Von Cagliari über die Traumküste zur Cala Domestica: Ein Tag im gelben Blütenrausch
Nachdem wir gestern schon einen halben Tag in der schönen Hauptstadt Sardiniens verbracht hatten, starteten wir in diesen Ostermontag noch einmal mitten in Cagliari. Die Stadt erwachte nur langsam aus ihrem Schlummer, die Kirchenglocken läuteten den Feiertag ein und die Einheimischen strömten fein herausgeputzt in Richtung Messe. Um 8 Uhr machten wir uns zu Fuß auf den Weg zum Hafen, wo wir ein kleines Café kurzerhand zur „Cornetto-Sperrzone“ erklärten. Während wir uns Cappuccino gönnten und die Kids ihren Kakao schlürften, haben wir systematisch die Schoko-Cornetto-Vorräte der Bar weggeputzt – ein echtes Frühstück für Champions.
Danach trennten sich unsere Wege für ein paar Stunden: Während Oli, Nadine und die Kinder mit dem Bus zurück zum Campingplatz aufbrachen, genossen Stefan und ich die Ruhe und die restlichen Kalorien in den Gassen der Altstadt. Wir ließen uns treiben und landeten plötzlich mitten im Geschehen, als eine prachtvolle Oster-Prozession an uns vorbeizog. Männer in traditionellen weißen Gewändern trugen eine Christus-Statue durch die engen Straßen, begleitet von andächtigen Menschen – ein Moment wie aus einem alten Film, feierlich und absolut beeindruckend. Schließlich machten auch wir uns zu Fuß auf den Rückweg, um pünktlich um 12 Uhr auszuchecken. Während der Camper der anderen schon abfahrbereit und „entsorgt“ war, mussten wir noch schnell das Pflichtprogramm erledigen, bevor wir uns endlich in die Sitze schwangen.
Wir folgten der Küstenstraße Richtung Westen und wer dachte, die SS 125 sei das Maß aller Dinge, wurde heute eines Besseren belehrt. Überall am Straßenrand leuchtete es in einem Gelb, als hätte jemand die Sättigung der Landschaft auf Anschlag gedreht – vermutlich wilder Ginster und Margeriten, die in einer unglaublichen Intensität blühten. Unsere Stopps an der Costa Verde reihten sich wie Perlen an einer Kette aneinander. Zuerst die Passeggiata del belvedere di Nebida, ein Panoramaweg an den Klippen, der den Blick auf das tiefblaue Meer und alte Bergbau-Ruinen freigibt, bis einem fast der Atem raubt. Dann Masua, wo der berühmte Felsen „Pan di Zucchero“ wie ein gigantischer weißer Zuckerhut aus dem Wasser ragt – ein Postkartenmotiv, das live noch viel gewaltiger wirkt.
Zum Abschluss stand ein echtes Highlight auf dem Programm: die Cala Domestica. Während Nadine sich eine wohlverdiente Auszeit gönnte, machten wir anderen uns auf, diese Bucht zu erkunden, die aussieht, als hätten Piraten sie höchstpersönlich als Versteck ausgewählt. Eingekesselt von schroffen, hohen Felsen, mit feinem Sand und Wasser in einem Türkis, das fast schon wehtut in den Augen, war der Anblick allein schon die Fahrt wert.
Aber wir wollten mehr als nur Schauen. Wir kraxelten über die Klippen auf der rechten Seite der Bucht, immer der Nase nach. Dort wartete das eigentliche Abenteuer: ein Felstunnel, der wie ein geheimes Portal wirkt. Wir bückten uns, tasteten uns durch die kühle „Höhle“ und – zack – auf der anderen Seite öffnete sich eine Welt, die man sonst nur aus Filmen kennt.
Wir standen in einer versteckten, kleineren Bucht, einer Art geheimen Lagune, die noch wilder und abgeschotteter wirkte als der Hauptstrand. Der Weg dorthin über die Felsen erforderte zwar ein bisschen Trittsicherheit, aber das Gefühl, diesen verborgenen Ort entdeckt zu haben, war unbeschreiblich. Wir hielten kurz inne, ließen uns die salzige Gischt um die Nase wehen und saugten die Atmosphäre tief ein, bevor wir uns – ein bisschen wehmütig, aber voller Adrenalin – auf den Weg ins Hinterland Richtung Coru e Bentu machten.

Gegen Abend rollten wir schließlich bei Giuseppe und Andrea auf Coru e Bentu ein, was übersetzt so viel wie „Herz und Wind“ bedeutet. Nach der geschäftigen Stadt am Morgen war die Ruhe hier oben in Fluminimaggiore fast greifbar, und wir wurden sofort von der tierischen Begrüßungskommission aus Gänsen, Hunden und Mustangs empfangen. Was diesen Ort aber wirklich ausmacht, ist das Gefühl, nicht auf einem Campingplatz zu sein, sondern bei alten Freunden zu Besuch. Die beiden Gastgeber sind so herzlich, dass wir uns sofort wie zu Hause fühlten.
Das Abendessen war dann der absolute Knaller und fühlte sich eher nach Familienanschluss als nach normalem Dinner an. Wir saßen direkt bei Giuseppe und Andrea in der Wohnung am Tisch, haben gemeinsam gegessen, gelacht und uns prächtig unterhalten. Da Andrea Deutsche ist und Giuseppe ebenfalls hervorragend Deutsch spricht, gab es keine Sprachbarrieren, sondern nur fließende Gespräche. Aufgetischt wurde nur das Beste: ein Oktopus-Salat, der wie ein Gedicht war, hausgemachte Ravioli, dazu Oliven und Brot aus der Bäckerei von Giuseppes Bruder. Man schmeckte in jedem Bissen die sardische Sonne. Während wir uns über Gott und die Welt unterhielten, floss der Rotwein und der köstliche Myrto-Likör so reichlich, dass es plötzlich schon 23:30 Uhr war. Beseelt und glücklich traten wir den kurzen Weg zurück zu unseren Campern an, die mitten auf der Wiese in bester Nachbarschaft zu den Pferden standen. Cagliari am Morgen, die wilde Küste am Mittag und dieser familiäre Ausklang am Abend – dieser Ostermontag hatte wirklich alles!




