Ciao Italia, Grüezi Schweiz – bis bald!
Der letzte Morgen fühlt sich immer ein bisschen seltsam an. Nicht traurig. Eher… leiser.
Gestern Abend war noch Kinderdisco, Queen, Applaus und dieser Gedanke, dass der Urlaub eigentlich ewig dauern könnte. Und heute? Heute stehen plötzlich wieder die Dinge auf dem Programm, die zu jedem Camperurlaub gehören und trotzdem niemand vermisst: Stromkabel aufrollen, Wassertank auffüllen, Stühle verstauen und überlegen, wie um alles in der Welt die gleiche Menge Gepäck wieder in die Schränke passen soll, aus denen sie vor zwei Wochen scheinbar mühelos herauskam.
Zum Glück hielt sich wenigstens das Frühstück an die gewohnte Routine. Unser persönlicher Brötchen-Lieferservice war natürlich wieder pünktlich unterwegs. Noah und Emilia flitzten mit ihren Rollern über den Campingplatz, kamen wenige Minuten später mit einer Tüte warmer Brötchen zurück und waren mächtig stolz auf ihren täglichen Auftrag. Für die beiden war das vermutlich längst genauso selbstverständlich geworden wie für uns der erste Kaffee am Morgen.
Während wir gemütlich frühstückten, lag der Lago Maggiore vollkommen regungslos vor uns. Kein spektakulärer Sonnenaufgang. Kein Postkartenwetter. Der Himmel war grau, das Wasser ebenfalls, und trotzdem hatte dieser Morgen etwas unglaublich Friedliches. Fast so, als würde der See uns den Abschied erleichtern wollen. Strahlender Sonnenschein hätte sich heute irgendwie falsch angefühlt.

Niemand beeilte sich. Warum auch? Der Lago Maggiore lag noch immer direkt vor unserer Haustür, als wollte er uns sagen: „Ich bin morgen auch noch hier. Ihr seid diejenigen, die wegfahren.” Seen können manchmal erstaunlich arrogant sein.
Der Urlaub verlangte seine letzten Pflichten. Camping besteht nämlich nicht nur aus Sonnenuntergängen und Aperol. Camping besteht auch aus Dingen, über die normale Menschen nur äußerst ungern sprechen. Zum Beispiel Toilettenkassetten.
Der Campingplatz Isolino hatte dafür allerdings eine Erfindung, die irgendwo zwischen Raumfahrttechnik und deutscher Ingenieurskunst angesiedelt sein musste. Man schob die Kassette in eine Maschine, drückte auf einen Knopf, die Klappe schloss sich und dahinter begann ein faszinierendes Schauspiel aus Zischen, Rattern und geheimnisvollen Arbeitsgeräuschen. Wenige Minuten später öffnete sich die Klappe wieder, und die Kassette kam blitzblank heraus. Ehrlich gesagt stand ich grinsend davor wie ein Kind vor einer Modelleisenbahn. Früher haben mich Achterbahnen begeistert. Heute freue ich mich über eine automatische Toilettenreinigungsmaschine. Offenbar wird man wirklich älter.

Danach lief alles wie ein perfekt eingespieltes Uhrwerk. Wasser auffüllen. Strom abklemmen. Teppich einrollen. Stühle verstauen. Markisen schließen. Jeder wusste inzwischen ganz automatisch, was zu tun war. Nach zwei Wochen funktioniert so ein Camper-Konvoi fast wie eine Formel-1-Boxencrew. Nur mit deutlich mehr Campingstühlen.
Um Punkt 10:10 Uhr erwachten beide Ducatos gleichzeitig zum Leben. Zwei Dieselmotoren, die uns in den vergangenen zwei Wochen über Fähren, Schotterpisten, Passstraßen und durch enge italienische Altstädte getragen hatten, meldeten sich mit ihrem vertrauten Brummen zurück. Langsam rollten wir vom Stellplatz, warfen noch einen letzten Blick auf den Lago Maggiore und verabschiedeten uns von unserem kleinen Zuhause am See.
Der Himmel hatte sich inzwischen komplett zugezogen. Keine Sonne, keine dramatische Lichtstimmung, kein kitschiger Bilderbuch-Abschied. Und irgendwie fanden wir das alle passend. Es war fast so, als hätte selbst Italien beschlossen, heute lieber leise arrivederci zu sagen.
Die ersten Kilometer führten noch einmal direkt am Ufer entlang. Der See lag ruhig da, silbergrau statt tiefblau, die Berge verschwanden halb im Dunst und irgendwo draußen auf einer winzigen Insel thronte ein kleines Schlösschen, als hätte es den Job übernommen, allen Heimfahrern noch ein letztes Mal hinterherzuwinken. Wir genossen einfach jeden einzelnen Kilometer, bevor das Kapitel Italien endgültig zuklappte.
Und dann stand es plötzlich da. Dieses unscheinbare Verkehrsschild mit dem roten Balken. ITALIA. Eigentlich nur ein Stück Blech am Straßenrand. Kaum hatten wir die Grenze hinter uns gelassen, wechselte die Kulisse schlagartig. Aus mediterran wurde alpin. Die Straßen schraubten sich durch enge Täler, über uns türmten sich schneebedeckte Gipfel, und die Wolken hingen so tief zwischen den Bergen, dass man meinen konnte, sie hätten sich dort verfangen. Die Schweiz macht einfach keine halben Sachen. Wenn sie Berge baut, dann gleich welche, bei denen man automatisch ein bisschen ehrfürchtiger aufs Gaspedal tritt.

Ein kurzer Zwischenstopp an der Raststätte Viamala gehörte fast schon zum Pflichtprogramm. Allein das Gebäude sieht aus, als hätte ein James-Bond-Bösewicht beschlossen, statt eines Geheimlabors lieber eine Raststätte zu eröffnen. Während wir uns die Beine vertraten, schauten wir noch einmal auf diese gewaltige Bergkulisse und mussten unwillkürlich grinsen. Vor zwei Tagen standen wir noch mit den Füßen im Mittelmeer. Jetzt umwehte uns Alpenluft. Genau diese Gegensätze machen Camperreisen irgendwie einzigartig.
Die Kilometer flogen vorbei. Irgendwann wurden aus Schweizer Bergen österreichische Berge, später verschwand auch das letzte Hochgebirge langsam im Rückspiegel. Was blieb, war die Erkenntnis, dass selbst der disziplinierteste Reiseplan irgendwann gegen Hunger verliert. Also Hohenems. McDonald’s. Nicht besonders italienisch. Nicht besonders spektakulär. Aber nach über fünfhundert Kilometern im Camper schmecken Pommes und Cola plötzlich wie ein Sterne-Menü. Manchmal braucht Glück erstaunlich wenig.
Am späten Nachmittag rollten wir schließlich wieder in Esslingen ein. Und wie das nach jedem Urlaub so ist, dauerte es keine fünf Minuten, bis aus Reisenden wieder ganz normale Menschen wurden. Waschmaschinen liefen im Schichtbetrieb, Taschen wurden geleert, Kabel sortiert und irgendwo tauchte immer noch sardischer Sand auf. Ehrlich gesagt bin ich inzwischen überzeugt, dass dieser Sand eigene Pläne hat und grundsätzlich beschließt, mit nach Deutschland auszuwandern.
Nadine dagegen hatte am nächsten Morgen den wahrscheinlich schwersten Termin der ganzen Reise. Der Mietcamper musste zurück. Wer ihr Gesicht auf dem Foto sieht, braucht dazu keine Erklärung mehr. Zwei Wochen reichen offensichtlich völlig aus, damit aus einem Fahrzeug ein Familienmitglied auf Zeit wird. Vor allem, wenn es einen zuverlässig über sardische Serpentinen bringt und das Bett endlich lang genug ist, dass sogar Oli ohne akrobatische Verrenkungen schlafen kann.

Am Abend saßen wir schließlich noch einmal alle zusammen. Eigentlich nur für ein schnelles Vesper. Es dauerte keine zwei Minuten, bis der erste sagte: „Weißt du noch …?“ Und damit der Urlaub schlagartig wieder mitten im Wohnzimmer. Giuseppe schenkte in unserer Erinnerung großzügig Myrto nach, Andrea stellte sicherheitshalber noch eine Portion Lasagne auf den Tisch, Fabrizios Boot steuerte gedanklich wieder seinen berühmten Felsen an und selbstverständlich dauerte es keine fünf Minuten, bis auch Stefans legendäre Dusche wieder Thema war. Die Geschichte ist inzwischen offizieller Bestandteil unserer Familienchronik und wird vermutlich noch erzählt, wenn Noah und Emilia irgendwann selbst mit ihren Kindern nach Sardinien fahren.
Genau das nehmen wir von solchen Reisen mit. Nicht nur Fotos. Nicht nur Souvenirs. Sondern Geschichten. Geschichten, die jedes Mal ein kleines bisschen besser werden, wenn man sie weitererzählt.
Noch bevor die letzte Waschmaschine fertig war, schauten Stefan und ich uns an. Wir wussten beide längst, was der andere dachte. Nächstes Jahr wieder. Mit zwei Campern. Mit der ganzen Familie. Mit neuen Straßen, neuen Begegnungen und ziemlich sicher auch wieder mit einer ordentlichen Portion böhmschem Wahnsinn.
Manche Reisen enden auf einem Parkplatz in Esslingen. Die wirklich guten fahren im Kopf einfach weiter.
Nadines Fazit
Unser Sardinien Urlaub mit dem Camper war einfach richtig richtig schön – und wie immer viel zu kurz. Schon auf der Hinfahrt hat das Urlaubsgefühl angefangen und spätestens als wir von der Fähre gefahren sind und das erste Mal das türkisblaue Meer gesehen haben, wussten wir wieder, warum wir Italien einfach lieben.
Wir haben so viele schöne Orte gesehen, sind durch kleine Städte gebummelt, an traumhaften Stränden gewesen und haben einfach jeden Tag irgendwas Neues entdeckt. Und natürlich haben wir uns einmal quer durch Sardinien gegessen. Egal ob kleine Trattoria, Pizza, Antipasti oder die vielen süßen Croissants morgens – es war einfach alles lecker. Und irgendwie gab es überall noch einen Limoncello, Nachtisch oder irgendwas „aufs Haus“. Genau dieses italienische Lebensgefühl lieben wir einfach.
Besonders schön war auch, dass wir uns einfach treiben lassen konnten. Wenn das Wetter anders war als geplant, wurde halt spontan umdisponiert. Dann ging es eben woanders hin oder wir haben einfach am Camper gechillt, gegrillt oder den Abend gemütlich zusammen ausklingen lassen. Genau das macht Camperurlaub für uns aus.
Die Kinder hatten sowieso die beste Zeit überhaupt. Sie konnten fast den ganzen Tag draußen sein, am Strand spielen, Fußball spielen, Tiere füttern, auf Spielplätzen toben und einfach Kind sein. Das Highlight war definitiv die Esel Tour. Noah und Emmi durften nicht nur die Esel füttern und striegeln, sondern sogar auf ihnen reiten. Die beiden waren so stolz und glücklich und Antonio und Miquele haben das wirklich mit so viel Herz gemacht. Dazu gab es am Ende noch dieses unglaublich leckere sardische Vesper – das war einfach ein rundum perfekter Tag.
Ein absolutes Highlight waren auch die Tage bei Andrea und Giuseppe. So herzlich aufgenommen zu werden erlebt man wirklich selten. Die gemeinsamen langen Abende, das fantastische Essen, die vielen Gespräche und einfach dieses gemütliche Zusammensitzen werden uns noch ganz lange in Erinnerung bleiben. Man hat sich einfach sofort willkommen gefühlt. Und das Essen… wir reden jetzt noch von der Lasagne, dem Oktopussalat und Andreas‘ Tiramisu. Und da die Kids auch hier komplett auf ihre Kosten kamen – sei es beim Essen oder beim Spielen mit den Hunden – hören wir seitdem ständig: „Können wir da wieder hiiiinnnn?“ oder „Ich will Andreas Schokokuchen als Hauptgang UND Nachtisch!“ 🤣
Natürlich gab es auch die typischen Campermomente: Wind ohne Ende, Duschen bei gefühlt Sturm, mal kein Klopapier,
improvisieren, umparken, aufräumen, Wasser auffüllen und ständig irgendwas verräumen. Aber selbst darüber lachen wir im Nachhinein schon wieder. Genau diese kleinen Chaosmomente gehören am Ende einfach dazu.
Was man aber wirklich sagen muss: Der Urlaub wäre niemals so schön und entspannt geworden, wenn meine Eltern nicht alles so unglaublich toll geplant hätten. Meine ❤️Mama ❤️ hat sich um die ganzen Plätze, Restaurants und schönen Stopps gekümmert und mein ❤️ Papa ❤️ hat die kompletten Routen geplant, alles in den Kalender eingetragen und den Urlaub gefühlt vorher schon einmal komplett mit Google Maps abgefahren, um zu schauen, ob die Straßen überhaupt campertauglich sind und ob es passende Parkplätze gibt. Und genau DAS macht am Ende so einen Urlaub einfach entspannt. Wir mussten eigentlich nur losfahren und genießen und dafür sind wir wirklich unglaublich dankbar.
Am schönsten war aber einfach die gemeinsame Zeit. Kein Stress, kein Alltag, einfach mit der ganzen Familie unterwegs sein, draußen leben, schöne Dinge erleben und jeden Abend glücklich und müde ins Bett fallen.
Sardinien war für uns einfach eine perfekte Mischung aus Abenteuer, Entspannung, gutem Essen, traumhaften Orten und ganz vielen schönen Erinnerungen. Und wie nach jedem Urlaub hatten wir am Ende alle das gleiche Gefühl: Wir wären am liebsten noch geblieben. Und natürlich tat es am Schluss wieder besonders weh als „Trucker-Babe“ (ich) meinen Truck-Camper wieder abgeben zu müssen (dessen Bett diesmal sogar ein bisschen länger war, sodass Oli auch gemütlicher schlafen konnte 🤣 ), aber wir sehen uns wieder – wieder mit der ganzen Familie, mit neuen Eindrücken, Herausforderungen und Abenteuern ❤️❤️❤️
Eure Nadine








