeitet. Ein faszinierender Moment. Während die meisten noch schlafen, wird hinter den Kulissen bereits geschuftet, damit das größte Volksfest des Nordens bald wieder seine Türen öffnen kann.

Es ist genau diese Mischung aus Alltag und Spektakel, aus Arbeitswelt und Großstadtzauber, die Hamburg so besonders macht. Und wir mittendrin, während die Sonne langsam über der Stadt aufgeht.

Mit der ersten Ladung Hafenluft in den Lungen, goldener Morgensonne im Rücken und knurrenden Mägen machten wir uns auf die Suche nach einem Frühstück. Hamburg erwachte langsam, während wir bereits in voller Mission unterwegs waren – Mission „Koffein & Kohlenhydrate“!

Nach wenigen Metern erspähte ich das verheißungsvolle Logo eines kleinen Supermarkts – und direkt daneben: die „Schanzenbäckerei“. Ein Glücksgriff! Schon beim Näherkommen zog uns der Duft von frisch gebackenem Brot und heißem Kaffee magisch an. Das war kein gewöhnlicher Bäckerladen, das war die erste kulinarische Rettung des Tages.

Ohne große Diskussion – denn hungrige Menschen fällen schnelle Entscheidungen – bestellten wir zwei belegte Brötchenhälften: eine mit cremigem Frischkäse und frischer Gurke, die andere mit herzhaftem Mett. Dazu? Natürlich zwei große, dampfende Tassen Kaffee, die versprachen, uns wieder zu funktionierenden Wesen zu machen.

Wir ergatterten einen der kleinen Tische am Fenster und ließen uns nieder. Draußen begann Hamburg, sich zu räkeln. Die ersten Fahrradfahrer flitzten vorbei, ein Bäcker lieferte frische Ware an, und irgendwo klapperte ein Cafébesitzer mit seinen Stühlen. Die Stadt nahm Fahrt auf – und wir saßen mittendrin, mit heißen Kaffeetassen in den Händen und einem perfekten Frühstück auf dem Teller.

Einfach, lecker, bodenständig – und doch genau das, was den Moment perfekt machte. Gestärkt und bereit für die Abenteuer des Tages verließen wir die Schanzenbäckerei mit einem zufriedenen Seufzen. Hamburg, wir sind startklar!

Und so machen wir uns auf den Weg zum alten Elbtunnel – einer Hamburger Legende, die mehr als nur ein schnöder Durchgang ist. Seit 1911 verbindet dieser unterirdische Pfad die Landungsbrücken mit der Elbinsel Steinwerder und erzählt dabei Geschichten aus einer Zeit, als Seefahrer hier noch mit Schiebermütze und Pfeife unterwegs waren.

Schon beim Eingang merken wir: Hier ist ordentlich was los! Radfahrer flitzen zielstrebig in den Tunnel, es scheint, als sei er ihre tägliche Autobahn, Fußgänger schlendern mit staunenden Blicken durch die gekachelten Gänge, und auf beiden Seiten herrscht ein emsiges Kommen und Gehen. Ein echter Ameisenhaufen – nur mit mehr Fahrrädern und weniger Panik.

Der Tunnel selbst? Ein architektonisches Schmuckstück. Die weiß gekachelten Wände schimmern im Licht der alten Lampen, und die historischen Aufzüge, die einst Autos und Menschen in die Tiefe brachten, stehen immer noch treu im Dienst. Ein Hauch von Nostalgie weht durch die Röhren – gepaart mit einer erfrischenden Brise Elbluft.

Wir laufen durch den Tunnel, genießen die besondere Atmosphäre und lassen uns Zeit. Und dann stehen wir plötzlich auf der anderen Seite. Vor uns breitet sich der Hafen in seiner ganzen Pracht aus. Container stapeln sich in endlosen Reihen, die Kräne recken ihre Arme in den Himmel, und das Wasser glitzert im Morgenlicht. Ein perfekter Ort, um kurz innezuhalten und Hamburgs maritime Seele auf uns wirken zu lassen.

Ein simpler Tunnel? Vielleicht. Aber für uns ist er ein kleines Zeitreise-Abenteuer – und ein weiteres Highlight auf unserem Streifzug durch die Stadt.

Alter Elbtunnel

Der Rückweg durch den Tunnel verspricht genauso spannend zu werden wie der Hinweg – vor allem, weil sich jetzt die große Frage stellt: Aufzug oder Treppe um nach unten zu kommen?

Stefan entscheidet sich mit der Souveränität eines erfahrenen Genießers für die bequeme Variante. Der historische Aufzug lockt ihn – vermutlich eine Mischung aus Neugier und der simplen Freude daran, sich nicht unnötig zu verausgaben. Mit einem zufriedenen Lächeln betritt er die altmodische Kabine, als würde er sich für die Reise erster Klasse entscheiden.

Alter Elbtunnel

Ich hingegen? Ich wähle die sportliche Herausforderung. Treppen hinab steigen in einem historischen Tunnel – das hat doch was! Oder zumindest rede ich mir das ein, während ich Stufe um Stufe hinunter in den Tunnel steige.

Unten angekommen, treffe ich auf einen entspannten Stefan, der sich mit einem vielsagenden Blick gegen das Geländer lehnt. „Na? Hat sich das historische Erlebnis gelohnt?“ fragt er mit unschuldigem Gesichtsausdruck. „Absolut. Eine Zeitreise mit Bein-Training. Ich bin quasi der Indiana Jones des Treppensteigens.“ Mit einem Schmunzeln gehen wir durch den Tunnel zurück und tauchen wieder in das pulsierende Hamburg ein. 

Nach unserem kleinen Abenteuer im alten Elbtunnel setzen wir unseren Streifzug durch Hamburg fort. Unser Ziel: die berühmte Michaeliskirche, besser bekannt als „Michel“.

Der Weg dorthin führt uns durch charmante, verwinkelte Gassen, in denen sich hinter jeder Ecke eine neue kleine Überraschung verbirgt. Die Straßen sind gesäumt von historischen Gebäuden, deren Fassaden Geschichten aus längst vergangenen Zeiten erzählen. Wir schlendern vorbei an einladenden Cafés, aus denen der betörende Duft von frisch gebrühtem Kaffee und ofenwarmem Gebäck zu uns herüberweht. Der perfekte Ort für eine Pause – aber nicht jetzt. Der Michel ruft!

Nach ein paar Minuten Spaziergang, vielen „Oh, schau mal hier!“-Momenten und einer beinahe gefährlichen Kollision mit einem Laternenpfahl (weil die Blicke mehr in Schaufenstern als auf dem Gehweg hingen), erheben wir unsere Köpfe – und da steht sie.

Die imposante Michaeliskirche. Schon aus der Ferne beeindruckt der mächtige Turm, der stolz in den Himmel ragt und als Wahrzeichen Hamburgs die Skyline dominiert. Doch erst aus der Nähe entfaltet das barocke Meisterwerk seine ganze Pracht: die kunstvollen Fassaden, die mächtigen Türen, die prächtigen Verzierungen – ein Bauwerk, das Geschichten atmet.

St. Michaelis

Seit dem 17. Jahrhundert thront der Michel über Hamburg, hat Brände, Kriege und den Zahn der Zeit überstanden – und zieht nach wie vor Hamburger und Besucher aus aller Welt in seinen Bann. Mit seinen 132 Metern Höhe gehört er zu den höchsten Kirchen Deutschlands, und wer den Turm erklimmt, wird mit einem Panorama belohnt, das seinesgleichen sucht.

Doch bevor wir diesen Ausblick genießen können, heißt es erst einmal: Warten. Wir sind eine halbe Stunde vor der Öffnung da – perfekt um den berüchtigten Warteschlangen zu entgehen. Doch clever wie wir sind, nutzen wir die Zeit, um unsere Tickets mit dem Smartphone gleich online zu kaufen. Während sich die ersten Besucher in eine Schlange einreihen, lehnen wir uns entspannt zurück – und treten einfach durch, sobald die Türen aufgehen.

Nun die Entscheidung: Treppe oder Aufzug? Angesichts der bereits absolvierten Treppen-Challenge im Elbtunnel sind wir heute pragmatisch – sprich: Aufzug! Schließlich geht es nicht um den sportlichen Ehrgeiz, sondern um die Aussicht. Und so lassen wir uns nach oben befördern, gespannt auf das, was uns in schwindelerregender Höhe erwartet.

Oben angekommen, bleibt uns für einen Moment die Luft weg – und das nicht wegen des Aufzugs, sondern wegen dieser unfassbaren Aussicht.

Hamburg breitet sich vor uns aus wie eine perfekte Postkarte. Der Himmel strahlt in einem intensiven Blau, das Sonnenlicht taucht die Stadt in einen magischen Glanz, und für einen Moment scheint es, als würde ganz Hamburg leise vor sich hin funkeln.

Von hier oben hat man einen 360-Grad-Blick, der seinesgleichen sucht. Die Elbe schlängelt sich wie ein silbernes Band durch die Stadt, majestätisch und ruhig, während die riesigen Containerschiffe von hier oben fast wie Spielzeugboote wirken. Der Hafen zeigt sich von seiner besten Seite – eine Skyline aus Kränen, Docks und riesigen Frachtern, die Hamburgs Seele als Tor zur Welt lebendig werden lässt.

Doch nicht nur der Hafen zieht die Blicke auf sich. Die Stadt überrascht mit ihrer Weitläufigkeit, den vielen Grünflächen, die sich zwischen die historischen Gebäude und modernen Hochhäuser schmiegen. Man denkt bei Hamburg oft an Wasser, an Schiffe, an Hafenromantik – aber von hier oben erkennt man erst, wie viel Natur sich durch die Metropole zieht.

Nach einer guten halben Stunde – und immer noch ohne weitere Besucher – treten wir den Rückweg nach unten an. Der Michel gehört in diesem Moment uns allein, und wir genießen die Stille, bevor wir uns mit dem Aufzug zurück in die belebte Stadt begeben.

Doch bevor wir die Kirche verlassen, gibt es noch etwas, das wir nicht auslassen können: Das Innere des Michel. Schon beim Betreten verschlägt es uns erneut die Sprache. Das hohe Gewölbe wölbt sich majestätisch über uns, während massive Säulen den Raum mit einer imposanten Eleganz durchziehen. Hier ist alles groß, erhaben und strahlt eine fast greifbare Würde aus.

Das Licht, das durch die kunstvoll gestalteten Glasfenster fällt, taucht die weißen Wände in bunte Schattenspiele. Es ist, als würde die Kirche mit Licht malen. Ein faszinierendes Spiel aus Farben, das die Stille noch eindrucksvoller macht.

Sankt Michaelis

Unser Blick wandert unweigerlich nach oben – zu den Orgeln. Und nicht irgendeiner Orgel: Der Michel beherbergt eine der größten Orgeln Europas. Die gewaltigen Pfeifen, das kunstvoll verzierte Gehäuse – ein Anblick, der Ehrfurcht einflößt. Man muss nicht einmal Musikliebhaber sein, um sich vorzustellen, wie die mächtigen Klänge dieses Instruments den ganzen Raum ausfüllen und die Wände zum Vibrieren bringen.

Doch jetzt heißt es weiterziehen – zum nächsten Highlight unseres Tages: Das Hamburger Rathaus. Der Weg dorthin führt uns durch die lebendigen Straßen der Innenstadt. Hier pulsiert das Leben. Historische Gebäude reihen sich an moderne Geschäfte, Menschen strömen über die Fußgängerzonen, Stimmengewirr und Musik aus Cafés vermischen sich zu einem urbanen Soundtrack. Ein völliger Kontrast zur stillen Erhabenheit des Michel – aber genau das macht Hamburg so spannend.

Dann taucht es vor uns auf: Das Hamburger Rathaus. Ein Monument aus Stein, reich verziert, beeindruckend und gewaltig. Die filigranen Fassaden sind mit kunstvollen Reliefs und Statuen geschmückt, die unzählige Geschichten erzählen. Die Türme ragen stolz in den Himmel, und es wird sofort klar: Dieses Gebäude ist mehr als nur ein Verwaltungszentrum – es ist ein Symbol der Stadt.

Hamburgs Rathaus ist eines der prächtigsten in Deutschland, ein architektonisches Meisterwerk und gleichzeitig das politische Herz der Stadt. Nach der beeindruckenden Erkundung des Rathauses ist es Zeit für eine kleine Verschnaufpause. Schließlich kann man nicht nur von Architektur und Geschichte leben – manchmal braucht es auch einfach ein gutes Eis.

Die Binnenalster, ein Juwel mitten in Hamburg, bietet dafür die perfekte Kulisse. Sonnenschein, Wasserplätschern, Möwenrufe – und ein Café mit einer Eiskarte, die keine Wünsche offenlässt.

Wir lassen uns nieder, bestellen unser Eis und genießen diesen Moment. Das Leben spielt sich hier auf dem Wasser ab: Segelboote gleiten vorbei, die Alsterdampfer drehen gemächlich ihre Runden, und Spaziergänger flanieren entspannt am Ufer entlang. Hamburg zeigt sich von seiner besten, entspannten Seite.

Das Eis? Ein Gedicht. Perfekte Mischung aus cremiger Süße und frischer Leichtigkeit – genau das, was wir brauchen, um die Energie für den Rest des Tages zu tanken. Ein Löffel, ein Blick aufs Wasser, ein tiefer Atemzug – manchmal ist es so einfach, Glück zu genießen.

Weiter gehts. Unser Weg führt uns durch die Mönckebergstraße, Hamburgs Einkaufsmeile Nummer eins. Hier reiht sich ein schickes Geschäft ans nächste, große Marken teilen sich den Platz mit alteingesessenen Traditionshäusern. Menschen strömen durch die Straße, der Klang von Stadtleben erfüllt die Luft, und überall gibt es etwas zu entdecken. Wir lassen uns treiben, ohne Ziel, ohne Hektik. Schlendern, staunen, das Flair aufsaugen. 

Nachdem wir uns durch die geschäftige Mönckebergstraße treiben ließen, zieht es uns nun in eine völlig andere Welt: die berühmte Speicherstadt. Ein Ort, der Hamburgs Geschichte atmet, voller Nostalgie und architektonischer Pracht.

Schon von Weitem erblicken wir die imposanten roten Backsteinbauten, die sich wie eine Festung entlang der Kanäle erstrecken. Die Speicherstadt ist nicht nur der größte historische Lagerhauskomplex der Welt, sondern auch ein UNESCO-Weltkulturerbe – und das völlig zu Recht. Die Fassaden mit ihren filigranen Giebeln und Türmchen wirken beinahe wie aus einer anderen Zeit, und doch ist dieses Viertel ein lebendiger Teil der Stadt geblieben.

Beim Betreten der Speicherstadt spüren wir sofort ihren einzigartigen Charakter. Enge Gassen schlängeln sich zwischen den gewaltigen Lagerhäusern hindurch, während sich hoch über unseren Köpfen historische Eisenbrücken spannen, die einst Waren von einem Gebäude zum anderen transportieren ließen. Die Architektur ist ein Meisterwerk – funktional und dennoch voller Details, die den Blick immer wieder fesseln.

Doch es ist nicht nur die Optik, die uns in ihren Bann zieht. Hier liegt ein ganz besonderer Duft in der Luft. Eine Mischung aus Kaffee, Kakao und exotischen Gewürzen, die sich in den alten Mauern festgesetzt hat. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie hier vor über hundert Jahren die großen Handelsschiffe anlegten, um ihre wertvolle Fracht aus aller Welt in den Lagerhäusern zu verstauen.

Langsam schlendern wir durch die Speicherstadt, überqueren schmale Brücken und entdecken immer wieder kleine Details – kunstvolle Verzierungen an den Gebäuden, alte Ladekräne, die längst nicht mehr in Betrieb sind, aber noch immer an vergangene Zeiten erinnern.

Hier fühlt sich Hamburg anders an. Ruhiger, historischer, fast ein wenig geheimnisvoll. Die Speicherstadt ist kein Ort des schnellen Vorbeiziehens – sie ist ein Ort, an dem man verweilen möchte, um die Geschichte, die Atmosphäre und das maritime Flair auf sich wirken zu lassen.

Und genau das tun wir. Wir lassen uns treiben, genießen diesen einzigartigen Mix aus Geschichte und Gegenwart – und wissen schon jetzt, dass dieser Ort einen festen Platz in unseren Hamburg-Erinnerungen bekommen wird.

Speicherstadt

Die Speicherstadt – Hamburgs roter Backsteintraum auf dem Wasser

 

Hamburg hat viele Gesichter, aber die Speicherstadt ist zweifellos eine ihrer beeindruckendsten Kulissen. Ein riesiger Lagerhauskomplex aus dem 19. Jahrhundert, gebaut auf Holzpfählen und durchzogen von schmalen Kanälen – hier trifft hanseatische Geschichte auf atemberaubende Architektur. Die roten Backsteinbauten mit ihren filigranen Ziegelornamenten und neogotischen Fassaden wirken fast wie eine Filmkulisse, doch sie sind ein echtes Denkmal für Hamburgs Vergangenheit als eine der wichtigsten Handelsmetropolen der Welt.


Vom Tee-Lager zur Trend-Location

Früher wurde hier alles gelagert, was Rang und Namen hatte: Gewürze, Tee, Kaffee, Teppiche und edle Waren aus aller Welt – direkt vom Hafen in die Speicher. Und heute? Die Speicherstadt hat sich neu erfunden. Neben traditionellen Lagern findet man hier jetzt hippe Büros, spannende Museen und ausgefallene Geschäfte. Beim Spaziergang durch die engen Gassen und über die Wasserwege kann man die Vergangenheit noch förmlich spüren – und gleichzeitig entdecken, wie die Speicherstadt zu einem modernen Hotspot geworden ist.


Der Blick für die Ewigkeit – Poggenmühlenbrücke

Ein absolutes Highlight – und vielleicht das Instagram-würdigste Motiv der Stadt – ist die Poggenmühlenbrücke. Von hier aus hat man den perfekten Blick auf die Lagerhäuser und das Wasserschloss, das bei Dämmerung und Beleuchtung besonders spektakulär aussieht. Romantisch, mystisch, einfach unvergesslich. Kein Wunder, dass dieser Spot zu den meistfotografierten Orten Hamburgs gehört.


Die Speicherstadt – wo Vergangenheit und Moderne verschmelzen
Ob beim Bummel entlang der Kanäle, beim Besuch des Miniatur Wunderlands (der größten Modelleisenbahnanlage der Welt) oder bei einer Hafenrundfahrt – die Speicherstadt ist das perfekte Beispiel dafür, wie Hamburg seine Geschichte bewahrt und gleichzeitig neu erfindet.

Egal, ob man sich von der historischen Atmosphäre treiben lässt oder in eines der modernen Cafés einkehrt – wer Hamburg wirklich erleben will, kommt an der Speicherstadt nicht vorbei.

Nach unserem Streifzug durch die Speicherstadt steht nun das nächste große Highlight unseres Tages an: die Elbphilharmonie. Schon aus der Ferne wirkt dieses Gebäude wie ein überdimensionales Kunstwerk – ein gläsernes Juwel, das majestätisch über dem Hafen thront.

Je näher wir kommen, desto beeindruckender wird das Bauwerk. Die Elbphilharmonie ist eine faszinierende Symbiose aus Tradition und Moderne. Ihr Fundament, der massive Kaispeicher aus den 1960er Jahren, wurde sorgfältig restauriert und bildet die Basis für den spektakulären gläsernen Aufbau, der sich wie eine Welle über den Hafen erhebt. Die wellenförmige Struktur des Dachs, die verspielte Anordnung der Fenster, die Reflexionen des Wassers in der Fassade – dieses Gebäude ist mehr als nur ein Konzerthaus, es ist eine Skulptur aus Licht und Bewegung.

Die Lobby empfängt uns mit einer beeindruckenden Mischung aus Eleganz und futuristischem Design. Die Decke – ein glänzendes Wellenmuster, das das Spiel des Wassers widerspiegelt. Riesige Fenster lassen das natürliche Licht hereinströmen, während sich in den spiegelnden Oberflächen das Treiben der Stadt bricht. Ein Gefühl von Weite und Offenheit macht sich breit.

Während wir uns zu den Konzertsälen begeben, werden wir von einer charmanten und lebhaften Tour Guide begleitet – eine charismatische Asiatin, die mit spürbarer Begeisterung über die Architektur und das Innenleben dieses beeindruckenden Gebäudes spricht. Ihre Augen leuchten, wenn sie von den technischen Meisterleistungen erzählt, die in der Elbphilharmonie stecken.

Elbphilharmonie

Die Elbphilharmonie – Hamburgs Millionengrab mit Meisterwerk-Status

 

Die Entstehung der Elbphilharmonie liest sich wie eine epische Wagner-Oper – mit Höhen, Tiefen und einer dramatischen Kostenexplosion. Ursprünglich war der Plan simpel: Der alte Kaispeicher A, ein Lagerhaus aus den 1960er Jahren, sollte in ein modernes Konzerthaus verwandelt werden. Ein Prestigeprojekt, das Hamburg als Kulturmetropole auf die Weltkarte setzen sollte. Doch wie das bei ehrgeizigen Bauvorhaben so ist, lief es nicht ganz nach Drehbuch.


Die Bauarbeiten begannen 2007, die Fertigstellung war für 2010 angesetzt. Doch statt harmonischer Klänge gab es jahrelang Streit, Verzögerungen und explodierende Kosten. Aus den ursprünglich geplanten 77 Millionen Eurowurden am Ende 866 Millionen – eine Summe, die Hamburgs Steuerzahler wohl nie vergessen werden. Erst 2016, ganze neun Jahre nach Baubeginn, war das architektonische Mammutprojekt endlich fertig – und plötzlich war der ganze Ärger vergessen.


Ein architektonisches Wunder auf dem Wasser
Heute ist die Elbphilharmonie nicht nur Hamburgs neues Wahrzeichen, sondern auch ein Meisterwerk der modernen Architektur. Die wellenförmige Glasfassade, die wie ein schwebender Kristall über der Elbe thront, reflektiert Himmel und Wasser und verändert je nach Licht die gesamte Optik des Gebäudes. Das Dach erinnert an ein gigantisches Segel, das den Wind einfängt und dem Bauwerk eine maritime Eleganz verleiht.


Perfekter Klang in einem spektakulären Konzertsaal
Der Große Saal ist das Herzstück der Elbphilharmonie – ein architektonisches Meisterwerk, das nicht nur optisch, sondern auch akustisch einzigartig ist. Die speziell geformten weißen Gipsfaserplatten an Decken und Wänden sorgen dafür, dass der Klang in jedem Winkel des Saals perfekt verteilt wird. Egal, ob man in der ersten Reihe oder ganz oben sitzt – der Sound ist überall gleich beeindruckend.

Die Plaza – Hamburgs schwebender Aussichtspunkt
Doch auch ohne Konzertticket lohnt sich der Besuch: Die Plaza, auf 37 Metern Höhe, verbindet den historischen Kaispeicher mit dem modernen Aufbau und bietet einen atemberaubenden Blick über Hamburg und den Hafen. Tagsüber strömen Besucher hierher, um die 360-Grad-Aussicht zu genießen – und spätestens beim Sonnenuntergang wird klar: Die Elbphilharmonie war jede Million wert.

Vom millionenschweren Bau-Skandal zum gefeierten Wahrzeichen – die Elbphilharmonie ist der Beweis, dass Hamburg manchmal etwas länger braucht, aber dann richtig abliefert.

Dann betreten wir den Großen Saal. Die Wände hier sind mit über 10.000 individuell geformten Gipsfaserplatten bedeckt, jede einzelne mit einer einzigartigen Struktur, die dafür sorgt, dass der Klang perfekt im Raum verteilt wird. Nichts ist hier dem Zufall überlassen. Selbst die kleinste Kurve, jedes Material, jede Linie folgt einer akustischen Vision.

Die Bühne ragt wie eine Muschel in den Raum hinein, sodass jeder Zuschauer, egal auf welchem Platz, eine perfekte Sicht und ein makelloses Klangerlebnis genießen kann. Unsere Tour Guide erklärt uns, dass selbst der Boden und die Bestuhlung speziell entwickelt wurden, um die Akustik noch weiter zu optimieren. Eine wissenschaftlich durchdachte Klangkathedrale – und gleichzeitig ein ästhetisches Meisterwerk.

Fasziniert saugen wir jedes Detail auf. Hier wurde nichts dem Zufall überlassen. Jede Kurve, jede Nuance der Architektur erzählt eine eigene Geschichte. Es ist ein Bauwerk, das nicht nur beeindruckt, sondern inspiriert – eine Symbiose aus Kunst, Musik und visionärer Baukunst.

Dann geht es hinaus auf die Plaza, die öffentliche Aussichtsplattform der Elbphilharmonie.

Von hier aus können wir einmal um das gesamte Gebäude herumgehen – und was uns erwartet, ist schlichtweg grandios. Die Aussicht auf den Hafen, die Elbe, die Kräne, die Schiffe, die Speicherstadt – ein 360-Grad-Panorama, das einen staunen lässt.

Stefan mustert aufmerksam die gegenüberliegende Seite, dann blitzen seine Augen auf. „Schau mal, von hier aus können wir bestimmt sogar unseren Camper sehen!“

Ich folge Stefans ausgestrecktem Finger und kneife die Augen leicht zusammen. Tatsächlich – dort unten, am Hafen, sehe ich unseren Wohnmobil-Stellplatz! „Oh ja, dort muss es sein!“, rufe ich begeistert. Doch dann fällt mein Blick auf etwas anderes. Direkt daneben, wo am Morgen noch nur einige große Laster parkten, ragt inzwischen ein massives Metallgerüst in die Höhe.

„Und schau mal, da bauen sie auch ein Riesenrad auf. Bestimmt das, das ich heute Morgen gesehen habe!

Stefan dreht sich langsam zu mir um, blinzelt – und dann entfährt es ihm mit einer Mischung aus Überraschung und Skepsis: „Ähhh, ein Riesenrad?“

Mein Kopf beginnt sofort zu arbeiten. Was, wenn unser Camper jetzt Teil dieses gigantischen Rades ist? Ich stelle mir bildlich vor, wie unser Wohnmobil in einer Gondel baumelt oder eine der massiven Stützen mitten durch unser Bett verläuft. Was, wenn wir jetzt unfreiwillig Teil der Attraktion geworden sind?

„Oh je – hoffentlich steht unser Camper nicht im Weg…“, sage ich dramatisch, während ich mir ein breites Grinsen nicht verkneifen kann. „Vielleicht wollte uns die Frau gestern – erinnerst du dich an meinen Bericht? – genau davor warnen!“

Stefan sieht mich für einen Moment an, dann schüttelt er energisch den Kopf. „Hör bloß auf, so einen Quatsch zu reden…“ Aber ich sehe, wie er kurz prüfend in die Ferne blinzelt – nur für den Fall, dass dort wirklich unser Camper in schwindelerregender Höhe kreist.

Ich kann es nicht lassen. „Vielleicht haben sie ihn einfach in die Konstruktion integriert. Morgens Camper, abends Riesenrad – das wäre doch mal eine Hamburg-Story.

„Schluss jetzt!“, murmelt Stefan, aber ich erkenne das kleine Zucken an seinem Mundwinkel. Ein kleines bisschen Nervosität kann er nicht verbergen.

Nun ja – wir werden es bald erfahren.

Doch bevor wir unseren Camper hoffentlich noch unversehrt vorfinden, gibt es noch einen wichtigen Zwischenstopp: das Hard Rock Café.

Wer unsere Reiseberichte kennt, weiß: Ein Städtetrip ist für uns nicht komplett, ohne dass wir eine Mini-Gitarre für unsere Sammlung und ein paar Drumsticks für unsere Tochter mitnehmen. Es ist Tradition, Ritual – und gleichzeitig eine großartige Ausrede, um noch einmal gemütlich durch den Laden zu stöbern.

Mit dem Gedanken an unseren Camper, der vielleicht gerade eine Runde im Riesenrad dreht, schlendern wir Richtung Hafen – bereit für die nächste Überraschung.

Kaum betreten wir das Hard Rock Café, umfängt uns diese einzigartige Mischung aus Musikgeschichte und lässigem Flair. Gitarren an den Wänden, Erinnerungsstücke legendärer Musiker und eine Playlist, die irgendwo zwischen „Klassiker“ und „Kann man nicht laut genug hören“ pendelt.

Natürlich führt unser erster Weg direkt in den Souvenirshop. Wer unsere Reisen verfolgt, weiß: Ohne eine Mini-Gitarre und Drumsticks verlassen wir kein Hard Rock Café dieser Welt. Nadines Sammlung wird um ein neues Paar Drumsticks reicher, und auch die Gitarre für unsere eigene Sammlung ist schnell gefunden – ein kleines, aber würdiges Andenken an Hamburg.

Nachdem unsere Mission erfolgreich abgeschlossen ist, merken wir: Shopping macht hungrig. Direkt nebenan lockt das Block Bräu mit rustikaler Gemütlichkeit und einem Duft, der keinen Widerspruch duldet. Deftige Küche, kaltes Bier und eine Atmosphäre, die irgendwo zwischen bayerischer Wirtshauskultur und hanseatischer Gemütlichkeit liegt.

Block Bräu Hamburg

Die Bestellung fällt schnell: Stefan entscheidet sich für traditionellen Hackbraten, während mich die Schweinshaxe magisch anzieht. Und als die dampfenden Teller vor uns stehen, wissen wir sofort: Das war die richtige Wahl.

Der Hackbraten – saftig, würzig, mit genau der richtigen Menge an Röstaromen, die ihn perfekt abrunden. Stefan nickt zufrieden. Er ist kein Mann großer Worte, aber wenn er sofort mit Messer und Gabel loslegt, ist das höchstes Lob.

Meine Schweinshaxe? Ein absolutes Festmahl. Die Kruste? Knusprig. Das Fleisch? Zart und saftig. Ein messerscharfer Kontrast aus crunchigem Äußeren und butterweichem Inneren, begleitet von goldbraunen Bratkartoffeln und einem frischen Salat, der den perfekten Gegenpol zur deftigen Hauptspeise bildet.

Während wir essen, beobachten wir das Treiben draußen am Hafen. Touristen, Einheimische, der allgegenwärtige Möwenchor, der auf einen unachtsamen Moment hofft – Hamburg lebt, atmet und zeigt sich von seiner besten Seite.

Und wir? Wir genießen. Rockige Erinnerungen, perfektes Essen, ein Tag voller Highlights – und immer noch die Frage, ob unser Camper inzwischen in ein Riesenrad umgewandelt wurde. Aber das erfahren wir gleich. Erst mal noch einen Bissen.

Mit gemischten Gefühlen treten wir den Rückweg zum Campingplatz an. Einerseits freuen wir uns auf unser rollendes Zuhause, andererseits schwingt eine leise Sorge mit: Steht unser Camper noch dort – oder ist er inzwischen eine dekorative Ergänzung zum neuen Riesenrad? Als wir näherkommen, sehen wir ihn sofort. Einsam. Alleine. Und direkt daneben – der Riesenrad-Aufbau in vollem Gange.

„Mist.“ Das Wort kommt leise, aber mit Nachdruck über meine Lippen. Ich mustere die Szenerie mit einer Mischung aus Unbehagen und schwarzem Humor. „So wie wir reingekommen sind, kommen wir jedenfalls nicht mehr raus.“ Es gibt nur eine Lösung: Schnell rein, Motor an, Flucht nach vorne.

Wir beeilen uns, zum Camper zu gelangen. Die Tür öffnet sich – zum Glück kein Riesenrad-Teil im Innenraum. Ein kurzer erleichterter Atemzug, dann rein auf die Sitze und los. Unser Ziel: eine Ausfahrt in Richtung Fischmarkt. Doch als wir dort ankommen – Ernüchterung. Die Schranken sind geschlossen.

Ich werfe einen verzweifelten Blick zum Parkplatzwächter – einem gut gelaunten Herren, der sich mit einem breiten Grinsen nähert. „Na, na, na, habt ihr euch verfahren?“ fragt er, als hätte er nur darauf gewartet, uns in die Falle tappen zu sehen.

„Äh ja, irgendwie schon…“ murmele ich und versuche, meine Verlegenheit hinter einem halbwegs überzeugenden Lächeln zu verbergen. Er genießt den Moment. Dann drückt er seelenruhig auf einen Knopf, die Schranken öffnen sich langsam – viel zu langsam für meinen Geschmack.

„Nichts wie weg hier!“ Ich rufe es mehr für mein eigenes Seelenheil als für Stefan, der bereits das Lenkrad herumreißt und den Camper in Bewegung setzt.

In der Eile erwischt er eines der Plastik-Hütchen, die am Rand stehen. Es kippt mit einem dumpfen Geräusch um. Ich drehe mich gerade noch rechtzeitig um, um zu sehen, wie der Parkplatzwächter – noch immer grinsend – seufzend das Hütchen wieder aufrichtet.

Dann endlich: Wir sind draußen. Auf der Straße lehne ich mich erleichtert zurück. „Das war knapp.“ Stefan lacht. „Ja, das war es. Aber immerhin haben wir eine neue Reisegeschichte für unsere Sammlung.“

Nachdem unser kleines Parkplatz-Drama hinter uns liegt, fahren wir Richtung Norden. Die Fahrt verläuft reibungslos, kein Riesenrad, keine Schranken, keine Hütchen – einfach nur entspannte Autobahn-Kilometer.

Nach etwa einer Stunde erreichen wir die charmante Hansestadt Lübeck. Doch bevor wir uns ins Kopfsteinpflaster-Gewirr stürzen, gibt es noch eine wichtige Mission: Einkaufen. Der nächste Rewe ist schnell gefunden. Wir schlendern durch die Gänge, füllen unseren Wagen mit den nötigsten Dingen: Brot, Müsli, ein paar Snacks für unterwegs – und natürlich die ein oder andere kleine Leckerei, weil man sich ja auch mal was gönnen muss.

Mediadocks Lübeck

Dann geht es weiter zum Stellplatz: der Wohnmobil-Stellplatz Media Docks. Die Spannung steigt. Morgen erkunden wir Lübeck – die Stadt des Marzipans, der alten Giebelhäuser und der mittelalterlichen Gassen. Und diesmal, so schwören wir uns, werden wir keinen Stellplatz wählen, der Gefahr läuft, über Nacht in eine Kirmes verwandelt zu werden.

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