Vier Gläser Honig, Umbrichelli in Orvieto und eine Nacht im Nirgendwo
Nach unserem letzten Frühstück bei Pasquale war endgültig klar, dass Abreisen überschätzt wird. Der Cappuccino schmeckte wie immer, Pasquale strahlte wie immer, und beim Abschied gab es für Stefan einen herzlichen Händedruck, für mich eine Umarmung samt Bussi auf die Wange und für uns beide noch einen italienischen Wortschwall hinterher, den wir sprachlich nicht vollständig entschlüsseln konnten, emotional aber sehr wohl: Ihr kommt wieder. Natürlich kommen wir wieder.
Als der Camper langsam vom Platz rollte, stand Pasquale noch am Tor und winkte, als würden wir nicht nach Orvieto, sondern zu einer Polarexpedition aufbrechen. Im Rückspiegel wurde Villa Julia kleiner, die Zitronenbäume verschwanden hinter der nächsten Kurve, und ich hatte dieses unangenehme Gefühl, das sich immer dann einstellt, wenn man einen Ort verlässt, an dem man sich ein bisschen zu wohlgefühlt hat. Aber wir hatten einen Plan. Genauer gesagt: Wir hatten inzwischen sogar eine Mission.

Denn am Abend zuvor war mir wieder eingefallen, dass diese ganze Honiggeschichte noch nicht abgeschlossen war. Wir waren extra noch einmal nach Neapel gefahren, hatten uns durch Märkte, Gassen, Mini-Läden und halbe Feinkostabteilungen gearbeitet und am Ende zwar Parmesan in der Größe eines Mauersteins, aber keinen einzigen Tropfen des gesuchten Honigs gefunden. Die Sache nagte an mir. Nicht dramatisch, aber hartnäckig. Wie eine Mücke im Camper um drei Uhr morgens.
Stefan hatte schließlich die naheliegendste Idee von allen: „Such doch einfach nach mal im Internet nach einer Imkerei.“ Manchmal muss man einen Mann dafür bewundern, wie elegant er eine zweitägige Stadtrallye mit einem einzigen Satz als völlig unnötig entlarvt.
Also hatte ich gegoogelt und tatsächlich eine passende Adresse gefunden: Apicoltura Biagino. Schon der Name klang nach Bienen, Bauernhof und einem Mann mit Filzhut, der seit 1957 persönlich jedes Glas Honig etikettiert. Die Imkerei lag zwar nicht direkt auf unserer Route, aber in einer Entfernung, die man mit etwas gutem Willen problemlos als „quasi auf dem Weg“ bezeichnen konnte. Und so führte uns das Navi gleich am Morgen in ein Wohnviertel, dessen Straßen offenbar zu einer Zeit geplant worden waren, als Transportmittel noch aus Eseln und Handkarren bestanden.
Der Camper schob sich Zentimeter für Zentimeter zwischen Mauern, parkenden Autos und Balkonen hindurch. Stefan manövrierte unseren Sechs-Meter-Koloss mit der Ruhe eines Bombenentschärfers, während ich vorne bereits still sämtliche Außenspiegel verabschiedete. Parken konnte man dort natürlich nicht. Nicht einmal theoretisch. Also fuhren wir einmal an der Adresse vorbei, ich sprang heraus und lief zurück, während Stefan mit dem Camper eine vermutlich sehr interessante Runde durchs Viertel drehen durfte. Wir blieben vorsichtshalber telefonisch verbunden. Falls einer von uns verschwand, hätte der andere wenigstens eine ungefähre letzte Position gehabt.
Vor mir lag schließlich ein kleines Schaufenster, das aussah, als hätte jemand einen italienischen Bauernladen, einen Vintage-Geschenkeshop und eine Pinterest-Seite ineinander geschoben. Hinter der Scheibe standen Seifen, kleine Häuschen, Schleifen, Gläser, Geschenkkörbe und allerlei Dinge, die sofort den Eindruck erweckten, man müsse dringend Geld ausgeben. Über der Tür hing ein etwas verwittertes Schild: La Fattoria Biagino. Perfekt. Nur leider geschlossen.
Im Internet hatte etwas von täglichen Öffnungszeiten gestanden. Ich war um halb zehn da, also nicht irgendwann mitten in der Nacht, sondern zu einer Uhrzeit, zu der selbst italienische Bienen schon mehrere Schichten gearbeitet haben dürften. Doch die Tür blieb zu. Kein Mensch, kein Licht, kein Summen. Dann entdeckte ich das kleine Schild mit den tatsächlichen Öffnungszeiten: Montag und Samstag. Wir hatten natürlich weder Montag noch Samstag.

Ich stand vor dem Laden wie jemand, der nach wochenlanger Schatzsuche endlich die Truhe findet und dann feststellt, dass der Schlüssel zu Hause liegt. Genau in diesem Moment kam eine ältere Dame vorbei. Sie sah erst mich an, dann die geschlossene Tür und sagte etwas auf Italienisch. Ich verstand kein Wort und antwortete mit dem einzigen Satz, der mir in dieser Situation einfiel: „Mi piace il miele.“ Ich mag Honig. Sprachlich vermutlich nicht die eleganteste Erklärung für eine internationale Notlage, aber die Botschaft kam an. Und zwar sehr deutlich.
Die Dame marschierte ohne weiteres Zögern zur Tür, klingelte und wartete ungefähr drei Sekunden. Dann klingelte sie noch einmal. Als sich weiterhin nichts tat, klopfte sie energisch gegen die Scheibe. Nicht dieses vorsichtige „Vielleicht ist jemand da“-Klopfen, sondern eher die italienische Variante einer Hausdurchsuchung. Der Blumentopf auf der Fensterbank begann nervös zu zittern. Anschließend rief sie durch die Tür etwas hinein, das entweder „Guten Morgen“ oder „Mach sofort auf, du hast Kundschaft“ bedeutete.
Mir war die Sache inzwischen so peinlich, dass ich am liebsten im nächsten Hauseingang verschwunden wäre. Doch dann bewegte sich tatsächlich etwas. Aus dem Halbdunkel einer Kellertreppe tauchte eine ältere Dame auf, kam langsam nach oben und öffnete die Tür. Bevor ich mich entschuldigen konnte, erklärte meine selbst ernannte Honigbeauftragte knapp: „Signora vuole miele.“ Die Dame will Honig.
Damit war offenbar alles gesagt. Die Ladenbesitzerin lächelte, winkte mich herein und schien überhaupt nicht überrascht, dass an einem geschlossenen Wochentag eine deutsche Camperin mit Hilfe einer wildfremden Passantin ihren Laden aufbrechen ließ. Vermutlich war das in Kampanien einfach ein normaler Donnerstag.
Innen war es noch schöner als im Schaufenster. Kleine Geschenkverpackungen, handgemachte Seifen, dekorierte Gläser, Schilder, Schleifen und natürlich Honig. Nicht ein Glas irgendwo hinten im Regal. Nein. Honig in mehreren Sorten, Größen und Farbtönen. Dunkel, hell, goldbraun, fast schwarz. Nach tagelanger Suche stand ich plötzlich vor einer Auswahl, als hätte jemand die komplette Bienenabteilung des Vesuvs für mich geöffnet.
Ich nahm vier große Gläser: Castagno, Ailanto, Melata und Fiori di Bosco. Kastanie, Götterbaum, Honigtau und Waldblüten. Dazu noch eine Honigseife für Nadine, denn wenn man schon ungeplant einen geschlossenen Laden öffnet, geht man nicht mit einer halben Bestellung wieder hinaus. Die Preise waren so erfreulich, dass ich kurz überlegte, ob wir den Camper noch mit einem Verkaufsstand ausstatten und auf dem Heimweg ein kleines Importgeschäft eröffnen sollten.
Die Signora erklärte mir außerdem, dass sie auch nach Deutschland verschicken. Sehr gefährliche Information. Seit diesem Moment besitzt die Familie Böhm nicht nur eine Lieblingsimkerei in Italien, sondern möglicherweise auch ein langfristiges Lieferabkommen.
Mit vier großen Gläsern im Arm lief ich zurück zum Treffpunkt, während Stefan telefonisch wissen wollte, ob ich den Laden inzwischen gekauft hätte. Der Camper tauchte wieder auf, ich stieg ein, und damit war die Mission offiziell erfüllt. Ich hatte den Honig. Nach Neapel, Märkten, Gassen, Parmesan und einem spontanen Einbruch durch Rentnervermittlung hatte ich ihn endlich. Jetzt konnten wir wirklich Richtung Norden fahren.
Die Autobahn führte uns an Rom vorbei. Natürlich schaute ich sehnsüchtig in Richtung Stadt, als könnte der Petersdom zwischen Tankstelle, Lärmschutzwand und Ausfahrt Tivoli plötzlich auftauchen. Tat er nicht. Rom bekam diesmal nur einen Blick aus der Ferne und das stille Versprechen, dass wir wiederkommen. Aber unser Ziel lag weiter nördlich und thronte schon bald hoch über der Landschaft: Orvieto.
Die Stadt sitzt auf einem Tuffsteinfelsen, als hätte jemand sie dort oben abgestellt und anschließend vergessen, eine vernünftige Zufahrt zu bauen. Schon aus der Ferne wirkt sie wie die Kulisse eines Fantasyfilms, nur ohne Drachen und vermutlich mit deutlich besserem Essen.
Eigentlich wollten wir unten parken und mit der Standseilbahn hinauffahren. Ein sauberer, vernünftiger Plan. Doch dann wurde direkt oben in der Altstadt ein Parkplatz frei. Mit Camper. In Italien. An einem touristischen Ort. Solche Wunder hinterfragt man nicht. Man fährt hinein, bevor jemand anders merkt, was gerade passiert ist.

Kaum waren wir ausgestiegen und um die erste Ecke gegangen, standen wir an der Rocca Albornoz. Die alte Festung sitzt direkt am Rand des Felsens und bietet eine Aussicht, für die andere Orte vermutlich Eintritt, Reservierung und einen Dresscode verlangen würden. Unter uns lag das grüne Umbrien: Hügel, Felder, kleine Dörfer, Straßen wie dünne Fäden und dazwischen Zypressen, die aussahen, als hätte jemand sie absichtlich zur Landschaftsdekoration aufgestellt.
Wir gingen langsam an den Mauern entlang, lehnten uns über die Zinnen und schauten hinunter. Das Licht war weich, die Luft klar, unten bewegten sich Traktoren durch die Felder, und irgendwo läutete eine Glocke. Es war einer dieser Momente, in denen sogar Stefan freiwillig stehen bleibt, ohne sofort nach dem nächsten Parkplatz oder Mittagessen zu fragen.
Natürlich fragte er irgendwann, was hier historisch eigentlich genau passiert sei. Ich nickte sachkundig und murmelte etwas von Festung, Mittelalter und strategischer Lage. Das klang glaubwürdig genug. In Wahrheit war ich vor allem damit beschäftigt, das perfekte Foto zu finden und nicht rückwärts über eine mittelalterliche Mauer zu stolpern.
Nach einer Runde entlang der Festung meldete sich der Hunger. Glücklicherweise dauerte es in Italien selten lange, bis auf ein landschaftliches Highlight ein kulinarisches folgt. Gleich am Beginn unseres Spaziergangs durch die Altstadt entdeckten wir die Pizzeria Condizionata. Draußen standen Tische mit rot-weiß karierten Decken, daneben ein handgeschriebenes Tagesmenü. Es sah so italienisch aus, dass eigentlich nur noch eine Nonna aus dem Fenster hätte rufen müssen.
Für 19,90 Euro gab es ein komplettes Menü. Erst Umbrichelli in verschiedenen Varianten, danach Porchetta Orvietana oder Salsiccia mit Beilage, dazu Brot und Wasser. Ein Angebot, das sich weniger wie eine Speisekarte und mehr wie eine behördliche Aufforderung zum Hinsetzen las.
Ich nahm Umbrichelli all’Arrabbiata und anschließend Porchetta. Stefan entschied sich ebenfalls für Pasta und danach für Salsiccia mit Ofenkartoffeln. Die Umbrichelli waren dick, kernig, handgerollt und ungefähr das Gegenteil von schüchternen Nudeln. Keine glattgebügelten Supermarktspaghetti, sondern richtige Charakterdarsteller mit rauer Oberfläche, Kurven und Biss. Die Sauce hielt sich an ihnen fest, als hätte sie dort einen Mietvertrag.

Danach kam meine Porchetta. Außen kross, innen saftig, würzig und mit genau dem richtigen Verhältnis aus Fleisch, Fett und jener knusprigen Kruste, wegen der man kurz alle vernünftigen Ernährungspläne vergisst. Stefans Salsiccia war ebenso deftig und ehrlich, die Kartoffeln goldbraun und so gut, dass er sogar aufhörte, über Portionsgrößen nachzudenken. Das Essen war kein kunstvoll angerichtetes Theater mit drei Tropfen Sauce und einem Blatt Petersilie in der Mitte. Es war einfach gut. Satt, würzig, regional und ohne jeden Versuch, sich wichtigzumachen.
Umbrichelli – Umbriens Pasta mit Charakter
Die Umbrichelli sind eine Spezialität aus Umbrien, die in der Toskana auch als „Pici“ bekannt ist. Es handelt sich um handgerollte, dicke Nudeln, die traditionell nur aus Hartweizenmehl und Wasser bestehen – also ohne Ei, was sie besonders kernig macht. Ihre Herstellung ist reine Handarbeit: Der Teig wird zu fingerdicken Strängen gerollt, was jeder Nudel ihre ganz eigene Form gibt – mal ein bisschen krumm, mal etwas dicker, aber immer mit genau der richtigen Portion Biss.
Gerade diese unperfekte Perfektion macht die Umbrichelli so besonders. Ihre leicht raue Oberfläche nimmt Saucen hervorragend auf – egal ob eine cremige Cacio e Pepe, eine würzige All’Arrabbiata oder die klassische Carbonara. Auch als Beilage zu Schmorgerichten oder gegrilltem Fleisch machen sie eine hervorragende Figur. In vielen Restaurants – wie in unserem Fall – gibt’s sie sogar als Menü-Highlight in mehreren Varianten, weil die regionale Küche zurecht stolz auf ihre Lieblingsnudel ist.
Wer einmal Umbrichelli gegessen hat, wird normalen Spaghetti danach höchstens noch einen respektvollen Gruß aus der Ferne schicken. Diese rustikalen, handgerollten Nudeln haben einfach mehr Charakter. (Na gut – außer Stefan vielleicht. Spaghetti bleiben eben seine große Pastaliebe – auch wenn sie ein bisschen blass wirken neben den kernigen Umbrichelli.)
Nach diesem Mittagessen waren wir bereit für Orvieto. Oder zumindest bereit, sehr langsam durch Orvieto zu laufen.
Die Altstadt zog uns sofort hinein. Schmale Gassen, ockerfarbene Mauern, alte Türen, kleine Balkone und Läden, die aussahen, als hätten sie seit hundert Jahren nichts an ihrem Konzept geändert – aus gutem Grund. In den Schaufenstern standen Keramik, Wein, regionale Spezialitäten, Holzfiguren und Pinocchios in jeder denkbaren Größe. Einer saß sogar auf einer Bank, vermutlich seit Jahren, und wartete geduldig auf Touristenfotos.

Wir ließen uns treiben, bogen hier ab, dort wieder ein und landeten immer wieder auf kleinen Plätzen, die plötzlich zwischen den Häusern auftauchten. Manche Gassen waren so eng, dass zwei Menschen mit Einkaufstaschen bereits eine Verkehrsregelung gebraucht hätten. Andere öffneten sich zu überraschend großen Plätzen, auf denen kaum jemand unterwegs war und die Nachmittagsruhe so schwer in der Luft lag, dass man automatisch leiser sprach.
Und dann stand er vor uns: der Dom von Orvieto. Selbst wenn man schon viele italienische Kirchen gesehen hat, ist dieser Anblick eine kleine Ohrfeige für jede Erwartung. Die Fassade wirkt, als hätte ein sehr talentierter, aber völlig hemmungsloser Baumeister beschlossen, Mosaike, Skulpturen, Gold, Spitzbögen und schwarz-weiße Streifen gleichzeitig einzusetzen. Eigentlich müsste das zu viel sein. Ist es aber nicht. Es ist grandios.
Wir standen auf dem Platz und schauten nach oben. Je länger man hinsieht, desto mehr entdeckt man: Figuren, Ornamente, glänzende Mosaike, Reliefs und Details, bei denen man sich fragt, wer früher die Zeit und Geduld hatte, so etwas überhaupt zu bauen. Heute würde vermutlich schon die Ausschreibung länger dauern als das Mittelalter.
Innen wurde es ruhiger. Hohe Bögen, gestreifte Wände, Fresken, gedämpftes Licht. Diese Kathedrale schafft es, dass selbst Menschen, die kurz vorher noch über Gelato diskutiert haben, automatisch langsamer gehen und leiser reden. Nicht aus Pflicht, sondern weil der Raum selbst offenbar einen Lautstärkeregler besitzt. Nach so viel Kultur war eine Gegenmaßnahme nötig. In unserem Fall: Eis.

Ich nahm Nocciola und Pistacchio, also genau die Sorten, die ich in Italien mit der Zuverlässigkeit eines Uhrwerks bestelle. Stefan entschied sich für Schokolade und Banane, eine Kombination, die zunächst klingt wie ein Nachtisch aus den Achtzigern, aber erstaunlich gut funktioniert. Mit den Bechern in der Hand zogen wir weiter durch die Straßen, vorbei an Weinläden, Boutiquen, kleinen Kirchen und immer wieder Aussichtspunkten über das grüne Umland.
Orvieto ist eine dieser Städte, bei denen man nie das Gefühl hat, etwas abarbeiten zu müssen. Man läuft einfach, schaut, bleibt stehen, fotografiert und biegt irgendwo ab, weil die nächste Gasse interessant aussieht. Und plötzlich sind vier Stunden vorbei.
Gegen halb fünf mussten wir weiter. Wir verabschiedeten uns von Orvieto mit vollen Mägen, sehr vielen Fotos und dem Gefühl, dass diese Stadt eigentlich einen eigenen Reisetag verdient hätte. Aber der Campingplatz wartete, und noch lagen einige Kilometer vor uns. Auf der Autobahn zog später Florenz an uns vorbei. Nur ein Schild, ein Name, ein kurzer Stich im Reiseherz. Nicht abzubiegen fühlte sich fast falsch an. Aber Florenz kannte uns bereits und wusste vermutlich, dass wir ohnehin wiederkommen.
Als wir schließlich von der A1 abbogen und Richtung Camping Village Mugello Verde fuhren, war es längst dunkel. Und Dunkelheit ist auf einem unbekannten Campingplatz ungefähr so hilfreich wie eine Sonnenbrille im Tunnel.
Der Platz war riesig, die Wege verzweigt, und die Nummerierung der Stellplätze schien nach einem System zu funktionieren, das nur dem Erfinder und möglicherweise einigen Waldtieren bekannt war. Wir fuhren durch die Dunkelheit, bogen mehrfach ab und landeten schließlich irgendwo, wo es halbwegs nach Stellplatz aussah. Der Camper stand. Das war fürs Erste genug Erfolg. Dann wollten wir noch duschen.
Also Taschenlampen an, Handtücher unter den Arm und los. Wir liefen über Kieswege, durch dunkle Baumreihen und an Gebäuden vorbei, die entweder Sanitärhaus, Ferienbungalow oder Lager für verschwundene Camper sein konnten. Ein bisschen fühlte es sich an wie Nachtwanderung im Schullandheim. Nur ohne Lehrer, ohne Karte und mit dem leichten Verdacht, dass wir nach dem Duschen den Camper nicht mehr wiederfinden würden.
Irgendwann entdeckten wir tatsächlich die Waschräume, fanden danach auf ebenso wundersame Weise wieder zurück und krochen ins Bett. Wo genau wir gelandet waren, wie der Platz aussah und ob wir möglicherweise mitten auf dem Fußballfeld standen, würde sich erst am nächsten Morgen zeigen. Aber eines war sicher: Der Honig war an Bord.







































