Tag 4: Sardinien-Premiere und die Felsen-Akrobatik
Der Wecker war gnadenlos auf 5:30 Uhr gestellt. Guten Morgen von der Moby Fantasy. Wir wollten den offiziellen Weckruf an Bord unbedingt unterbieten, um die Ersten an der Frühstücksbar zu sein. Ein strategischer Volltreffer! Wir saßen entspannt beim ersten Kaffee, während 15 Minuten später der Andrang gewaltig wurde. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst – oder bekommt zumindest seinen Cappuccino ohne Ellenbogen-Check.
Nach dem Frühstück zog es mich magisch aufs Deck. Während die Welt um uns herum noch im Halbschlaf lag, lieferte der Himmel eine Show ab, die jedes Special-Effect-Studio in Hollywood vor Neid erblassen ließe. Ich fotografierte den Sonnenaufgang, wie er das Meer langsam in goldenes Licht tauchte. Und dann, plötzlich: Land in Sicht! In der Ferne funkelten die Lichter von Sardinien wie kleine Diamanten auf dem dunklen Wasser. Ein Gänsehaut-Moment, der uns schlagartig klar machte: Wir sind wirklich da.
Pünktlich um 7:10 Uhr kam die Durchsage: Ab zu den Fahrzeugen. Es ist absolut beeindruckend, wie professionell und zackig das an Bord abgewickelt wird. Keine Hektik, kein Chaos – nur eine perfekt geölte Maschinerie. Wenige Minuten später rollten unsere Camper über die Rampe auf festen Boden.
Guten Morgen, Olbia! Es ist dieser eine Moment, in dem man die Fahrertür aufstößt, die salzige Meeresluft einatmet und weiß: Der Roadtrip hat gerade ein Upgrade auf „Paradies“ bekommen.
Unser erster Stopp führte uns an den Strand vor Golfo Aranci. Hier hielten wir kurz inne – ein kollektives Aufatmen, während der Blick über das azurblaue Wasser schweifte, das so unwirklich aussah, als hätte jemand im Schneideraum den Sättigungsregler auf Maximum gedreht. Aber wir sind ja nicht nur zum Schauen hier, sondern auch zum Genießen. Also ab zum lokalen Bäcker, um uns mit Brot für den Abend einzudecken.
Und weil wir schon mal dabei waren, ließen wir uns direkt ein paar sardische Spezialitäten einpacken. Wer braucht schon Supermarkt-Standard, wenn man das echte Zeug haben kann? Am Strand hatte in der Zwischenzeit ein kleiner Markt seine Pforten geöffnet. Ein strategischer Volltreffer für unseren Vorratsschrank: Am Stand für sardische Köstlichkeiten wanderten Salami, Käse und Honig in unsere Taschen. Düfte, die so intensiv sind, dass man sie eigentlich als Parfüm abfüllen müsste.
Eigentlich war der Plan für heute so glänzend wie die Jachten im Hafen: Porto Cervo. Das Epizentrum des Jetsets, der Ort, an dem man Champagner wahrscheinlich aus Hydranten zapft. Wir wollten einen Hauch von Luxus schnuppern – natürlich stilecht mit unseren sechs Meter langen Schlachtschiffen.
Doch dann die Ernüchterung, Marke „Italienische Baustelle“. Der einzige für Camper vorgesehene Parkplatz? Dicht. Wegen Bauarbeiten geschlossen. Mist. Da steht man nun mit seinen mobilen Eigenheimen und schaut in die Röhre, während die Schickeria wahrscheinlich gerade ihren ersten Aperol in der Sonne genießt. Ein klassischer Plot-Twist im Drehbuch unserer Reise.
Aber hey, ein echter Roadtrip wäre langweilig, wenn immer alles nach Plan liefe, oder? Wir stehen jetzt da, schauen auf die gesperrte Zufahrt und schmieden den nächsten Plan. Fortsetzung folgt – mal sehen, wohin uns der sardische Wind als Nächstes weht…