Yellowstone – ein Vulkan, ein Regenbogen und ziemlich viele Löcher im Boden
Früh am Morgen verlassen wir Cody, und heute muss uns tatsächlich niemand erklären, warum man freiwillig früh aufsteht. Vor uns liegt der Yellowstone National Park – und damit einer dieser Orte, bei denen schon der Name reicht, um sämtliche Müdigkeitserscheinungen vorübergehend außer Kraft zu setzen. Wir waren bereits 2010 hier und damals schon ziemlich beeindruckt, allerdings hatten wir Yellowstone eher nach dem klassischen Erstbesucher-Prinzip erkundet: Auto fahren, Schild sehen, anhalten, staunen, fotografieren, wieder einsteigen. Das war großartig, keine Frage, aber diesmal wollen wir dem Park etwas mehr Zeit widmen und auch mal dort hinlaufen, wo nicht direkt daneben ein Parkplatz angelegt wurde. Ein ambitionierter Plan für Menschen, die normalerweise durchaus zu schätzen wissen, wenn zwischen Auto und Sehenswürdigkeit nicht unnötig viel Landschaft liegt.
Yellowstone ist allerdings auch kein Nationalpark, den man mal eben im Vorbeifahren abhakt. Fast 9.000 Quadratkilometer groß, 1872 gegründet und damit der älteste Nationalpark der Welt, seit 1978 UNESCO-Weltnaturerbe – und das Ganze sitzt zu allem Überfluss auf einer gewaltigen vulkanischen Caldera. Unter der hübschen Landschaft arbeitet also permanent eine geologische Großküche, deren Herdplatten offenbar grundsätzlich auf höchster Stufe stehen. Überall dampft, zischt, blubbert und kocht es aus dem Boden, während darüber Wälder, Seen und Berge so friedlich aussehen, als hätten sie mit der Sache überhaupt nichts zu tun. Genau diese Mischung macht Yellowstone so faszinierend: Man fährt durch eine Landschaft wie aus einem amerikanischen Naturfilm und weiß gleichzeitig, dass ein paar Meter unter einem Dinge passieren, bei denen man zu Hause vermutlich längst den Installateur gerufen hätte.
Von Cody brauchen wir ungefähr anderthalb Stunden bis zum East Entrance. Spätestens dort stellt sich dieses vertraute Yellowstone-Gefühl wieder ein. Das Eingangsschild wird natürlich fotografiert – manche Traditionen sind nicht verhandelbar – und dann geht es über den Sylvan Pass hinein in den Park. Die Straße windet sich durch die Berge, Wälder ziehen an uns vorbei, und schließlich taucht der Yellowstone Lake vor uns auf. Riesig, blau und stellenweise so glatt, dass sich die bewaldeten Hänge darin spiegeln. Immer wieder halten wir an, weil hinter der nächsten Kurve selbstverständlich schon wieder eine Aussicht wartet, die mindestens ein Foto verlangt. Das Problem in Yellowstone ist weniger, etwas Sehenswertes zu finden, sondern irgendwann zu akzeptieren, dass man nicht nach jeder Kurve anhalten kann. Sonst schafft man es vermutlich innerhalb einer Woche vom East Entrance bis zum nächsten Picknickplatz.
Wir folgen dem See, umrunden den West Thumb und fahren anschließend auf dem Highway 191 weiter Richtung Norden. Unser eigentliches Ziel liegt ein Stück abseits der Straße und ist einer der Gründe, warum wir diesmal unbedingt noch einmal nach Yellowstone wollten: die Grand Prismatic Spring. 2010 hatten wir diese riesige Thermalquelle bereits vom Boardwalk aus gesehen. Auch von dort ist sie beeindruckend, allerdings steht man praktisch auf Augenhöhe mit einem gewaltigen dampfenden Becken und bekommt dadurch nur begrenzt mit, was für ein vollkommen verrücktes Farbkunstwerk da eigentlich vor einem liegt. Diesmal wollen wir sie deshalb von oben sehen.
Einen offiziellen Aussichtspunkt gibt es hier nicht. Wir haben aber vorher gelesen, dass man vom Fairy Falls Trail aus auf einen Hügel steigen kann und von dort einen fantastischen Blick auf die Grand Prismatic Spring haben soll. Das klingt ausreichend konkret, um es auszuprobieren, und ausreichend inoffiziell, um interessant zu sein. Da wir aus südlicher Richtung kommen, fahren wir deshalb gar nicht erst zum eigentlichen Parkplatz der Grand Prismatic Spring, sondern stellen unseren Explorer ungefähr zwei Kilometer vorher am Trailhead zu den Fairy Falls ab. Rucksack geschnappt, Kamera eingepackt und los geht es. Diesmal soll Yellowstone schließlich nicht nur durch die Windschutzscheibe stattfinden.

Der Weg beginnt ausgesprochen harmlos. Über eine Brücke geht es durch die Landschaft, anschließend führt der Trail durch Wald und offene Flächen, und schon bald dampft es wieder verdächtig zwischen den Bäumen. Wir kommen am Steel Bridge Pool vorbei, der in einem derart unwirklichen Türkis leuchtet, dass man spontan an den Farbreglern seiner Kamera zweifelt. Aber nein, Yellowstone kann das tatsächlich ganz ohne Photoshop. Das Wasser sieht aus wie ein beheizter Swimmingpool eines sehr exklusiven Hotels, nur dass ein beherzter Sprung hinein hier vermutlich die letzte schlechte Entscheidung des Urlaubs wäre. Also bleiben wir brav auf dem Weg, fotografieren und laufen weiter.
Nach ungefähr anderthalb Kilometern befinden wir uns etwa auf Höhe der Grand Prismatic Spring. Einen ausgeschilderten Aussichtspunkt gibt es nicht, keinen befestigten Weg und schon gar keinen komfortablen Hinweis „Best View this way“. Stattdessen geht es links den Hang hinauf. Also verlassen wir den eigentlichen Trail und steigen zwischen Bäumen und umgestürzten Stämmen nach oben. Es ist kein dramatischer Bergaufstieg, aber eben auch nicht die amerikanische Variante einer Sehenswürdigkeit, bei der man aus dem Auto steigt, drei Schritte macht und anschließend behaupten kann, man sei wandern gewesen. Wir suchen uns unseren Weg den Hang hinauf und irgendwann zwischen den Bäumen eine Stelle, an der die Sicht frei wird.
Und dann liegt sie vor uns: Die Grand Prismatic Spring.

Von hier oben sehen wir zum ersten Mal wirklich, was wir 2010 vom Steg aus nur erahnen konnten. Mitten in der ansonsten eher kargen, graubraunen Landschaft liegt dieses riesige kreisrunde Becken, als hätte jemand beschlossen, Yellowstone an dieser Stelle mit einem gigantischen Farbkasten zu bearbeiten. Im Zentrum leuchtet das Wasser tiefblau, fast schon unnatürlich intensiv, darum zieht sich ein türkisfarbener Ring, und nach außen explodieren Gelb, Orange und Rostrot in alle Richtungen. Dazwischen steigen weiße Dampfschwaden auf und ziehen über die Wasseroberfläche. Von unten hatten wir einzelne Farben gesehen. Von hier oben sehen wir plötzlich das ganze Bild.
Wir suchen uns zwischen den Bäumen ein schönes Plätzchen und bleiben einfach eine ganze Weile dort sitzen. Das ist der große Vorteil dieses kleinen inoffiziellen Aussichtspunkts: Hier oben verteilt sich alles. Ein paar andere Leute haben ebenfalls den Weg heraufgefunden, aber niemand steht einem auf den Füßen, niemand schiebt sich für ein Foto dazwischen, und es gibt keine Menschentraube, die kollektiv versucht, denselben Quadratmeter Aussicht zu fotografieren. Wir packen unser Picknick aus und sitzen über einer der berühmtesten Thermalquellen der Welt, während unter uns die Grand Prismatic Spring dampft. Es gibt schlechtere Plätze für ein belegtes Brot.
Dass diese Farben nicht irgendeiner mineralischen Laune entspringen, sondern zu einem großen Teil von winzigen Lebewesen verursacht werden, macht die Sache noch absurder. In den unterschiedlichen Temperaturzonen am Rand leben sogenannte Thermophile – Mikroorganismen, die Temperaturen für ausgesprochen wohnlich halten, bei denen wir bereits beim Händewaschen zurückzucken würden. Je nach Temperatur bilden sie unterschiedliche Farbtöne und sorgen damit dafür, dass der Rand der Quelle aussieht, als hätte die Natur beschlossen, beim Thema Farbgestaltung jegliche Zurückhaltung aufzugeben. In der heißen Mitte dagegen bleibt das Wasser tiefblau. Bis zu rund 70 Grad heiß ist es hier. Hübsch anzusehen, aber definitiv keine Einladung zum Füße-Reinhalten.
Wir sitzen dort oben, essen, schauen und fotografieren natürlich viel zu viele Bilder von ein und demselben Pool. Aber jedes Mal zieht gerade wieder eine andere Dampfwolke darüber, das Licht verändert sich ein bisschen oder das Blau sieht plötzlich noch blauer aus als zwei Minuten zuvor. Man braucht schließlich Gründe. Und während wir so auf dieses vollkommen unwirkliche Gebilde hinuntersehen, steht ziemlich schnell fest: Der kleine Umweg hat sich gelohnt. Eigentlich ist „Umweg“ sogar ungerecht. Genau für diesen Blick sind wir hergekommen.
Irgendwann müssen wir uns trotzdem wieder losreißen. Yellowstone hat schließlich noch ein paar weitere Löcher im Boden im Angebot, und wir haben offenbar vor, möglichst viele davon persönlich kennenzulernen. Also steigen wir wieder hinunter zum Fairy Falls Trail, laufen zurück zum Auto und fahren weiter Richtung Old Faithful. Dort wartet unsere Unterkunft für die Nacht: eine Cabin bei der Old Faithful Lodge.
Unsere kleine Hütte ist herrlich unkompliziert. Zwei Betten, ein Waschbecken, ein bisschen Mobiliar, fertig. Kein Luxusresort, keine Designerlobby vor der Tür, dafür wohnen wir mitten im Yellowstone und können praktisch aus der Cabin fallen und stehen wenige Minuten später zwischen Geysiren. Unser Explorer parkt direkt daneben, die Taschen verschwinden im Zimmer, und lange halten wir uns ohnehin nicht auf. Denn wenn man schon mitten im Upper Geyser Basin übernachtet, wäre es geradezu unhöflich, den Nachmittag im Zimmer zu verbringen. Also ziehen wir wieder los.
Direkt vor unserer Haustür beginnt eine Landschaft, die aussieht, als hätte die Erde an mehreren Stellen vergessen, ihre Deckel richtig zuzuschrauben. Überall steigt Dampf auf. Es zischt, blubbert und brodelt, kleine Wasserfontänen spritzen aus Öffnungen im Boden, andere Quellen liegen vollkommen ruhig da und leuchten dafür in Farben, die man eher in einem Chemiebaukasten erwarten würde. Dazu dieser unverwechselbare Schwefelgeruch, der einem immer wieder in die Nase zieht und Yellowstone auf sehr zuverlässige Weise daran hindert, ausschließlich romantisch zu werden.

Wir laufen durch das Upper Geyser Basin und kommen an einem Pool nach dem anderen vorbei. Beauty Pool, Aurum Geyser, Tardy Geyser, Spasmodic Geyser, Doublet Pool, Belgian Pool, Ear Spring, Pump Geyser, Chromatic Pool, Grotto Geyser – irgendwann hat man das Gefühl, hier besitzt wirklich jedes dampfende Loch einen eigenen Namen und vermutlich auch eine kleine Fangemeinde. Trotzdem sieht keines aus wie das andere. Manche Quellen sind glasklar und tiefblau, andere grünlich, gelb oder orange umrandet. Einige brodeln eher dezent vor sich hin, andere machen akustisch deutlich, dass unter unseren Füßen gerade einiges los ist. Beim Riverside Geyser steigt der Dampf direkt am Fluss auf, während rundherum die Landschaft vollkommen friedlich daliegt. Yellowstone beherrscht diesen Gegensatz wirklich perfekt: Postkartenidylle oben, Großküche unten.

Und je länger wir unterwegs sind, desto mehr gewöhnt man sich erstaunlicherweise daran. Zu Hause würde vermutlich die gesamte Nachbarschaft zusammenlaufen, wenn es aus einem Loch neben dem Gehweg plötzlich zischte und kochendes Wasser herauskäme. Hier läuft man vorbei, schaut kurz hinein und sagt irgendwann nur noch: „Oh, der ist schön.“ Yellowstone verschiebt die Maßstäbe ziemlich schnell.
Unser Ziel ist der Morning Glory Pool, ziemlich weit hinten im Upper Geyser Basin. Der Weg dorthin zieht sich, aber langweilig wird er keine Sekunde. Hinter jeder Kurve dampft etwas Neues, überall gibt es kleine Abzweigungen und Boardwalks, und die Kamera kommt kaum zur Ruhe. Irgendwann stehen wir schließlich davor – und der Morning Glory Pool ist tatsächlich einer dieser Orte, bei denen man erst einmal genauer hinschauen muss, weil das Auge den Farben nicht so recht traut.
Das Zentrum fällt tief hinunter und leuchtet dunkelblau bis smaragdgrün, während sich zum Rand hin kräftiges Gelb und Orange ausbreiten. Die Quelle sieht aus wie eine riesige Blüte, was ihr wohl auch ihren Namen eingebracht hat. Gleichzeitig hat sie etwas leicht Unheimliches. Man schaut in dieses klare, farbige Loch und kann nicht erkennen, wo es endet. Sehr hübsch. Sehr faszinierend. Und ganz sicher nichts, in das man versehentlich hineinfallen möchte.
Wir bleiben eine Weile, machen Fotos und treten dann den Rückweg an. Und das bedeutet natürlich, dass wir sämtliche Geysire und Pools noch einmal sehen. Was allerdings überhaupt nicht schlimm ist, denn das Licht verändert sich inzwischen, die Dampfschwaden sehen anders aus und manches, das auf dem Hinweg still vor sich hin geblubbert hat, ist plötzlich deutlich aktiver. In Yellowstone bekommt man für denselben Weg gewissermaßen die Rückfahrt gratis dazu.

Zurück im Bereich der Lodge wartet schließlich der Star, der selbst unter all diesen geothermischen Selbstdarstellern noch einmal eine eigene Liga bildet: Old Faithful. Seinen Namen hat er nicht ohne Grund. Seine Ausbrüche lassen sich relativ zuverlässig vorhersagen, und an der Lodge wird angegeben, wann mit dem nächsten zu rechnen ist. Wir wissen also ungefähr, wann die Vorstellung beginnt, und versammeln uns mit den anderen Besuchern rund um den Geysir. Zunächst passiert – nichts.
Old Faithful dampft ein bisschen vor sich hin und lässt sich ansonsten nicht aus der Ruhe bringen. Hunderte Menschen sitzen und stehen da und starren gemeinsam auf ein Loch im Boden. Würde man die Situation ohne Zusammenhang fotografieren, könnte man durchaus Fragen stellen. Aber dann wird es unruhiger. Erst kommt etwas mehr Dampf, dann spritzt Wasser hervor, verschwindet wieder, kommt erneut – als würde Old Faithful noch kurz prüfen, ob auch wirklich alle Kameras eingeschaltet sind.
Und dann geht es los. Mit einem Mal schießt eine gewaltige Fontäne aus heißem Wasser und Dampf in den Himmel. Bis zu etwa 50 Meter hoch steigt sie auf, und obwohl man genau weiß, dass es passieren wird, ist der Moment trotzdem beeindruckend. Minutenlang hat man auf eine unscheinbare Öffnung im Boden gestarrt, und plötzlich feuert die Erde Tausende Liter kochendes Wasser in die Luft. Das Ganze dauert nicht besonders lange, vielleicht anderthalb bis zwei Minuten, aber Old Faithful braucht offenbar keine Zugabe. Er hat geliefert. Nächste Vorstellung in ungefähr anderthalb Stunden.

Für uns passt der Zeitpunkt perfekt, denn inzwischen wird es Abend und das Licht immer schöner. Nach dem Ausbruch machen wir uns noch auf den Weg zum Sunset Lake. Der Name hat Erwartungen geweckt – bei „Sunset Lake“ möchte man schließlich keinen grauen Tümpel neben einem Parkplatz vorfinden – und tatsächlich bekommen wir hier noch einmal eine ganz andere Yellowstone-Stimmung. Die Luft ist inzwischen deutlich kühler geworden, über den heißen Quellen steigen Dampfschwaden auf und werden vom warmen Licht der tief stehenden Sonne angeleuchtet. Stellenweise verdeckt der Dampf die Sicht, dann reißt er wieder auf und gibt den Blick frei. Alles wirkt ruhiger als tagsüber. Die Besucher werden weniger, das Licht weicher, und nach einem Tag voller Farben, kochendem Wasser und dampfender Erdöffnungen fährt auch Yellowstone langsam ein bisschen herunter. Soweit Yellowstone eben herunterfahren kann, während unter einem weiterhin ein Vulkan arbeitet.
Bevor wir endgültig Feierabend machen, wollen wir allerdings noch ins Old Faithful Inn. Das Gebäude liegt nur wenige Schritte vom Geysir entfernt und ist selbst eine Sehenswürdigkeit. Schon von außen sieht es aus, als hätte jemand eine sehr große Berghütte genommen und beschlossen, dass bei Holz grundsätzlich gilt: mehr hilft mehr. Doch erst drinnen begreift man die Dimensionen.
Die Lobby ist gewaltig. Mehrere Stockwerke öffnen sich nach oben, überall Holz, Balken, knorrige Äste, Treppen und Balustraden, dazwischen der riesige steinerne Kamin. Nichts daran wirkt glatt oder perfekt. Gerade das macht den Reiz aus. Das ganze Gebäude sieht aus, als wäre es nicht gebaut, sondern irgendwann aus dem Yellowstone-Wald herausgewachsen. Man erwartet beinahe, dass irgendwo auf einer Galerie ein Trapper aus dem Jahr 1904 auftaucht und sich beschwert, dass draußen schon wieder der Geysir losgeht.

Wir schlendern durch die Halle und steigen schließlich in die zweite Etage hinauf, wo wir uns auf eine Bank setzen. Nach all den Kilometern des Tages ist Sitzen inzwischen ohnehin eine Sehenswürdigkeit von ganz eigenem Rang. Von hier oben beobachten wir eine Weile das Treiben in der Lobby. Menschen kommen herein, bleiben stehen und schauen erst einmal nach oben – genau wie wir. Andere fotografieren den Kamin, laufen über die Galerien oder sitzen einfach nur da. Und obwohl das Inn groß und voller Menschen ist, hat es etwas unglaublich Gemütliches. Wahrscheinlich liegt es an all dem Holz. Oder daran, dass wir gerade nicht mehr laufen müssen.
Irgendwann meldet sich allerdings eine Körperregion, die von Grand Prismatic Spring, Morning Glory Pool und historischer Architektur inzwischen deutlich weniger beeindruckt ist: der Magen. Also verlassen wir das Old Faithful Inn und gehen hinüber zur Snow Lodge, wo wir uns etwas zu essen suchen. Nach einem Tag im Yellowstone erscheint uns ein Bison Burger als angemessener Abschluss. Regionaler geht es schließlich kaum, wobei wir vorsichtshalber nicht weiter darüber nachdenken, ob eines der Tiere, die hier tagsüber friedlich durch die Landschaft laufen, diese kulinarische Regionalität ähnlich positiv bewertet.
Der Burger kommt mit Pommes, ist saftig, deftig und nach diesem Tag genau richtig. Keine große kulinarische Inszenierung, sondern einfach Essen, das nach mehreren Stunden Wandern und ungefähr fünfhundert fotografierten heißen Quellen ausgesprochen überzeugend funktioniert. Wir sitzen in der warmen Snow Lodge, draußen wird es dunkel, und langsam merken wir, was wir heute alles in diesen einen Tag gepackt haben.
Am Morgen sind wir in Cody gestartet, über den Sylvan Pass und am Yellowstone Lake entlanggefahren, auf einen bewaldeten Hügel geklettert, um die Grand Prismatic Spring von oben zu sehen, haben mitten über diesem unglaublichen Farbkreis gepicknickt, sind anschließend durch eine Landschaft aus Geysiren und heißen Quellen bis zum Morning Glory Pool marschiert, haben Old Faithful beim Ausbruch zugesehen, den Abend zwischen Dampf und untergehender Sonne verbracht und sind zum Schluss noch durch eines der berühmtesten Hotels des amerikanischen Westens gestreift. Jetzt sitzen wir vor einem Bison Burger und haben eigentlich nur noch einen Programmpunkt übrig: Bett.
Also zurück in unsere kleine Cabin. Viel Überredung braucht an diesem Abend niemand mehr. Yellowstone hat uns heute ziemlich gründlich beschäftigt – und morgen geht es direkt weiter zum nächsten großen Namen auf unserer Reise.
Grand Teton wartet.





































