
Elvis, Rock ’n’ Roll und die Magie des Südens: Von Graceland nach St. Louis
Während unseres ausgiebigen Frühstücks im Days Inn Memphis at Graceland fühlten wir uns, als hätte uns der King of Rock ’n‘ Rollhöchstpersönlich eingeladen. Aus den Lautsprechern erklangen Elvis Presleys unsterbliche Klassiker, und wir ließen uns von den schwungvollen Melodien direkt in die goldenen Jahre der Musikgeschichte katapultieren. Dieser musikalische Start war genau das richtige Warm-up für unseren geplanten Besuch in Graceland, Elvis’ legendärer Residenz. Die Vorfreude? Riesig!
Graceland – allein der Name löst bei Musikliebhabern Gänsehaut aus. Gelegen am 3764 Elvis Presley Boulevard in Memphis, Tennessee, erstreckt sich dieses ikonische Anwesen über satte 5,6 Hektar und ist weit mehr als nur ein Wohnhaus. Es ist ein Heiligtum, ein Pilgerziel für Fans aus aller Welt, die den Geist des King spüren wollen.

Im zarten Alter von 22 Jahren hatte Elvis dieses prachtvolle Anwesen 1957 erworben und bis zu seinem tragischen Tod 1977 bewohnt. Der Kolonialstil des Gebäudes mit seiner strahlend weißen Fassade und der imposanten Treppe ist ein würdiger Rahmen für eine der größten Musiklegenden aller Zeiten. Schon der erste Blick auf das Haus ließ uns ehrfürchtig innehalten.
Nachdem wir unsere Tickets im Touristenzentrum abgeholt hatten, wurden wir in einen kleinen Tourbus gebeten, der uns direkt zu Graceland brachte. Die kurze Fahrt führte uns durch das berühmte Graceland Gate, das mit seinen geschwungenen Musiknoten und Silhouetten von Elvis unverkennbar ist. Während wir durch die Einfahrt rollten, fühlte es sich fast so an, als wären wir selbst VIP-Gäste auf dem Weg zu einer exklusiven Party. Der Bus hielt direkt vor der Villa, und wir durften aussteigen – bereit, die Türschwelle zu überschreiten, die einst Elvis Presley selbst täglich passierte.
Der erste Blick auf das Graceland Mansion war wie ein Sprung in die Vergangenheit. Die weiße Kolonialstil-Fassade, die von Säulen eingerahmte Eingangstür und die weitläufige Treppe wirkten erhaben, fast wie eine Bühne für die Legende, die hier lebte. Mit dem Audioguide in der Hand betraten wir das Haus und wurden direkt ins Living Room geführt, das uns mit seiner Eleganz und seinem zeitlosen Stil empfing. Die weißen Sofas, die gläsernen Couchtische und die riesigen Vorhänge sorgten für eine ruhige, fast majestätische Atmosphäre. Ein großer Spiegel an der Wand reflektierte das Licht und machte den Raum noch größer – als könnte Elvis jeden Moment hereinschreiten.
Von hier aus führte der Rundgang ins Dining Room, wo ein schwerer Esstisch mit kunstvoll gedecktem Geschirr auf uns wartete. Die Kronleuchter über dem Tisch funkelten im Licht, während die dunklen Wände und der edle Teppich den Raum förmlich in eine andere Zeit versetzten. Es war leicht vorstellbar, wie Elvis hier mit seiner Familie und seinen Gästen diniert hat, während die Gespräche von Musik und großen Plänen erfüllt waren.
Ein paar Schritte weiter standen wir in der Küche, die überraschend modern wirkte. Die Kombination aus Holz und Edelstahl, die glänzenden Geräte und die gut genutzte Arbeitsfläche ließen darauf schließen, dass hier oft gekocht wurde – vielleicht auch von Elvis selbst, der ein Faible für deftige Südstaatenküche hatte.
Dann kam der erste Wow-Moment: der Jungle Room. Dieser Raum war eine Explosion von Farben, Texturen und Exotik. Dicke grüne Teppiche bedeckten sowohl den Boden als auch die Wände, während massive Holzmöbel und geschnitzte Dekorationen das Bild abrundeten. Hier herrschte eine Atmosphäre von Abenteuer und Lässigkeit, die den wilden Geist des King perfekt widerspiegelte. Man konnte fast die ausgelassenen Partys hören, die hier gefeiert wurden.
Weiter ging es ins Office, ein funktionaler Raum, in dem Elvis seine Geschäfte regelte. Der Kontrast zum restlichen Haus war deutlich: Hier dominierten Effizienz und Ordnung. Besonders beeindruckend war die Sammlung an Telefonen – Elvis musste immer erreichbar sein.
Im Media Room zeigte sich der King von seiner modernen Seite. Dieser Raum war eine Hommage an Elvis’ Liebe zum Fernsehen. Die Wände waren mit glänzendem Schwarz verkleidet, und nicht weniger als drei Fernseher liefen nebeneinander – eine extravagante Spielerei, inspiriert von Präsident Lyndon B. Johnson, der ebenfalls mehrere Fernseher nutzte, um verschiedene Nachrichtenkanäle gleichzeitig zu verfolgen. In der Mitte des Raums stand eine gemütliche Sitzgruppe, die förmlich danach schrie, sich hinzusetzen und einen Elvis-Film zu genießen.
BILDERGALERIE: Graceland Mansion
Im Pool Room war eine weitere Überraschung. Mit seinen farbenfrohen Stoffen, die die Wände komplett bedeckten, und dem schwer verzierten Billardtisch wirkte dieser Raum wie ein Rückzugsort für entspannte Abende mit Freunden. Die Tiffany-Lampen tauchten alles in ein warmes Licht, das dem Raum eine behagliche Stimmung verlieh.
Draußen warteten noch mehr Highlights. Im Racquetball Building stand nicht nur ein Original-Spielfeld, sondern auch eine Sammlung von Erinnerungsstücken, darunter einer der letzten Outfits, die Elvis trug. Direkt daneben lag der weitläufige Backyard, in dem die Pferde von Elvis früher frei herumliefen. Es war ein Ort der Ruhe und Freude, an dem Elvis oft Zeit mit seinen Freunden und seiner Familie verbrachte.
Der emotionale Höhepunkt war der Meditation Garden, den Elvis einst als Rückzugsort geschaffen hatte. Heute ist dies seine letzte Ruhestätte. Die Gräber von Elvis, seinen Eltern und seiner Großmutter sind liebevoll gestaltet und mit Blumen bedeckt, die Fans aus aller Welt hier lassen. Der Ort strahlt eine friedliche, fast heilige Atmosphäre aus, die uns tief berührte.

Nach der Tour durch das Haus ging es weiter in das angrenzende Museum, das einen faszinierenden Einblick in Elvis’ Karriere und Lebenswerk bot. Schon beim Betreten wurden wir von einer Wand mit goldenen Schallplatten begrüßt, die das Ausmaß seines Erfolgs erahnen ließen. Hunderte von Schallplatten funkelten im Licht und machten deutlich, warum Elvis als der “King” gilt.
In einem weiteren Bereich hingen seine Bühnenkostüme, und jedes einzelne erzählte eine eigene Geschichte. Von den berühmten Jumpsuits mit funkelnden Strasssteinen bis hin zu schlichten, aber eleganten Outfits – sie zeigten die Evolution eines Mannes, der immer wieder neue Trends setzte. Besonders eindrucksvoll war der Aloha from Hawaii Jumpsuit, der mit Adler- und Sternmotiven verziert war. Dieser Anzug symbolisierte Elvis’ triumphale Rückkehr auf die Bühne und sein bahnbrechendes Satellitenkonzert.
Weiterhin fanden sich persönliche Gegenstände wie Notenblätter, handgeschriebene Songtexte und sogar ein Klavier, das Elvis oft benutzt hatte. Jede Ecke des Museums war eine Hommage an sein Talent, seine Leidenschaft und seinen Einfluss auf die Welt.
BILDERGALERIE: Elvis Presley Museum
Kein Besuch in Graceland wäre vollständig ohne die Besichtigung der Autoausstellung, und hier schlug unser Herz höher. Der berühmteste Wagen, der pinkfarbene Cadillac, zog alle Blicke auf sich. Diese ikonische Limousine war nicht nur ein Symbol von Elvis’ Stil, sondern auch seiner Großzügigkeit, denn er schenkte diesen Wagen seiner Mutter, obwohl sie keinen Führerschein hatte.
Neben dem Cadillac glänzten weitere Schmuckstücke: ein schwarzer Stutz Blackhawk, ein Lincoln Continental Mark II und ein Jeep, mit dem Elvis auf seinem Anwesen herumkurvte. Jedes Fahrzeug war in tadellosem Zustand und vermittelte einen Eindruck von Luxus und Persönlichkeit.
Gleich nebenan warteten Elvis’ Privatflugzeuge, darunter die berühmte Lisa Marie, benannt nach seiner Tochter. Dieses riesige Flugzeug war ausgestattet mit goldenen Sicherheitsgurten, einem Schlafzimmer und einer Lounge. Der pure Glamour der 70er Jahre! Ein zweites, kleineres Flugzeug diente Elvis für Kurztrips – auch hier waren die Sitze aus feinem Leder und die Innenausstattung luxuriös.
Diese Ausstellungen ließen uns staunen und schmunzeln, denn sie zeigten nicht nur Elvis’ Liebe zum Luxus, sondern auch seine spielerische Seite. Es war eine perfekte Ergänzung zu dem, was wir im Mansion und Museum bereits erlebt hatten.
BILDERGALERIE: Elvis‘ Fahr- und Flugzeige
Nach einem Vormittag voller Rock ’n’ Roll und faszinierender Entdeckungen verabschiedeten wir uns von Memphis – aber nicht, ohne einen letzten Blick auf die Stadt zu werfen, die Elvis Presley zu seiner Heimat gemacht hatte. Unser nächstes Ziel führte uns über die berühmte Hernando de Soto Bridge, die den mächtigen Mississippi River überspannt und Arkansas mit Tennessee verbindet. Die gewaltigen Bögen der Brücke schienen den Fluss wie ein Tor in ein neues Abenteuer zu rahmen.
Doch anstatt uns auf die eintönige, schnurgerade Autobahn zu begeben, entschieden wir uns für einen malerischen Umweg, der uns entlang des Mississippi Rivers führte. Hier begann eine Fahrt, die so reich an Geschichte und landschaftlicher Schönheit war, dass wir uns fühlten, als wären wir Teil eines Roadmovies. Die Straße schlängelte sich durch kleine, verschlafene Südstaatenorte wie Ridgely, Tiptonville und Phillippy. In jedem dieser Orte schienen die Zeit und der Alltag langsamer zu vergehen. Die alten Holzhäuser mit ihren Veranden erzählten Geschichten von vergangenen Zeiten, während rostige Schilder von längst vergessenen Geschäften den Charme des Verfalls trugen.
Der Mississippi selbst zeigte sich immer wieder zwischen den Bäumen, mal ruhig und glitzernd wie ein Spiegel, mal träge dahinziehend, als wolle er uns mit seiner Gelassenheit anstecken. Immer wieder hielten wir an kleinen Aussichtspunkten, wo einfache Bänke mit perfektem Blick auf den Fluss standen. Der Duft von feuchtem Holz und Erde lag in der Luft, und das gelegentliche Quaken eines Frosches oder das Flügelschlagen eines Vogels unterbrach die Stille.
Hier und da tauchten kleine Cafés und Diner auf, oft nicht mehr als schlichte Hütten mit handgemalten Schildern, die hausgemachte Pies oder Catfish-Spezialitäten anpriesen. Wir beschlossen, in einem davon einzukehren, und wurden mit warmem, freundlichem Südstaaten-Charme empfangen. Der Kaffee war stark, die Bedienung redselig, und das Gefühl von Gastfreundschaft war so authentisch, wie man es nur hier finden kann.
Die Route war eine wunderbare Mischung aus Nostalgie und Natur, und wir konnten uns leicht vorstellen, wie früher Dampfschiffe diesen Fluss hinauf und hinabfuhren, beladen mit Waren und Geschichten. Es war eine Reise durch die Seele des amerikanischen Südens, und jedes neue Bild, das sich uns bot, war wie eine Postkarte, die lebendig wurde.




Ein Stopp im Horseshoe Lake Conservation Area war wie das Eintauchen in eine andere Welt – eine, die direkt aus einem Naturfilm stammen könnte. Schon beim Betreten des Schutzgebiets umfing uns eine fast unheimliche Stille, die nur von den Geräuschen der Natur durchbrochen wurde. Das Summen von Insekten, das gelegentliche Zwitschern eines Vogels und das leise Plätschern von Wasser setzten eine beruhigende Klangkulisse, die uns sofort in ihren Bann zog.
Vor uns erstreckte sich der Horseshoe Lake, dessen stille Wasseroberfläche von unzähligen grünen Wasserlinsen bedeckt war. Diese bildeten einen samtigen Teppich, der die Sonne auf faszinierende Weise reflektierte. Majestätische Sumpf-Zypressen ragten aus dem Wasser empor, ihre knorrigen Wurzeln, sogenannte “Knie”, bildeten seltsame, skulpturale Formen, die aus dem Wasser zu wachsen schienen. Manche Bäume waren mit Moos behangen, das in der leichten Brise schaukelte und die Szenerie noch mystischer wirken ließ.
Wir setzten uns schließlich auf eine der wenigen Bänke, die strategisch perfekt platziert waren, um die Aussicht zu genießen.

Nach einer kurzen Pause setzten wir unsere Fahrt fort, wieder auf den malerischen Kentucky Scenic Byway zurückkehrend. Die Straße wand sich durch sanfte Hügel und grüne Felder, vorbei an roten Scheunen und kleinen Farmen, die wie aus einer Postkarte entsprungen schienen. Die Abendsonne tauchte die Landschaft in warmes, goldenes Licht, und wir konnten die ländliche Ruhe fast spüren. Ein gelegentliches “Howdy!” eines Spaziergängers oder ein Winken von einem vorbeifahrenden Pickup verstärkte das Gefühl, wirklich mitten im Herzen Amerikas zu sein.
Unsere Route führte uns weiter über die Staatsgrenze nach Illinois, wo wir auf geraden Landstraßen fuhren, flankiert von Maisfeldern, die bis zum Horizont reichten. Die ersten Anzeichen von Missouri kündigten sich durch eine immer lebendigere Umgebung an, und schließlich erreichten wir bei einsetzender Dunkelheit St. Louis.
Unser Ziel war das Millennium Hotel, ein hoch aufragender Bau, der einst ein Symbol moderner Architektur war, heute aber ein wenig von der Zeit gezeichnet wirkte. Von außen zeigte sich die Fassade etwas in die Jahre gekommen, doch beim Betreten der Lobby wurden wir angenehm überrascht: Der Raum war elegant und modern gestaltet, mit polierten Böden, dezenten Lichteffekten und freundlichem Personal, das uns willkommen hieß. Die Atmosphäre war einladend und vermittelte sofort ein Gefühl von Komfort.
Unser Zimmer lag in der obersten Etage, und als wir die Tür öffneten, verschlug uns der Ausblick den Atem. Vor uns erstreckte sich die Skyline von St. Louis, die im Schein der nächtlichen Lichter glitzerte. Zwar hätten wir für den direkten Blick auf den berühmten Gateway Arch einen Aufpreis zahlen müssen, doch die weite Aussicht über die Stadt war nicht weniger beeindruckend. Die Lichter zogen sich wie ein Teppich bis zum Horizont, und wir verbrachten einige Minuten einfach nur damit, das Panorama zu genießen.
Das Zimmer selbst war geräumig und komfortabel eingerichtet. Ein großes Queensize-Bett lud zum Ausruhen ein, während ein moderner Sessel und ein Schreibtisch den Raum funktional machten. Auch das Badezimmer war schlicht, aber makellos, mit einer angenehm warmen Beleuchtung, die den Eindruck von Sauberkeit und Komfort verstärkte.

Wir wollten den Abend nutzen, um uns noch ein wenig in die nächtlichen Straßen von St. Louis zu wagen. Die Lichter der Stadt hatten uns von unserem Hotelzimmer aus neugierig gemacht, doch als wir durch die Innenstadt schlenderten, erlebten wir eine unerwartete Szenerie: Die Straßen wirkten fast gespenstisch leer. Wo wir reges Treiben erwartet hatten, fanden wir verlassene Gehwege und stille Gebäude. Besonders auffällig war die Union Station, einst ein pulsierender Bahnhof, der voller Leben gewesen sein muss. Jetzt stand das imposante Gebäude verlassen vor uns, seine leeren Gänge und geschlossenen Geschäfte strahlten eine fast unheimliche Ruhe aus.

Doch die wahre Seele der Stadt entdeckten wir am Mississippi-Ufer. Als wir näherkamen, hörten wir Lachen, Musik und das leise Brummen von Motoren. Hier parkten Autos dicht an dicht entlang des Flusses, und die Menschen hatten sich um ihre Fahrzeuge versammelt. Einige saßen lässig auf ihren Motorhauben, plauderten ausgelassen und genossen die warme Nacht, während andere laut mit Freunden lachten oder zur Musik wippten, die aus geöffneten Autofenstern schallte. Es war ein faszinierendes Bild von Gemeinschaft und Freude, ein Kontrast zur Stille der Innenstadt – und doch so authentisch und herzlich.
Der Höhepunkt unseres nächtlichen Spaziergangs war der majestätisch beleuchtete Gateway Arch. Im Dunkeln schien er fast magisch zu strahlen, ein gigantischer, schimmernder Bogen, der den Nachthimmel durchbrach. Wir standen eine Weile davor, fasziniert von seiner Eleganz und Größe, während der Fluss leise hinter uns floss. Es war ein Moment, der die Energie und die Geschichte von St. Louis in sich trug.
Schließlich kehrten wir ins Hotel zurück, voller Eindrücke und mit dem Gefühl, an einem Tag so viel erlebt zu haben – von der Musik und dem Charme von Graceland über die landschaftlichen Schönheiten entlang des Mississippi bis hin zu den nächtlichen Geheimnissen von St. Louis. Mit einem letzten Blick aus unserem Fenster auf die funkelnde Skyline fielen wir erschöpft, aber glücklich ins Bett, bereit für die Abenteuer des nächsten Tages.
