Der Opa-Nochmal-Tag. Oder: Wie ich drei Achterbahnen überlebt habe und warum Stefan eigentlich der größte Kind von allen ist.
Es gibt Dinge, die man erst versteht, wenn man Opa & Oma ist. Zum Beispiel, dass ein Mini-Karussell, das sich im Schneckentempo im Kreis dreht, tatsächlich Tränen der reinen Begeisterung auslösen kann. Oder dass „Opa, noch mal!“ nicht als Bitte gemeint ist, sondern als Ansage. Und dass man diese Ansage — mit bemerkenswert wenig innerem Widerstand — immer wieder einfach befolgt.
Wir haben das bei uns inzwischen offiziell den Opa-Nochmal-Tag getauft. Und nach gefühlt hundert solcher Tage durch halb Baden-Württemberg kann ich mit voller Überzeugung sagen: Es gibt keine besseren Tage.
Aber fangen wir von vorne an.
Noah war knapp zwei, als wir zum ersten Mal im Familienpark Westerheim landeten. So ein Park, bei dem man beim Betreten kurz inne hält und denkt: Moment, sind wir gerade durch ein Zeitloch gerutscht? Die Fahrgeschäfte sahen aus, als wären sie in einer Ära gebaut worden, in der man noch ernsthaft glaubte, Karussell-Fahren könnte die Gesundheit fördern. Alles knarzte. Alles hatte Patina. Die Mitarbeiter wirkten, als hätten sie bei der Eröffnung dabei gewesen — was irgendwie unmöglich ist, aber man war sich nicht völlig sicher.
Und dann: der Hasenstall. Kein Hinweisschild, kein „interaktives Tiererlebnis powered by irgendwas“, kein Wischiwaschi. Einfach: Kind rein, Karotten dazu, Tür auf. Noah saß da — schwarze Lederjacke, weil er schon damals einen sehr klaren Stil hatte — inmitten von mindestens zwölf Kaninchen und sah aus wie der härteste Zweijährige der Schwäbischen Alb. Die Hasen fraßen. Noah schaute. Es war einer der ergreifendsten Momente unserer gesamten Opa-Oma Karriere.

Aber der absolute Höhepunkt des Freizeitpark-Erlebnisses Westerheim war — und ich sage das ohne jeden Hauch von Ironie, obwohl ich es mit sehr viel Ironie meine — die Rollbahn. Eine Rollbahn. Also ein Förderband. Mit einer roten Plastikkiste drauf. Das war die Attraktion. Kind in Kiste setzen, Kiste auf Band stellen, Band läuft, Kind rollt sechs Meter den Hang runter. Fertig. Das war’s. Das war das Highlight.
Und weißt du was? Noah fand das großartig. Absolut großartig. Wir haben ihn da bestimmt zehn Mal drübergeschickt. Jedes Mal dieselbe rote Kiste, dieselben fünf Meter, dasselbe Grinsen unten. Und ich stand daneben und habe zugeguckt, als würde ich gerade die innovativste Freizeitanlage Mitteleuropas begutachten.

Irgendwann verschwanden übrigens die echten Tiere. Wurden durch Plastikdinosaurier ersetzt. Ich vermute, irgendwo zwischen Streichelzoo und Jurassic Park gab es eine strategische Managemententscheidung, die niemand so richtig kommen sah. Was ich jedoch nicht bedauert habe, denn die Dinos boten mir persönlich großartige Selfie-Möglichkeiten. Ein Foto mit dem Raptor-Kopf direkt neben meinem Gesicht — das beste Bild des gesamten Jahres, und ich stehe dazu. Stefan hat beim Anblick nur trocken gesagt: „Ich seh keinen Unterschied.“ Danke, Stefan.
Das fairste Preiskonzept aller Zeiten hatten sie übrigens auch: Kinder zahlen mehr als Erwachsene. Was absolut Sinn ergibt, weil Erwachsene dort praktisch gar nichts machen können — außer sich mit zusammengeklappten Knien auf ein Dalmatiner-Karussellpferd zu setzen, weil das Kind einen Mitfahrer braucht, und man selbst aussieht, als hätte man sich versehentlich in ein Spielplatzgerät verwandelt. Ich saß auf diesem Dalmatiner. Ich habe ein Foto davon. Es existiert. Wir sprechen nicht mehr darüber.
Der Park ist wirklich nur für ganz kleine Kinder. Solange bis der Satz fällt: „Und wo ist jetzt die Achterbahn?“ Ab diesem Moment wird’s schwierig. Aber für die Kleinen — für Noahs damaliges Alter — war er fast perfekt. Überschaubar, entspannt, kein Stress, keine ewigen Laufwege. Eher ein schräger Kindergeburtstag auf Dauerbetrieb. Mit einer roten Plastikkiste als Hauptattraktion.
Und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich vermisse es nicht manchmal.
Also Schwaben Park.
Oder: Wie ich 2021 Lokführerin wurde, während nebenan jemand zum fünfzehnten Mal die Raupe fuhr.
Beim Schwaben Park hatten wir irgendwann mal eine Jahreskarte. Für Noah. Was in der Praxis bedeutete: Wir waren dort öfter als manche Mitarbeiter. Und jeder Besuch lief nach demselben unverhandelbaren Ritual ab.
Eingang rein. Direkt zur Bobbahn. Keine Verschnaufpause, keine Orientierung, kein „Schau mal Noah, da gibt’s auch noch—“ Nein. Bobbahn. Sofort. Stefan und Noah verschwanden in Richtung Bobbahn, während ich noch dabei war, den Bollerwagen durch den Eingang zu manövrieren. Den Bollerwagen. Mit Wechselklamotten, Getränken, Sonnencreme in drei verschiedenen Lichtschutzfaktoren, Snacks für alle Eventualitäten und — irgendwann in dieser Phase meines Lebens, die ich heute nur noch mit einem milden Kopfschütteln betrachte — meinen Lernunterlagen für die Ausbildung zur Lokführerin.
Das war 2021. Ich war mitten in der Ausbildung. Und während Stefan und Noah die Bobbahn zum dritten Mal in Folge runterrasten, saß ich auf einer Parkbank neben meinem Bollerwagen, Getränke links, Wechselklamotten rechts, Lokführer-Prüfungsaufgaben aufgeschlagen, und lernte Bremssysteme. Im Freizeitpark. An einem Samstag. Umgeben von Zuckerwattegeruch und dem fernen Quietschen der Raupe.
Ich sage euch: Es gibt schlechtere Lernorte. Die Konzentration war allerdings suboptimal.
Denn sobald die Bobbahn abgearbeitet war kam die Raupe. Und hier begann das, was ich rückblickend als die Schwaben-Park-Philosophie bezeichnen würde. Die Bobbahn und die Raupe standen am äußeren Ende des Parks. Das bedeutete: Stefan und Noah waren als Erste da. Also fuhren sie erst mal alleine. Nach der Bobbahn die Raupe. Runde eins. Runde zwei. Runde drei. Runde vier. Runde fünf. Alleine in der Raupe, im Kreis, während die anderen Familien noch irgendwo beim Eingang standen und überlegten, wo sie als erstes hingehen sollten.
Irgendwann kamen dann doch andere Kinder. Und das war — man muss das so sagen — für Stefan und Noah eine leichte Unannehmlichkeit. Plötzlich musste man die Raupe teilen. Mit fremden Menschen. Die auch mitfahren wollten. Unverschämt.

Meine Rolle bei alldem war klar definiert und wurde nie ernsthaft in Frage gestellt: Bollerwagen bewachen. Gepäck hüten. Getränke kalt halten. Lernen. Und ab und zu aufschauen, wenn aus der Ferne ein fröhliches „Omaaaaa, guck mal!“ herüberschallte — woraufhin ich kurz winkte, nickte, und wieder in meine Bremssysteme schaute.
Stefan war auf jedem dieser Ausflüge in einem Zustand, den ich nur als „vollständig enthemmte Freude“ beschreiben kann. Auf der Wasserrutsche — Arme hoch, komplett durchnässt, Grinsen so breit dass es kaum ins Bild passt — sah er aus wie jemand, der gerade das Beste seines Lebens erlebt. Im Autoscooter saß er neben dem Enkelkind und hatte dabei diesen Gesichtsausdruck, der sagt: Ich werde jetzt jeden rammen, der mir in die Quere kommt, und das ist pädagogisch vollkommen vertretbar. Auf dem Wildwasserboot: Arme hoch. Auf der Raupenachterbahn: Arme hoch. Immer. Ausnahmslos.
Man merkt übrigens: Der Park hat bessere Zeiten gesehen. Manche Flächen stehen inzwischen leer, Attraktionen verschwinden, manches wirkt als hätte jemand mitten in einer Renovierung Mittagspause gemacht und sei dann nicht mehr zurückgekommen. Ich laufe da manchmal durch und denke: Hoffentlich hält sich das hier. Weil es schade drum wäre.
Stefan sieht das pragmatisch. Sein Standpunkt lautet seit Jahren unverändert: „Preis-Leistung passt. Die Kinder lachen. Ende der Diskussion.“
Ich habe 2021 im quasi Schwaben Park meine Lokführer-Prüfung bestanden. Ich sage das einfach mal so.
Das Traumland auf der Bärenhöhle. Idyllisch. Gepflegt.
Und der langweiligste Märchenpark der Welt — laut Noah.
Das Traumland auf der Bärenhöhle ist das komplette Gegenteil vom Schwaben Park. Hübsch, gepflegt, fast schon idyllisch. So ein Park, bei dem man ständig denkt, gleich kommt irgendwo ein Märchenerzähler mit Flöte aus dem Gebüsch. Alles wirkt liebevoll, harmonisch, ein bisschen wie ein Sonntagsspaziergang mit gelegentlicher Bewegungseinlage. Wir waren vier, fünf Mal dort. Und jedes Mal lief es ungefähr gleich ab.
Der Märchenpark zum Beispiel. Kleine Holzhütten, darin Szenen aus Grimmschen Märchen, liebevoll gestaltet, handwerklich wirklich schön gemacht. Noah und Emilia standen davor und schauten. Kurz. Sehr kurz. Und dann kam es, mit der Selbstverständlichkeit eines Menschen, der innerlich schon längst woanders ist: „Oma. Das ist langweilig.“ Danke, Noah. Sehr konstruktiv.
Das Riesenrad war dafür immer gesetzt. Schöner Blick über die Schwäbische Alb, sanfte Fahrt, niemand muss Arme hochreißen oder irgendwas beweisen. Stefan mochte das Riesenrad nicht. Zu hoch (Nun ja – es ist ein Riesenrad!) Trotzdem – Es war vielleicht die einzige Attraktion im gesamten Freizeitpark-Universum unserer Familie, bei der er sich mal entspannt zurückgelehnt hat.
Und dann gab es die Trampolins. Die waren gut. Die kamen immer gut an. Kinder hüpfen, Opa und Oma schauen zu, alle sind kurz glücklich.
Aber das absolute Herzstück des Traumlands — die Attraktion, die eigentlich alles sagt, was man über diesen Park wissen muss — war die Fläche mit den Tretfahrzeugen. Bobby Cars. Tret-Traktoren. Einfach so, auf einer Betonplatte. Rundherum stehen ordentliche Karussells, eine Marienkäfer-Bahn, ein Feuerwehrauto auf Schienen, liebevoll gestaltete Fahrgeschäfte. Und die Kinder? Fahren Bobby Car. Zwanzig Minuten. Dreißig Minuten. Weil Bobby Car halt Bobby Car ist und kein Freizeitparkbetreiber der Welt dagegen ankommt.
Stefan saß währenddessen im Feuerwehrauto. Auf Schienen. Mit Helm — nein, ohne Helm, aber mit der Energie von jemandem, der dienstlich unterwegs ist. Das Foto existiert. Er schaut konzentriert nach vorne, als gäbe es gleich einen echten Einsatz. Der Einsatz war: einmal im Kreis fahren und wieder aussteigen.
Und dann dieses eine Bild. Stefan mit Emilia im Hasenkarusell. Ein Plastikhase in Übergröße, mit Kulleraugen so blau und so rund, dass man sich fragt, ob da irgendwo eine Seele drin ist. Der Hase schaut direkt in die Kamera. Stefan schaut leicht unentschlossen. Ich habe dieses Foto mehrfach betrachtet und jedes Mal gedacht: Das ist Kunst.
Wir sind trotzdem gerne hingegangen. Vier, fünf Mal, wie gesagt. Für die Kleinen ist es wirklich schön — überschaubar, entspannt, grün. Man kommt rein, man kommt raus, alle sind irgendwie zufrieden. Noah und Emilia hatten immer Spaß, auch wenn der Märchenpark laut Noah das Langweiligste war, was die Freizeitpark-Geschichte je hervorgebracht hat.
Und jetzt — jetzt soll es dort sogar eine Achterbahn geben. Eine echte. Ich habe das gelesen und kurz überlegt, ob ich mir das mal anschauen möchte. Vielleicht fahren wir hin. Vielleicht nehmen wir sogar Noah und Emilia mit.
Legoland.
Oder: Next Level Opa.
Nach Westerheim, Schwaben Park und Traumland war irgendwann klar, dass wir eine Stufe höher müssen. Die Kinder wurden größer. Die Ansprüche wurden größer. Und Stefan wurde — das hätte ich nicht für möglich gehalten — noch enthusiastischer.
Legoland ist inzwischen Pflichtprogramm. Fest im Familienkalender. Einmal pro Jahr. Keine Diskussion, kein „vielleicht dieses Jahr mal was anderes“, kein Verhandeln. Legoland. Punkt.
Und man muss sagen: Der Park hat etwas, das die anderen nicht haben. Nämlich die erstaunliche Fähigkeit, Kinder unterschiedlicher Altersgruppen gleichzeitig glücklich zu machen. Emilia findet genug für sich. Noah langweilt sich nicht. Das ist seltener als man denkt und mehr wert als jede Hochglanzbroschüre verspricht. Irgendwo läuft immer ein Lego-Männchen herum, das aussieht als hätte es seit 2002 denselben Dauergrinser im Gesicht — und das ist, ich sage es nochmal, sehr beruhigend. Manche Dinge sollen sich einfach nicht ändern.
Aber das eigentliche Legoland-Erlebnis ist natürlich Opa.
Im Schwaben Park hatte er die Raupe. Im Traumland das Feuerwehrauto. Im Legoland hat er — und hier macht der Park wirklich einen Quantensprung — Attraktionen gefunden, bei denen man als Erwachsener aussieht als würde man etwas Ernstes tun, während man eigentlich nur Spaß hat. Das gelbe U-Boot-Gefährt zum Beispiel. Man sitzt drin, man lenkt, man fährt übers Wasser. Stefan saß da mit Friedenszeichen und dem Gesicht eines Mannes, der gerade entschieden hat, dass er Kapitän werden will. Das Enkelkind daneben war Beiwerk.

Und dann die Tonne. Oder die Trommel. Oder was immer dieses Ding ist, in das man sich hineinlegt und das einen dann kopfüber dreht (von Noah gesteuert!). Ich habe dieses Foto mehrfach angeschaut. Stefan ist kopfüber. Er grinst. Als wäre Kopfüber-in-einer-Tonne-drehen der natürlichste Zustand der Welt. Gleich daneben: nochmal eine Tonne. Diesmal richtig rum. Nochmal dasselbe Grinsen, diesmal mit ausgestrecktem Peace-Zeichen, weil man ja zeigen muss, dass man die Situation im Griff hat.
Und hier ist der Unterschied zu den anderen Parks: Im Legoland gibt es Attraktionen, bei denen selbst ich kurz überlegt habe mitzufahren. Stefan braucht das nicht — der fährt sowieso alles. Aber das Legoland hat tatsächlich diese seltene Qualität, dass man als Erwachsener nicht das Gefühl hat, nur Begleitperson zu sein. Man ist Teilnehmer. Gleichberechtigt. Manchmal sogar enthusiastischer als die Kinder.
Was Stefan betrifft: Der war enthusiastischer als alle anderen zusammen.
Das Selfie vor dem Eingang sagt eigentlich alles. Dieser Blick. Diese Vorfreude. Dieser Gesichtsausdruck eines Mannes, der genau weiß, dass heute ein sehr, sehr guter Tag wird. Er hatte recht.
Tripsdrill.
Oder: G’sengte Sau war okay, Mammut auch noch, aber nach Karacho hat der Boden aufgehört stillzuhalten.
Letztes Jahr zum ersten Mal. Und das war kein Zufall — denn Tripsdrill ergibt erst dann wirklich Sinn, wenn die Kinder groß genug sind. Wenn man aufhört, ständig an der Absperrung zu stehen und zu sagen: „Da darfst du noch nicht rauf. Da bist du noch zu klein. Da musst du noch ein bisschen warten.“ Nichts ist zermürbender als das. Nicht für die Kinder. Und ehrlich gesagt auch nicht für die Großeltern, die dabei stehen und innerlich mitleiden. Mit Noah mit acht konnte er fast alles alleine fahren. Emilia durfte mit Begleitung mit Opa auf fast alles. Das war der Moment, auf den wir jahrelang hingearbeitet hatten, ohne es so zu nennen.
Und Tripsdrill hat diesen Moment wirklich verdient bekommen. Dieser Park macht einfach alles richtig. Während alle anderen versuchen, immer größer, lauter, spektakulärer zu werden, hat Tripsdrill etwas geschafft, das viel schwieriger ist: Atmosphäre. Dort steht nicht einfach irgendeine Achterbahn auf eine Betonfläche geklatscht. Alles ist liebevoll gebaut, thematisch durchgezogen, und — ich weiß, das klingt seltsam — irgendwie gemütlich. Ein Wort, das man normalerweise nicht mit Achterbahnen verbindet. In Tripsdrill macht es trotzdem Sinn.
Nun muss man wissen: Opa hat es nicht so mit Höhe. Das bedeutet im Klartext: Sobald irgendwo Schienen steil nach oben führen und Stefan beschließt, dass das definitiv nichts für ihn ist, werde automatisch ich eingeteilt. Früher hätte ich darüber nur gelacht. Drei Achterbahnen hintereinander? Kein Problem. Heute. Ist. Das. Anders.
Die G’sengte Sau: lief noch gut. Mammut: auch okay, leichtes Kribbeln, aber im Rahmen. Aber nach Karacho war der Moment erreicht, an dem mein Körper beschlossen hat, ein offizielles Protestschreiben einzureichen. Früher stieg man aus einer Achterbahn und dachte: noch mal! Heute steigt man aus und denkt: Wo ist die nächste Bank. Und warum bewegt sich der Boden noch.
Das Gemeine ist: Die Kinder waren danach erst richtig warm. Während ich versucht habe, meinen Kreislauf aus der Gefahrenzone zu lotsen, standen Noah und Emilia schon wieder grinsend vor der nächsten Bahn. Energielevel wie ein Marvel-Superheld nach drei Dosen Red Bull.
Und Stefan?
Ich muss jetzt mal kurz etwas klarstellen, weil die Beweislage erdrückend ist. Ich habe Fotos gemacht. Viele Fotos. Und auf jedem einzelnen davon — der Kaffeetassen-Fahrt, dem Waschzuber, irgendeinem Raupe-Achterbahn-Ding, dem Wildwasserboot mit Tripsdrill-Schild vorne drauf — auf jedem dieser Fotos hat Stefan die Arme in der Luft. Beide. Gleichzeitig. Mit dem Grinsen eines Menschen, der gerade seinen Lebensinhalt gefunden hat.
Noah schaut daneben manchmal noch leicht unentschlossen. Emilia konzentriert sich. Und Opa? Opa ist bereits in einem anderen spirituellen Zustand.
Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen. Kaffeetasse: Arme hoch. Waschzuber: Arme hoch, Sonnenbrille nass, Grinsen trotzdem unverändert. Die kleine Bahn mit den Blümchen drauf, die eigentlich für Grundschulkinder gebaut wurde: Arme hoch, Sonnenbrille schief, Jauchzer optional. Das Gugelhupf-Karussell. Der Wildwasserbach. Immer dasselbe Bild. Immer dieselbe Sonnenbrille. Immer dasselbe Grinsen.
Stefan behauptet bis heute, er mache das für die Kinder. Ich sage: Der Opa macht das für den Opa. Und weißt du was? Ich finde das vollkommen richtig so.
Denn irgendwann — wenn man ehrlich ist — merkt man, dass Freizeitparks vielleicht gar nicht für Kinder erfunden wurden. Kinder fahren das, was da ist. Ohne nachzudenken, ohne Vorfreude, ohne Zögern. Einfach rein und wieder raus. Erwachsene dagegen — die richtigen Erwachsenen, die so alt geworden sind, dass sie aufgehört haben zu denken: „was sollen die anderen denken“ — die werfen die Arme in die Luft. Die jauchzen in der Kurve. Die steigen aus und wollen sofort wieder rein.
Stefan ist so einer. Und das ist, glaube ich, das größte Kompliment, das ich ihm je gemacht habe — auch wenn er das hier wahrscheinlich nie so formulieren würde. Er würde sagen: „Preis-Leistung passt. Die Kinder lachen. Ende der Diskussion.“ Ja klar, Stefan. Ende der Diskussion.
Ich weiß nicht mehr genau, wie viele solcher Tage wir inzwischen hinter uns haben. Aber ich weiß, wie sie enden: zwei Kinder mit zerzausten Haaren auf der Rückbank, irgendwo eine halb aufgegessene Tüte Gummibärchen, die Augen schon beim Losfahren zugefallen. Und irgendwo ein Opa mit hochgereckten Armen in einer Kaffeetasse, der innerlich noch gar nicht fertig ist.
„Opa! Wann fahren wir wieder nach Tripsdrill?“
Gute Frage, Noah. Gute Frage.




































