Felsspalten, fehlende Zentimeter und ein Horseshoe Bend mit Völkerwanderung
Unser dritter und leider schon letzter kompletter Tag in Kanab begann mit einer geradezu ungewohnten Entscheidung: Wir gingen nicht zur Wave-Verlosung. Nach zwei erfolglosen Versuchen hätten wir natürlich ein drittes Mal im Visitor Center aufschlagen können, zumal wir inzwischen durchaus Gefallen an der täglichen Ranger-Show gefunden hatten. Kurz stand sogar die Idee im Raum, einfach nur zur Unterhaltung hinzugehen, ohne überhaupt an der Lotterie teilzunehmen. Aber das wäre vielleicht doch etwas sonderbar gewesen: drei Deutsche, die morgens freiwillig im Visitor Center sitzen und begeistert dabei zusehen, wie andere Leute Wanderpermits gewinnen. Außerdem ging es morgen weiter und damit war klar, dass uns ein heute gewonnenes Permit ohnehin nichts mehr gebracht hätte. Also verabschiedeten wir uns für dieses Jahr von der Wave. Sie hatte gewonnen. Noch. Denn eines war bereits beschlossen: Nächstes Jahr versuchen wir es wieder.
Stattdessen stand heute etwas auf dem Programm, das mir mindestens genauso viel Spaß macht: ein Slot Canyon. Ich liebe diese engen Schluchten, in denen man zwischen meterhohen Felswänden herumläuft, sich durch schmale Passagen quetscht und nie so genau weiß, was hinter der nächsten Kurve kommt. Der bekannteste Vertreter ist natürlich der Antelope Canyon bei Page, den wir 2007 auf unserer ersten West-Reise besucht hatten. Keine Frage, der ist wunderschön. Aber inzwischen ist er auch derart professionell vermarktet und teuer, dass das Ganze für meinen Geschmack ein bisschen zu viel von „Naturwunder mit organisierter Besucherabfertigung“ hat.
Zum Glück gibt es im Südwesten genügend Alternativen, bei denen man keinen Zeitplan hinter einer Reisegruppe einhalten muss. Heute wollten wir deshalb den Wire Pass erkunden und von dort ein Stück in den Buckskin Gulch hineinwandern. Ohne Führung, ohne Flötenspiel und ohne jemanden, der uns erklärt, an welcher Stelle wir jetzt bitte das berühmte Foto machen sollen. Das klang schon eher nach uns.

Etwa 50 Meilen östlich von Kanab bogen wir vom Highway 89 auf die House Rock Valley Road ab. Eine Dirtroad, die wir inzwischen bestens kannten, denn hier liegt auch der Trailhead für die Wave. Ein bisschen gemein war das natürlich schon: Wir fuhren ausgerechnet zu jenem Parkplatz, von dem aus wir hätten loslaufen dürfen, wenn diese verdammte Lostrommel in den vergangenen beiden Tagen nur ein einziges Mal vernünftig funktioniert hätte.
Nach rund neun staubigen Meilen erreichten wir den Parkplatz, auf dem nur wenige Autos standen. An der Self Service Station füllten wir unser leuchtend orangefarbenes Permit aus, steckten sechs Dollar pro Person in den vorgesehenen Umschlag und legten den entsprechenden Abschnitt sichtbar ins Auto. Herrlich unkompliziert. Keine Lotterie, keine Holzkugeln, keine Hoffnungen, keine sechs jubelnden Gewinner vor unserer Nase. Geld rein, Zettel raus, wandern. So gefällt mir das.
Auf der anderen Straßenseite ging es durch ein Gatter und hinein in den breiten Coyote Wash, der vollkommen trocken war und sich zunächst eher wie eine gemütliche Sandpiste als wie der Beginn eines Abenteuers präsentierte. Wir kamen sogar an der Abzweigung zur Wave vorbei und warfen natürlich einen Blick hinüber. Da wäre sie gewesen. Unsere Wave. Also zumindest der Weg dorthin. Wir hatten nur leider nicht das dazugehörige Stück Papier. Aber gut, nächstes Jahr. Diesen Satz hatten wir inzwischen oft genug gesagt, dass er problemlos als offizielles Motto unserer Kanab-Tage durchgegangen wäre. Heute liefen wir weiter geradeaus und nach etwas mehr als einer Meile begann sich der breite Wash langsam zusammenzuziehen. Die Felswände rückten näher, der Weg wurde schmaler und irgendwann standen wir tatsächlich mitten im Wire Pass.
Und genau dafür liebe ich Slot Canyons. Von draußen ahnt man kaum, was einen erwartet, und wenige Meter später läuft man plötzlich durch einen teilweise kaum einen Meter breiten Spalt im Fels. Über uns nur ein schmaler Streifen Himmel, links und rechts glattgeschliffene Sandsteinwände, die je nach einfallendem Licht zwischen Orange, Rot, Braun und Violett wechselten. Der Wire Pass war dabei keineswegs einfach nur ein schmaler Spazierweg. Flash Floods hatten Baumstämme, Geröll und riesige Steine durch den Canyon geschoben, und wenn sich einer dieser Brocken zwischen den Wänden verkeilte, sammelten sich dahinter weitere Steine und Sand. So entstanden sogenannte Chockstones und teilweise ziemlich ordentliche Stufen im Canyonboden. Von oben betrachtet denkt man zunächst: Ach, da kommen wir schon irgendwie runter. Ein Satz, dessen entscheidender Bestandteil übrigens das Wort runter ist. Über das spätere rauf denkt man in solchen Situationen besser noch nicht zu intensiv nach.
Die ersten Hindernisse waren überschaubar, doch dann standen wir vor einem Drop von ungefähr drei bis dreieinhalb Metern. Und die Fotos zeigen ziemlich eindrucksvoll, was das bedeutete: Unter uns verkeilte Felsen und angeschwemmte Baumstämme, über uns eine gewaltige Steinkugel, die mitten im Canyon festhing, und dazwischen wir drei mit Rucksäcken und Kameras. Ein sauberer Wanderweg sieht anders aus. Benni war mit seinen langen Beinen in solchen Situationen eindeutig das nützlichste Mitglied unserer kleinen Reisegruppe. Er klemmte sich zwischen die Felsen, tastete sich nach unten und schaffte es schließlich bis auf den Canyonboden. Anschließend kam mein Seil zum Einsatz. Erst wurden Rucksäcke und Kameras sorgfältig zu Benni hinuntergelassen, denn bei aller Abenteuerlust wollten wir wenigstens vermeiden, dass unsere Fotoausrüstung den Drop auf direktem Weg absolvierte.
Dann folgte Stefan und schließlich war ich dran. Auf den Fotos sieht man wunderbar, wie elegant diese Aktion verlief – nämlich überhaupt nicht. Von „Abseilen“ zu sprechen wäre eine erhebliche Aufwertung dessen, was wir dort veranstalteten. Es war eher eine Mischung aus Rutschen, Klettern, Festklemmen, Füße irgendwo abstellen und hoffen, dass der nächste erreichbare Vorsprung tatsächlich trägt. Ich schob mich Stück für Stück durch den engen Spalt nach unten, während Benni unten stand und Stefan von oben half. Irgendwann waren wir tatsächlich alle drei samt Gepäck heil unten angekommen und konnten ausgesprochen zufrieden mit uns sein. Dass wir exakt denselben Weg auf dem Rückweg in umgekehrter Richtung wieder bewältigen mussten, verdrängten wir kollektiv. Probleme, die erst in ein paar Stunden auftreten, sind schließlich Probleme zukünftiger Menschen.
Danach zeigte sich der Wire Pass gnädiger. Zwei weitere Drops waren nur ungefähr einen Meter hoch und nach unserer kleinen Felsspaltennummer kaum noch erwähnenswert. Wir konnten uns wieder stärker auf den Canyon selbst konzentrieren, und der wurde immer schöner. Mal standen die Wände so eng zusammen, dass kaum Licht bis auf den Boden kam, dann öffnete sich der Slot für ein kurzes Stück und gab den Blick auf den blauen Himmel frei, bevor er uns gleich darauf wieder zwischen seinen Felswänden verschwinden ließ. Gerade dieses ständige Wechselspiel machte den Weg so spannend. Hinter jeder Kurve sah es anders aus, und natürlich bedeutete das für uns: stehen bleiben, Kamera raus, Foto machen, zwanzig Meter laufen, wieder stehen bleiben. Wer mit uns wandert, muss damit leben, dass eine Strecke von drei Kilometern zeitlich durchaus das Potenzial einer kleinen Alpenüberquerung besitzt.

Nach ungefähr einer halben Meile im eigentlichen Slot erreichten wir die Confluence, an der der Wire Pass in den Buckskin Gulch mündet. Plötzlich wurde der Canyon deutlich breiter. Rechts befand sich ein riesiger Alkoven und ganz in der Nähe entdeckten wir alte Petroglyphen an den Felswänden. Wir schauten uns natürlich ausgiebig um, bevor wir nach rechts abbogen und dem Buckskin Gulch folgten. Der gilt als einer der längsten Slot Canyons des Südwestens, und schon nach wenigen Metern verstand man, warum Menschen hier tagelang unterwegs sein können. Die Wände ragten hoch über uns auf, der Canyon wand sich ständig in neue Richtungen und mit jeder Biegung änderten sich Licht und Farben. Für uns bedeutete das erwartungsgemäß wieder einen schweren Arbeitstag für die Kameras.

Im Gegensatz zum Wire Pass mussten wir im Buckskin Gulch keine größeren Drops überwinden. Dafür gab es immer wieder Wasserlöcher, die von den letzten Regenfällen übrig geblieben waren. Meist konnten wir sie am Rand umgehen oder uns über Steine daran vorbeiarbeiten, bis nach insgesamt etwa viereinhalb Kilometern ein Pool vor uns lag, bei dem die Sache nicht mehr ganz so elegant aussah. Das Wasser war tief genug, dass wir für eine Fortsetzung entweder nasse Füße hätten akzeptieren oder deutlich kreativer werden müssen. Da wir ohnehin keinen bestimmten Endpunkt erreichen wollten, war die Entscheidung schnell gefallen. Wir drehten um. Das Schöne an einem Slot Canyon ist ohnehin, dass der Rückweg keineswegs einfach dieselbe Landschaft rückwärts ist. Durch den veränderten Lichteinfall sehen viele Passagen plötzlich völlig anders aus, sodass wir selbstverständlich wieder fotografierten, als hätten wir all diese Felsen auf dem Hinweg noch nie gesehen.
Zurück an der Confluence entdeckte ich außerdem eine kleine Munitionsbox. Meine Neugier war selbstverständlich sofort geweckt, und darin lag tatsächlich ein Gästebuch. Eine ähnliche Box hatten wir schon an der False Kiva in den Canyonlands gefunden, und natürlich trugen wir uns auch hier ein. Ich mag solche kleinen Dinge. Kein großer Besucherzähler, kein Souvenirshop, keine offizielle Urkunde darüber, dass man jetzt erfolgreich einen Canyon betreten hat – einfach eine alte Metallbox mitten in der Wildnis und ein Buch voller Namen von Menschen, die irgendwann vor uns genau hier gestanden hatten. Unsere kamen jetzt dazu, Deckel wieder drauf, Box zurück an ihren Platz und weiter.
Wieder im Wire Pass suchten wir uns an einer etwas offeneren Stelle ein Felsplateau für unsere Mittagspause. Decke raus, Essen raus, Schuhe ein bisschen ausruhen lassen und Sonne genießen. Viel besser hätte unser Picknickplatz kaum sein können. Vor uns die geschwungenen Sandsteinwände, über uns blauer Himmel und weit und breit niemand, der uns einen Tisch zuweisen oder fragen wollte, ob alles in Ordnung sei. Nach den vergangenen Stunden war das genau richtig, zumal wir wussten, dass uns anschließend noch eine kleine Aufgabe bevorstand. Irgendwo hinter uns wartete nämlich dieser drei Meter hohe Drop. Nur hieß er aus unserer Richtung betrachtet inzwischen leider nicht mehr Drop. Jetzt war es eine Wand.
Die beiden kleineren Stufen waren schnell erledigt, dann standen wir wieder vor unserem großen Felsbrocken mit dem verkeilten Holz darunter. Von unten sah die Sache keineswegs besser aus. Benni schaffte es dank seiner langen Beine tatsächlich, sich über die Holzstücke hochzuarbeiten und nach oben zu ziehen. Stefan und ich standen darunter und mussten feststellen, dass uns für dieselbe Methode ein paar durchaus entscheidende Zentimeter fehlten. Endlich bekam auch mein Seil wieder einen Auftritt, das ich seit zwei Jahren auf solchen Touren mitschleppte und für das ich vermutlich schon mehrfach belächelt worden war. Jetzt konnten wir wenigstens zuerst Rucksäcke und Kameras nach oben befördern. Nur wir selbst standen anschließend immer noch unten.

Benni bot an, mir von oben die Hand zu reichen. Ich sah ihn an, sah die Höhe an und stellte mir kurz vor, wie ich an seinem Arm hing und wir wenige Sekunden später beide wieder unten lagen. Das erschien mir nicht wie die ausgereifteste Rettungstechnik. Dann hatte er allerdings eine deutlich bessere Idee: Er setzte seinen Fuß möglichst weit vorne auf den runden Felsen und machte sich damit kurzerhand selbst zum fehlenden Klettergriff. Und tatsächlich funktionierte es. Festhalten, hochdrücken, irgendwo mit dem Fuß Halt suchen, Benni möglichst nicht aus dem Canyon ziehen – und plötzlich war ich oben. Stefan folgte auf dieselbe Weise. Wir hatten es geschafft, ohne Leiter, ohne professionelle Kletterausrüstung und vor allem ohne einen von uns dauerhaft zwischen zwei Felsen zurücklassen zu müssen. Für die paar Meter Canyon hatten wir inklusive Hin- und Herprobieren einiges an Zeit gebraucht, aber gerade solche Aktionen sind hinterher sowieso immer die besten Geschichten. Einen ebenen Wanderweg kann schließlich jeder.
Nach insgesamt vier Stunden und 9,5 Kilometern standen wir wieder am Auto. Und jetzt hatten wir ein Problem, das auf unseren Reisen erstaunlich häufig vorkommt: Wir waren früher fertig als erwartet und hatten plötzlich Zeit übrig. Andere Menschen würden vielleicht ins Hotel fahren, duschen und sich ausruhen. Wir betrachteten die Uhr und stellten fest, dass Page nur ungefähr 30 Minuten entfernt lag. Damit war die Sache praktisch entschieden. Wenn man schon in der Gegend war, konnte man schließlich noch schnell beim Horseshoe Bend vorbeischauen, ein bisschen durch Page fahren und am Lake Powell ein paar Fotostopps einlegen. „Noch schnell“ ist bei uns allerdings ein ausgesprochen dehnbarer Begriff.
Beim Horseshoe Bend bekamen wir zunächst einen kleinen Kulturschock. Als wir 2009 das letzte Mal hier gewesen waren, bestand die touristische Infrastruktur im Wesentlichen aus einem Schotterparkplatz und einem Trampelpfad. Man stellte das Auto ab, lief los und stand wenig später über dieser gewaltigen Schleife des Colorado River. Inzwischen war der Geheimtipp offenbar erfolgreich geheim geblieben, bis wirklich jeder davon erfahren hatte. Der Parkplatz war riesig und voll, Reisebusse spuckten Besucher aus und ganze Gruppen marschierten bewaffnet mit Kameras, Smartphones und erstaunlich großen Tablets Richtung Aussichtspunkt. Das Ganze erinnerte zeitweise an eine kleine Völkerwanderung. Wir reihten uns also ein und liefen den ungefähr einen Kilometer langen Weg erst hinauf und anschließend wieder hinunter zur Abbruchkante.
Am Horseshoe Bend selbst hatte sich glücklicherweise nichts verändert. Der Colorado zog tief unter uns seine fast perfekte Schleife um den riesigen Felsblock, und auch beim wiederholten Besuch war der Blick einfach großartig. Nur die Sache mit den Fotos war inzwischen etwas anspruchsvoller. 2009 hatten wir hier beinahe allein gestanden; heute musste man schon ein bisschen taktisch arbeiten, wenn nicht gleichzeitig zehn fremde Menschen im Bild auftauchen sollten. Benni fand trotzdem seinen Platz direkt an der Kante und setzte sich hin, als wäre unter seinen Füßen nicht gerade ein ziemlich beträchtliches Nichts. Stefan und ich fotografierten, warteten auf kleine Lücken im Besucherstrom und staunten gleichzeitig darüber, wie sehr sich dieser Ort innerhalb weniger Jahre verändert hatte.
Noch deutlicher wurde das anschließend in Page. Was war denn bitte hier passiert? Bei unseren früheren Besuchen hatte Page auf uns wie ein kleines, etwas verschlafenes Städtchen gewirkt, mit ein paar Restaurants, kleinen Motels und überschaubarem Betrieb. Ursprünglich war der Ort als Wohnsiedlung für die Arbeiter am Glen Canyon Dam entstanden, und einige der kleinen ehemaligen Unterkünfte waren später zu Motels geworden. 2007 und 2009 hatten wir selbst im Bashful Bob’s Motel übernachtet. Dieses Viertel nennt sich heute „Old Quarter – Street of the Little Motels“, nur wirkte es längst nicht mehr so charmant wie in unserer Erinnerung. Einige Ecken sahen inzwischen ziemlich heruntergekommen aus, während rundherum große moderne Hotelketten aus dem Boden geschossen waren. Offenbar hatten nicht nur wir irgendwann entdeckt, dass Page ziemlich praktisch zwischen Lake Powell, Antelope Canyon und Horseshoe Bend liegt.
Gegen 15 Uhr machten wir uns langsam auf den Rückweg, wobei „Rückweg“ selbstverständlich nicht bedeutete, dass wir jetzt einfach nach Kanab fuhren. Zunächst hielten wir noch am Glen Canyon Dam. Kurz vor der Staumauer stellten wir den Ford in einer kleinen Parkbucht ab und liefen über die Brücke, von der man einen hervorragenden Blick hinunter auf den Dam und den Colorado hat.
Anschließend ging es weiter zum Wahweap Overlook. Von dort lag der Lake Powell weit vor uns, tiefblau zwischen den hellen Felsen, dazu die Marina und diese endlose Landschaft dahinter. Nach dem engen Wire Pass am Vormittag war das fast das komplette Gegenprogramm: morgens hatten wir stellenweise kaum einen Meter Platz zwischen zwei Felswänden gehabt, jetzt konnten wir gefühlt bis zum nächsten Bundesstaat schauen.
Sechs Meilen später bogen wir noch auf die Lone Rock Road ab und fuhren hinunter zum Lone Rock Beach. Der riesige einzelne Felsen stand mitten im ruhigen Wasser des Lake Powell, und unten am Ufer saßen wir noch eine Weile direkt am Wasser. Nach den Bildern des Tages war das vermutlich der friedlichste Moment überhaupt: keine Felswand, die überwunden werden musste, keine Menschenmassen am Aussichtspunkt und niemand, der irgendwo eine Kamera durch eine Lücke schieben wollte. Nur der See, Lone Rock und wir. Für einen ursprünglich vollkommen ungeplanten Nachmittagsausflug nach Page war das inzwischen allerdings ein ziemlich umfangreiches Zusatzprogramm geworden.

Gegen 16 Uhr mussten wir dann wirklich zurück nach Kanab. Schließlich hatten wir Verpflichtungen. Unsere Kellnerin im Iron Horse würde sich vermutlich langsam fragen, wo ihre drei Deutschen blieben. Nach drei Abenden war das Restaurant mangels ernsthafter Konkurrenz inzwischen offiziell zu unserer Kanaber Außenstelle geworden, und entsprechend selbstverständlich saßen wir wenig später wieder dort. Wings, Burger und Bier – wir sahen keinen Grund, ein funktionierendes System ausgerechnet am letzten Abend zu verändern. Wir verabschiedeten uns von den inzwischen vertrauten Gesichtern und kündigten natürlich an, nächstes Jahr wiederzukommen. Schließlich hatten wir mit Kanab noch eine Rechnung offen, und irgendwo im Visitor Center lag eine kleine Holzkugel, die offenbar noch nicht verstanden hatte, dass irgendwann gefälligst unsere Nummer darauf stehen musste.
Zurück in unserer großen Suite begann dann tatsächlich die letzte Nacht in Kanab. Drei Tage hatten wir hier verbracht, zweimal erfolglos an der Wave-Lotterie teilgenommen, waren auf Angels Landing geklettert, durch den verschneiten Bryce Canyon gewandert, hatten Toadstools gesucht, ein abgebranntes Filmset nicht gefunden und uns heute durch einen Slot Canyon gearbeitet, in dem Benni zeitweise als menschliche Kletterhilfe herhalten musste. Ganz nebenbei hatten wir noch Horseshoe Bend, Page und Lake Powell eingeschoben. Für drei Tage war das eine ziemlich ordentliche Ausbeute. Morgen würden wir weiterziehen – aber Kanab hatte uns definitiv noch nicht zum letzten Mal gesehen. Und beim nächsten Besuch würde diese verdammte Wave-Lotterie hoffentlich endlich begreifen, wie das Spiel funktioniert.
















































