
Magie aus Stein: Ein abenteuerlicher Tag im Cathedral Gorge State Park
Der nächste Morgen begann mit einer leisen Hoffnung – doch leider war Nadine immer noch nicht wieder fit. Ihr Fieber wollte einfach nicht verschwinden, also fiel ihr Tagesprogramm erneut ins Wasser. „Geht ruhig ohne mich, ich kuriere mich aus,“ sagte sie mit einem tapferen Lächeln, das gleichzeitig eine klare Anweisung war: Nicht hier rumstehen und bemitleiden, sondern losziehen und Abenteuer erleben!
Mit einem leicht gemischten Gefühl – einer Mischung aus Sorge und Tatendrang – machten wir uns also auf den Weg. Unser heutiges Ziel: der Cathedral Gorge State Park in Nevada. Ein Ort, der aussah wie eine vergessene Filmkulisse, geschaffen von Wind und Zeit. Die Mission des Tages? Der Juniper Loop Trail, ein Pfad durch eine surreale Wüstenlandschaft voller zerklüfteter Schluchten und steiler Sandsteintürme.

Die Fahrt begann entspannt, ein Highway, der sich durch die unendliche Weite zog, ein Morgen, der nach Abenteuer roch. Doch dann – völlig aus dem Nichts – tauchte vor uns etwas auf, womit wir in Nevada nun wirklich nicht gerechnet hatten: Schnee!
Ja, Schnee. In der Wüste.
„Wo bitte kommt der denn jetzt her?!“ fragte ich ungläubig, während Stefan nur mit den Schultern zuckte – eine wortlose Geste, die so viel bedeutete wie „Frage mich nicht, ich bin genauso verwirrt wie du.“
Es war, als hätte über Nacht jemand eine riesige Tüte Puderzucker über der Landschaft ausgekippt. Die roten Felsen, die trockene Wüste – alles plötzlich überzogen mit einer weißen Schicht, die hier einfach nicht hingehörte. Die Kinder waren begeistert. Während ich mich noch fragte, ob wir versehentlich Richtung Polarkreis abgebogen waren.
BILDERGALERIE: Schnee auf dem Highway 18
Zum Glück war das Winterwunderland nur eine kurzlebige Laune der Natur. Als wir am Cathedral Gorge ankamen, schien die Sonne mit einer Selbstverständlichkeit vom Himmel, als wolle sie uns versichern, dass das mit dem Schnee nur ein schlechter Scherz gewesen sei. Die warme Luft vertrieb die letzten Zweifel, und mit bester Laune machten wir uns auf den Weg, diese außergewöhnliche Landschaft zu erkunden.
Der Juniper Loop Trail fühlte sich an, als wären wir in einen Abenteuerfilm gestolpert. Die Umgebung wirkte so surreal, dass es nicht überrascht hätte, wenn plötzlich ein Dinosaurier um die Ecke geschaut hätte. Zu beiden Seiten ragten zerklüftete Felsformationen in den Himmel, als hätten urzeitliche Riesen sie mit ihren bloßen Händen aus dem Stein gerissen.
Tiefe Schluchten durchzogen die Landschaft wie riesige Narben im Boden, ein Labyrinth aus Sandstein, geformt von Jahrtausenden der Erosion. Die Türme und Wände leuchteten in warmen Erdtönen – mal sanft geschwungen, mal scharfkantig und zerklüftet, als hätte die Natur hier verschiedene Versionen ihrer Kunst ausprobiert.
Die Sonne tauchte die gesamte Szenerie in goldenes Licht, und plötzlich fühlte sich alles noch magischer an. Es war, als wären wir in eine längst vergangene Welt eingetreten – eine Welt, in der Wind und Wasser über Jahrmillionen hinweg Geschichten in Stein gemeißelt hatten. Und wir waren die Glücklichen, die sie nun lesen durften.


Mit jedem Schritt offenbarte sich die Landschaft in immer feineren Details. Die Felsen waren nicht nur gewaltige Steinriesen, sondern kunstvolle Meisterwerke der Natur – durchzogen von filigranen Linien, gesprenkelt mit winzigen Kristallen, durchbrochen von geheimnisvollen Rissen, die Geschichten von Jahrmillionen in sich trugen.
Je weiter wir vordrangen, desto mehr fühlte es sich an, als wären wir auf dem besten Weg, eine verborgene Welt zu entdecken. Eine Welt, die nur darauf wartete, von neugierigen Augen erkundet zu werden – und genau da kamen Noah und Emilia ins Spiel.
Die beiden stürmten voraus, angetrieben von einer Entdeckerenergie, die uns Erwachsene mal wieder alt aussehen ließ. Sie rannten über die sandigen Pfade, sprangen von Fels zu Fels und inspizierten jede noch so kleine Spalte mit einer Hingabe, als könnten sie jederzeit auf eine versteckte Schatzkarte stoßen.

Noah hatte sich auf die Suche nach geheimen Felsspalten spezialisiert – jede Nische, jeder Riss wurde auf Herz und Nieren geprüft, als könnte sich dahinter ein geheimer Tunnel verbergen. Emilia hingegen widmete sich der detaillierten Analyse der Bodenfunde. Sie hob jeden besonderen Stein auf, drehte ihn prüfend in der Hand und stellte mit überzeugtem Gesichtsausdruck fest, dass dies vermutlich ein uraltes Fossil sein musste.
Ihre Begeisterung war ansteckend. Jeder ihrer Funde – ob nun ein glänzendes Gesteinsstück oder ein winziger Kiesel mit einer besonderen Maserung – wurde uns voller Stolz präsentiert. Und in ihren leuchtenden Augen konnte man sehen, dass dieser Ort für sie nicht nur ein Wanderziel war, sondern ein echtes Abenteuer.
Bildergalerie: Juniper Loop Trail
Manche Felsen wirkten wie erstarrte Wasserfälle, andere wie Skulpturen aus einer fremden Welt. Die Erosion hatte hier über Jahrtausende eine Meisterleistung vollbracht – Wind und Wasser als unermüdliche Bildhauer, die eine Landschaft geformt hatten, die gleichzeitig surreal und perfekt erschien. Es war schwer zu begreifen, dass all diese bizarren Strukturen nicht das Werk eines kreativen Künstlers waren, sondern das Ergebnis von Zeit, Geduld und Naturgewalten.
Immer wieder hielten wir an, ließen den Blick schweifen und versuchten, die Szenerie in ihrer ganzen Erhabenheit zu erfassen. Diese Felsen waren mehr als nur eine Kulisse – sie erzählten eine Geschichte, die in Millionen von Jahren geschrieben wurde. Und genau in diesem Moment waren wir mittendrin, ein winziges Kapitel in dieser gewaltigen Erzählung.

Doch unser Abenteuer war noch nicht zu Ende. Nach der offiziellen Runde packte Noah und mich die Neugier – wir wollten tiefer in diese steinerne Welt eintauchen. Unser Ziel: die „Narrows“, ein labyrinthartiges Netz aus schmalen Schluchten und Felsspalten, in das sich nur die wirklich Entschlossenen vorwagten.
Kaum hatten wir den ersten Schritt in die enge Passage gesetzt, wurde klar: Das würde eine rutschige Angelegenheit.Der Boden war feucht und matschig, eine kleine Erinnerung daran, dass Wasser hier einst mit unbändiger Kraft gewirkt hatte. Noah sah das Ganze natürlich als Einladung zu einem neuen Spiel. „Das ist ja wie Schlittschuhlaufen, nur ohne Schlittschuhe!“ rief er lachend, während wir uns vorsichtig durch den glitschigen Untergrund manövrierten – mal elegant, mal eher mit artistischen Rettungsversuchen.
Allzu weit kamen wir nicht, aber weit genug, um uns als echte Entdecker zu fühlen. Die schroffen, in den Himmel ragenden Felswände und der schmale Streifen Blau über uns machten jedes Foto zu einer Abenteurer-Aufnahme, die genauso spektakulär aussah, wie wir uns fühlten.
Bildergalerie: Cathedral Gorge State Park
Unser nächster Halt: Miller Point. Ein Aussichtspunkt, der hoch über dem Park thront und eine Perspektive bietet, die selbst Postkarten neidisch machen würde. Von hier oben sah die zerklüftete Landschaft noch beeindruckender aus – ein gewaltiges Naturkunstwerk, das sich bis zum Horizont erstreckte.
Wir stiegen die steilen Treppen ein Stück hinunter, um die Aussicht in ihrer ganzen Pracht aufzusaugen. Von hier wirkte der Cathedral Gorge, als hätte die Natur eine riesige Skulpturenausstellung geschaffen – Sandsteinfiguren, wild geformt von Wind und Zeit. Jede Formation erzählte ihre eigene Geschichte, und es war fast unmöglich, nicht in Gedanken versunken dazustehen und einfach nur zu staunen.

Der Wind wehte uns um die Nase, während wir die Stille und die Weite genossen. Ein Moment, in dem alles andere in den Hintergrund trat – keine Hektik, kein Lärm, nur wir und dieses Panorama. Ein Gefühl, als wäre man irgendwo ganz weit weg von der Welt da draußen.
Dann war es Zeit für den Rückweg – zurück über den Highway 18, der uns am Morgen so überraschend mit Schnee begrüßt hatte. Doch als wir dieselbe Strecke entlangfuhren, war der Schnee einfach verschwunden. Keine weißen Flecken mehr, kein einziges Überbleibsel dieses morgendlichen Winterwunders.
Als hätte er nur kurz vorbeigeschaut, um uns zu verwirren, und sich dann leise wieder verabschiedet. Wir schüttelten den Kopf, lachten über das kleine Mysterium und fuhren weiter.
Zurück in St. George erwartete uns die beste Nachricht des Tages: Nadine ging es endlich besser! Die blassen Wangen waren wieder etwas rosiger, die müden Augen sahen schon deutlich wacher aus – und vor allem: Sie hatte Appetit. Ein sicheres Zeichen, dass es aufwärts ging!
Nach einem kurzen Zwischenstopp in unserer Ferienwohnung, um sie abzuholen, stand fest: Der Abend musste gebührend gefeiert werden. Und wo könnte man das besser als im Texas Roadhouse?

Kaum eingetreten, wehte uns der Duft von frisch gegrilltem Steak und warmen Brötchen mit Honigbutter entgegen – ein wahres Versprechen, dass dieser Tag genau den richtigen Abschluss finden würde. Die Atmosphäre war locker, die Musik spielte, und die Energie des Tages wurde gegen gesellige Tischgespräche eingetauscht.
Es wurde herzhaft gegessen, laut gelacht und jedes noch so kleine Detail unseres Abenteuers des Tages ausgeschmückt. Die matschigen „Schlittschuhläufe“ in den Narrows, die rätselhafte Erscheinung – und das plötzliche Verschwinden – des Schnees, die unglaubliche Aussicht vom Miller Point. Alles wurde noch einmal durchgekaut – wortwörtlich und im Gespräch.
BILDERGALERIE: texas roadhouse
Schließlich fielen wir, satt und zufrieden, ins Bett. Die Beine spürten die Kilometer, aber der Kopf war voller Vorfreude auf das, was noch kommen würde. Nadine sah schon wieder fast aus wie die alte, und wir alle hofften, dass sie morgen endlich wieder mit uns auf Entdeckungstour gehen konnte.
Mit diesen Gedanken – und dem leisen Summen eines zufriedenen Tages im Hinterkopf – schliefen wir ein.