Das Hardrock Cafe, die Arizona Mills und die Rückkehr nach Hause!
Jetzt ist er tatsächlich da, der letzte Morgen unseres USA-Urlaubs. Drei Wochen lang sind wir durch Arizona, New Mexico und Nevada gefahren, haben Wüsten durchquert, Cowboys gespielt, Elvis getroffen, eine Hochzeit organisiert und so ziemlich alles erlebt, was man in einen einzigen Urlaub hineinpacken kann, ohne zwischendurch einen Erholungsurlaub beantragen zu müssen. Und nun sitzen wir wieder im Days Inn Metrocenter in Phoenix, wo unsere Reise vor drei Wochen begonnen hat. Inzwischen kennen wir das Hotel beinahe so gut wie unser eigenes Wohnzimmer. Dreimal haben wir während dieser Reise hier übernachtet, und jedes Mal sind wir wieder bei unserem alten Bekannten gelandet: dem Waffelautomaten im Frühstücksraum. Dieses wunderbare amerikanische Gerät, bei dem man sich seinen Teig selbst auf das heiße Eisen gießt und wenige Minuten später eine frisch gebackene Waffel herauszaubert. Ich finde das nach wie vor großartig! Während man in deutschen Hotels morgens häufig vor einer Auswahl zwischen drei Sorten Graubrot und einem hart gekochten Ei steht, kann man sich hier bereits zum Frühstück mit Waffeln und Sirup den Zuckerspiegel auf amerikanische Betriebstemperatur bringen. Ein würdiger Start in unseren letzten Urlaubstag!

Nach dem Frühstück heißt es allerdings Koffer packen und auschecken. Und beim Packen zeigt sich wieder einmal ein Phänomen, das ich bis heute nicht erklären kann: Auf dem Hinflug passen sämtliche Sachen problemlos in unsere Koffer. Drei Wochen später haben wir zwar dieselben Koffer, aber offenbar doppelt so viel Gepäck. Dabei haben wir doch eigentlich gar nicht so viel gekauft. Nur ein paar T-Shirts, ein paar Schuhe, ein paar Souvenirs und natürlich die üblichen Kleinigkeiten, die einem in amerikanischen Geschäften ständig hinterherrufen: „Nimm mich mit, ich bin hier viel billiger!“ Unsere Koffer sehen inzwischen aus, als hätten wir versucht, den halben amerikanischen Einzelhandel nach Deutschland zu exportieren. Aber irgendwie bekommen wir alles untergebracht, und schließlich stehen wir mit unserem Gepäck vor dem Hotel. Der Rückflug geht erst später, also haben wir noch einen ganzen Tag Zeit. Nur was fängt man bei diesen Temperaturen mit einem angebrochenen Tag in Phoenix an?
Wir beschließen, zunächst nach Downtown Phoenix zu fahren. Vielleicht können wir dort noch ein bisschen herumlaufen und uns die Stadt anschauen. Das klingt jedenfalls nach einem vernünftigen Plan, solange man nicht berücksichtigt, dass draußen wieder Temperaturen herrschen, bei denen selbst die Kakteen vermutlich über einen Umzug nach Alaska nachdenken. In Downtown angekommen, stellen wir allerdings fest, dass hier nicht gerade das pralle Leben tobt. Die Straßen wirken erstaunlich leer, und von der geschäftigen Atmosphäre, die wir uns vorgestellt haben, ist nicht besonders viel zu spüren. Vielleicht sind die Einwohner von Phoenix einfach schlauer als wir und verbringen ihre Zeit bei dieser Hitze grundsätzlich in klimatisierten Gebäuden. Ich könnte es ihnen jedenfalls nicht verdenken.

Einen wichtigen Programmpunkt haben wir allerdings noch: Nadine möchte unbedingt ein letztes Souvenir im Hard Rock Cafe besorgen. Also machen wir uns auf den Weg dorthin. Das Hard Rock Cafe in Phoenix ist mit seiner riesigen roten Gitarre an der Fassade ohnehin kaum zu übersehen. Wenn irgendwo ein überdimensionales Musikinstrument an einem Gebäude hängt, kann man ziemlich sicher sein, dass wir früher oder später davorstehen. Nadine erledigt ihren Einkauf, wir schauen uns noch ein wenig um, und damit ist unser kulturelles Pflichtprogramm für Downtown Phoenix auch schon abgeschlossen. Bleibt nur die Frage, wie wir die nächsten Stunden verbringen sollen, ohne draußen langsam zu verdampfen.
Zum Glück haben wir unser Navigationsgerät dabei. Und wenn uns selbst nichts mehr einfällt, fragen wir eben die Technik. Das Navi wird nach interessanten Zielen in der Umgebung durchsucht, und plötzlich erscheint eine vielversprechende Möglichkeit: Arizona Mills! Eine große Shoppingmall, nicht allzu weit entfernt, mit jeder Menge Geschäften, Restaurants und vor allem einer funktionierenden Klimaanlage. Damit ist die Entscheidung praktisch gefallen. Bei 40 Grad im Schatten muss man schließlich Prioritäten setzen, und eine klimatisierte Shoppingmall steht auf meiner persönlichen Überlebensliste ziemlich weit oben.

Wenig später stehen wir vor der Arizona Mills und fühlen uns sofort an unsere geliebte Sawgrass Mills in Florida erinnert. Kein Wunder, schließlich gehören beide zum selben Betreiber. Schon von außen sieht das Ganze nach einer ordentlichen amerikanischen Einkaufslandschaft aus, mit Palmen, großen Gebäuden und Parkplätzen, auf denen man vermutlich problemlos mehrere deutsche Innenstädte unterbringen könnte. Drinnen empfängt uns dann diese herrlich kühle Luft, für die ich amerikanische Einkaufszentren wirklich liebe. Man kommt von draußen herein, wo man innerhalb weniger Minuten beinahe gar ist, und steht plötzlich in einer Umgebung, in der man ernsthaft überlegt, ob man nicht doch eine leichte Jacke gebrauchen könnte. Die Amerikaner kennen bei Klimaanlagen offenbar nur zwei Einstellungen: aus oder Antarktis.
Eigentlich haben wir ja gar keinen Platz mehr im Gepäck. Eigentlich! Aber das hält uns natürlich nicht davon ab, trotzdem noch ein bisschen durch die Geschäfte zu schlendern. Man könnte ja etwas entdecken, das so unglaublich günstig ist, dass es praktisch unverantwortlich wäre, es nicht zu kaufen. Nadine wird bei ROSS tatsächlich noch fündig, und ich frage mich inzwischen, ob wir am Flughafen vielleicht einen zusätzlichen Koffer benötigen. Andererseits sind wir mittlerweile ziemlich geübt darin, Gepäckstücke bis zum letzten Kubikzentimeter auszunutzen. Wenn es sein muss, ziehen wir eben auf dem Rückflug drei T-Shirts übereinander an.
Zwischendurch landen wir natürlich im Foodcourt. Dort gibt es wieder diese typisch amerikanische Auswahl, bei der man sich zwischen ungefähr zwanzig verschiedenen Möglichkeiten entscheiden muss, während einem aus allen Richtungen der Duft von Pizza, gebratenem Hühnchen und asiatischem Essen entgegenweht. Bianca entscheidet sich für Pizza, andere für asiatische Köstlichkeiten, und Stefan sitzt mit einem riesigen Becher von Panda Express am Tisch. Auf den Fotos sieht man uns jedenfalls alle ziemlich zufrieden zwischen Tabletts, Getränkebechern und den letzten Einkäufen sitzen. Wir haben inzwischen eine gewisse Routine darin entwickelt, amerikanische Foodcourts zu erobern. Erst einmal einen Tisch sichern, dann schwärmen alle in verschiedene Richtungen aus, und irgendwann trifft sich die Familie wieder, um gemeinsam die kulinarischen Errungenschaften zu begutachten. Das funktioniert erstaunlich gut, solange niemand seinen Tisch vergisst.
Beim weiteren Bummel entdecken wir dann etwas, das sofort unsere Aufmerksamkeit erregt: einen Hurricane Simulator! Eine kleine, durchsichtige Kabine, in der man sich für zwei Dollar einen ordentlichen Sturm um die Ohren blasen lassen kann. Ich weiß nicht, wer auf die Idee gekommen ist, mitten in einer Shoppingmall einen künstlichen Hurrikan anzubieten, aber ich finde sie großartig. Schließlich sind wir in Amerika, und hier kann man offenbar wirklich alles kaufen. Sogar schlechtes Wetter! Natürlich müssen wir das ausprobieren. Allerdings nicht selbst. Wir haben schließlich Patrick dabei!
Für zwei Dollar darf unser frischgebackener Ehemann in die Kabine steigen und sich einmal ordentlich durchpusten lassen. Er nimmt seinen Platz ein, die Tür wird geschlossen, und dann geht es los. Zunächst steht Patrick noch ziemlich entspannt da, als würde er auf einen etwas kräftigeren Luftzug warten. Doch dann beginnt der Wind zu heulen, die Haare geraten in Bewegung, und die Anzeige klettert immer weiter nach oben. 43,8 mph, 53,8 mph und schließlich stolze 78,2 Meilen pro Stunde! Das sind immerhin rund 126 km/h! Patrick kneift die Augen zusammen, verzieht das Gesicht und versucht, einigermaßen würdevoll stehen zu bleiben, während draußen natürlich die Kameras heißlaufen. Ich weiß nicht, ob er sich in diesem Moment tatsächlich wie mitten in einem Hurrikan fühlt, aber sein Gesichtsausdruck ist unbezahlbar. Für zwei Dollar bekommen wir jedenfalls eine ausgesprochen unterhaltsame Vorstellung. Ich würde sagen, das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt!
Langsam wird es Zeit, an unseren Rückflug zu denken. Also verlassen wir die Arizona Mills und machen uns auf den Weg zum Flughafen. Vorher gibt es allerdings noch ein letztes Erinnerungsfoto mit unseren beiden Ford-SUVs. Drei Wochen lang haben uns die Autos zuverlässig durch den Südwesten begleitet, über endlose Highways, durch Wüstenlandschaften, über Bergpässe und mitten hinein in das Verkehrschaos von Las Vegas. Inzwischen gehören sie fast schon zur Familie. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich mich auf den ersten Kilometern noch gefragt habe, ob wir wirklich so große Autos brauchen. Nach drei Wochen mit fünf Personen, Bergen von Gepäck und jeder Menge Einkäufen lautet die Antwort eindeutig: Ja! Und vermutlich hätten wir auf dem Rückweg sogar noch einen Anhänger gebrauchen können.
Am Flughafen folgt dann das übliche Prozedere. Mietwagen zurückgeben, Gepäck ausladen, kontrollieren, ob auch wirklich nichts in irgendeinem Fach liegen geblieben ist, und anschließend mit unseren Koffern Richtung Terminal ziehen. Ich finde es jedes Mal erstaunlich, wie schnell man sich an ein Auto gewöhnt. Drei Wochen lang steigen wir ganz selbstverständlich ein, fahren los und fühlen uns beinahe wie zu Hause. Und plötzlich steht man wieder mit seinen Koffern auf dem Flughafengelände und muss den Schlüssel abgeben. Das war’s dann also mit unserem amerikanischen Fuhrpark.
Beim Check-in wird es noch einmal spannend. Nicht etwa wegen der Flugtickets, sondern wegen unserer Koffer. Die sehen inzwischen aus, als hätten wir einen Umzug hinter uns. Auf einem Foto sitzen Nadine und Bianca zwischen einer ganzen Batterie bunter Gepäckstücke, die in Türkis, Pink, Grün und Blau leuchten. Wenn wir die alle nebeneinander aufstellen, könnte man meinen, eine kleine Reisegruppe wäre gerade auf dem Weg zu einer mehrmonatigen Weltreise. Aber immerhin hat das Ganze einen Vorteil: Unsere Koffer werden wir auf dem Gepäckband garantiert wiedererkennen. Sofern sie nicht unter der Last ihrer eigenen Souvenirs zusammenbrechen.

Nachdem alles eingecheckt ist, haben wir endlich Zeit, uns ein bisschen auszuruhen. Wir suchen uns einen Platz, holen uns noch etwas zu essen und lassen die vergangenen Wochen Revue passieren. Und da kommt wirklich einiges zusammen! Wir sind über die Route 66 gefahren, haben in einem Wigwam übernachtet, waren in Tombstone, haben die Wüste von White Sands erlebt und sind durch Landschaften gefahren, die aussehen, als hätte Hollywood sie eigens für einen Western aufgebaut. Wir haben am Hoover Dam gestanden, in Las Vegas die Nächte zum Tag gemacht und sind schließlich mit Elvis in einer kleinen Hochzeitskapelle gelandet. Bianca und Patrick haben geheiratet, sind mit dem Helikopter zum Grand Canyon geflogen und haben anschließend ihr Hochzeitsessen bei Fuddruckers mit riesigen Hamburgern gefeiert. Und gestern saßen wir noch auf Pferden mitten in Arizona und haben Sandwiches gegessen, die wir bereits im Januar bestellt hatten. Wenn ich das alles so zusammenzähle, frage ich mich ernsthaft, wie wir diese Erlebnisse in nur drei Wochen untergebracht haben.
Besonders schön finde ich natürlich, dass Bianca und Patrick als unverheiratetes Paar nach Amerika gekommen sind und nun als Ehepaar zurückfliegen. Das war schließlich der große Höhepunkt unserer Reise, auf den wir so lange hingearbeitet haben. Und ich muss sagen, diese Hochzeit war wirklich etwas ganz Besonderes. Wir haben schon viele Hochzeiten erlebt, aber noch nie eine, bei der so viel gelacht wurde. Keine endlosen Sitzordnungen, keine beleidigten Verwandten, keine Diskussionen darüber, wer neben wem sitzen darf. Stattdessen fünf Menschen, eine kleine Kapelle, ein großartiger Elvis und eine Stimmung, die einfach nicht besser hätte sein können. Ich glaube, wenn wir irgendwann einmal von dieser Reise erzählen, wird uns vor allem dieser Tag immer wieder zum Lachen bringen.
Irgendwann heißt es dann tatsächlich Abschied nehmen. Unsere British-Airways-Maschine wartet bereits, und wenig später sitzen wir wieder in einem dieser riesigen Flugzeuge, die einen innerhalb weniger Stunden von einem Kontinent auf den anderen bringen. Auf dem Foto sieht unsere Boeing 747 mit ihrem mächtigen Rumpf und den gewaltigen Triebwerken jedenfalls ausgesprochen beeindruckend aus. Ich finde diese großen Maschinen immer wieder faszinierend. Da steht so ein riesiger Vogel auf dem Rollfeld, schluckt Hunderte Passagiere samt Gepäck und hebt anschließend einfach ab, als wäre das die selbstverständlichste Sache der Welt.
Der Flug nach London verläuft erfreulich ruhig. Nach all den Abenteuern der vergangenen Wochen ist das auch vollkommen in Ordnung. Wir brauchen wirklich keine zusätzlichen Überraschungen mehr. Ich glaube, wir haben unser persönliches Abenteuerkontingent für diesen Urlaub inzwischen mehr als ausgeschöpft. Also machen wir es uns in unseren Sitzen bequem, schauen ein bisschen aus dem Fenster, essen, dösen und versuchen, wenigstens ein paar Stunden Schlaf zu bekommen. Was bei mir im Flugzeug bekanntlich nicht immer besonders gut funktioniert. Irgendwo zwischen Phoenix und London verschwimmen dann langsam die Erinnerungen an die vergangenen Wochen mit dem gleichmäßigen Brummen der Triebwerke.
In London landen wir pünktlich und haben zum Glück keine besonders lange Wartezeit bis zu unserem Anschlussflug nach Stuttgart. Trotzdem reicht es natürlich noch für ein paar Fotos am Flughafen. Wir sitzen wieder einmal zwischen Handgepäck, Einkaufstüten und müden Mitreisenden und warten darauf, dass unser nächster Flieger aufgerufen wird. Die anfängliche Aufregung des Hinflugs ist inzwischen einer gewissen Reisemüdigkeit gewichen. Drei Wochen Amerika sind großartig, aber irgendwann freut man sich tatsächlich auch wieder auf das eigene Bett, eine vernünftige Dusche und einen Kühlschrank, in dem nicht ausschließlich amerikanische Getränke in Familienpackungsgröße stehen.
Als wir schließlich in Stuttgart ankommen, ist unsere große USA-Reise 2011 tatsächlich vorbei. Drei Wochen, fünf Leute, zwei Mietwagen, unzählige Meilen und Erlebnisse, die locker für mehrere Urlaube gereicht hätten. Ich bin müde, glücklich und ein bisschen traurig, dass alles schon wieder vorbei ist. Aber vor allem bin ich dankbar, dass wir diese Reise gemeinsam erleben durften. Mit unseren beiden Töchtern und Patrick unterwegs zu sein, war etwas ganz Besonderes. Wir haben so viel zusammen gelacht, erlebt und gesehen, dass uns der Gesprächsstoff vermutlich noch für die nächsten Jahre reichen wird.
Und falls jetzt jemand glaubt, wir würden nach dieser Reise erst einmal genug von Amerika haben, muss ich ihn leider enttäuschen. Stefan und ich haben unsere Flüge für 2012 nämlich längst gebucht! Während andere Menschen nach drei Wochen USA vielleicht erst einmal ihren Kontostand überprüfen und sich eine längere Reisepause gönnen, beschäftigen wir uns gedanklich bereits mit der nächsten Tour. Es gibt schließlich noch so viele Straßen, die wir nicht gefahren sind, so viele Orte, die wir nicht gesehen haben, und vermutlich auch noch ein paar amerikanische Shoppingmalls, die dringend auf unseren Besuch warten.
Aber jetzt geht es erst einmal nach Hause. Die Koffer müssen ausgepackt, die Wäsche gewaschen und die unzähligen Fotos sortiert werden. Und ich ahne bereits, dass Letzteres eine größere Herausforderung wird als sämtliche Wüstenfahrten zusammen.
Bye-bye, Amerika! Es war wieder einmal sensationell. Und keine Sorge, wir kommen wieder. Die Flugtickets liegen schließlich schon bereit!



















