Cappuccino, Croissants und Konsumrausch auf zwei Etappen
Der frühe Camper fängt den Cappuccino. Und genau das war unser Motto, als wir – weit vor Outlet-Öffnung – mit knurrendem Magen und glänzenden Augen das nächstgelegene Frühstücksziel ansteuerten: das Portello Caffè im Supermarkt „IPER Grande“. Dort war die Welt noch in Ordnung. Kein Gedränge, keine Schlange, nur wir, zwei frische Croissants (Pistazie & Schokolade – Dolce-Volltreffer!) und zwei Cappuccino, die wie gemalt aussahen. Alles zusammen 6,20 €, zwei zufriedene Seufzer und ein gelungener Start in den Tag.
Portello Caffè
Dann der kleine Einkaufs-Drift durch den Supermarkt. Wasser, Pasta, Snacks, ein paar lokale Spezialitäten, von denen man den Namen nicht aussprechen kann, aber das Etikett italienisch genug aussieht, um sie spontan ins Camperleben zu integrieren. Der Kühlschrank war danach jedenfalls wieder bereit für seine Hauptrolle.

10 Uhr. Showtime. Das Designer Outlet Serravalle öffnete seine Tore – und wir standen schon in den Startlöchern. Dieses Outlet ist kein schnödes Einkaufszentrum, sondern ein architektonisches Dolce-Vita-Kunstwerk: breite Flanierwege, venezianisch angehauchte Fassaden, verspielte Brunnen, pastellfarbene Häuschen, glänzende Fensterfronten – das Ganze irgendwo zwischen Themenpark und Modelounge. Ein Hauch von Monaco trifft Miami, aber mit italienischer Bodenhaftung.
Das Sortiment? Eine Mischung aus Haute Couture und Hoodie-Glück. Von Luxusboutiquen à la Prada, Gucci und Armani – bei denen man lieber das Schaufenster als das Preisschild anschaut – bis hin zu den vertrauten Namen aus dem Familien-Kleiderschrank: Nike, Adidas, Hilfiger, Guess, Superdry & Co. Ein Shopping-Mix für alle Lebenslagen – vom Spielplatz bis zum Opernball, oder zumindest bis zur Einschulungsfeier mit Stil.

Wir brauchen noch Schuhe für die Enkel. Leider – wie es das Outlet-Schicksal so will – bei den Schuhgrößen für Noah und Emilia: Fehlanzeige. Nichts Passendes bei den Lieblingsmarken. Dafür ein paar neue Outfits, die bei der nächsten Modenschau vorm heimischen Spiegel garantiert mit einem Daumen-hoch bewertet werden. Und, ja okay, auch bei uns hat der ein oder andere Beutel ganz unauffällig den Weg an den Arm gefunden. Zufälle gibt’s…

Wir schlenderten bis 14 Uhr durch das Gelände, das sich großzügig über mehrere Straßenzüge erstreckt. Von der Haupttreppe am Piazza-Eingang hinunter, über die Straße auf die andere Seite – das Outlet ist wirklich riesig. Mehr als 230 Shops, manche glamourös wie ein Filmset, andere eher solide italienische Marken, die uns gar nichts sagten – aber hey, es sah alles schick aus. Die ganz großen Namen haben wir diesmal hauptsächlich von außen bewundert, denn viele von ihnen hatten Preisniveaus jenseits von „Mitbringsel“.
McArthurGlen Designer Outlet Serravalle Scrivia
Größe: ca. 50.000 m²
Über 230 Geschäfte
Architektur: mediterran, elegant, mit Innenhöfen, Brunnen, Arkaden
Highlights: Nike, Adidas, Guess, Hugo Boss, Tommy Hilfiger, Superdry u. v. m.
Ambiente: luxuriös, gepflegt, ruhig – ideal für stilvolles Bummeln
Besonderheit: kostenloser Camperstellplatz direkt am Gelände
Die Einkaufsliste war zur Hälfte abgehakt, aber wir hatten noch Hoffnung. Also ein schneller Gedankensprung: Was ist eigentlich mit dem Serravalle Retail Park direkt nebenan? Gesagt, gefahren, gefunden – und dort noch richtig Beute für die Kids gemacht. Keine Springbrunnen, keine Designer-Bögen – aber praktisch, gut sortiert und voll mit kindertauglichem Zeug, das nicht aussieht, als müsse man beim Spielen einen Bodyguard dabei haben.
Serravalle Retail Park
Dann kam das nächste Problem – oder besser: das knurrende Magen-Signal. Das Outlet selbst glänzt zwar mit Mode, aber kulinarisch hat’s uns nicht so richtig abgeholt. Zwischen McCafé und „Hmmm-na-ja-Pizza“ wurde der Gourmet in uns nicht wirklich wach. Also: Rückzug ins Roadhouse Restaurant – unsere bewährte Zuflucht vom Vorabend.
Diesmal war es kurz vor 15 Uhr, was bedeutete: Küche macht gleich zu. Wir warfen uns also in den Bestell-Modus auf der Überholspur, entschieden uns beide für das Mittagsmenü – und bekamen dafür einen Teller serviert, der eher an ein XXL-Brett erinnerte als an ein klassisches Schnitzelgericht.
19 Euro pro Person, inklusive Beilage, Softdrink und einem riesigen, goldbraun gebratenen Schnitzel, das sich auf dem Teller so breit gemacht hat wie ein italienischer Kleinwagen auf der linken Spur. Dazu knusprige Pommes für Stefan und kleine Kartoffeln für mich – und ja, wir haben alles geschafft. Fazit: üppig, lecker, bodenständig – und für den Preis: da kann man echt nicht meckern. So gestärkt, ein bisschen müde, aber ziemlich zufrieden, rollten wir schließlich Richtung Bologna. Shopping-Level: erfüllt. Schnitzel-Level: voll. Reise-Laune: hervorragend.
Und dann ging’s weiter. Die Fahrt nach Bologna – eigentlich ganz unspektakulär. Kein Stau, keine Umleitungen, alles laut Navi auf grün. Aber die italienische Autobahn liefert ja auch ganz ohne besondere Vorkommnisse genug Unterhaltungswert: LKWs in Dreierreihe, Fahrspurwechsel ohne Blinker (aber mit Überzeugung!), dazu kleine Fiats, die sich in der Mitte zweier Spuren am wohlsten fühlen. Und immer wieder: dieses Gefühl, dass Geschwindigkeit hier eher eine Empfehlung als eine Regel ist. Zum Glück hatte unser Camper seinen souveränen Tag. Bologna kam näher. Und mit ihm: Plan B für die fehlenden Schuhe.
Denn – Tusch! – ich hatte auf halber Strecke die Erleuchtung: Castel Guelfo The Style Outlets liegt direkt auf dem Weg. Und so bogen wir ein, ein zweites Mal heute, ins Einkaufsvergnügen. 18 Uhr – wir haben noch 2 Stunden bis Geschäftsschluss.

Dieses Outlet ist anders. Weniger Jetset, mehr Undercover-Chic. Etwas luftiger, weiter, mit langen Arkaden und futuristisch beleuchteten Wegen. Nicht ganz so verspielt wie Serravalle, dafür ein bisschen entspannter. Ein Ort zum Atmen und Shoppen, ohne dass ständig ein Selfie-Stick durchs Bild fliegt.
Die Auswahl? Überraschend vielseitig. Neben den bekannten Gesichtern – Nike, Adidas, Timberland, Hilfiger, Levi’s – begegneten uns hier auch ein paar unbekanntere italienische Marken, die sich modisch nicht hinter den Großen verstecken müssen. So eine Mischung, die neugierig macht und gleichzeitig das Budget schont. Und was soll ich sagen: Hier klappte es endlich mit den Schuhen. Zwei glückliche Größen, zwei zufriedene Käufer, und wieder ein Punkt auf der Familien-Wunschliste abgehakt.
Castel Guelfo – The Style Outlets
Castel Guelfo The Style Outlets
Größe: über 30.000 m²
Rund 110 Shops
Marken: Nike, Adidas, Levi’s, Desigual, Lindt, Bialetti, Timberland etc.
Architektur: weitläufig, modern, mit schicken Details, Springbrunnen & viel Licht
Ambiente: familienfreundlich, großzügig, angenehm leer an Werktagen
Besonderheit: viele Restaurants & große Parkflächen
Als wir auf den Platz rollten, war die Sonne bereits dabei, sich würdevoll Richtung Horizont zu verneigen. Wir sicherten uns einen schönen Stellplatz (Rangieren inklusive Einweiserblick von mir), genossen die heiße Dusche wie andere Leute ein Spa-Wochenende, und ließen uns dann müde, aber satt und glücklich in unsere Betten plumpsen.
Zwei Outlets, ein Hauch von Dolce & Gabbana, dazu reichlich Espresso und ein bisschen Straßenverkehrs-Thriller – das war Tag 2. Und morgen wartet Bologna. Also: Buonanotte!








