Ferienbetreuung mal anders – Ulm, München, Paris und 1.592 Stufen
Die Sommerferien laufen bei Nadine und Oli eigentlich jedes Jahr nach dem gleichen Prinzip ab. Den großen Familienurlaub haben wir dann längst hinter uns, denn wir lieben die Vorsaison. Weniger Menschen, weniger Stau und meistens auch deutlich weniger Löcher im Geldbeutel. In den restlichen Ferienwochen geht Emilia ganz normal in den Kindergarten und Noah in die Ferienbetreuung. Und das nicht etwa, weil es sein muss, sondern weil er sie liebt. Basteln, spielen, Ausflüge, Sport und den ganzen Tag mit anderen Kindern unterwegs sein. Ehrlich gesagt würde ich mich dort vermutlich auch anmelden – wenn man mich mit 59 noch nehmen würde.
Dann schaute ich eher zufällig in meinen Dienstplan. Dritte Ferienwoche. Komplett frei. Und genau in diesem Moment hatte mein Gehirn eine dieser Ideen, die sich zunächst nach einer hervorragenden Idee anhören und sich erst später als mittelschwere Selbstüberschätzung entpuppen.
„Ach komm, spart euch die Ferienbetreuung. Den Noah übernehme ich diese Woche.“
Gesagt. Getan.
Blöd war nur: Jetzt musste ich den Jungen auch beschäftigen. Es wäre schließlich eine mittelschwere Niederlage, wenn er am Freitag zu seinen Eltern sagt: „War ganz nett bei der Oma. Aber nächste Woche gehe ich lieber wieder in die Ferienbetreuung. Da ist einfach mehr Action.“
Also musste ein Plan her. Wobei… “Plan” ist vielleicht das falsche Wort. Eher eine Aneinanderreihung völlig überzogener Ideen, die sich gegenseitig hochschaukelten. Aus einem harmlosen „Wir machen mal einen schönen Tagesausflug“ wurde innerhalb kürzester Zeit ein Programm, bei dem ich am Ende mehr Zugkilometer gesammelt hatte als in so mancher Arbeitswoche als Lokführerin.
Montag ging es auf den höchsten Kirchturm der Welt – 768 Stufen im Ulmer Münster. Am Dienstag saßen wir schon um 6:03 Uhr im ICE nach München, weil ein kleiner Fußballfan unbedingt die Allianz Arena von innen sehen wollte. Und als ich dachte, verrückter könne die Woche eigentlich nicht mehr werden, standen wir am Mittwochmorgen erneut am Bahnhof. Ziel: Paris. Schließlich wollte Noah nach dem Disney-Film unbedingt einmal selbst hoch auf Notre-Dame.
Spätestens an diesem Punkt war klar: Das hier war keine Ferienbetreuung mehr. Das war ein Trainingslager.
Für Noah.
Und unfreiwillig auch für meine Waden. 😄