Ohne Plan nach Capri – 9-Euro-Cappuccino, Monte Solaro und vielleicht ein Delphin mit Hut
Heute wartet Capri auf uns. Die Tickets haben wir bereits von zu Hause aus gekauft, was morgens immerhin eine Sache weniger ist, um die wir uns kümmern müssen. Unsere Fähre mit Capribel soll um acht Uhr in Sorrento ablegen, also nehmen wir den ersten Shuttlebus vom Campingplatz um sieben. Inzwischen beherrschen wir das System ja: Bargeld bereithalten, einsteigen und los. Vom Zentrum laufen wir hinunter Richtung Marina Piccola, wobei sich schon auf dem Weg zum Hafen die große Frage des Tages über uns zusammenbraut: Was genau hat das Wetter eigentlich vor?

Wenn wir in die eine Richtung schauen, sieht der Himmel aus, als würde in ungefähr zehn Minuten die Welt untergehen. Über Sorrento und dem Golf hängen schwere, dunkelgraue Wolken, die teilweise so tief wirken, als könne man sie mit ausgestreckter Hand anfassen. Wirklich finster, wirklich bedrohlich und definitiv kein Himmel, unter dem man freiwillig ohne Regenjacke und Regenschirm auf eine Insel fahren würde. Was ausgesprochen praktisch ist, denn natürlich haben wir an diesem Morgen weder das eine noch das andere dabei. Schauen wir dagegen Richtung Capri, sieht die Sache völlig anders aus. Dort ist der Himmel stellenweise blau und hell, und damit steht für uns fest, welcher Wettervorhersage wir glauben möchten. Capri liegt schließlich dort drüben. Also wird das schon.
Kurz vor acht gehen wir an Bord der Capribel und verlassen Sorrento. Vom Wasser aus sieht die Stadt noch einmal ganz anders aus. Die Häuser liegen hoch über dem Hafen auf den steilen Felsen, darunter Marina Piccola mit den Booten und Anlegern, und während wir uns entfernen, wird die Küste langsam kleiner. Das Meer ist heute deutlich unruhiger als an den vergangenen Tagen. Die Fähre nimmt Fahrt auf, hinter uns schäumt das Wasser weiß auf und über uns liefern sich Weltuntergang und Urlaubswetter weiterhin einen ziemlich offenen Wettkampf. Auf der einen Seite hängt eine dunkle Regenwand über dem Meer, auf der anderen schimmert blauer Himmel durch die Wolken. Dazwischen fahren wir.
Je weiter wir Richtung Capri kommen, desto besser gefällt mir allerdings unsere Entscheidung, einfach optimistisch zu bleiben. Vor uns taucht die Insel immer deutlicher auf, während Sorrento hinter uns verschwindet, und nach der Überfahrt laufen wir schließlich in Marina Grande ein. Wir sind da. Capri. Und es regnet (noch) nicht.
Vom Hafen aus laufen wir direkt zur Funicolare, denn unser erstes Ziel ist Capri-Stadt. Die kleine rote Standseilbahn sieht ein bisschen so aus, als hätte jemand eine normale Straßenbahn genommen und ihr anschließend erklärt, dass sie ab sofort Berge hochfahren muss. Wir steigen ein, und dann geht es auf direktem Weg den Hang hinauf. Die Strecke verschwindet teilweise im Tunnel, zwischendurch öffnet sich der Blick über die steilen Hänge hinunter Richtung Meer, und nur wenige Minuten später spuckt uns die Bahn oben mitten in Capri wieder aus.
Wir laufen zunächst einfach los und schauen uns die ersten Straßen und Schaufenster an. Capri macht ziemlich schnell deutlich, dass wir uns hier in einer etwas anderen Preisklasse bewegen als gestern in der kleinen Bar in Termini. Elegante Geschäfte, schicke Auslagen, Schmuck, Mode – alles sieht sehr gepflegt aus und manches so, als sollte man besser nicht versehentlich fragen, was es kostet. Wir sind gerade erst ein paar Minuten unterwegs, als die ersten Tropfen fallen.
Zunächst noch harmlos. Ein bisschen Regen eben. Nichts, was uns beunruhigen müsste. Dann werden die Tropfen größer. Und mehr. Wir drehen um und gehen zurück Richtung Piazza Umberto I, denn mittlerweile sieht der Himmel so aus, als hätte die dunkle Seite vom Hafen doch gewonnen. Am Platz entdecken wir das Il Piccolo Capri und retten uns unter die Markise. Gerade rechtzeitig. Denn kaum sitzen wir dort halbwegs geschützt, öffnet jemand oben sämtliche Schleusen gleichzeitig.
Es schüttet. Nicht dieses freundliche italienische „In fünf Minuten ist alles wieder trocken“-Getröpfel, sondern richtig. Der Platz glänzt innerhalb kürzester Zeit vor Wasser, die Stühle draußen werden nass, Menschen flüchten unter Markisen und Hauseingänge, und wir sitzen mittendrin ohne Schirm, ohne Regenjacke und damit praktisch in Geiselhaft eines Cafés auf Capri.
Nun könnte man natürlich einfach zwanzig Minuten dasitzen und warten. Aber das wäre unhöflich. Also bestellen wir zwei Cappuccino und ein Croissant. Wir haben schließlich keine Ahnung, wie lange das dauert, und wenn man schon unter einer Markise auf Capri festsitzt, kann man auch frühstücken. Der Cappuccino kommt, das Croissant ebenfalls, und spätestens mit der Rechnung bekommen wir dann auch unseren ersten sehr authentischen Eindruck vom Preisniveau der Insel.
22 Euro. Zwei Cappuccino und ein Croissant. Ich vermute, darin war ein Regenzuschlag enthalten. Vielleicht auch eine Markisennutzungsgebühr. Oder wir haben versehentlich einen kleinen Anteil an der Piazza gekauft. Jedenfalls sind wir jetzt endgültig auf Capri angekommen.
Immerhin funktioniert unsere Investition in die überdachte Gastronomie hervorragend. Noch während wir dort sitzen, wird der Regen schwächer. Keine zwanzig oder dreißig Minuten später ist der große Spuk tatsächlich vorbei. Die Wolken hängen zwar noch über der Insel, aber das Wasser kommt nicht mehr von oben, und für uns reicht das vollkommen. Wir trinken unseren ausgesprochen kostbaren letzten Schluck Cappuccino, verlassen unseren 22-Euro-Unterschlupf und machen uns wieder auf den Weg.
Capri hat für die Begrüßung damit schon einmal klargemacht, wie der heutige Tag laufen könnte: Wettermäßig unberechenbar und preislich vollkommen schmerzfrei. Und wir sind gerade erst angekommen.
Auf Capri bin ich diesmal erstaunlich schlecht vorbereitet. Eigentlich gar nicht. Ich weiß natürlich, dass es die Insel gibt, dass sie schön sein soll und dass wir abends wieder mit dem Schiff zurückmüssen – damit ist meine intensive Reisevorbereitung im Wesentlichen abgeschlossen. Wir waren im vergangenen Jahr schon hier an der Amalfiküste und hatten Capri damals ausgelassen, also soll die Insel diesmal unbedingt mit ins Programm. Was uns dort genau erwartet, werden wir eben herausfinden. Und nachdem der Regen aufgehört hat und wir unseren finanziell durchaus anspruchsvollen Cappuccino verdaut haben, laufen wir einfach los.
Schon nach den ersten Straßen wird klar, dass Capri-Stadt nicht unbedingt für Menschen gebaut wurde, die auf der Suche nach dem italienischen Ein-Euro-Laden sind. Gucci, Dolce & Gabbana und andere Namen, bei denen ich schon beim Blick ins Schaufenster vorsichtshalber meine Hände in den Taschen lasse, reihen sich hier aneinander. Alles ist schick, gepflegt und dezent luxuriös, die Häuser leuchten weiß oder in hellen Pastelltönen, aus Innenhöfen und über Mauern wächst üppiges Grün, und dazwischen ziehen sich diese wunderbar schmalen Gassen durch den Ort. Nach dem Regen glänzt das Pflaster noch, inzwischen schiebt sich aber tatsächlich wieder Blau zwischen die Wolken, und Capri sieht innerhalb kürzester Zeit so aus, als hätte es mit dem Wolkenbruch vorhin überhaupt nichts zu tun gehabt.

Was mir allerdings viel mehr auffällt als Gucci und Co., sind die Fahrzeuge. Oder besser gesagt: die beinahe vollständige Abwesenheit davon. In diesem Teil von Capri-Stadt gibt es keine normalen Autos, keine Vespas, keine Lieferwagen, die sich hupend durch die Gassen quetschen. Dafür begegnen uns ständig kleine elektrische Transportkarren. Manche sehen aus wie geschrumpfte Lieferwagen, andere eher wie ein Golfcart, das einen festen Arbeitsvertrag bekommen hat. Und diese Dinger machen hier offenbar alles. Auf ihren Ladeflächen stehen Getränkekisten und Kartons, sie transportieren Lebensmittel und Wäsche, holen Waren für die Geschäfte, und wenn Hotelgäste ankommen, fahren deren Koffer ebenfalls auf diesen kleinen Elektrogefährten durch die Stadt. Vor einem Luxushotel wird dann wahrscheinlich gerade das Gepäck für mehrere Tausend Euro pro Nacht auf einem Wägelchen angeliefert, das aussieht, als könnte man damit bei uns auf dem Campingplatz die Mülltonnen einsammeln.
Vielleicht ist es sogar ganz gut, dass ich mich vorher nicht groß informiert habe. Ich habe keine Liste im Kopf, die abgearbeitet werden muss, keine zehn Sehenswürdigkeiten, die bis 17 Uhr zwingend fotografiert sein müssen, und keinen minutiösen Plan. Wir laufen einfach los, biegen dort ab, wo es interessant aussieht, und lernen nebenbei, dass Capri offenbar aus drei wesentlichen Dingen besteht: sehr teuren Geschäften, sehr vielen Treppen und sehr kleinen Elektroautos.

Je länger wir durch Capri laufen, desto mehr erinnert mich das System an Venedig. Dort versteht man nach kurzer Zeit, dass praktisch alles, was in einer normalen Stadt auf der Straße transportiert wird, irgendwann auf einem Boot landet. Pakete, Lebensmittel, Baumaterial, Müll, Wäsche – alles schwimmt. Auf Capri fährt es eben elektrisch. Was in Venedig das Arbeitsboot ist, ist hier dieses kleine Cart. Und genauso wie man in Venedig irgendwann gar nicht mehr darüber nachdenkt, dass der Paketbote mit dem Boot kommt, wirkt es hier nach kurzer Zeit vollkommen selbstverständlich, dass ein winziges Elektrofahrzeug mit einem Berg Kartons durch eine Gasse rollt, die kaum breiter ist als das Fahrzeug selbst.
Die Dimensionen passen allerdings auch perfekt zusammen. Viele Wege sind so schmal, dass sowieso kein normales Auto hineinpassen würde. Teilweise laufen wir zwischen hohen Mauern entlang, dann öffnet sich plötzlich wieder ein kleiner Platz, irgendwo zweigt eine Treppe ab, hinter einer Ecke beginnt die nächste enge Gasse und dazwischen liegen immer wieder wunderschöne Häuser und Gärten. Manchmal müssen wir selbst kurz an die Seite treten, wenn eines der Elektrofahrzeuge kommt, weil „Fußgängerzone“ hier offenbar nicht bedeutet, dass man gedankenlos in der Mitte des Weges herumschlendern sollte. Capri funktioniert eben nach seinen eigenen Regeln: Menschen laufen, Waren fahren elektrisch.
Je weiter wir uns von den teuersten Einkaufsstraßen entfernen, desto besser gefällt es mir. Hinter den glatten Schaufenstern beginnt dieses verwinkelte Capri aus weiß getünchten Mauern, alten Treppen, kleinen Torbögen und Gärten, aus denen Palmen, Kakteen und Bougainvillea wachsen. Immer wieder öffnet sich zwischen den Häusern ein Blick über die Insel, und plötzlich stehen wir wieder vor einer Treppe, von der ich selbstverständlich wissen möchte, wohin sie führt. So laufen wir ohne richtigen Plan durch Capri-Stadt und lassen uns einfach von den Gassen treiben.
Während wir weiter ohne großen Plan durch Capri-Stadt laufen, entdecken wir an einer Hauswand einen dieser schlichten Wegweiser, die hier immer wieder auftauchen. Einer davon zeigt zum Arco Naturale, dem Natural Arch. Was genau uns dort erwartet, wissen wir nicht. Ich habe mich schließlich hervorragend darauf vorbereitet, mich auf Capri nicht vorzubereiten. Aber „Arco Naturale“ klingt nach Felsen, Aussicht und etwas, das man sich anschauen könnte, also reicht uns das als Entscheidungsgrundlage vollkommen aus. Wir biegen ab und laufen los.
Zunächst führt der Weg noch durch die schmalen Gassen zwischen den Häusern. Es geht immer weiter weg von den eleganten Einkaufsstraßen und hinein in ein Capri, das mit Gucci und Dolce & Gabbana nicht mehr besonders viel zu tun hat. Die Häuser werden weniger, die Mauern bleiben, und irgendwann übernimmt die Natur. Der Weg wird schmaler und führt zwischen Bäumen und dichtem Grün hindurch, mal über Pflaster, mal über Stufen, immer wieder bergab. Was mir dabei langsam auffällt: Wenn man auf einer Insel irgendwohin läuft und der Hinweg auffällig lange bergab führt, enthält der Rückweg meistens eine unangenehme mathematische Gewissheit. Aber darüber möchte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht nachdenken.
Stattdessen genießen wir die Strecke. Zwischen den Bäumen öffnet sich immer wieder der Blick aufs Meer, weit unten liegt das tiefblaue Wasser, und gegenüber ziehen sich die Berge der Sorrentinischen Halbinsel am Horizont entlang. Nach dem Regen ist die Luft klar, die Wolken hängen noch dramatisch über dem Meer und dazwischen bricht immer wieder die Sonne durch. Das Wetter hat sich damit von „Weltuntergang“ auf „spektakuläre Fotokulisse“ verbessert, womit ich sehr gut leben kann. Wir laufen weiter über steinerne Stufen und schmale Wege, bis zwischen den Bäumen irgendwann zum ersten Mal ein gewaltiger heller Felsen auftaucht. Und plötzlich verstehen wir, warum auf dem Schild Arco Naturale stand.
Vor uns steht ein riesiger natürlicher Felsbogen, mitten in der Landschaft und hoch über dem Meer. Kein kleiner Durchbruch, bei dem jemand aus Marketinggründen beschlossen hat, ihn zur Sehenswürdigkeit zu erklären, sondern ein richtig gewaltiges Loch im Fels. Der Kalkstein ragt senkrecht zwischen den Bäumen auf, zerklüftet und ausgewaschen, und durch die riesige Öffnung leuchtet das Blau des Meeres. Der Arco Naturale ist der Überrest einer ehemaligen Grotte, deren übrige Teile im Laufe der Zeit eingestürzt sind. Was stehen geblieben ist, wirkt ein bisschen so, als hätte jemand ein gigantisches steinernes Fenster in die Küste gebaut. Natürlich reicht es uns nicht, einmal davorzustehen und zu sagen: „Schön.“

Wir schauen ihn von oben an, gehen weiter hinunter, betrachten ihn von der Seite und suchen uns immer wieder einen anderen Blickwinkel. Je nachdem, wo man steht, sieht er vollkommen anders aus. Einmal bildet der Fels einen Rahmen um das Meer, dann ragt er wie eine riesige steinerne Brücke zwischen den Bäumen auf, und von weiter unten erkennt man erst richtig, wie massiv dieses Ding eigentlich ist. Durch die Öffnung sieht man Felsen, Vegetation und immer wieder das Meer, während über uns die Wolken ziehen und zwischendurch einzelne Sonnenstrahlen auf das Wasser fallen.
Wir fotografieren selbstverständlich alles. Den Bogen von links. Den Bogen von rechts. Den Bogen von unten. Den Bogen mit Meer. Den Bogen mit Baum. Den Bogen mit mehr Meer. Den Bogen mit weniger Baum. Vermutlich besitzen wir nach diesem Besuch genügend Aufnahmen, um später zweifelsfrei nachweisen zu können, dass der Arco Naturale während unseres Aufenthalts nicht heimlich seinen Standort gewechselt hat.
Zwischendurch setzen wir uns einfach auf eine der steinernen Bänke am Weg und schauen eine Weile aufs Meer. Hier draußen ist vom Trubel in Capri-Stadt kaum noch etwas zu spüren. Keine Luxusboutiquen, keine vollgestellten Plätze und auch die kleinen Elektrotransporter sind verschwunden. Nur Wald, Felsen, Meer und dieser gewaltige Steinbogen, den die Natur irgendwann übrig gelassen hat.
Und dafür, dass wir vor einer Weile noch nicht einmal wussten, dass es diesen Ort gibt, gefällt er uns ausgesprochen gut. Genau deshalb mag ich solche Tage ohne große Vorbereitung manchmal besonders. Wir haben kein Häkchen auf irgendeiner Capri-Liste gesetzt und sind nicht hierhergelaufen, weil uns vorher zehn Reiseführer erzählt haben, dass man das unbedingt gesehen haben muss. Wir haben einfach irgendwo an einer Wand einen Pfeil entdeckt, fanden „Natural Arch“ interessant und sind ihm gefolgt. Manchmal reicht Reiseplanung tatsächlich in Form eines Schildes mit Pfeil vollkommen aus.
Vom Arco Naturale machen wir uns schließlich wieder auf den Rückweg nach Capri-Stadt. Und da rächt sich natürlich genau das, was ich auf dem Hinweg schon geahnt hatte: Was man vorher so wunderbar entspannt bergab gelaufen ist, muss irgendwann wieder hinauf. Die vielen Stufen und Wege, die eben noch so romantisch durch die Landschaft führten, bekommen in der Gegenrichtung plötzlich einen ganz anderen Charakter. Spätestens als wir wieder zwischen den ersten Häusern auftauchen, haben wir uns unser Mittagessen jedenfalls redlich verdient.
Nur haben wir nach unserem morgendlichen Erlebnis im Il Piccolo ein kleines Problem: Wir haben inzwischen Angst vor Capri-Preisen. Wenn zwei Cappuccino und ein Croissant schon 22 Euro kosten, möchte ich gar nicht wissen, was passiert, wenn man leichtsinnig eine vollständige Mahlzeit bestellt. Wahrscheinlich bekommt man zur Pizza gleich noch einen Finanzierungsplan gereicht. Also schauen wir ein bisschen genauer, bevor wir uns irgendwo hinsetzen, und landen schließlich abseits der großen Plätze in einer kleinen Seitenstraße bei der Ristorante Pizzeria Donna Rachele.
Schon die Lage gefällt uns. Ein paar Stufen hinunter, hinein in eine schmale Gasse und weg vom großen Capri-Zirkus. Drinnen ist es angenehm unkompliziert und vor allem stellen wir beim Blick auf die Karte erleichtert fest, dass wir hier essen können, ohne anschließend unseren Camper verkaufen zu müssen. Die Preise sind für Capri tatsächlich völlig in Ordnung. Nach dem 22-Euro-Frühstück empfinde ich eine normal bepreiste Pizza inzwischen beinahe als Geschenk.
Stefan bleibt bei einer klassischen Pizza mit scharfer Salami. Bei mir dagegen siegt die Neugier, denn auf der Karte steht frittierte Pizza. Davon habe ich natürlich schon gehört, aber noch nie eine gegessen, und wenn ich schon in Kampanien bin, muss das jetzt ausprobiert werden. Was dann vor mir liegt, sieht zunächst weniger nach Pizza aus als nach einer sehr großen, goldbraunen Teigtasche. Der Pizzateig wird gefüllt, zusammengeklappt und anschließend frittiert, wodurch er außen herrlich knusprig und gleichzeitig weich und luftig wird. Im Inneren steckt die heiße, würzige Füllung, und bereits nach dem ersten Bissen steht fest: Warum habe ich das eigentlich nicht schon viel früher gegessen? Das Ding ist richtig gut.
Natürlich auch vollkommen ungeeignet für jeden Gedanken an leichte mediterrane Küche. Eine normale Pizza war offenbar irgendwann jemandem nicht gehaltvoll genug, weshalb ein Italiener vermutlich gesagt hat: „Wir könnten sie doch komplett ins heiße Fett werfen.“ Und ich möchte diesem unbekannten Menschen an dieser Stelle ausdrücklich für seine Weitsicht danken.
Während Stefan also seine scharfe Salamipizza isst, arbeite ich mich ausgesprochen glücklich durch meine frittierte Variante. Nach unserem Marsch zum Natural Arch schmeckt das Ganze wahrscheinlich noch einmal doppelt so gut, und plötzlich ist auch unsere Sorge vor dem Mittagessen auf Capri verschwunden. Man muss offenbar nur ein paar Meter von den großen Plätzen und den schicken Einkaufsstraßen weggehen, dann wird aus Capri wieder ein Ort, an dem man essen kann, ohne vorher mit seiner Bank über eine kurzfristige Erhöhung des Kreditrahmens zu sprechen.
Nach dem Essen übernimmt Stefan für einen Moment die Reiseleitung. Im Gegensatz zu mir, die für Capri im Grunde mit dem umfassenden Vorwissen „ist eine Insel und soll schön sein“ angereist ist, hat er sich nämlich doch ein bisschen mit der Karte beschäftigt. Dabei hat er herausgefunden, dass Capri nicht nur aus Capri-Stadt besteht, sondern dass es auf der anderen Seite auch noch Anacapri gibt – und von dort fährt ein Sessellift auf den Monte Solaro. Das klingt nach Aussicht, wenig körperlicher Anstrengung und einer weiteren Gelegenheit, ungefähr 3000 Fotos zu machen. Also genau nach unserem Geschmack.
Dafür müssen wir zunächst zum Busbahnhof, wobei „Busbahnhof“ auf Capri ein ziemlich großes Wort für eine ziemlich kleine Angelegenheit ist. Und passend dazu stehen dort auch sehr, sehr kleine Busse. Nachdem ich die engen Straßen der Insel gesehen habe, verstehe ich allerdings sofort, warum. Mit einem normalen Linienbus käme man hier vermutlich bis zur ersten Kurve und müsste anschließend das Fahrzeug als dauerhafte Straßensperre stehen lassen. Die Capri-Busse sehen deshalb aus, als hätte man einen ausgewachsenen Reisebus bei 60 Grad gewaschen und anschließend einlaufen lassen. Innen ist es entsprechend kuschelig, aber wir passen hinein und machen uns auf den Weg nach Anacapri.
Die Fahrt selbst ist schon ein Erlebnis, denn der kleine Bus arbeitet sich über die kurvigen Straßen der Insel nach oben, vorbei an Mauern und Häusern, durch Engstellen und Kurven, bei denen ich froh bin, dass ich heute nicht selbst fahren muss. In Anacapri angekommen finden wir ziemlich schnell die Talstation des Sessellifts auf den Monte Solaro – und ebenso schnell die Schlange davor. Die ist lang. Sehr lang. Offenbar hatte Stefan nicht als einziger Mensch auf Capri die brillante Idee, bei dem inzwischen wieder deutlich besseren Wetter auf den höchsten Punkt der Insel zu fahren.
Zum Glück sieht es schlimmer aus, als es ist. Der Sessellift läuft kontinuierlich, die einzelnen Sessel kommen einer nach dem anderen herein, jeder wird kurz eingesammelt und schon schwebt der Nächste davon. Nach ungefähr zwanzig Minuten sind wir tatsächlich dran. Kein großes Gondelabteil, keine Kabine, kein schützendes Gehäuse – einfach ein einzelner Sessel, Bügel davor und los. Herrlich altmodisch und genau deshalb irgendwie schön.
Die Fahrt nach oben gefällt mir fast genauso gut wie das Ziel. Wir schweben ganz gemächlich über Gärten, kleine Grundstücke und Häuser hinweg, dann wird die Landschaft zunehmend grüner und felsiger. Unter unseren Füßen ziehen Büsche, Bäume und Kalksteine vorbei, während Anacapri immer kleiner wird. Mit jedem Höhenmeter öffnet sich der Blick weiter, und nachdem uns Capri morgens noch mit einem Wolkenbruch begrüßt hat, macht der Himmel inzwischen tatsächlich wieder mit. Zwischen den dramatischen Wolken gibt es immer größere blaue Lücken, und das Meer leuchtet darunter in sämtlichen Abstufungen von Blau.
Oben auf dem Monte Solaro angekommen, hat sich spätestens jede Minute in der Warteschlange erledigt. Mit knapp 600 Metern ist er der höchste Punkt Capris, und von hier oben liegt einem die Insel tatsächlich zu Füßen. Anacapri breitet sich weiß zwischen den grünen Hängen aus, dahinter liegt das Meer, und in der Ferne zieht sich die Sorrentinische Halbinsel am Horizont entlang. Auf der anderen Seite fällt die Insel steil zum Wasser ab, und weit unten stehen die Faraglioni-Felsen vor der Küste im Meer. Von hier oben wirken selbst diese riesigen Felsnadeln plötzlich erstaunlich klein.

Wir laufen von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt und wissen eigentlich gar nicht so recht, wohin wir zuerst schauen sollen. Hinter jeder Ecke sieht es wieder anders aus. Mal blickt man über die Dächer von Anacapri hinaus aufs offene Meer, mal entlang der zerklüfteten Küste, dann wieder hinüber Richtung Festland. Die Wolken machen die Aussicht sogar noch schöner, weil nicht einfach nur ein makellos blauer Himmel über allem hängt, sondern ständig Licht und Schatten über Meer und Berge wandern. Nach dem Weltuntergang am Morgen haben wir mit dem Wetter inzwischen richtig Glück.

Und dann beginnt natürlich das Fotografieren. Meer mit Capri. Capri mit Meer. Stefan mit Meer. Ich mit Meer. Wir beide mit Meer. Faraglioni ohne uns. Faraglioni mit uns. Selfie. Noch ein Selfie, weil beim ersten einer komisch geguckt hat. Noch eines, weil jetzt der Hintergrund besser ist. Dann wieder Landschaft, weil wir schließlich nicht nur unsere eigenen Köpfe mit nach Hause nehmen wollen. Zum Glück leben wir im digitalen Zeitalter. Mit einem 36er-Film hätte unser Capri-Tag vermutlich bereits am Natural Arch geendet.
Zwischendurch stehen wir einfach am Geländer und schauen hinunter. Von hier oben bekommt man zum ersten Mal ein richtiges Gefühl dafür, wie Capri aufgebaut ist und wie klein die Insel eigentlich ist. Unten liegen die weißen Häuser wie verstreute Würfel in der Landschaft, Straßen verschwinden zwischen den Bergen und ringsherum ist nur Meer. Gerade weil wir heute Morgen ohne große Vorstellung angekommen sind, überrascht mich Capri immer mehr. Ich hatte irgendwie mit einem schicken Inselort, Luxusboutiquen und sehr teurem Cappuccino gerechnet. Dass man wenige Stunden später auf einem Berg steht und auf eine derart wilde, felsige Landschaft hinunterschaut, hatte ich so überhaupt nicht auf dem Schirm.
Nachdem wir wirklich jeden Aussichtspunkt ausreichend dokumentiert haben – mehrfach, sicher ist sicher –, gehen wir schließlich wieder zur Bergstation. Dann setzen wir uns erneut in unsere einzelnen Sessel und schweben ganz gemütlich zurück nach Anacapri. Diesmal liegt die komplette Aussicht direkt vor uns: unten die weißen Häuser, dahinter das Meer und irgendwo dort unten unser nächstes Ziel, von dem ich zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nichts weiß. Meine Reisevorbereitung bleibt schließlich konsequent.
Unten in Anacapri angekommen, bleiben wir erst einmal dort. Nach dem Monte Solaro haben wir keine Eile, und außerdem gefällt uns Anacapri auf Anhieb ganz anders als Capri-Stadt. Während dort Gucci, Dolce & Gabbana und die anderen üblichen Verdächtigen ihre Schaufenster auf Hochglanz polieren, geht es hier deutlich bodenständiger zu. Hier gibt es tatsächlich einen OVS, und damit bewegen wir uns modisch wieder in Preisregionen, bei denen man ein Kleidungsstück auch einmal anfassen kann, ohne vorher die Deckung der Kreditkarte zu überprüfen. Dazwischen finden wir wieder diese typischen kleinen Läden voller Keramik, Zitronen, Schalen, Tellern und buntem Krimskrams, der in Italien immer so aussieht, als müsste man ihn unbedingt mit nach Hause nehmen. Vor allem die Keramik mit ihren leuchtenden Zitronen verfolgt uns inzwischen durch ganz Kampanien. Wenn wir nicht aufpassen, besteht unser Haushalt irgendwann aus Limoncello, Orangenöl und Geschirr mit Zitronen darauf.
Wir schlendern durch die Gassen, schauen in die Geschäfte und entdecken irgendwann ein paar uralte Vespas, die hier offenbar gemeinsam auf irgendeiner Tour unterwegs sind. Herrlich abgerockte Exemplare in verschiedenen Grün- und Blautönen, mit Gebrauchsspuren, Aufklebern und genau diesem Charme, den eine Vespa erst bekommt, wenn sie nicht mehr aussieht, als sei sie gestern aus dem Laden gerollt. Natürlich müssen wir stehen bleiben und gucken. Seit wir selbst mit unseren Vespas unterwegs sind, komme ich an so etwas sowieso nicht mehr vorbei. Andere Menschen fotografieren Kirchen, ich fotografiere inzwischen zusätzlich fremde Roller. Man entwickelt sich.
Irgendwann müssen wir allerdings wieder Richtung Hafen, und dafür brauchen wir einen Bus. Was in der Theorie ausgesprochen einfach klingt, entwickelt sich in Anacapri zu einer kleinen Geduldsübung. Die Busse kommen nämlich nicht leer an und warten darauf, uns bequem aufzunehmen. Sie kommen irgendwo von weiter oben herunter und sind teilweise bereits so voll, dass man beim Öffnen der Tür fast damit rechnet, dass die ersten Fahrgäste herausquellen. Einer kommt – voll. Der nächste kommt – ebenfalls voll. Und wir stehen da und beobachten das Verfahren eine Weile, bis wir irgendwann tatsächlich in einen hineinpassen. „Passen“ ist dabei großzügig formuliert. Capri-Busse sind ohnehin klein, und wenn sie voll sind, lernt man seine Mitreisenden in einer Intensität kennen, die für eine zwanzigminütige Busfahrt eigentlich gar nicht nötig wäre.
Diesmal fahren wir nicht zurück nach Capri-Stadt, sondern direkt hinunter zur Marina Grande. Die Straße windet sich den Berg hinab, der kleine Bus nimmt Kurve um Kurve, und irgendwann sind wir wieder ganz unten am Hafen. Bis zu unserem Schiff haben wir noch reichlich Zeit, also bummeln wir durch die kleinen Touristenläden und Stände. Hier gibt es noch einmal alles, was man kurz vor der Abreise von Capri möglicherweise dringend brauchen könnte: Zitronen in sämtlichen denkbaren Aggregatzuständen, Keramik, Taschen, Magnete, Süßigkeiten und Dinge, deren einziger Zweck darin besteht, zu Hause daran zu erinnern, dass man auf Capri war.
Und dann wollen wir noch ein Gelato. An der Auslage steht ein vollkommen akzeptabler Preis: zwei Kugeln im Becher zum Mitnehmen für fünf Euro. Na bitte. Capri kann also doch vernünftig. Und weil fünf Euro für zwei Kugeln nun wirklich okay sind, denken wir uns, dass wir uns auch hinsetzen können. Was soll das schon groß mehr kosten? Diese Frage sollte man auf Capri grundsätzlich niemals stellen.
Wir setzen uns, bekommen unser Eis und erfahren anschließend, dass aus den fünf Euro elf Euro pro Eisbecher geworden sind. Zwei Eis – 22 Euro. Da ist sie wieder, unsere magische Capri-Zahl. Der Tag hat heute Morgen mit zwei Cappuccino und einem Croissant für 22 Euro begonnen und beendet seine gastronomische Preisgestaltung konsequenterweise mit zwei Eisbechern für 22 Euro. Ich muss diese Konsequenz fast bewundern. Offenbar gibt es auf Capri einen geheimen Knopf an den Registrierkassen, auf dem einfach „Touristenpaar – 22 €“ steht.
Aber was soll’s. Wir sind auf Capri, wir sind im Urlaub, das Eis schmeckt und nach diesem Tag werde ich jetzt nicht anfangen, wegen sechs Euro Sitzgebühr pro Becher eine Grundsatzdiskussion zu führen. Ich verbuche es unter Inselzuschlag und freue mich lieber darüber, dass wir einen richtig schönen Tag hatten.
Um 18:35 Uhr legt unser Schiff zurück nach Sorrento ab. Capri wird langsam kleiner hinter uns, die Häuser ziehen sich an den Hängen entlang und das Licht verändert sich mit jeder Minute. Und dann liefert uns die Rückfahrt tatsächlich noch genau dieses Bild, das so kitschig ist, dass man es sich als Reiseblogger eigentlich gar nicht auszudenken trauen würde: Die Sonne sinkt Richtung Horizont und taucht das Meer in Orange und Gold.
Die rote Sonne versinkt bei Capri im Meer. Ja. Wirklich. Mehr Italienkitsch geht eigentlich nicht. Es fehlt nur noch, dass irgendwo auf dem Schiff jemand eine Mandoline auspackt und uns ein Kellner ein Glas Chianti reicht. Hinter dem Schiff schäumt die weiße Spur durchs dunkler werdende Wasser, die Insel liegt als Silhouette vor dem orangefarbenen Himmel, und natürlich machen wir wieder Fotos. Wenn einem das Universum schon derart schamlos eine Postkartenkulisse hinstellt, muss man sie schließlich auch mitnehmen.
Nur einer nimmt den Sonnenuntergang etwas zu wörtlich: Stefans Hut. Irgendwann auf der Überfahrt dreht Stefan sich einmal um, ein Windstoß kommt – und weg ist das Ding. Einfach weg. Eben noch auf dem Kopf, eine Sekunde später im Golf von Neapel. Bei dem Tempo des Schiffes besteht auch keine realistische Chance, dem Kapitän zuzurufen, er möge wegen eines Strohhuts bitte wenden. Also schauen wir dem guten Stück gedanklich hinterher und müssen ziemlich schnell lachen, denn Stefan hat eine gewisse Vorgeschichte mit verlorenen Kopfbedeckungen.
Vor einigen Jahren waren wir mit den Enkeln im Schwabenpark, und dort verlor er seine Harley-Davidson-Kappe, die er sich in den USA gekauft hatte. Weg. Verschwunden. Ärgerlich, aber nicht zu ändern. Ein Jahr später sind wir wieder im Schwabenpark – und wer steht dort an einer Achterbahn und bedient die Anlage? Ein Mitarbeiter mit einer Harley-Davidson-Kappe auf dem Kopf. Genau so einer. Wir sind bis heute überzeugt, dass Stefans Kappe dort beruflich Karriere gemacht hat.
Damit stellt sich nun natürlich die Frage, wo wir den Capri-Hut im nächsten Jahr wiedersehen. Die Auswahl an Achterbahnmitarbeitern mitten im Golf von Neapel dürfte überschaubar sein. Vielleicht trägt ihn ein Fischer. Vielleicht wird er irgendwo an der Küste angeschwemmt. Vielleicht sitzt nächstes Jahr ein Delfin vor Capri mit Strohhut im Wasser und sieht aus, als hätte er gerade Feierabend. Ich weiß nicht einmal, welche Tiere dort unten überhaupt für Hüte geeignet sind. Ein Karpfen vermutlich eher nicht. Aber nach der Geschichte im Schwabenpark schließe ich gar nichts mehr aus.
Als wir wieder in Sorrento ankommen, ist es bereits dunkel. Statt sofort zum Shuttle zu gehen, laufen wir noch ein kleines Stück in die Stadt hinein, denn für ein großes Abendessen haben wir nach diesem Tag wirklich keinen Bedarf mehr. Wir wollen nur noch ein bisschen Mortadella, Schinken und vielleicht etwas anderes Leckeres kaufen und später am Camper ein kleines Vesper machen. Tatsächlich finden wir einen winzigen Laden mit einer Wurst- und Käsetheke, der genau richtig aussieht.
Preise sehen wir keine. Nach einem Tag auf Capri sind wir inzwischen erstaunlich angstfrei geworden. Hinter der Theke steht unter anderem eine sehr alte Nonna, die einem jüngeren Mann zeigt, wie man die Wurst offenbar richtig behandelt. Und zwar mit Hingabe. Mit sehr viel Hingabe. Jede Scheibe wird betrachtet, hingelegt, noch einmal zurechtgerückt und anschließend mit einer Sorgfalt verpackt, als handele es sich nicht um Mortadella, sondern um ein empfindliches archäologisches Fundstück.
Kennt ihr diese Faultiere aus einem Animationsfilm, bei denen jede Bewegung ungefähr eine halbe Ewigkeit dauert? Genau dieses Tempo. Wir stehen vor der Theke und beobachten fasziniert, wie unser Abendessen Scheibe für Scheibe Gestalt annimmt. Die Nonna erklärt, der junge Mann hört zu, die Wurst wird gestreichelt, Papier wird gefaltet, wieder geöffnet, noch einmal korrigiert und schließlich weitergefaltet. Ich habe zwischenzeitlich ernsthafte Bedenken, dass das Haltbarkeitsdatum unserer Mortadella abläuft, bevor wir den Laden verlassen.
Aber irgendwann ist tatsächlich alles fertig. Wir bekommen unsere Tüten, schaffen es noch zum Shuttlebus und absolvieren am Campingplatz inzwischen routiniert das uns bestens bekannte Abendprogramm: Bus hält vor der Schranke, aussteigen, zum Drehtor laufen, bezahlen und wieder hinein auf den Platz. Mittlerweile könnte man uns dafür vermutlich nachts wecken.
Am Camper packen wir schließlich Mortadella, Schinken und unsere anderen Einkäufe aus, machen uns ein gemütliches Vesper und lassen den Tag ausklingen. Morgens Weltuntergangswolken über Sorrento, dann Regen auf Capri, 22-Euro-Frühstück, Natural Arch, frittierte Pizza, Monte Solaro, Anacapri, 22-Euro-Eis, Sonnenuntergang auf dem Meer und ein Strohhut, der irgendwo im Golf von Neapel ein neues Leben begonnen hat.
Für einen Tag, auf den ich mich überhaupt nicht vorbereitet hatte, war erstaunlich viel drin. Vielleicht sogar ein Delfin mit Hut.



















































































