Von New York zurück nach Neuengland – Covered Bridges, Wasserfälle und ein weißes Plastikpferd
Nach drei Tagen New York hieß es heute Abschied nehmen. Nicht nur von Manhattan, sondern auch von Danuta und unserem Victorian Bed & Breakfast auf Staten Island, das sich inzwischen schon ein bisschen wie unsere persönliche New Yorker Außenstelle anfühlte. Bevor wir allerdings endgültig die Koffer ins Auto verfrachteten, gab es natürlich noch einmal Frühstück. Und Danuta verstand unter Frühstück nicht jene traurige Hotelvariante aus zwei Scheiben Toast, einem eingeschweißten Muffin und Kaffee, bei dem man anschließend dringend einen richtigen Kaffee braucht. Bei ihr wurde ordentlich aufgetischt, sodass wir uns noch einmal ausgiebig stärkten und dabei fast vergessen konnten, dass wir heute tatsächlich weiterfahren mussten.
Der Abschied fiel uns entsprechend schwer. Wir hatten wieder viel gelacht, viel erzählt und uns bei Danuta einfach rundum wohlgefühlt. Über die Jahre war aus einer Unterkunft längst ein Ort geworden, an den wir in New York immer wieder gerne zurückkehrten. Aber unser New-England-Roadtrip war schließlich noch nicht beendet, auch wenn wir uns in Manhattan durchaus noch ein paar Tage hätten beschäftigen können. Vermutlich sogar ein paar Jahre. Also verabschiedeten wir uns, verstauten das Gepäck und verließen Staten Island über die Bayonne Bridge Richtung New Jersey.
Damit begann ein kleines verkehrstechnisches Kunststück, das man eigentlich nur in dieser Ecke der USA hinbekommt: Wir verließen New York, fuhren nach New Jersey, um anschließend wieder nach New York zurückzukehren – nur damit wir New York danach endgültig verlassen konnten. Klingt völlig logisch. Jedenfalls dann, wenn man sich die Straßen rund um Manhattan lange genug angesehen hat und aufgehört hat, Fragen zu stellen. Über den New Jersey Turnpike ging es Richtung Norden und schließlich über die gewaltige George Washington Bridge wieder über den Hudson. Noch einmal lag Manhattan vor beziehungsweise neben uns, noch einmal gab es diesen Blick auf die Stadt, und dann war es tatsächlich vorbei mit Wolkenkratzern, Subway, Times Square und Menschenmassen. Na ja, fast. Denn bevor wir New York endgültig hinter uns ließen, gab es selbstverständlich noch eine wichtige kulturelle Einrichtung zu besuchen: einen Harley-Davidson-Händler.

Wir überquerten noch ein kleines Zipfelchen Manhattan, fuhren durch die Bronx Richtung New Rochelle und steuerten dort Empire Harley-Davidson an. Damals gehörte das auf unseren USA-Reisen praktisch zum Pflichtprogramm. Andere Menschen sammelten Kühlschrankmagnete, wir sammelten Harley-Shirts. Das hatte den Vorteil, dass man nach einigen Reisen einen beträchtlichen Teil seines Kleiderschranks mit amerikanischen Ortsnamen bestücken konnte und zu Hause jederzeit aussah, als käme man gerade von einem Roadtrip zurück. Natürlich gingen wir auch diesmal nicht mit leeren Händen hinaus. Zwei T-Shirts durften mit. Damit war der kulturelle Bildungsauftrag des Vormittags erfüllt und wir konnten uns endlich wieder der Landschaft widmen.
Über die Interstate 684 fuhren wir Richtung Norden, trafen auf die I-84 und waren wenig später wieder in Connecticut. Und jetzt änderte sich die Szenerie ziemlich schnell. Die dichte Bebauung verschwand, die Straßen wurden ruhiger, die Landschaft grüner und plötzlich sah unsere Reise wieder genauso aus, wie wir uns Neuengland vorgestellt hatten. Vor uns lag die US 7, die uns heute über weite Strecken nach Norden begleiten sollte – eine dieser Straßen, auf denen schon die Fahrt selbst zum Programmpunkt wird.

Am Candlewood Lake verließen wir die US 7 für einen kleinen Abstecher auf die Candlewood Lake Road und fuhren direkt am Wasser entlang. Der Himmel war inzwischen strahlend blau, das Wasser glitzerte zwischen den Bäumen und nach dem New Yorker Wochenende fühlte sich die Ruhe beinahe verdächtig an. Niemand hupte. Niemand wollte uns eine CD verkaufen. Kein Naked Cowboy weit und breit. Stattdessen See, Wald und Häuser zwischen den Bäumen – Neuengland hatte uns wieder.
Ganz ungestört waren wir allerdings nicht. Am Straßenrand erwischten wir einen Geier beim Frühstück. Was genau auf seiner Speisekarte stand, wollten wir gar nicht so detailliert wissen. Der Geier wiederum wirkte nicht unbedingt begeistert darüber, dass wir anhielten und ich selbstverständlich sofort die Kamera zückte. Verständlich. Niemand möchte beim Essen fotografiert werden, schon gar nicht, wenn das Mittagessen bereits seit einiger Zeit nicht mehr aktiv am Gespräch teilnimmt. Wir entschuldigten uns innerlich bei Mr. Geier, machten natürlich trotzdem Fotos und ließen ihn anschließend wieder in Ruhe weiterfrühstücken.
Am nördlichen Ende des Candlewood Lake kamen wir zurück auf die US 7, und irgendwann meldete sich zuverlässig der Hunger. Praktischerweise tauchte in New Milford direkt an unserer Strecke das DinerLuxe auf. Ein richtig schönes amerikanisches Diner, bei dem bereits von außen klar war: Hier wird niemand mit einem kleinen Salatblatt und einem Glas Leitungswasser nach Hause geschickt.
Drinnen bestätigte sich dieser Eindruck. Die Speisekarte hatte ungefähr den Umfang eines mittleren Telefonbuchs und deckte kulinarisch alles ab, was zwischen Frühstück, Kuchen, Sandwich, Burger und Steak irgendwie auf einen Teller passt. Amerikanische Diner beherrschen diese Disziplin ja meisterhaft. Man könnte morgens um sieben Steaks essen, mittags einen Burger, nachmittags frühstückem und vermutlich nachts um zwei noch ein Omelett bekommen – und niemand würde fragen, warum.
Ich entschied mich für ein Chicken Sandwich, Stefan nahm einen Buffalo Chicken Wrap, und beides war ausgesprochen lecker. Dazu diese typische Diner-Atmosphäre mit glänzenden Flächen, großen Sitzbänken und einer Kuchentheke, bei deren Anblick man kurz darüber nachdenkt, sämtliche Ernährungsgrundsätze auf einen anderen Kontinent zu verschieben. Genau unser Ding. Wir waren satt, zufrieden und wieder ausreichend mit Kalorien versorgt, um uns den ernsthaften Herausforderungen des Nachmittags zu stellen. Und die bestanden zunächst aus einer Brücke.
Nur etwa zehn Meilen später stand sie plötzlich vor uns: die erste Covered Bridge unserer Reise. Von diesen überdachten Holzbrücken hatten wir im Vorfeld natürlich gelesen, schließlich gehören sie zu Neuengland ungefähr so sehr wie Ahornsirup, weiße Kirchtürme und Orte, die aussehen, als hätte jemand eine Weihnachtskarte gebaut. Aber sie dann tatsächlich vor sich zu sehen, ist noch einmal etwas anderes.
Die Bulls Bridge führt über den Housatonic River und durfte sogar mit dem Auto überquert werden. Das ließen wir uns selbstverständlich nicht zweimal sagen. Also hinein mit unserem inzwischen amtlich als „Truck“ anerkannten Fahrzeug und einmal durch die hölzerne Konstruktion hindurch. Besonders breit ist so eine historische Brücke naturgemäß nicht, und man fährt automatisch ein wenig vorsichtiger, weil man auf keinen Fall als deutsche Touristin in die Lokalgeschichte eingehen möchte, die 2016 mit einem Mietwagen eine jahrhundertealte Covered Bridge zerlegt hat.
Diese Brücken wurden übrigens nicht überdacht, weil die Neuengländer ihre Flüsse besonders gemütlich überqueren wollten. Das Dach schützt vor allem die tragende Holzkonstruktion vor Regen und Schnee und verlängert damit deren Lebensdauer erheblich. Eine weitere Erklärung besagt, dass sich früher auch Nutztiere leichter über eine überdachte Brücke führen ließen, weil sie weniger vom Wasser unter ihnen irritiert wurden. Wie auch immer: Sie sehen großartig aus. Und damit war unser Schicksal für den Rest dieser Reise besiegelt. Wo eine Covered Bridge auftauchte, musste angehalten werden. Und wo angehalten wurde, musste fotografiert werden. Ausgiebig.

Unser nächster Zwischenstopp war der Macedonia Brook State Park. Eigentlich hatten wir hier einen klaren Plan: Wir wollten auf den Cobble Mountain wandern, denn von dort sollte man einen wunderbaren Blick über die Landschaft haben. Das Problem bestand lediglich darin, dass wir den richtigen Weg nicht fanden.
Nun kann man bei einer Wanderung über vieles hinwegsehen. Über Matsch. Über Steigungen. Über schlechte Beschilderung. Ein nicht auffindbarer Wanderweg erschwert die Sache allerdings erheblich.
Wir liefen ein wenig herum, suchten hier, schauten dort und kamen irgendwann zu dem Schluss, dass der Cobble Mountain heute offenbar keinen Besuch von uns wünschte. Also änderten wir kurzerhand das Programm und spazierten stattdessen durch den Wald. Auch keine schlechte Alternative. Die ersten herbstlichen Farben zeigten sich bereits zwischen dem Grün, Sonnenlicht fiel durch die Bäume und nach dem Wochenende in New York war es herrlich, einfach einmal durch einen stillen Wald zu laufen. Kein Programm, kein Muss, kein „das müssen wir noch schaffen“. Der Cobble Mountain durfte unbestiegen bleiben. Vermutlich hat er es verkraftet.
Nur wenige Meilen weiter wartete bereits der Kent Falls State Park. Und schon die Zufahrt machte deutlich, dass wir jetzt endgültig im Bilderbuch-Neuengland angekommen waren. Eine kleine Covered Bridge führte in den Park hinein, dahinter Wiesen, Wald und der Wasserfall – man hätte eigentlich nur noch irgendwo ein weißes Holzhaus mit Schaukelstuhl hinstellen müssen und das Motiv wäre komplett gewesen.

Die Kent Falls liegen in den südlichen Berkshire Mountains und bestehen aus mehreren Kaskaden. Das Wasser überwindet auf rund 400 Metern insgesamt etwa 76 Höhenmeter, wobei die größte einzelne Stufe mehr als 20 Meter hinabstürzt. Ein schön angelegter Weg führt entlang der Fälle nach oben, immer wieder unterbrochen von Aussichtspunkten und kleinen Plattformen. Das war ausgesprochen angenehm, denn so konnte man Stück für Stück höher steigen, stehen bleiben, fotografieren und anschließend so tun, als hätte man selbstverständlich nur wegen der Aussicht angehalten und keineswegs, weil die Beine gerade eine kurze Verhandlungspause eingefordert hatten.
Wir hatten auf unseren Reisen schon deutlich spektakulärere Wasserfälle gesehen – insbesondere im amerikanischen Westen ist man in dieser Hinsicht irgendwann etwas verdorben –, aber die Kent Falls hatten ihren eigenen Charme. Sie lagen wunderschön im Wald, der Weg führte unmittelbar am Wasser entlang und das Ganze war herrlich unkompliziert. Man musste nicht stundenlang durchs Hinterland marschieren, keinen Fluss durchqueren und auch keine Begegnung mit einem Bären in Kauf nehmen. Einfach parken, Covered Bridge anschauen, Wasserfall hochlaufen, Fotos machen. Sehr zivilisiert.
Da es keinen Rundweg gab, gingen wir anschließend denselben Weg wieder hinunter und waren wenig später zurück auf unserer inzwischen liebgewonnenen US 7. Rund zehn Meilen später folgte bereits das nächste Objekt meiner fotografischen Begierde: die West Cornwall Covered Bridge. Sie gilt als eine der bekanntesten und meistfotografierten Covered Bridges Connecticuts. Damit war natürlich klar, was jetzt passieren würde. Anhalten. Nein – falsch. Anhalten und sehr viele Fotos machen.
Die rote Holzbrücke über den Housatonic River sah aber auch wirklich aus, als hätte sie jemand ausschließlich zu diesem Zweck dort hingestellt. Also wurde sie von vorne fotografiert, von der Seite, mit Straße, ohne Straße, mit Umgebung und vermutlich aus Perspektiven, deren Unterschiede außer mir später niemand erkennen würde. Stefan kannte dieses Verhalten bereits und wusste, dass Widerstand zwecklos war. Immerhin hatte ich nun offiziell meine erste kleine Sammlung neuenglischer Covered Bridges begonnen, und wir waren erst am Anfang der Reise.

Nach ungefähr einer weiteren Stunde erreichten wir den Bash Bish Falls State Park. Die geografische Lage ist dabei etwas kurios: Die Wasserfälle liegen in Massachusetts, allerdings unmittelbar an der Grenze zu New York, weshalb man sie von Parkplätzen in beiden Bundesstaaten erreichen kann. Wir entschieden uns für die Massachusetts-Seite und stellten unseren Pickup dort ab.
Bevor wir zu den eigentlichen Wasserfällen hinuntergingen, nahmen wir zunächst einen Weg zu einem Aussichtspunkt. Und der lohnte sich. Vor uns breitete sich die Landschaft der Berkshire Mountains aus, bewaldete Hügel zogen sich bis zum Horizont und unter dem blauen Himmel wirkte das Ganze wieder einmal so, als hätte Neuengland beschlossen, sämtliche Klischees gleichzeitig zu erfüllen. Genau wegen solcher Ausblicke waren wir hier.

Danach machten wir uns auf den Weg zu den Bash Bish Falls. Die Entfernung betrug ungefähr eine halbe Meile. Eine halbe Meile. Das klingt harmlos. Und genau darin lag die Falle. Der Weg führte durch dichten Wald immer weiter bergab. Zunächst angenehm, dann etwas steiler und auf den letzten Metern kamen Treppen hinzu. Während des Abstiegs machte sich darüber selbstverständlich niemand Gedanken. Bergab läuft es sich hervorragend. Man schreitet beschwingt durch den Wald, bewundert die Umgebung und hält sich für einen ausgesprochen naturverbundenen Menschen. Dass jeder einzelne Höhenmeter irgendwann zurückgefordert wird, verdrängt das Gehirn in solchen Situationen erstaunlich zuverlässig.
Dann hörten wir bereits das Wasser und wenig später standen wir unten an den Bash Bish Falls. Der Bash Bish Brook zwängt sich zunächst durch eine enge Schlucht und stürzt anschließend rund 18 Meter in ein natürliches Becken zwischen den Felsen. Ringsherum dichter Wald, große Steine und klares Wasser – und das Beste daran war, dass wir diesen Ort tatsächlich ganz für uns allein hatten. Nach den vergangenen Tagen in New York mit Times Square, Subway, Menschenmassen und permanentem Großstadtgeräusch standen wir nun plötzlich mitten im Wald an einem Wasserfall, und außer dem Rauschen des Wassers war praktisch nichts zu hören.
Wir kletterten ein wenig über die großen Felsen rund um das Becken, suchten uns immer wieder neue Fotopositionen und blieben eine ganze Weile dort unten. Das Wasser war glasklar, die Sonne fiel zwischen den Bäumen hindurch und die ganze Szenerie hatte etwas wunderbar Abgeschiedenes. Keine Reisegruppe, keine Warteschlange, kein Souvenirshop und niemand, der einem erklären wollte, wo man sich für das beste Selfie hinstellen musste. Nur wir, der Wald und der Wasserfall. So mögen wir das.
Irgendwann ließ sich allerdings eine unangenehme Tatsache nicht mehr verdrängen: Unser Pickup stand oben am Parkplatz. Und zwar deutlich weiter oben, als uns beim Hinuntergehen lieb gewesen war. Die halbe Meile, die auf der Karte so niedlich ausgesehen hatte, führte nun in die falsche Richtung – permanent bergauf. Einen Shuttlebus oder einen diskret hinter den Bäumen versteckten Aufzug hatten die Verantwortlichen des State Parks bedauerlicherweise nicht vorgesehen, also blieb uns nichts anderes übrig, als denselben Weg zurückzukraxeln.

Nun sind rund 800 Meter auf einer Landkarte wirklich keine Entfernung, mit der man bei einer Wanderung Eindruck schinden könnte. Wenn diese 800 Meter allerdings nahezu permanent bergauf führen, entwickeln sie eine erstaunliche Fähigkeit, sich räumlich auszudehnen. Die Treppen, die beim Hinweg noch ausgesprochen praktisch gewirkt hatten, erschienen plötzlich wie Bestandteil eines perfiden Systems, und hinter jeder Kurve hofften wir, dass nun endlich der Parkplatz auftauchen müsse. Stattdessen kam zuverlässig weiterer Wald. Irgendwann war das Ganze keine gemütliche Wanderung mehr, sondern eine persönliche Auseinandersetzung zwischen uns und Massachusetts.
Natürlich kamen wir oben an. Irgendwann. Und selten hatte unser Pickup so schön ausgesehen. Wir ließen uns auf der Ladefläche nieder und plünderten unseren Reiseproviant. Cola und Schokoriegel. Ernährungsphysiologisch vermutlich nicht exakt das, was ein Sportmediziner nach einer Bergwanderung empfehlen würde, aber der Sportmediziner war nicht da und wir schon. Außerdem hatten wir uns die Kalorien gerade höchstpersönlich erarbeitet. Damit war die Sache für uns wissenschaftlich ausreichend begründet.

Nach dieser kleinen Regenerationspause fehlte nur noch ungefähr eine halbe Stunde bis zu unserem Tagesziel Lenox. Der anstrengende Teil war erledigt, die Beine durften wieder stillhalten und wir rollten gemütlich durch die Berkshires Richtung Motel.
Unsere Unterkunft für die Nacht war das Wagon Wheel Inn, und schon bei der Ankunft wurden wir von einem ausgesprochen stilvollen Empfangskomitee begrüßt: einem großen weißen Plastikpferd auf der Grünfläche vor dem Motel. Warum dort ein weißes Plastikpferd stand, wissen wir bis heute nicht. Aber bei einem Motel namens Wagon Wheel Inn stellte man besser keine unnötigen Fragen. Vielleicht gehörte es zum Corporate Design.

Wir checkten ein, brachten unser Gepäck aufs Zimmer und hätten uns nach diesem langen Tag theoretisch einfach aufs Bett fallen lassen können. Praktisch meldete sich jedoch ziemlich schnell der Hunger. Schokoriegel auf einer Pickup-Ladefläche sind schließlich nur eine Zwischenlösung und kein Abendessen, zumindest nicht, solange irgendwo in erreichbarer Nähe Burger serviert werden.
Also fuhren wir die etwa sechs Meilen nach Downtown Lenox und landeten in der Olde Heritage Tavern. Und die gefiel uns auf Anhieb. Ein uriger amerikanischer Pub, offensichtlich gut besucht von Einheimischen, mehrere Fernseher mit Sportübertragungen, Bier auf den Tischen und mittendrin zwei Kellnerinnen, die den Laden mit bemerkenswerter Geschwindigkeit im Griff hatten. Genau diese Restaurants mögen wir auf unseren Roadtrips besonders gern: keine große Inszenierung, kein touristischer Zirkus, sondern ein Laden, in dem man das Gefühl hat, dass die Leute aus dem Ort tatsächlich selbst hingehen.
Wir bestellten Burger, ließen den Tag bei gutem Essen ausklingen und sahen dem Treiben um uns herum zu. Morgens hatten wir noch bei Danuta auf Staten Island gefrühstückt, waren über New Jersey und New York zurück nach Connecticut gefahren, hatten einen Geier beim Frühstück gestört, unsere erste Covered Bridge überquert, einen nicht auffindbaren Berg nicht bestiegen, mehrere Wasserfälle besucht und uns schließlich von den Bash Bish Falls wieder 800 Meter bergauf zum Auto gearbeitet. Für einen simplen Fahrtag von New York nach Lenox war das eine durchaus respektable Ausbeute.
Später fuhren wir zurück zum Wagon Wheel Inn und unserem weißen Plastikpferd. Ich hielt mich an die inzwischen bestens eingespielte Arbeitsteilung unserer Reisen: Ich schlief ein. Stefan kümmerte sich noch um die Sicherung der Fotos des Tages. Und davon gab es reichlich – schließlich hatten wir heute unsere erste Covered Bridge gesehen. Und wie sich in den nächsten Tagen zeigen sollte, war das erst der Anfang.























