Von Palmen, Stachelterroristen und außerirdischem Dörrfleisch
Guten Morgen aus Palm Desert. Zumindest vermuten wir, dass wir noch in Palm Desert waren, denn unser ausgesprochen charmantes Hotel haben wir auch an diesem Morgen nicht bei Tageslicht gesehen. Wir hatten es am Vorabend im Dunkeln betreten und verließen es nun wieder im Dunkeln – womit wir uns eigentlich auch eine deutlich günstigere Unterkunft hätten suchen können. Was nützt einem schließlich ein hübsches Hotel, wenn man es ausschließlich als Schlafstätte zwischen zwei Sonnenuntergängen benutzt? Aber meine innere Uhr hatte wie üblich beschlossen, dass Urlaub keinesfalls bedeutet, morgens sinnlos im Bett herumzuliegen. Ich war wach, also waren wir wach, und noch bevor die Sonne überhaupt ernsthaft über ihren Arbeitstag nachdachte, standen wir mit Kaffee draußen und sahen zu, wie der Himmel über Palm Desert langsam heller wurde. Immerhin bekamen wir auf diese Weise einen fantastischen Sonnenaufgang geliefert. Das Hotel selbst blieb weiterhin ein nächtliches Phantom.

Heute mussten wir Strecke machen. Unser Tagesziel war Beatty in Nevada, rund 500 Kilometer nördlich von Palm Desert und für uns ein alter Bekannter am Rand des Death Valley. Allerdings wäre es völlig untypisch gewesen, diese 500 Kilometer einfach auf möglichst direktem Weg hinter uns zu bringen. Wo kämen wir denn da hin? Zwischen Palm Desert und Beatty lagen schließlich noch der Joshua Tree National Park, ein Stück Route 66, die Mojave-Wüste und vermutlich mehrere Möglichkeiten, sich unterwegs irgendwo festzuquatschen oder falsch abzubiegen. Der Tag war also durchaus ambitioniert geplant. Aber bevor wir uns mit Wüsten, Kakteen und 500 Kilometern beschäftigten, mussten zunächst die wirklich wichtigen Dinge des Lebens geklärt werden: Frühstück.
Dafür fuhren wir nach La Quinta zu IHOP. Etwa eine halbe Stunde Umweg für ein Frühstück mag auf den ersten Blick etwas übertrieben erscheinen, aber wir reden hier nicht über ein deutsches Frühstück mit zwei Brötchen, Butter und einer Scheibe Käse. Wir reden über amerikanisches Frühstück. Pancakes, Waffeln, Eier und jene Teller, bei denen man sich schon beim Servieren fragt, ob die Küche versehentlich die Bestellung für den gesamten Tisch auf einem einzigen Teller angerichtet hat. Natürlich befand sich irgendwo zwischen den ganzen Kohlenhydraten auch Obst, womit die Sache ernährungsphysiologisch für uns ausreichend abgesichert war. Wenn neben einem Stapel Pancakes drei Erdbeeren liegen, ist das praktisch ein Obstsalat. Wir ließen uns jedenfalls Zeit, denn wenn man schon um eine Uhrzeit aufsteht, zu der andere Menschen noch nicht einmal wissen, dass es einen Morgen gibt, kann man wenigstens vernünftig frühstücken.
Kurz nach acht erreichten wir schließlich die südliche Einfahrt des Joshua Tree National Parks. Ich mochte diesen Park schon damals sehr. Er hat nicht die monumentale Wucht eines Grand Canyon, keine Wasserfälle wie Yosemite und keine Landschaft, bei der man hinter jeder Kurve automatisch „Wow!“ sagt. Joshua Tree funktioniert anders. Die Schönheit schleicht sich eher an. Diese riesige, trockene Landschaft, die bizarren Felsen und dazwischen überall diese völlig seltsamen Bäume, die aussehen, als hätte jemand beim Entwerfen irgendwann beschlossen, sich nicht länger an botanische Regeln zu halten. Je länger man durch den Park fährt, desto besser wird er.
Unser erster Halt war der Cholla Cactus Garden an der Pinto Basin Road. Dort wächst mitten in der Wüste eine riesige Kolonie von Cholla-Kakteen, und schon beim Aussteigen sah das Ganze ausgesprochen hübsch aus. Im Morgenlicht leuchteten die Pflanzen beinahe golden und wirkten tatsächlich weich und flauschig. Deshalb heißt eine der dort vorkommenden Arten auch Teddy Bear Cholla. Das ist allerdings botanischer Etikettenschwindel erster Güte. Mit einem Teddybären hat dieses Gewächs ungefähr so viel gemeinsam wie ein Stacheldrahtzaun mit einer Kuscheldecke. Unter der vermeintlich flauschigen Oberfläche sitzen mehrere Zentimeter lange Stacheln mit winzigen Widerhaken, die sich ausgesprochen ungern wieder von dem trennen, was ihnen einmal zu nahe gekommen ist.

Noch hinterhältiger sind die sogenannten Jumping Chollas. Die springen natürlich nicht wirklich durch die Wüste und überfallen arglose Wanderer – wobei ich ihnen nach näherer Betrachtung durchaus zutrauen würde, dass sie nachts entsprechende Pläne schmieden. Ihre Segmente lösen sich bei Berührung extrem leicht und bleiben dann an Kleidung oder Haut hängen. Deshalb lautet die vernünftige Vorgehensweise im Cholla Cactus Garden: anschauen, fotografieren und Abstand halten. Benni interpretierte das eher als wissenschaftliche Herausforderung und untersuchte ausgiebig, wie nahe man einem solchen Ding kommen muss, bevor es seinem Namen gerecht wird.
Nach der Klapperschlange vom Vortag hätte ich eigentlich erwartet, dass sein Interesse an der amerikanischen Tier- und Pflanzenwelt etwas defensiver geworden wäre. Offenbar nicht. Die Kakteen verweigerten ihm allerdings die Mitarbeit, was vermutlich für alle Beteiligten besser war. Einen Vormittag damit zu verbringen, Cholla-Stacheln aus Benni herauszuoperieren, hätte unseren ohnehin sportlichen Zeitplan empfindlich gestört.
Wir liefen den etwa 400 Meter langen Rundweg durch den Garten und hatten ihn nahezu für uns allein. Das frühe Aufstehen hatte also doch Vorteile. Keine Busladungen, kein Gedränge, nur wir und ein paar tausend Kakteen, die alle aussahen, als würden sie auf den einen unvorsichtigen Touristen warten. Danach ging es weiter Richtung Norden, vorbei an immer größeren Felsformationen und natürlich am Skull Rock. Bei manchen Sehenswürdigkeiten braucht es viel Fantasie, um zu erkennen, was der Namensgeber darin gesehen haben will. Beim Skull Rock nicht. Der riesige Fels sieht tatsächlich aus wie ein Schädel, komplett mit Augenhöhlen, und liegt so selbstverständlich neben der Straße, als hätte die Natur hier irgendwann beschlossen, ein bisschen Kulisse für einen Indiana-Jones-Film zu bauen.

Von dort bogen wir auf die Stichstraße zum Keys View ab. Nach ungefähr zwanzig Minuten erreichten wir den Aussichtspunkt auf dem Kamm der Little San Bernardino Mountains, und plötzlich lag weit unter uns das gesamte Coachella Valley. Rechts zogen sich die Santa Rosa Mountains entlang, dahinter erhob sich der San Jacinto Peak und noch weiter in der Ferne der schneebedeckte San Gorgonio Mountain. Besonders schön war, dass wir nun auf genau die Landschaft blickten, die wir am Abend zuvor von der anderen Seite gesehen hatten. Gestern hatten wir mit der Palm Springs Aerial Tramway dort drüben auf fast 2.600 Metern gestanden und in Richtung Joshua Tree geschaut, heute standen wir im Joshua Tree und schauten zurück. Das machte die Dimensionen dieser Landschaft erst richtig deutlich. Und irgendwo dort unten lag auch unser Hotel, das wir weiterhin nur aus der Dunkelheit kannten.
Unser nächster Halt war Hidden Valley. Der Name klingt zunächst nach einer Ferienanlage mit Golfplatz, tatsächlich handelt es sich aber um ein fast vollständig von Felsen umschlossenes Tal. Die gewaltigen Granitblöcke ringsherum schützen das Innere vor Wind und schaffen dadurch ein eigenes kleines Mikroklima, in dem andere Pflanzen wachsen als in der offenen Wüste. Ein etwa 1,6 Kilometer langer Rundweg führt zwischen diesen riesigen Bouldern hindurch, von denen einige aussehen, als hätte jemand gigantische Kartoffeln übereinandergestapelt. Für Kletterer ist das Gebiet ein Paradies, und auch ohne Seil kann man hervorragend auf den niedrigeren Felsen herumturnen. Wir beschränkten uns weitgehend aufs Wandern und Fotografieren. Schließlich lagen noch ein paar hundert Kilometer vor uns, und nachdem Benni innerhalb von 24 Stunden bereits beinahe auf eine Klapperschlange getreten war und versucht hatte, einen Kaktus zum Angriff zu provozieren, wollte ich unser Glück nicht unnötig überstrapazieren.
Über die unbefestigte Queen Valley Road fuhren wir anschließend zurück zum Park Boulevard. Hier zeigte sich der Joshua Tree National Park dann noch einmal genau so, wie ich ihn in Erinnerung hatte: sandfarbene Felsen, weite Landschaft und überall diese knorrigen Joshua Trees mit ihren verdrehten Ästen. Manche standen einzeln in der Ebene, andere bildeten ganze Wälder, und jeder sah ein bisschen anders aus. Dazu kam, dass wir an diesem Dienstag im März kaum anderen Menschen begegneten. Kilometerlang gehörte die Straße praktisch uns. Genau deshalb mochte ich diesen Park. Er brauchte keine spektakuläre Einzelattraktion, die man abhakt und anschließend zum Parkplatz zurückläuft. Eigentlich war der ganze Park die Attraktion.
Am North Entrance verließen wir schließlich den Joshua Tree National Park und kamen nach Twentynine Palms. Inzwischen meldete sich der Hunger, und Google versprach uns etwas, das wir bis dahin noch nie ausprobiert hatten: Five Guys. Burger klang gut, Five Guys wollten wir ohnehin einmal testen, also folgten wir erwartungsvoll dem Navi. Das führte uns zuverlässig durch Twentynine Palms, weiter geradeaus und schließlich direkt vor ein ziemlich beeindruckendes Tor. Nur dass hinter diesem Tor kein Burgerladen lag, sondern das Marine Corps Air Ground Combat Center Twentynine Palms. Nun kann man den Amerikanern einiges zutrauen, aber dass Five Guys neuerdings ausschließlich Angehörige des US Marine Corps verköstigt, erschien selbst uns unwahrscheinlich.
Offenbar befand sich die Filiale tatsächlich auf dem Militärgelände. Google hatte diesen kleinen Umstand bei seiner Empfehlung eher unter „unwichtige Details“ verbucht. Wir standen also vor einer der größten Marine-Corps-Basen der USA und mussten feststellen, dass wir zwar Hunger hatten, aber weder einen militärischen Dienstausweis noch den Wunsch, den freundlichen Herren am Eingang zu erklären, dass wir eigentlich nur einen Cheeseburger wollten. Also drehten wir wieder um. Auf dem Hinweg hatten wir einen McDonald’s gesehen, und dessen Zugangsvoraussetzungen erschienen uns deutlich überschaubarer. Damit endete unser erster Versuch bei Five Guys an einer amerikanischen Militärbasis. Andere Menschen scheitern an Öffnungszeiten. Wir scheitern an den Marines.
Nach dem Essen ging es weiter nach Norden. Etwa 45 Minuten später erreichten wir Amboy und damit die Historic Route 66. Sobald man auf dieser Straße unterwegs ist, passiert bei uns zuverlässig etwas im Kopf. Man kennt die Bilder, die Schilder, die endlose Gerade durch die Wüste, und plötzlich ist eine alte Landstraße nicht mehr einfach Asphalt, sondern eben die Route 66. In Amboy wird diese Vergangenheit besonders sichtbar. Viel ist von dem Ort nicht mehr übrig, aber genau das macht seinen Reiz aus. Das berühmte Roy’s Motel & Cafe mit seinem riesigen Schild steht noch immer an der Straße und sieht aus, als müsste jeden Moment ein Straßenkreuzer aus den Fünfzigern vorfahren.
Amboy
Amboy hatte seine große Zeit nach der Eröffnung der Route 66 im Jahr 1926. Durch die abgeschiedene Lage war der Ort eine wichtige Station für Reisende, die hier tanken, essen und übernachten konnten. 1938 eröffnete Roy’s Cafe und später kam das Motel hinzu. Dann wurde Amboy 1973 durch die Interstate 40 umgangen – und damit verschwand praktisch über Nacht das, wovon der Ort lebte: der Verkehr.
Die Einwohner gingen, Gebäude wurden aufgegeben, und irgendwann lebten hier nur noch eine Handvoll Menschen. 2003 wurde sogar versucht, die komplette Stadt bei eBay zu versteigern. Auch das muss man erst einmal schaffen: Andere Leute verkaufen dort eine gebrauchte Kaffeemaschine, in Kalifornien stand gleich ein ganzer Ort zum Verkauf.
Der gewünschte Preis wurde nicht erreicht, 2005 kaufte schließlich Albert Okura, der Besitzer der Restaurantkette Juan Pollo, Amboy für 425.000 Dollar und begann, Teile des historischen Ortes zu erhalten. Heute ist Roy’s eines dieser Motive, bei denen man eigentlich gar nicht anders kann, als anzuhalten und ein Foto zu machen.
Von Amboy führte uns die Kelbaker Road mitten hinein in die Mojave-Wüste. Die Landschaft wurde leerer, die Straßen länger und irgendwann erreichten wir Kelso, eine ehemalige Eisenbahnsiedlung im Mojave National Preserve. Dort steht das restaurierte Kelso Depot, ein überraschend großes und elegantes Bahnhofsgebäude mitten im Nirgendwo.
Früher war die Eisenbahn hier lebenswichtig, heute wirkt das Gebäude beinahe surreal: ringsherum Wüste, kaum Menschen und mittendrin ein Bahnhof aus einer Zeit, in der hier noch richtig Betrieb herrschte. Für uns war es ein kurzer Zwischenstopp auf dem Weg nach Norden, aber genau solche Orte liebe ich an amerikanischen Roadtrips. Man fährt durch scheinbares Nichts und plötzlich steht irgendwo ein Stück Geschichte herum..
Eine gute halbe Stunde später erreichten wir die I-15. Zumindest war das der Plan. Irgendwo beim Abbiegen entschieden wir uns allerdings für die falsche Richtung und landeten in Baker. Normalerweise gehört eine falsche Abfahrt in die Kategorie „unnötiger Zeitverlust“. Diesmal war sie ein Volltreffer, denn plötzlich standen wir vor Alien Fresh Jerky.
Schon der Parkplatz machte deutlich, dass hier niemand besonderen Wert auf Zurückhaltung legte. Aliens standen herum, es gab einen eigenen Alien-Parkplatz, und der gesamte Laden sah aus, als hätten sich Area 51, ein Souvenirshop und eine Tankstelle nach einer durchzechten Nacht gemeinsam selbstständig gemacht. Natürlich mussten wir hinein.

Drinnen gab es alles, was man von einem seriösen Fachgeschäft für außerirdisches Dörrfleisch erwartet: Alien-Souvenirs in sämtlichen denkbaren Geschmacksrichtungen, fragwürdigen Kitsch und eine beeindruckende Auswahl an Beef Jerky mit Namen wie „Abducted Cow“ oder „Colon Cleaner“. Dazu standen Regale voller scharfer Soßen, deren Etiketten offenbar nach dem Prinzip gestaltet wurden: Je wahrscheinlicher ein anschließender medizinischer Zwischenfall, desto besser der Name. Mein persönlicher Favorit war „Burn in Hell Osama Hot Sauce“. Subtilität war offensichtlich nicht Teil des Marketingkonzepts.

Benni nutzte währenddessen die Gelegenheit, erste diplomatische Beziehungen zu den anwesenden Außerirdischen aufzunehmen. Nach Klapperschlange und Cholla-Kakteen war das vermutlich sogar die ungefährlichste Begegnung, die er seit zwei Tagen mit einer fremden Spezies gehabt hatte.
Wir fotografierten uns durch den kompletten Irrsinn, schauten uns die Souvenirs an und waren uns einig, dass diese falsche Abfahrt eine unserer besseren Navigationsleistungen gewesen war. Genau solche Zufallsfunde machen einen Roadtrip schließlich erst richtig gut. Man kann noch so viel planen – die Geschichten entstehen meistens dort, wo man eigentlich gar nicht hinwollte.
Inzwischen war es kurz nach drei und wir hatten noch rund 135 Meilen vor uns. Also verabschiedeten wir uns von den Aliens und nahmen endgültig Kurs auf Nevada. Die Straße führte durch die endlose Wüstenlandschaft am Death Valley vorbei, und gegen 17 Uhr erreichten wir schließlich Beatty. Den Ort kannten Stefan und ich bereits von früheren Reisen, und viel Eingewöhnungszeit braucht man dort ohnehin nicht. Beatty ist angenehm übersichtlich. Tankstelle, Motel, ein paar Restaurants – wer sich hier verläuft, sollte vielleicht grundsätzlich über die Anschaffung eines Navis nachdenken. Wobei wir nach unserem Ausflug zum Marine Corps und dem ungeplanten Besuch in Baker an diesem Tag besser nicht mit dem Finger auf andere zeigen sollten.
Unser Motel war das Atomic Inn, und nach dem Zwischenstopp bei Alien Fresh Jerky passte es perfekt ins Tagesprogramm, dass auch hier wieder Außerirdische herumstanden. Offenbar waren wir unbemerkt in den Alien-Teil unseres Urlaubs geraten. Das Atomic Inn war kein Luxushotel und wollte auch keines sein. Es war eines dieser Motels, bei denen man das Auto direkt vor der Zimmertür abstellt, seine Sachen hineinwirft und sofort weiß: Genau dafür sind wir hier. Außerdem lag alles, was wir an diesem Abend noch brauchten, in bequemer Laufweite. Das war wichtig, denn nach ungefähr 500 Kilometern, mehreren Wanderungen und einer inzwischen beachtlichen Sammlung skurriler Zwischenstopps hatte niemand mehr Interesse daran, noch einmal ins Auto zu steigen.
Also liefen wir nur über die Straße zum Sourdough Saloon. Stefan und ich kannten ihn schon von früher, und erfreulicherweise hatte sich offenbar nichts verändert. An der Bar saß wieder der Sheriff mit seinen Kumpels. Zumindest wirkte die Runde so selbstverständlich dort platziert, als gehörte sie zum Inventar und würde morgens zusammen mit den Barhockern aufgestellt.
Wir gingen nach hinten, wo sich die winzige offene Küche befand. Dort arbeitete eine einzige Frau, die gleichzeitig kochte, Bestellungen aufnahm, Essen herausgab und kassierte. Der Laden war brechend voll, und wir beobachteten fasziniert, wie sie das alles bewältigte, ohne irgendwann eine Bratpfanne durch den Raum zu werfen. Ich hätte nach zehn Minuten entweder geweint oder die Tür abgeschlossen und wäre gegangen.

Wir bestellten Spare Ribs und dazu einen Pitcher Bier für sechs Dollar. Sechs Dollar. Für einen ganzen Pitcher. Nachdem wir in den vergangenen Tagen bei diversen Sehenswürdigkeiten regelmäßig Beträge bezahlt hatten, bei denen man kurz über eine Beteiligung am Unternehmen nachdenken konnte, fühlte sich das beinahe illegal günstig an. Die Spare Ribs waren hervorragend, das Bier kalt, um uns herum saßen Einheimische und Reisende, vorne hing der Sheriff an der Bar und hinten zauberte eine Frau allein Essen für einen kompletten Saloon aus einer Küche, die ungefähr die Größe unseres Hotelbadezimmers hatte. Mehr Beatty ging eigentlich nicht.
Später mussten wir für den Heimweg lediglich die Straße überqueren. Das war nach diesem Tag auch ungefähr die maximale Entfernung, die ich noch freiwillig zurückgelegt hätte. Hinter uns lagen Palm Desert, ein amerikanisches Großfrühstück, der Joshua Tree National Park, Kakteen mit Körperverletzungsabsicht, eine versehentlich angesteuerte Militärbasis, McDonald’s als militärisch unkompliziertere Alternative, Route 66, zwei beinahe ausgestorbene Wüstenorte, eine falsche Abfahrt, außerirdisches Dörrfleisch und schließlich Spare Ribs mit einem Sechs-Dollar-Pitcher in Beatty.
Und morgen? Death Valley. Wir waren schließlich nicht zum Ausruhen hier.










































