51 Kehren, ein gigantisches T-Bone und strahlende Enkelkinder – die perfekte Heimreise
Der Morgen begann entspannt mit einem gemütlichen Frühstück im Camper – nach dem gestrigen Grilldesaster mit Käse und Wein als Trost war das eine willkommene Rückkehr zur Normalität. Kaffee aus der Bialetti, Brötchen vom Vortag noch halbwegs frisch, der Comer See irgendwo da draußen im Herbstlicht. Bevor es zurück auf die Straße ging, ließ man sich das noch einen Moment lang gefallen.
Dann: Aufbruch. Heimreise, zweiter und letzter Teil.
Unser Weg führte uns zunächst entlang der östlichen Seite des Comer Sees – und was für eine Strecke das war. Der Lago di Como erstreckte sich malerisch neben uns, das Wasser funkelte im Sonnenlicht des Oktobermorgens, während die steilen Berge links und rechts majestätisch in den Himmel ragten. Die kleinen Dörfer, die sich wie Perlen an der Küste entlangreihten, hatten diesen typisch italienischen Charme – enge Gassen, pastellfarbene Häuser, kleine Boote, die sanft im Wasser schaukelten, als hätten sie beschlossen, heute einfach gar nichts zu tun. Alles wirkte wie aus einer anderen Zeit. Wie eine Kulisse, die man nicht glaubt, bis man mittendrin ist.
Je weiter wir fuhren, desto beeindruckender wurde die Landschaft. Die Straße schlängelte sich direkt am Seeufer entlang – links der endlose Blick auf das tiefblaue Wasser, rechts die Berge, die in der Morgensonne leuchteten. Immer wieder öffnete sich der Blick auf den See, und die Spiegelungen auf der Wasseroberfläche machten die Kulisse einfach perfekt. Man konnte sich kaum vorstellen, dass ein paar Stunden Autofahrt reichten, um von den Ruinen Roms in diese stille, atemraubende Seenlandschaft zu gelangen. Italien ließ uns bis zuletzt nicht in Ruhe mit seiner Schönheit.
Nach einer Weile erreichten wir Chiavenna, eine charmante kleine Stadt am Fuß der Alpen – und damit den Ort unserer nächsten Mission. Nicht Sightseeing, nicht Kultur, nicht Geschichte. Diesmal: Steak.
Denn nach dem gestrigen Weber-Desaster – der Gaskartusche, die sich dem Anschluss mit stoischer Entschlossenheit verweigert hatte – schuldeten wir uns noch ein ordentliches Grillabenteuer. Das würde es zuhause geben, mit Nadine und Oli, mit dem richtigen Equipment und ohne Technik-Überraschungen. Also brauchten wir das richtige Fleisch. Im Iperal Supermarkt wurden wir fündig: T-Bone-Steaks, die das Wort „gigantisch“ zu einer Untertreibung machten. Jedes einzelne davon hätte locker zwei Personen satt gemacht. Wir kauften entsprechend ein, mit der freudigen Vorfreude von Menschen, die bereits wissen, dass das Grillfest zu Hause das heimliche Highlight der ganzen Heimreise sein würde.
Während wir das Fleisch im Kühlschrank des Campers verstauten, malten wir uns die Szene aus: ein lauer Abend, der Grill brutzelt ohne Widerspruch, das Steak auf dem Rost, ein Glas Wein in der Hand, alle zusammen. Aber erst mussten wir nach Hause kommen. Und die letzte Etappe dieser Reise hatte es noch in sich.
Nun begann der spannendste und wohl abenteuerlichste Teil unserer Heimfahrt: der Splügenpass.
51 Kehren. Eine Straße, die sich wie eine endlose Schlange den Berg hinaufwindet, so eng und so kurvig, dass man beim Anblick kurz inne hält und überlegt, ob das wirklich befahrbar ist. Und dann fährt man los, und der Camper nimmt die Herausforderung an, Kehre für Kehre, mit einer Würde, die ihm gut steht. Stefan hielt das Steuer mit beeindruckender Ruhe – die Art von Ruhe, die man entweder hat oder nicht hat, und die Stefan hat, was bei 51 Kehren in einem vollbepackten Camper kein unwichtiges Detail ist. Ich saß auf dem Beifahrersitz und fragte mich bei Kurve Nummer 23 ernsthaft, ob die Straßenbauer damals wirklich ernst gemeint hatten, dass hier zwei Fahrzeuge aneinanderpassen.

Sie hatten es wohl ernst gemeint. Mehr oder weniger.
Die Südrampe des Passes führte uns durch das Val San Giacomo – 30 Kilometer und knapp 1.800 Höhenmeter, die der Camper mit Anstand hinter sich brachte. Dann tauchte er plötzlich vor uns auf: der Lago di Montespluga, ein tiefblauer Bergsee, der zwischen steilen Felswänden lag wie ein vergessenes Juwel, das niemand vermisst und das trotzdem da ist – ruhig, klar, unberührt. Ein kurzer Moment der Stille inmitten der dramatischen Landschaft. Wir hielten an, stiegen aus, atmeten durch. Die Luft hier oben war anders. Kälter, klarer, nach nichts riechend außer nach Berg.

Schließlich erreichten wir die Passhöhe auf 2.114 Metern – und mit ihr die alte Grenzstation. Verlassen, still, fast wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Kein Lärm, keine Menschenmassen, nur die schroffe, majestätische Bergwelt um uns herum und das leise Geräusch des Winds. Es fühlte sich surreal an, hier oben zu stehen, im Oktober, mit den letzten Sonnenstrahlen auf den Gipfeln und dem Bewusstsein, dass wir auf dem Dach Europas standen und in wenigen Stunden wieder in Esslingen sein würden. Ein Kontrast, der kaum größer hätte sein können.
Die Landschaft, die sich vor uns auftat, war schlicht atemberaubend. Links und rechts ragten steile Felswände in den Himmel, als würden sie den Pass bewachen, während in der Ferne die schneebedeckten Gipfel der Alpen leuchteten. Tief unter uns erstreckten sich grüne Täler, durchzogen von schmalen Wegen und winzigen Dörfern, die aus dieser Höhe fast unwirklich wirkten. Rauschende Bäche schlängelten sich wie silberne Bänder durch die Felsen. Die Natur hier oben war rau und wild – und doch lag in ihr eine unglaubliche Ruhe. Nur der Wind, das leise Knirschen der Reifen auf der Straße und die Stille der Berge begleiteten uns. Kaum zu glauben, dass wir noch vor wenigen Stunden in der warmen italienischen Sonne durch Rom gefahren waren.

Dann die Nordrampe – und die hatte es nochmal in sich, und das gleich zweimal. Direkt nach der Passhöhe: 15 enge Kehren, die sich wie eine endlose Spirale in die Tiefe schlängelten. Jede Kurve öffnete neue spektakuläre Ausblicke auf die umliegende Bergwelt – schroffe Gipfel, grüne Hänge, und die Straße, die sich weiter unten wie ein dünnes Band durch die Landschaft zog. Stefan navigierte den Camper konzentriert durch jede Biegung, während ich fasziniert aus dem Fenster blickte. Manchmal hatte man das Gefühl, die Straße würde sich selbst überholen, so eng lagen die Serpentinen übereinander.
Kurz vor dem Dorf Splügen wartete dann das nächste Highlight: sechs weitere, perfekt angeordnete Kehren, die uns endgültig ins Tal führten. Ein letzter Tanz mit der Straße, bevor wir wieder auf flacheren Boden zurückkehrten. Die Strecke war anspruchsvoll, aber wunderschön – eine Fahrt, die man nicht so schnell vergisst, weil sie einem beim Fahren immer wieder zeigt, wozu eine einfache Straße eigentlich fähig ist.
Die Abfahrt war herausfordernd – schmal, kurvig, an manchen Stellen so eng, dass man sich unwillkürlich fragte, wie hier zwei Fahrzeuge aneinander vorbeikommen sollten. Aber die Ausblicke machten jede Kehre wert. Mit jedem Höhenmeter, den wir ins Tal hinabfuhren, veränderte sich die Landschaft. Die karge Hochgebirgsszenerie wich langsam dichten Wäldern, und schließlich tauchten die ersten malerischen Bergdörfer auf – Holzhäuser, grüne Wiesen, perfekt gestapeltes Brennholz vor den Eingängen, als hätten die Bewohner die Ordnung der Welt selbst in die Hand genommen.
Dann, nach den letzten Serpentinen, Splügen. Und plötzlich war es fast ein bisschen schade, dass die Passstraße hinter uns lag. Dieses Abenteuer – mit seinen atemberaubenden Ausblicken, anspruchsvollen Kehren und der besonderen Atmosphäre hoch oben in den Bergen – war vorbei. Doch die Aussicht auf eine entspannte Weiterfahrt durch die Schweiz machte alles wieder gut.
Wir nahmen die Autobahn, ließen die imposanten Gipfel langsam hinter uns und tauchten ins sanftere, liebliche Schweizer Alpenvorland ein. Die Fahrt über Chur und Bregenz verlief ruhig, die Straßen waren frei, und mit jedem Kilometer kamen wir unserem Ziel näher. Nach all den Höhenmetern, scharfen Kehren und spektakulären Panoramen des Passes fühlte sich diese letzte Etappe wie ein entspannter Ausklang an – genau das Richtige nach einem so ereignisreichen Roadtrip. Man lehnte sich zurück, schaltete die Playlist auf das Niveau von Menschen, die nach Hause fahren und keine Dramatik mehr brauchen, und ließ die Kilometer einfach vergehen.
Um 18 Uhr rollten wir in unsere Straße in Esslingen.
Und wer wartete da schon auf uns? Unsere Enkelkinder standen strahlend vor dem Haus, winkten voller Begeisterung und hüpften aufgeregt auf und ab – Noah mit dem Energielevel von jemandem, der definitiv schon mehrfach aus dem Fenster geschaut hat, ob wir endlich kommen, und Emilia mit einem Lächeln, das gar keinen besonderen Grund braucht, aber immer perfekt passt. Dieser Empfang war genau das, was wir nach dieser Reise brauchten. Man fährt los, und die Welt da draußen ist groß und voll von Kathedralen und Pässen und Zypressen und Kolosseen. Und dann kommt man zurück und zwei kleine Menschen hüpfen vor dem Haus, und plötzlich ist das das Beste.
Drinnen erwartete uns die nächste Überraschung: Oli und Nadine hatten für uns gekocht. Und was hätte besser zu unserem Heimkommen gepasst als eine große Portion Spaghetti? Ein perfekter Kreis: von Italien nach Hause, und das erste Essen nach der Ankunft war italienisch. Man muss keine Philosophie daraus machen. Es war einfach schön.
Gemeinsam saßen wir beim Abendessen, erzählten von unseren Erlebnissen und ließen die letzten Tage noch einmal Revue passieren. Florenz und seine Kuppeln. Der trockene Trevi-Brunnen mit seinen trotzigen Statuen. Das Kolosseum, das einem erklärt, was Staunen bedeutet. Die Sixtinische Kapelle und der Durchgang, den wir besser nicht beschreiben. Der Splügenpass mit seinen 51 Kehren. Der Comer See im Morgenlicht. Und der Weber-Grill, der gestern seinen ersten Testlauf verweigert hatte und über den Stefan heute mit dem Ton eines Mannes sprach, der noch eine Rechnung offen hat.
Und nun? Nach all den Kilometern, Eindrücken und Abenteuern darf unser treuer Camper endlich in den wohlverdienten Winterschlaf gehen. Stefan hat ihn gründlich gereinigt, innen und außen, und bevor der Winter richtig Einzug hält, bekommt er noch einen schicken Frontbügel – das letzte Detail, um seinen Look perfekt abzurunden. Es war ein fantastisches Reisejahr. Und während unser Camper seine verdiente Pause genießt, planen wir schon die nächsten Abenteuer.
Denn wie immer gilt: Nach Italien ist immer vor Italien.



















