Haie im Pool, Margaritas für einen Dollar und morgen wird geheiratet!
Heute steht ausnahmsweise einmal kein großes Abenteuer auf unserem Programm. Keine staubigen Wüstenpisten, keine zerfetzten Autoreifen, keine hektische Suche nach Brautkleidern und auch keine amerikanischen Behörden, bei denen man irgendwelche Formulare ausfüllen muss. Wir haben tatsächlich alles erledigt, was für die morgige Hochzeit noch zu organisieren war. Bianca hat ihr Traumkleid gefunden, Patrick seinen James-Bond-Anzug, die Marriage License ist besorgt, und unsere wunderbare Cynthia hat versprochen, dass morgen früh alles bereitsteht. Sogar unser streng geheimes Hochzeitsgeschenk, der Helikopterflug zum Grand Canyon, ist organisiert. Eigentlich könnten wir uns also ganz entspannt zurücklehnen und den Tag genießen. Wäre da nicht noch eine Kleinigkeit: Wir müssen umziehen. Und wer schon einmal mit fünf Erwachsenen und dem Gepäck für einen mehrwöchigen Amerikaurlaub unterwegs war, weiß, dass so ein Hotelwechsel ungefähr denselben logistischen Aufwand erfordert wie die Verlegung einer kleineren Bundeswehreinheit.

Wir verlassen heute das Imperial Palace am Strip und ziehen für die nächsten drei Nächte ins Golden Nugget nach Downtown Las Vegas. Darauf freue ich mich schon die ganze Zeit, denn das Golden Nugget gehört zu unseren absoluten Lieblingshotels in Las Vegas. Aber bevor wir dort einchecken können, muss erst einmal unser gesamter Hausstand aus den Zimmern und in die Autos verfrachtet werden. Und wenn ich mir unseren Kofferberg so anschaue, frage ich mich ernsthaft, ob wir damals bei der Abreise zu Hause vielleicht versehentlich den Inhalt sämtlicher Kleiderschränke eingepackt haben. Da stehen riesige Koffer in allen möglichen Farben, kleinere Koffer, Taschen, Rucksäcke und natürlich die unvermeidlichen Einkaufstüten, die sich während eines Amerikaurlaubs auf wundersame Weise vermehren. Nadine steht neben diesem beeindruckenden Gepäckgebirge und sieht aus, als würde sie gerade auf den Möbelwagen warten. Ich überlege kurz, ob wir vielleicht doch einen Anhänger hätten mieten sollen. Andererseits haben wir inzwischen ausreichend Erfahrung darin, Dinge in unsere Mietwagen zu stopfen, die dort eigentlich gar nicht hineinpassen dürften. Irgendwie funktioniert es schließlich auch diesmal, und wenig später machen wir uns auf den Weg nach Downtown.
Das Golden Nugget liegt direkt an der berühmten Fremont Street, also mitten im Herzen des alten Las Vegas. Während sich am Strip ein gigantischer Hotelpalast an den nächsten reiht und man teilweise gefühlt einen halben Tagesausflug unternehmen muss, um vom Zimmer bis zum Hoteleingang zu gelangen, ist hier alles wunderbar kompakt. Man tritt aus dem Hotel und steht praktisch mitten im Geschehen. Keine endlosen Fußmärsche durch klimatisierte Einkaufspassagen, keine kilometerlangen Wege vorbei an Spielautomaten und keine Suche nach einem Ausgang, der sich grundsätzlich immer genau dort befindet, wo man ihn am wenigsten vermutet. Downtown ist direkter, ursprünglicher und für meinen Geschmack auch ein ganzes Stück unterhaltsamer. Hier hat Las Vegas noch diesen leicht verruchten Charme aus alten Gangsterfilmen, nur dass inzwischen zwischen den Casinos auch Touristen mit Fotoapparaten und überdimensionierten Plastikbechern herumlaufen.
Schon der Eingang zum Golden Nugget macht ordentlich etwas her. Die prachtvolle Fassade mit ihren unzähligen Glühbirnen und dem riesigen goldenen Schriftzug sieht aus, als hätte jemand beschlossen, ein ganzes Gebäude in eine überdimensionale Weihnachtsdekoration zu verwandeln. Allerdings eine ausgesprochen schöne. Wir checken ein, schleppen unsere Gepäckberge auf die Zimmer und sind angenehm überrascht. Das Golden Nugget ist wirklich eine andere Liga als unser bisheriges Imperial Palace. Gut, bei der Inneneinrichtung hat man auch hier offensichtlich eine gewisse Schwäche für Blumenmuster. Die Bettüberwürfe, Vorhänge und Teppiche sind wieder so reichlich mit floralen Motiven versehen, dass man sich beinahe fragt, ob die Zimmerausstatter nebenbei noch eine Gärtnerei betreiben. Aber immerhin wirkt hier alles deutlich hochwertiger, gepflegter und gemütlicher. Die Betten sehen einladend aus, die Zimmer sind schön geräumig, und insgesamt macht das Hotel einen richtig guten Eindruck. Ich bin jedenfalls zufrieden. Schließlich verbringen wir hier die nächsten drei Nächte, und morgen kehrt unsere Tochter als verheiratete Frau hierher zurück. Da darf es ruhig ein bisschen schicker sein.
Natürlich wollen wir uns anschließend auch die berühmte Poolanlage anschauen. Das Golden Nugget hat nämlich eine Attraktion, die man vermutlich nur in einer Stadt wie Las Vegas findet, wo offenbar grundsätzlich alles möglich ist, solange es nur spektakulär genug aussieht. Die Poollandschaft heißt „The Tank“ und erstreckt sich über mehrere Ebenen, mit Palmen, Wasserfällen, Sonnenterrassen und einer Wasserrutsche, die tatsächlich mitten durch ein riesiges Haifischbecken führt. Ja, richtig gelesen. Hier kann man in einer durchsichtigen Röhre durch ein Aquarium rutschen, während direkt neben einem echte Haie ihre Runden drehen. Ich würde wirklich gerne einmal wissen, wie solche Ideen entstehen. Vermutlich saßen irgendwann ein paar Hotelmanager zusammen und überlegten, wie man den Pool noch attraktiver gestalten könnte. Einer schlug zusätzliche Liegestühle vor, ein anderer vielleicht eine Poolbar, und irgendein besonders kreativer Kopf meinte dann: „Wie wäre es mit Haien?“ Und statt ihn zum Betriebsarzt zu schicken, haben alle begeistert zugestimmt.
Wir stehen jedenfalls ziemlich beeindruckt vor den riesigen Glasscheiben und beobachten die Haie, die völlig unbeeindruckt von den Touristen ihre Bahnen ziehen. Überall schwimmen Fische, dazwischen gleiten die großen Raubtiere durchs Wasser, und mittendrin verläuft tatsächlich diese transparente Rutsche. Das Ganze ist schon ziemlich verrückt, aber gleichzeitig auch faszinierend. Natürlich schauen wir uns alles ganz genau an und machen jede Menge Fotos. Auf einen ausgedehnten Poolnachmittag haben wir heute allerdings keine große Lust. Wir sind zwar beeindruckt von der Anlage, aber irgendwie zieht es uns doch wieder hinaus in die Stadt. Außerdem haben wir in den vergangenen Tagen schon so viel erlebt, dass wir heute ganz bewusst keinen großen Zeitplan mehr aufstellen wollen. Einfach ein bisschen herumfahren, schauen, worauf wir Lust haben, und den Tag gemütlich vertrödeln. Das ist schließlich auch einmal ganz angenehm.
Da wir nun schon in Downtown wohnen, liegt das Las Vegas Premium Outlets North praktisch um die Ecke. Und weil wir in Amerika grundsätzlich nur sehr schwer an einem Outlet vorbeifahren können, ohne wenigstens kurz hineinzuschauen, bietet sich ein kleiner Abstecher geradezu an. Schließlich könnte es ja sein, dass irgendwo noch ein T-Shirt, ein Paar Schuhe oder irgendein anderes lebensnotwendiges Kleidungsstück auf uns wartet, von dessen Existenz wir bislang noch gar nichts wussten. Wir bummeln also ein bisschen durch die Geschäfte, schauen hier und da hinein und genießen es, heute einmal nichts Bestimmtes erledigen zu müssen. Keine Termine, keine Verpflichtungen und vor allem keine Hochzeitsvorbereitungen mehr. Das ist nach den letzten Tagen wirklich angenehm. Wobei ich mich natürlich gelegentlich frage, wie wir unsere ganzen Einkäufe am Ende eigentlich wieder nach Deutschland transportieren wollen. Aber solche Probleme lösen wir grundsätzlich erst dann, wenn sie tatsächlich auftreten. Bis dahin gibt es schließlich noch genügend Platz in den Einkaufstüten.

Den Nachmittag verbringen wir ganz gemütlich, ohne uns noch irgendein großes Besichtigungsprogramm aufzuhalsen. Es ist schließlich unser letzter Tag vor der Hochzeit, und ich möchte morgen nicht völlig erledigt in der Kapelle sitzen. Außerdem gehen mir immer wieder die Gedanken an den großen Tag durch den Kopf. Bianca und Patrick ahnen noch immer nichts von unserem Helikopterflug, und ich freue mich jetzt schon riesig auf ihre Gesichter, wenn sie erfahren, was wir uns ausgedacht haben. Besonders gespannt bin ich allerdings darauf, wie wir morgen das Kunststück fertigbringen, unsere beiden Hochzeitskandidaten rechtzeitig und perfekt eingekleidet zur Kapelle zu schicken, ohne dass Patrick seine Braut vorher sieht. Aber nachdem sie gestern bereits sämtliche Probleme mit einer unglaublichen Gelassenheit gelöst hat, bin ich ziemlich zuversichtlich.
Als es langsam Abend wird, machen wir uns fertig und ziehen los zur Fremont Street. Und jetzt zeigt Downtown Las Vegas, was es wirklich kann. Schon der Weg aus unserem Hotel hinaus auf die Straße ist ein Erlebnis. Überall blinken riesige Leuchtreklamen, die alten Casinos strahlen um die Wette, und aus allen Richtungen dringt Musik. Hier steht das berühmte Golden Gate, dort leuchtet das Four Queens, ein Stück weiter das Fremont Hotel, und überall scheinen Menschen unterwegs zu sein, die beschlossen haben, heute Abend auf keinen Fall früh ins Bett zu gehen. Über unseren Köpfen spannt sich das riesige Dach der Fremont Street Experience, das sich über mehrere Häuserblocks zieht und die gesamte Straße in eine gigantische überdachte Partymeile verwandelt. Ich liebe diese Atmosphäre! Während am Strip alles immer größer, luxuriöser und eleganter wird, hat Downtown noch etwas herrlich Ungehobeltes. Hier darf es ruhig ein bisschen schräg sein, und genau das macht den Reiz aus.
Wir schlendern gemütlich durch die Menge und wissen manchmal gar nicht, wohin wir zuerst schauen sollen. Da steht ein riesiger Cowboy aus Neonröhren, dort leuchtet eine gigantische Reklame, und zwischendrin laufen Gestalten herum, die man vermutlich auch in Hollywood erst einmal durch die Kostümabteilung schicken müsste. Eine Dame präsentiert sich mit einem gewaltigen violetten Federkopfschmuck und einem Outfit, das hauptsächlich aus Glitzer und sehr viel Selbstbewusstsein besteht. Ein paar Meter weiter stehen Transformers herum und posieren mit Touristen für Fotos. Natürlich gegen ein kleines Trinkgeld, denn auch außerirdische Kampfroboter müssen offenbar irgendwie ihre Rechnungen bezahlen. Dazwischen begegnen uns leicht bekleidete Damen, Straßenkünstler, Musiker und Menschen, bei denen ich nicht so genau weiß, ob sie gerade eine Vorstellung geben oder einfach nur ihren ganz normalen Dienstagabend verbringen. In Las Vegas lässt sich das manchmal nur schwer unterscheiden.
Besonders amüsant finde ich die Mischung aus altem und neuem Las Vegas. Auf der einen Seite die riesigen historischen Leuchtreklamen, die teilweise schon seit Jahrzehnten über der Fremont Street hängen, auf der anderen Seite moderne Lichtshows, Straßenkünstler und eine Menschenmenge, die aus allen Teilen der Welt zusammengewürfelt scheint. Wir bleiben immer wieder stehen, fotografieren die verrückten Gestalten und beobachten das Treiben. Einmal sehen wir sogar, wie sich ein Mann mitten auf der Straße um einen anderen kümmert, der offenbar etwas zu tief ins Glas geschaut hat oder zumindest dringend eine kleine Pause vom Las-Vegas-Nachtleben benötigt. Auch das gehört hier dazu. Downtown ist eben nicht nur Glitzer und Glamour, sondern manchmal auch ein bisschen rauer. Aber langweilig wird es garantiert nicht.
Irgendwann entdecken wir dann etwas, das unsere Aufmerksamkeit mindestens genauso sehr erregt wie die ganzen Leuchtreklamen: Im Fremont Hotel gibt es eine kleine Bar, die Margaritas für sage und schreibe einen Dollar verkauft! Einen Dollar! In einer Stadt, in der man für einen Cocktail in manchen Hotels vermutlich erst einmal einen kleinen Kredit aufnehmen muss, ist das natürlich ein Angebot, das wir uns unmöglich entgehen lassen können. Zugegeben, serviert werden die Margaritas in einfachen Plastikbechern, und von einer aufwendigen Dekoration mit Limettenscheiben, Salzrand und kunstvoll geschnitzten Eiswürfeln kann keine Rede sein. Aber ganz ehrlich: Für einen Dollar erwarte ich auch nicht, dass der Barkeeper vorher noch eine Ausbildung in mexikanischer Cocktailkunst absolviert hat. Hauptsache kalt, lecker und irgendwie nach Margarita schmeckend.
Also schlagen wir zu. Und weil man bei einem solchen Preis natürlich nicht nach einem einzigen Becher wieder weiterziehen kann, bleiben wir eine ganze Weile dort hängen. Die Margaritas sind erstaunlich gut, die Stimmung wird immer lustiger, und irgendwann sitzen wir gemütlich zusammen und schlürfen unsere Drinks, während um uns herum das Casinoleben weitergeht. Auf den Fotos sieht man uns jedenfalls ziemlich zufrieden mit unseren Plastikbechern am Tisch sitzen. Stefan scheint sich ganz gewissenhaft mit seinem Getränk zu beschäftigen, Patrick schaut zwischendurch etwas nachdenklich in die Gegend, und Bianca und Nadine genießen den Abend ebenfalls. Ich finde diese Bilder herrlich. Da sitzen wir mitten in Las Vegas, einen Tag vor einer Hochzeit, die wir seit Wochen planen, und feiern unsere erfolgreich abgeschlossenen Vorbereitungen mit Ein-Dollar-Margaritas aus Plastikbechern. Stilvoller kann man einen Junggesellenabschied im Familienformat eigentlich kaum gestalten. Wobei ich ausdrücklich betonen möchte, dass wir es nicht übertreiben. Morgen müssen schließlich alle rechtzeitig aufstehen, und eine Braut mit einem ausgewachsenen Margarita-Kater wäre vermutlich nicht ganz das, was wir uns für diesen besonderen Tag vorgestellt haben.
Zwischendurch beginnt die große Lichtshow der Fremont Street Experience, und natürlich lassen wir uns dieses Spektakel nicht entgehen. Die Beleuchtung der umliegenden Casinos wird heruntergefahren, und plötzlich richten sich alle Blicke nach oben. Das riesige Dach verwandelt sich in eine gigantische Leinwand, auf der Farben, Bilder und Animationen über die gesamte Länge der Straße rasen. Dazu dröhnt Musik aus einer Lautsprecheranlage, die vermutlich problemlos ausreichen würde, um halb Nevada zu beschallen. Und dann erklingen die ersten Töne von KISS! „I Was Made for Lovin’ You“ schallt durch die Fremont Street, während über unseren Köpfen eine riesige Rockshow abläuft. Wenig später folgt „God Gave Rock ‘n’ Roll to You“, und die gesamte Straße verwandelt sich in eine einzige gigantische Konzertarena. Überall stehen Menschen mit nach oben gereckten Köpfen, manche singen mit, andere filmen, und wir mittendrin. Ich finde das einfach sensationell. Hier ist nichts dezent, nichts zurückhaltend und schon gar nichts leise. Wenn Las Vegas eine Lichtshow veranstaltet, dann gleich so, dass vermutlich auch die Astronauten auf der Raumstation etwas davon mitbekommen.
Nach der Show erwacht die Straße sofort wieder zu ihrem üblichen Leben. Die Casinos schalten ihre Reklamen ein, auf den Bühnen spielen Bands, und überall wird getanzt, gesungen und gelacht. Wir lassen uns weiter durch die Menge treiben, schauen uns die alten Casinos an und bleiben immer wieder irgendwo stehen. Besonders schön finde ich die historischen Leuchtreklamen, die noch an das Las Vegas vergangener Jahrzehnte erinnern. Der riesige Cowboy Vegas Vic, die blinkenden Fassaden und die unzähligen Neonlichter verleihen Downtown eine ganz besondere Atmosphäre. Hier könnte man sich beinahe vorstellen, wie früher die großen Showstars, Spieler und zwielichtigen Gestalten durch die Straßen gezogen sind. Nur dass heute eben noch ein paar Transformers, halbnackte Showgirls und Touristen mit Ein-Dollar-Margaritas dazwischen herumlaufen. Die Zeiten ändern sich, aber Las Vegas bleibt sich irgendwie treu.
Irgendwann meldet sich dann auch unser Magen. Nach einem Tag voller Herumstreiferei, Shopping und Margaritas haben wir uns schließlich noch ein ordentliches Abendessen verdient. Wir landen im Courtyard Grill des Fitzgeralds, wo es ein ganz besonderes Angebot geben soll: ein Steak Special, das nicht einmal auf der normalen Speisekarte steht. Man muss ausdrücklich danach fragen. Das klingt für mich schon einmal ausgesprochen vielversprechend. Ich mag solche kleinen Geheimtipps, bei denen man das Gefühl bekommt, etwas entdeckt zu haben, das nicht jeder Tourist sofort findet. Also bestellen wir das Steak Special und werden tatsächlich nicht enttäuscht. Ein ordentliches Stück Fleisch, leckere Beilagen und ein Preis, bei dem man sich fragt, ob sich das Restaurant vielleicht verrechnet hat. Nach all den riesigen und teilweise sündhaft teuren Restaurants am Strip ist das eine ausgesprochen angenehme Überraschung. Wir sitzen gemütlich zusammen, lassen den Tag noch einmal Revue passieren und freuen uns über unser kleines kulinarisches Schnäppchen. Manchmal braucht es eben kein Luxusrestaurant mit weißen Tischdecken und einem Kellner, der einem die Herkunft jeder einzelnen Kartoffel erklärt. Ein gutes Steak zu einem vernünftigen Preis reicht völlig aus.
Als wir später zurück zum Golden Nugget schlendern, ist die Fremont Street noch immer voller Leben. Überall blinkt und leuchtet es, aus den Casinos dringt Musik, und die Menschen feiern, als gäbe es morgen keinen Mittwoch. Für uns ist dieser Mittwoch allerdings etwas ganz Besonderes. Morgen wird Bianca heiraten. Unsere Bianca, die inzwischen längst erwachsen ist und morgen in Las Vegas vor dem Traualtar stehen wird. Ich kann es eigentlich noch gar nicht richtig glauben. Vor ein paar Tagen sind wir noch gemeinsam durch die Wüste gefahren, haben uns über unsere Mietwagen geärgert und sind auf staubigen Pisten irgendwelchen geheimnisvollen Steinen hinterhergelaufen. Und morgen steht sie in einem wunderschönen Brautkleid vor Patrick und sagt Ja. Manchmal geht das Leben schon ziemlich schnell.
Ich bin jedenfalls froh, dass wir heute alles ganz entspannt angehen konnten. Die Hochzeitsvorbereitungen sind abgeschlossen, die Zimmer im Golden Nugget bezogen, und sogar unsere kleine Feier am Vorabend hat wunderbar funktioniert. Jetzt müssen wir morgen nur noch rechtzeitig aufstehen, uns bei Cynthia in Schale werfen und dafür sorgen, dass alle pünktlich in der Wee Kirk Chapel erscheinen. Und natürlich müssen wir weiterhin unser großes Geheimnis bewahren. Denn Bianca und Patrick ahnen noch immer nicht, dass nach der Trauung ein Helikopter auf sie wartet, der sie zum Grand Canyon bringen wird. Ich freue mich jetzt schon auf ihre Gesichter!
Als wir schließlich in unseren wunderbar geblümten Hotelbetten liegen, geht mir noch einmal der ganze Tag durch den Kopf. Eigentlich haben wir heute gar nichts Besonderes unternommen. Ein bisschen umgezogen, ein bisschen gebummelt, ein paar Haie angeschaut, ein paar Margaritas getrunken und einen herrlichen Abend auf der Fremont Street verbracht. Und trotzdem war es genau der richtige Tag vor einer Hochzeit. Kein Stress, keine Hektik und endlich einmal das Gefühl, dass alles vorbereitet ist.
Morgen wird geheiratet. In Las Vegas. Unsere Tochter. Und ich bin mindestens genauso aufgeregt wie die Braut selbst.
Hoffentlich schläft wenigstens einer von uns heute Nacht ordentlich.






























