Ciao Italia, Grüezi Schweiz, und dann war’s das
Der Morgen des allerletzten Tages begann genau so, wie ein perfekter Camping-Morgen beginnen sollte: absolut tiefenentspannt. Um 8:30 Uhr saßen wir alle am Tisch, bereit für das finale Urlaubsfrühstück – und mussten dafür keinen einzigen Finger rühren. Unser bewährter Brötchen-Express war längst in Betrieb. Noah und Emilia schwangen sich mit einer Lässigkeit auf ihre Tretroller, die jedem italienischen Postboten Konkurrenz gemacht hätte, sausten zum Platz-Shop und brachten die noch warmen Brötchen quasi im Tiefflug direkt an die Campertür. Kaffee, Nutella, Marmelade, der letzte Rest Käse aus dem Kühlschrank, der nach Urlaub riecht. Man sitzt und isst und schaut und weiß genau, heute geht es wieder nach Hause.
Es ist ein komisches Gefühl, der letzte Morgen eines langen Roadtrips. Einerseits freut man sich auf das eigene Bett, auf die Kaffeemaschine die man auswendig kennt, auf den Alltag der einem vertraut ist. Andererseits: Noch ist der Lago Maggiore da. Die Berge. Die Luft. Das Gefühl, irgendwo zu sein und nicht einfach nur irgendwo zu wohnen. Wir ließen uns beim Frühstück keine Mühe, das zu beschleunigen.

Nach dem Essen hieß es dann: Ärmel hochkrempeln, denn das große Finale der Reise-Logistik stand an. Vor der langen Heimreise rief der unvermeidliche Camper-Service. Und der Campingplatz hatte dabei noch eine echte Überraschung parat: einen vollautomatischen Toiletten-Entleerungs- und Reinigungsapparat. Man schiebt die Kassette in eine Hightech-Maschine, es zischt, es rattert, es arbeitet – und ein paar Augenblicke später kommt das Ding blitzblank und einsatzbereit wieder heraus. Ein Roboter übernimmt die unbeliebteste Aufgabe des Camping-Alltags. So macht sogar das zum Spaß. Fast.

Daneben: der Supermarkt des Campingplatzes noch einmal abgrasen, die letzten Lücken im Kühlschrank mit dem befüllen, was man auf dem Heimweg noch braucht. Dann Wasser auffüllen, Strom abklemmen, Stühle rein, Tisch falten, Teppich einrollen, alles verstauen. Die vertraute Choreografie des Aufbruchs, die mittlerweile so reibungslos funktioniert wie ein Mechanismus, der oft genug geübt wurde.
Um exakt 10:10 Uhr starteten die Motoren. Die Stellplätze lagen besenrein hinter uns. Ein letzter Blick zurück auf den See, auf die Bäume, auf den Platz, an dem wir zwei wunderschöne Nächte verbracht hatten. Der Himmel über dem Lago Maggiore war komplett grau und wolkenverhangen. Wir schauten uns an: „Passt schon. Wir gehen ja sowieso.“ Wenn der Urlaub endet, darf der Sommer ruhig auch eine Pause einlegen. Die Camper rollten an, und Kurs Heimat war offiziell eingeschlagen.
Auf den Fotos sieht man, was der Lago Maggiore auch an einem grauen Morgen ist: still und weit und schön. Ein kleines Schloss auf einer winzigen Insel mitten im See – man fährt daran vorbei und denkt kurz, dass man dort eigentlich einmal hinmöchte. Das Wasser silbergrau, die Berge dahinter verschwommen im Dunst, die Straße die direkt am Ufer entlangführt und keine Eile kennt. Die letzten Kilometer mit dem See als Begleiter, bevor die Straße bergwärts zieht.
Und dann: das Schild. ITALIA, durchgestrichen mit einem roten Balken. Selten hat ein Verkehrszeichen so viel gesagt. Dieser Urlaub ist offiziell vorbei. Grüezi, Schweiz.

Kaum hatten wir die Grenze hinter uns, änderte sich die Kulisse schlagartig. Die Straßen wurden steiler, die Kurven anspruchsvoller, und die Berge ringsum schossen in Dimensionen, die man von der Autobahn aus normalerweise nicht erwartet. Die grauen Wolken hingen tief in den Gipfeln, Schnee lag auf den höchsten Kämmen, die Täler wurden enger. Man fährt durch die Schweiz und hat das Gefühl, dass die Natur hier entschieden hat, alles auf einmal zu zeigen.
Ein schneller Stopp an der Raststätte Viamala Thusis war Pflicht – und allein das Gebäude ist den Stopp wert. Diese futuristisch designte Silberburg sieht aus wie die Geheimbasis eines Bond-Bösewichts, funktioniert aber vollkommen friedlich als Raststätte mit Bergkulisse. Beine ausschütteln, frische Luft, die alpine Kulisse einatmen, kurz staunen, weiterfahren. Auf dem Weg durch das Thusis-Tal dann: eine alte Burgruine, die aus dem Fels wächst als wäre sie immer schon da gewesen und nie wegzudenken. Sardinien hat uns mit Capo Testa und dem Valle della Luna verwöhnt – aber auch die Schweiz kann Kulisse.
Irgendwann wurden die Schweizer Alpen von österreichischen abgelöst, und die Straße flacher, die Täler breiter. Der letzte absolute Pflicht-Boxenstopp in Hohenems: McDonald’s. Man kann darüber denken was man will – aber nach hunderten von Kilometern Autobahn, mit müden Fahrern und einem langen Nachmittag noch vor sich, sind Pommes und Cola die demokratischste Lösung, die es gibt. Wir haben sie dankbar in Anspruch genommen.
Was dann folgte, hatte seine eigene Poesie. Die Waschmaschinen liefen im Akkord. Bergeweise Wäsche wurde sortiert. Das gesamte Urlaubsgepäck wanderte zurück in die Wohnung. Nadine, die kaum den Motor ausgemacht hatte, schwang bereits den Putzlappen und reinigte ihren Miet-Camper von oben bis unten – weil das eben so ist, wenn man Dinge mit Sorgfalt zurückgibt. Zum Abschluss gab es ein großes, bodenständiges Vesper für alle. Brot, Käse, der letzte Rest Sardinien-Mitbringsel. Beim Essen liefen die Highlights der zwei Wochen noch einmal durch den Raum – Sätze die mit „Weißt du noch…“ anfingen und dann irgendwo bei Pericle und Gastone, bei der Seada, bei Fabrizios Felsen, bei der Dusche, bei Stefan landeten.
Am nächsten Morgen dann: der wirklich letzte Moment. Der Miet-Camper musste zurückgegeben werden. Und Nadines Gesicht dazu sagt auf dem Foto alles, was man dazu sagen kann – und mehr. Schmollmund, feuchte Augen, Blick in die Kamera mit dem Ausdruck von jemandem, dem gerade etwas weggenommen wird, das er erst zwei Wochen besessen und trotzdem schon vollständig ins Herz geschlossen hat.
Kein Wunder. Nach engen Passstraßen, gemeinsamen Pizza-Abenden, Serpentinen mit Percussion-Konzert im Geschirrschrank und einem Wellenritt im Archipel wächst einem so ein treuer Kastenwagen schnell ans Herz. Diesmal war das Bett sogar lang genug für Oli. Das macht es nicht besser.

Aber: Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub. Die Taschen sind ausgepackt, das Salz ist aus den Haaren, der Alltag hat uns zurück. Aber Sardinien – das bleibt. Pericle und Gastone. Der Felsen bei Spargi. Das Tal des Mondes bei Capo Testa. Giuseppe und Andrea und ihre Lasagne und der Myrto. Olis Garnelen. Noahs Bambusstock. Emilia die Omi an der Hand nimmt. Stefan der frisch geduscht aus dem Bad kommt.
Die Erinnerungen kann uns niemand nehmen.
Stefan und ich waren uns beim letzten Vesper sofort einig: Nächstes Jahr starten wir das nächste Ding. Mit der ganzen Familie. Alle zusammen.
Italia, wir kommen wieder.
Nadines Fazit
Unser Sardinien Urlaub mit dem Camper war einfach richtig richtig schön – und wie immer viel zu kurz. Schon auf der Hinfahrt hat das Urlaubsgefühl angefangen und spätestens als wir von der Fähre gefahren sind und das erste Mal das türkisblaue Meer gesehen haben, wussten wir wieder, warum wir Italien einfach lieben.
Wir haben so viele schöne Orte gesehen, sind durch kleine Städte gebummelt, an traumhaften Stränden gewesen und haben einfach jeden Tag irgendwas Neues entdeckt. Und natürlich haben wir uns einmal quer durch Sardinien gegessen. Egal ob kleine Trattoria, Pizza, Antipasti oder die vielen süßen Croissants morgens – es war einfach alles lecker. Und irgendwie gab es überall noch einen Limoncello, Nachtisch oder irgendwas „aufs Haus“. Genau dieses italienische Lebensgefühl lieben wir einfach.
Besonders schön war auch, dass wir uns einfach treiben lassen konnten. Wenn das Wetter anders war als geplant, wurde halt spontan umdisponiert. Dann ging es eben woanders hin oder wir haben einfach am Camper gechillt, gegrillt oder den Abend gemütlich zusammen ausklingen lassen. Genau das macht Camperurlaub für uns aus.
Die Kinder hatten sowieso die beste Zeit überhaupt. Sie konnten fast den ganzen Tag draußen sein, am Strand spielen, Fußball spielen, Tiere füttern, auf Spielplätzen toben und einfach Kind sein. Das Highlight war definitiv die Esel Tour. Noah und Emmi durften nicht nur die Esel füttern und striegeln, sondern sogar auf ihnen reiten. Die beiden waren so stolz und glücklich und Antonio und Miquele haben das wirklich mit so viel Herz gemacht. Dazu gab es am Ende noch dieses unglaublich leckere sardische Vesper – das war einfach ein rundum perfekter Tag.
Ein absolutes Highlight waren auch die Tage bei Andrea und Giuseppe. So herzlich aufgenommen zu werden erlebt man wirklich selten. Die gemeinsamen langen Abende, das fantastische Essen, die vielen Gespräche und einfach dieses gemütliche Zusammensitzen werden uns noch ganz lange in Erinnerung bleiben. Man hat sich einfach sofort willkommen gefühlt. Und das Essen… wir reden jetzt noch von der Lasagne, dem Oktopussalat und Andreas‘ Tiramisu. Und da die Kids auch hier komplett auf ihre Kosten kamen – sei es beim Essen oder beim Spielen mit den Hunden – hören wir seitdem ständig: „Können wir da wieder hiiiinnnn?“ oder „Ich will Andreas Schokokuchen als Hauptgang UND Nachtisch!“ 🤣
Natürlich gab es auch die typischen Campermomente: Wind ohne Ende, Duschen bei gefühlt Sturm, mal kein Klopapier,
improvisieren, umparken, aufräumen, Wasser auffüllen und ständig irgendwas verräumen. Aber selbst darüber lachen wir im Nachhinein schon wieder. Genau diese kleinen Chaosmomente gehören am Ende einfach dazu.
Was man aber wirklich sagen muss: Der Urlaub wäre niemals so schön und entspannt geworden, wenn meine Eltern nicht alles so unglaublich toll geplant hätten. Meine ❤️Mama ❤️ hat sich um die ganzen Plätze, Restaurants und schönen Stopps gekümmert und mein ❤️ Papa ❤️ hat die kompletten Routen geplant, alles in den Kalender eingetragen und den Urlaub gefühlt vorher schon einmal komplett mit Google Maps abgefahren, um zu schauen, ob die Straßen überhaupt campertauglich sind und ob es passende Parkplätze gibt. Und genau DAS macht am Ende so einen Urlaub einfach entspannt. Wir mussten eigentlich nur losfahren und genießen und dafür sind wir wirklich unglaublich dankbar.
Am schönsten war aber einfach die gemeinsame Zeit. Kein Stress, kein Alltag, einfach mit der ganzen Familie unterwegs sein, draußen leben, schöne Dinge erleben und jeden Abend glücklich und müde ins Bett fallen.
Sardinien war für uns einfach eine perfekte Mischung aus Abenteuer, Entspannung, gutem Essen, traumhaften Orten und ganz vielen schönen Erinnerungen. Und wie nach jedem Urlaub hatten wir am Ende alle das gleiche Gefühl: Wir wären am liebsten noch geblieben. Und natürlich tat es am Schluss wieder besonders weh als „Trucker-Babe“ (ich) meinen Truck-Camper wieder abgeben zu müssen (dessen Bett diesmal sogar ein bisschen länger war, sodass Oli auch gemütlicher schlafen konnte 🤣 ), aber wir sehen uns wieder – wieder mit der ganzen Familie, mit neuen Eindrücken, Herausforderungen und Abenteuern ❤️❤️❤️
Eure Nadine








