Schnee am Grand Canyon, Rock’n’Roll in Jerome und ein Check-in für die Ewigkeit
Mein Wecker war heute eigentlich für 4:45 Uhr zuständig. Eigentlich. Meine innere Uhr hatte allerdings beschlossen, dass Schlaf ohnehin überschätzt wird, und weckte mich bereits zwanzig Minuten früher. Wunderbar. Während ich mich fertig machte, ploppte eine WhatsApp von Benni auf: „Es hat geschneit!“ Diese Erkenntnis verdankte er weniger einem aufmerksamen Blick aus dem Fenster als seinem morgendlichen Nikotinritual.
Halb schlafend war er auf den Balkon gestapft und hatte dort irgendwann festgestellt, dass seine Socken plötzlich nass und kalt wurden. Schnee. Manchmal braucht es eben keine Wetter-App, sondern nur einen Raucher, der morgens in Socken vor die Tür geht. Meine erste Reaktion war natürlich Begeisterung: Schnee am Grand Canyon! Wie genial würde das bitte auf den Fotos aussehen? Stefan und Benni teilten meine Freude um 5:15 Uhr, als wir das Hotel verließen, nur bedingt. Während ich innerlich bereits schneebedeckte Canyonränder und dramatische Sonnenstrahlen fotografierte, schien bei den beiden eher die Vorstellung vorzuherrschen, dass es dunkel, kalt und viel zu früh war. Männer können gelegentlich erstaunlich wenig Sinn für Romantik entwickeln.

Die Straßen waren weiß, aber problemlos befahrbar, und nach rund einer Stunde erreichten wir das Visitor Center. Unser Ziel für den Sonnenaufgang war der Yaki Point. Mather Point hätte man bequem mit dem eigenen Auto anfahren können, aber dort war erfahrungsgemäß mehr Betrieb. Yaki Point war nur per Shuttle erreichbar und versprach damit etwas mehr Ruhe. Am Busstop standen zunächst tatsächlich nur wir drei. Es war stockdunkel, Schneeflocken trieben durch die Luft und Stefan und Benni entwickelten allmählich eine bemerkenswerte Einigkeit bezüglich der aktuellen Temperatur. Der Begriff „arschkalt“ fiel mehrfach. Ich möchte an dieser Stelle festhalten, dass ich durchaus zur Kenntnis nahm, dass es nicht warm war. Aber wir standen kurz vor Sonnenaufgang am Grand Canyon im Schnee. Da kann man meiner Meinung nach auch einmal frieren, ohne gleich eine parlamentarische Untersuchungskommission einzusetzen. Irgendwann kam endlich der Bus, nahm uns auf und brachte uns hinaus zum Yaki Point, wo außer uns nur noch eine Handvoll ähnlich verrückter Frühaufsteher auftauchte.
Anfangs sah es allerdings so aus, als hätte ich zwei Männer um fünf Uhr morgens völlig grundlos in die Kälte geschleppt. Über dem Canyon hing eine dicke Wolkendecke, Schneeflocken wirbelten um uns herum und viel mehr als graue Konturen war nicht zu erkennen. Ich verteidigte unseren Ausflug trotzdem mit zunehmender Entschlossenheit, während hinter mir leises Gemurmel über Erfrierungen und warme Hotelbetten zu hören war. Und dann passierte genau das, worauf ich gehofft hatte. Am Horizont öffnete sich ein schmaler Spalt in den Wolken und die ersten Sonnenstrahlen schossen darunter hindurch in den Canyon. Plötzlich leuchteten einzelne Felswände tief unten in einem fast unwirklichen Orange, während der Rest der Schlucht noch im graublauen Morgenlicht lag. Auf einigen Fotos sieht es tatsächlich so aus, als würde glühende Lava über die Plateaus laufen. Die Strahlen fielen wie Scheinwerfer durch die Wolken, trafen einzelne Felsrücken und verschwanden wieder, nur um an einer anderen Stelle erneut aufzutauchen. Innerhalb weniger Minuten änderte sich die komplette Szenerie. Der Schnee am Canyonrand, die dunklen Wolken und dieses goldene Licht dazwischen – genau deshalb hatte ich die beiden aus dem Bett geholt. Ich verzichtete großzügig darauf, ihnen sofort „Hab ich doch gesagt“ entgegenzuhalten. Zumindest glaube ich, dass ich darauf verzichtet habe.
Nachdem die Sonne ihre kleine Vorstellung beendet hatte, nahmen wir den Shuttle zurück und fuhren zur Bright Angel Lodge. Jetzt war Frühstück angesagt, und nach der frühen Kälte draußen hatten wir uns das redlich verdient. Im Bright Angel Dining Room gab es ein ordentliches amerikanisches Frühstück und vor allem Wärme, was den beiden Herren sichtbar gefiel. Während sich das Restaurant langsam füllte, wurde uns noch einmal bewusst, wie angenehm ruhig es draußen am Yaki Point gewesen war. Dort hatten wir den Sonnenaufgang praktisch mit einer winzigen Gruppe geteilt, hier begann inzwischen das normale Tagesgeschäft am South Rim.
Auf dem Parkplatz wartete anschließend noch eine kleine Herde Mule Deer auf uns. Die Tiere standen völlig entspannt zwischen den Autos und Bäumen herum und schienen sich weder für uns noch für die touristischen Betriebsabläufe am Grand Canyon sonderlich zu interessieren. Ihre morgendliche Agenda bestand offenbar ebenfalls hauptsächlich aus Frühstück, womit wir uns durchaus identifizieren konnten.

Gegen 8:30 Uhr verabschiedeten wir uns endgültig vom Grand Canyon und fuhren Richtung Süden. In Flagstaff war ein kurzer Pflichtstopp eingeplant, und mit „Pflicht“ meine ich natürlich einen Harley-Davidson-Händler. Schließlich kann man unmöglich durch eine amerikanische Stadt mit Harley-Dealer fahren und anschließend behaupten, man hätte wirklich alles gesehen. Ein paar T-Shirts mussten mit. Dafür war Zeit. Für langes Stadtbummeln oder Mittagessen dagegen nicht, denn wir hatten eigentlich noch einen Plan: den West Fork Trail bei Sedona. Dass heute Samstag war, hatten offenbar auch alle anderen Menschen Arizonas bemerkt. Als wir am Trailhead ankamen, war der Parkplatz so voll, dass die Vorstellung einer ruhigen Wanderung sofort starb. Auf einen Waldspaziergang im Wandergruppenformat hatten wir wenig Lust, also strichen wir den Trail und fuhren weiter nach Sedona.
Sedona hatten wir im vergangenen Jahr nur kurz gesehen, und schon damals hatte mir diese Mischung aus roten Felsen und kleinem Ort ausgesprochen gut gefallen. Heute waren allerdings gefühlt sämtliche Einwohner Arizonas ebenfalls dieser Meinung. Der Verkehr kroch durch die Stadt und freie Parkplätze waren ungefähr so verbreitet wie Wave-Permits mit unserem Namen. Downtown konnten wir damit praktisch vergessen. Dafür schafften wir es zur Chapel of the Holy Cross, die wir beim letzten Besuch wegen des schlechten Wetters nicht ordentlich ansehen konnten.
Dieses Mal war der Himmel blau und die Kirche wirkte zwischen den roten Felsen tatsächlich ziemlich spektakulär. Der Bau steckt regelrecht in der Felslandschaft, mit einem riesigen Kreuz in der Front, und egal wie man zu Kirchen steht – architektonisch ist das Ding schon ziemlich genial. Wir machten unsere Fotos, schauten uns ein bisschen um und verzichteten angesichts der Menschenmassen darauf, aus dem kurzen Besuch ein größeres spirituelles Projekt zu machen. Sedona war hübsch. Sedona war auch voll. Wir hatten heute offensichtlich ein Talent dafür, genau dort aufzutauchen, wo alle anderen ebenfalls hinwollten.
Also weiter auf der 89A. Die Straße führte uns durch Cottonwood und anschließend in Serpentinen hinauf nach Jerome. Von diesem Ort hatte ich ehrlich gesagt nicht wahnsinnig viel erwartet. Ich wusste, dass er irgendwo am Hang klebt, historisch ist und auf unserer Strecke liegt. Das war ungefähr der Stand meiner Vorbereitung. Umso größer war die Überraschung, als wir hineinrollten.
Jerome war sofort cool. Die Straßen schmiegten sich in engen Kurven an den Berghang, alte Backsteinhäuser standen teilweise schief übereinander, Harleys und Oldtimer mischten sich mit normalem Durchgangsverkehr, überall liefen Menschen herum, und aus Bars und Läden kam Musik. Dazu sah man an manchen Stellen weit hinaus über das Tal. Mit gerade einmal rund 340 Einwohnern ist Jerome eigentlich kaum mehr als ein kleines Nest, benimmt sich aber am Wochenende wie eine Kleinstadt, die gerade beschlossen hat, dass jetzt Party ist.
Wir fanden überraschend schnell einen Parkplatz und liefen los. Überall gab es kleine Läden, alte Fassaden, schräge Dekorationen und Dinge, bei denen man nicht wusste, ob sie Kunst, Schrott oder beides gleichzeitig waren. Genau mein Ding. Vor dem Hotel Connor hörten wir dann Live-Musik. AC/DC. Damit war jede weitere Diskussion über das Tagesprogramm beendet. Drinnen wurde gerade ein Stehtisch frei, wir schnappten ihn uns, bestellten Bier und befanden uns plötzlich mitten in einer kleinen Samstag-Nachmittags-Party.
Die meisten Gäste waren deutlich älter als wir, irgendwo zwischen sechzig und siebzig, viele im klassischen Harley-Outfit, und sie hatten offensichtlich keinerlei Absicht, ihr Alter zum Anlass für gesittetes Herumsitzen zu nehmen. Es wurde getanzt, gesungen, gelacht und die Band spielte Songs von AC/DC. Die Stimmung war großartig. Wir blieben fast eine Stunde und mussten uns anschließend regelrecht losreißen, obwohl Jerome ursprünglich nicht einmal ein richtiger Programmpunkt gewesen war. Genau solche ungeplanten Stopps liebe ich. Man fährt irgendwo durch, denkt „Schauen wir mal kurz“, und eine Stunde später steht man mit Bier in einer Kneipe und singt AC/DC mit Menschen, die man fünf Minuten vorher noch nie gesehen hat.
Nach einem weiteren Rundgang durch Jerome holten wir den Explorer und fuhren weiter Richtung Prescott. Vorher lag allerdings noch Watson Lake auf der Strecke, und selbstverständlich konnten wir auch dort nicht einfach vorbeifahren. Der See liegt mitten in den Granite Dells, einer Landschaft aus riesigen rundgeschliffenen Granitblöcken, zwischen denen sich das blaue Wasser hindurchzieht.
Das sah auf den Fotos, die ich vorher gesehen hatte, schon interessant aus, aber vor Ort war es noch besser. Wir entschieden uns für einen Teil des Loop Trails, dessen Verlauf mit weißen Punkten auf den Felsen markiert war. Also liefen wir nicht auf einem gemütlichen Weg am Ufer entlang, sondern kletterten von Punkt zu Punkt über die Granitbrocken. Ein bisschen kraxeln gehörte selbstverständlich dazu, sonst hätten wir uns nach Wire Pass und Angels Landing womöglich noch unterfordert gefühlt.
Der See selbst lag vollkommen ruhig zwischen diesen eigenartig abgerundeten Felsen, das Wasser spiegelte den blauen Himmel und irgendwo zwischen den Steinen entdeckten wir sogar Wasservögel. Auf der gegenüberliegenden Seite waren gerade einmal zwei andere Wanderer zu sehen. Nach Sedona und seinem Samstagsverkehr war diese Ruhe geradezu luxuriös. Wir setzten uns eine Weile auf die warmen Felsen direkt am Wasser und genossen einfach den Blick. Dabei fiel uns auch auf, wie unterschiedlich dieser Tag inzwischen geworden war: morgens Schnee und Minusgefühle am Grand Canyon, mittags rote Felsen bei Sedona, nachmittags Rockmusik und Harleyfahrer in Jerome und jetzt saßen wir an einem stillen See zwischen Granitfelsen. Arizona schien heute beschlossen zu haben, uns einfach einmal das komplette Sortiment zu zeigen.
Als wir wieder zum Parkplatz zurückkehrten, wurde dort gerade ein Pavillon für eine Hochzeit vorbereitet. Schlechter hätte man sich die Location wirklich aussuchen können. Wobei die Braut hoffentlich Schuhe trug, mit denen sie auf Granit besser zurechtkam als in klassischen Hochzeitspumps.
Von Watson Lake waren es gerade einmal sechs Meilen nach Prescott, wo wir natürlich noch einen kleinen Rundgang durch die historische Innenstadt und die berühmte Whiskey Row einschoben. Der Platz rund um das Yavapai County Courthouse, die alten Fassaden und die Bars gefielen uns, aber langsam meldete sich der Hunger. Und zufälligerweise besitzt Prescott ein Texas Roadhouse.
Damit war praktisch jede weitere Restaurantrecherche überflüssig. Samstagabend bedeutete allerdings eine halbe Stunde Wartezeit. Kein Problem. Wenn irgendwo hinter einer Tür ein Ribeye auf mich wartet, kann ich erstaunlich geduldig sein. Als wir endlich am Tisch saßen, bestellten wir unsere Steaks und waren wenig später satt und zufrieden. Damit hätte der Tag eigentlich friedlich enden können. Wir mussten nur noch ins Motel fahren, einchecken und schlafen.
Nur noch einchecken. Ein Vorgang, der normalerweise fünf Minuten dauert.
Im Heritage House Motel erwartete uns hinter der Rezeption eine liebenswürdige ältere Dame, die zunächst unsere Namen wissen wollte und anschließend in einem handbeschriebenen Block nach unseren Reservierungen suchte. Nicht im Computer. In einem Block. Mit sehr vielen handschriftlichen Einträgen. Wir standen geduldig davor, während sie suchte und suchte, bis ihr plötzlich etwas viel Wichtigeres auffiel: Draußen leuchtete noch das VACANCY-Schild, obwohl das Motel ausgebucht war. Das ging natürlich nicht. Unsere Reservierung konnte warten. Sie ließ alles stehen, marschierte nach draußen und kümmerte sich um das Schild. Ich bewunderte ihr Verantwortungsbewusstsein, hätte allerdings nichts dagegen gehabt, wenn unsere Zimmerschlüssel in ihrer Prioritätenliste knapp vor der Außenbeleuchtung gelegen hätten.

Nach ihrer Rückkehr begann die Suche nach den Zimmerpreisen. Ich hatte selbstverständlich den Buchungsbeleg dabei und zeigte ihr sogar den Betrag. Das war nett von mir, aber völlig irrelevant. Sie musste ihn selbst in ihren Unterlagen finden. Regeln sind Regeln. Irgendwann tauchte tatsächlich eine passende Zahl auf, wurde zunächst auf einen Zettel geschrieben und anschließend sorgfältig in das Kreditkartengerät getippt. Zahlung erfolgreich, Beleg kommt heraus – und Oma riss ihn beim Abtrennen exakt in der Mitte durch. Nun begann die Suche nach Klebeband. Schublade auf, Schublade zu, hier schauen, dort schauen, nichts. Wir hatten inzwischen das Gefühl, seit unserer Ankunft mehrere Jahreszeiten erlebt zu haben. Schließlich tauchte Klebeband auf, der Beleg wurde liebevoll rekonstruiert und wir konnten uns der zweiten Buchung widmen.
Hier wiederholte sich zunächst das komplette Programm, nur dass das Kreditkartengerät diesmal die Zahlung verweigerte. Also andere Karte. Ebenfalls nichts. Ich gab ihr noch eine. Wieder nichts. Bis dahin hatten wir uns ausschließlich auf Englisch unterhalten. Und genau jetzt, nach einer gefühlten halben Stunde, sah mich die Dame plötzlich an und sprach Deutsch. Einfach so. Offenbar hatte sie irgendwann in Deutschland gelebt. Warum wir uns bis dahin gemeinsam durch unser Englisch gekämpft hatten, blieb ihr Geheimnis. Sie erklärte mir in einem sympathischen Akzent, manchmal müsse man mit dem Gerät einfach kurz warten, dann ginge es wieder. Wunderbar. Wir warteten also. Und weil Schweigen offenbar nicht zu ihren Kernkompetenzen gehörte, erzählte sie uns währenddessen von Deutschland, Polen, ihren Kindern und diversen Stationen ihres Lebens. Bis das Kreditkartengerät wieder ausprobiert wurde, waren wir über die familiären Verhältnisse vermutlich besser informiert als manche entfernten Verwandten.
Die Karte funktionierte weiterhin nicht. Also wurde Benni gerufen, der draußen vermutlich inzwischen genügend Zeit gehabt hatte, mehrere Zigaretten zu rauchen und eine kleine Tabakplantage anzulegen. Auch seine Karte wurde vom Terminal abgelehnt. Spätestens jetzt musste selbst unsere Check-in-Oma zugeben, dass die Wahrscheinlichkeit, dass plötzlich sämtliche Kreditkarten dreier deutscher Touristen gleichzeitig defekt waren, eher gering war. Sie rief ihre Chefin an und unterhielt sich mit ihr auf Polnisch. Natürlich erzählte sie uns anschließend auch noch, woher sie Polnisch konnte. Wir waren inzwischen in einem Stadium, in dem wir jede weitere Episode ihrer Biografie einfach hinnahmen.

Wenig später erschien die Chefin, eine sehr korpulente Frau, die sich schwer atmend hinter die enge Rezeption zwängte und sofort den Kampf mit dem Terminal aufnahm. Gleichzeitig hing sie an einer Hotline, tippte endlose Zahlenfolgen ein, wartete, tippte wieder und schnaufte. Irgendwann verlangte die Stimme am Telefon offenbar, das Kreditkartengerät vom Strom zu trennen. Niemand wusste, wo die Steckdose war. Also verschwand die Chefin hinter der Theke. Die Theke wackelte. Es wurde geflucht. Irgendetwas schepperte. Über dem Tresen sah man zeitweise nur noch Teile eines Menschen, während unsere Check-in-Oma die Gelegenheit nutzte, Benni ihre Krankengeschichte zu erzählen. Ich hätte gern behauptet, ich übertreibe an dieser Stelle für dramaturgische Zwecke. Tue ich nicht. Wir standen da und sahen einem Kreditkarten-Terminal bei einer technischen Wiederbelebung zu, während nebenan medizinische Details ausgetauscht wurden.
Und tatsächlich: Nach Abstöpseln, Neustart, Hotline, Fluchen und vermutlich spiritueller Unterstützung funktionierte das Ding plötzlich wieder. Die zweite Zahlung ging durch. Die Chefin entschuldigte sich sehr freundlich für die Verzögerung, und ich glaube, wir waren einfach nur glücklich, dass wir nicht im Laufe der Nacht noch gemeinsam das Gerät auseinanderbauen mussten. Stefan und ich bekamen unseren Zimmerschlüssel. Benni allerdings nicht einfach so. Die Oma erklärte ihm, sie werde ihn persönlich zu seinem Zimmer bringen. Sein Blick zu uns war herrlich. Diese Mischung aus Hilferuf und Erkenntnis, dass seine Freunde ihm selbstverständlich nicht helfen würden. Wir verabschiedeten uns ausgesprochen herzlich und gingen zu unserem Zimmer.
Später erzählte uns Benni, dass die persönliche Betreuung damit keineswegs beendet gewesen war, dass sie ihm die Tür aufgeschlossen hatte. Sie führte ihn auch durch die Bedienung des Fernsehers und erklärte ausführlich die Fernbedienung. Benni versuchte mehrfach, ihr zu vermitteln, dass er überhaupt nicht mehr fernsehen wollte. Es war spät, wir waren seit vor fünf Uhr auf den Beinen und er wollte nur noch ins Bett. Das beeindruckte sie nicht. Ein Gast musste schließlich wissen, wie der Fernseher funktioniert. Erst nachdem sämtliche Tasten offenbar fachgerecht erläutert waren, wurde er in die Nacht entlassen.
Damit endete ein Tag, der morgens mit Bennis nassen Socken im Schnee begonnen hatte, uns über einen spektakulären Sonnenaufgang am Grand Canyon, Harley-Shirts in Flagstaff, einen völlig überfüllten Samstag in Sedona, eine spontane Rockparty in Jerome und eine Kletterrunde am Watson Lake geführt hatte – und dessen längstes Abenteuer am Ende ausgerechnet an einer Motelrezeption stattfand. Manchmal braucht man eben weder Slot Canyon noch Dirtroad. Ein älteres Kreditkartengerät reicht völlig aus.

















































