Zwischen Gletscher, Jetlag und Elch – Alaska legt gleich richtig los
Der erste Morgen in Alaska begann, wie erste Urlaubsmorgen mit zehn Stunden Zeitverschiebung eben beginnen: viel zu früh. Während vernünftige Menschen um diese Uhrzeit noch schlafen, lagen Stefan und ich bereits hellwach in unserer Peony Suite und starrten vermutlich beide innerlich auf dieselbe unsichtbare Uhr. Der Jetlag hatte offenbar beschlossen, uns persönlich zu begrüßen. An Frühstück im Bed & Breakfast war um diese Uhrzeit natürlich noch nicht zu denken, und ich wollte Caroline nun wirklich nicht um fünf Uhr morgens aus dem Bett klingeln mit der freundlichen Bitte, vielleicht schon mal Eier, Toast und Kaffee aufzufahren. Es gibt Grenzen, selbst für Gäste aus Deutschland.
Zum Glück leben wir in Amerika, wo man für praktisch jedes Problem irgendein 24-Stunden-Restaurant findet. Also machten wir uns auf die Suche nach einem IHOP. Das Navi war allerdings anderer Meinung und führte uns sehr zielstrebig zu einer Autowerkstatt. Vielleicht gab es dort Pancakes zur Inspektion dazu, vielleicht hatte das Gerät aber auch einfach noch mehr Jetlag als wir. Jedenfalls standen wir irgendwann vor etwas, das eindeutig eher nach Ölwechsel als nach French Toast aussah. Damit war IHOP vorerst erledigt. Aber Amerika wäre nicht Amerika, wenn nicht drei Straßen weiter schon die nächste kalorische Rettungsstation auf uns warten würde: Denny’s.
Denny’s um sechs Uhr morgens hat etwas sehr Beruhigendes. Das Licht ist grell, der Kaffee kommt zuverlässig nach, und niemand stellt Fragen, warum zwei deutsche Touristen zu einer Uhrzeit frühstücken, zu der andere Menschen noch nicht einmal wissen, wie sie heißen. Stefan bestellte etwas Herzhaftes, ich bekam French Toast, Rührei und Bacon, und plötzlich war die Welt wieder in Ordnung. Nur eine Sache irritierte uns schon auf dem Parkplatz: Es war kalt. Richtig kalt. Wir waren mit Jeans, Pullovern und Jacken unterwegs und hielten das für eine einigermaßen nachvollziehbare Reaktion auf Temperaturen um den Gefrierpunkt. Die Einheimischen sahen das offenbar anders. Da liefen Menschen in kurzen Hosen herum, teilweise sogar in Tanktops, als hätten wir nicht Alaska im Herbst, sondern einen etwas frischen Morgen in Florida erwischt. Offenbar wächst einem hier mit der Postleitzahl automatisch eine zusätzliche Schicht Fell. Wir blieben jedenfalls bei unserer europäischen Variante und zogen den Reißverschluss noch ein Stück höher.
Gut gestärkt begann anschließend unser erster richtiger Roadtrip. Das Ziel war der Matanuska-Gletscher, und schon die Fahrt dorthin zeigte ziemlich eindrucksvoll, warum ich unbedingt im Herbst nach Alaska wollte. Hinter Palmer wurde die Landschaft mit jeder Meile schöner. Die Straße zog sich durch ein Meer aus gelbem und goldenem Herbstlaub, dahinter ragten schneebedeckte Berge in den Himmel, und der Matanuska River lag breit und grau zwischen den Ebenen. Dazu dieses tiefe Morgenlicht, das alles noch einmal dramatischer aussehen ließ, als hätte Alaska extra für uns einen Landschaftsbeleuchter bestellt.
Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, auf dem Hinweg ohne große Stopps bis zum Gletscher durchzufahren und sämtliche Fotopausen auf den Rückweg zu verschieben. Ein hervorragender Plan. Er hielt ungefähr fünf Minuten.
„Kannst du da mal kurz anhalten?“
Stefan hielt.
Ein paar Meilen später: „Da vorne vielleicht noch mal.“
Stefan hielt wieder.
Noch ein Stück weiter tauchte eine weitere Bergkette im Licht auf, der Fluss machte irgendeine malerische Kurve, das Laub sah plötzlich noch goldener aus als fünf Minuten zuvor – und natürlich hielt Stefan wieder. Irgendwann muss ihm klar geworden sein, dass „wir fotografieren auf dem Rückweg“ eher als theoretisches Konzept zu verstehen war. Immerhin besitzt er Geduld. Oder Resignation. Das ist in einer Ehe manchmal schwer auseinanderzuhalten.

Unterwegs standen auch schon die ersten gelben Warnschilder am Straßenrand, die unmissverständlich darauf hinwiesen, dass Elche hier offenbar nicht nur zur Landschaft gehören, sondern auch regelmäßig versuchen, Straßenverkehr auf ihre ganz eigene Art zu interpretieren. „Moose Crash Area“ las sich nicht gerade beruhigend. Wer bisher dachte, Wildwechsel sei etwas, das in Deutschland mit einem Reh beginnt und mit einem zerknitterten Kotflügel endet, bekommt in Alaska andere Dimensionen präsentiert. Ein Elch ist schließlich ungefähr so gebaut, als hätte jemand ein Pferd auf Stelzen gestellt und anschließend beschlossen, das Ganze noch mit Geweih auszustatten.

Nach ungefähr zwei Stunden tauchte der Matanuska-Gletscher vor uns auf. Schon von der Straße aus war er gewaltig. Eine breite, zerklüftete Eisfläche, die sich tief zwischen den Bergen hindurchzog und aussah, als würde sie dort seit der letzten Eiszeit persönlich darüber wachen, dass niemand auf die Idee kommt, Alaska für niedlich zu halten. Das hätte eigentlich schon gereicht, um eine Weile ehrfürchtig am Straßenrand zu stehen. Uns natürlich nicht. Wenn da ein Gletscher liegt, dann will ich da hin. Möglichst nah. Am liebsten mitten drauf.
Die Zufahrt führte allerdings über Privatgrund. Und Privatgrund bedeutet in Amerika nicht unbedingt „Betreten verboten“, sondern oft eher „Betreten gegen Gebühr sehr willkommen“. Nach einer ziemlich rumpeligen Fahrt über eine Straße, bei der unser Mietwagen erstmals zeigen durfte, warum wir keinen Kleinwagen genommen hatten, standen wir vor einer Schranke mit kleinem Kassenhäuschen. Dort erfuhren wir, dass der Spaß 20 Dollar pro Person kostete.

Vierzig Dollar also, damit wir auf einen Gletscher laufen durften. Ich begann sofort zu rechnen. Wenn hier nur fünfzig Leute am Tag auftauchen, macht das … ziemlich viel. Wenn hundert kommen … noch mehr. Und das ohne Restaurant, Souvenirshop oder große Infrastruktur. Im Grunde muss man nur zufällig Land besitzen, auf dem ein Gletscher herumliegt. Ich beschloss spontan, dass wir uns nach dem Urlaub vielleicht einmal nach geeigneten Grundstücken umsehen sollten. Andere Menschen investieren in Immobilien. Ich würde künftig Gletscher kaufen.
Wir bezahlten, die Schranke öffnete sich und wir rumpelten noch ungefähr zwei Meilen weiter bis zum Parkplatz. Dort waren wir tatsächlich fast allein. Weit und breit keine Reisegruppe, kein Bus, keine Menschentraube in Funktionskleidung. Nur wir, unser roter Jeep, ein paar Pylonen und ein riesiger Gletscher. Genau dafür waren wir in der Nachsaison gekommen. Jacken an, Kameras um den Hals, und los.
Der Weg führte zunächst über Geröll, Matsch und eine Landschaft, die nicht unbedingt darauf ausgelegt war, dass Menschen dort bequem spazieren gehen. Immer wieder standen kleine Hütchen am Wegesrand und markierten ungefähr, wo man laufen sollte. Für 20 Dollar pro Person hätte ich ehrlich gesagt wenigstens mit einem dezenten roten Teppich gerechnet. Stattdessen bekamen wir Steine, Schlamm und die Aufforderung, möglichst nicht in irgendeinem Loch zu verschwinden. Dafür wurde der Gletscher mit jedem Schritt größer.
Und dann standen wir tatsächlich auf dem Eis. Das war einer dieser Momente, die auf Fotos kaum richtig rüberkommen. Von Weitem sieht ein Gletscher einfach weiß aus. Von Nahem ist da plötzlich nichts mehr einfach. Das Eis ist blau, grau, weiß und teilweise fast schwarz, durchzogen von Spalten, kleinen Wasserläufen und bizarren Formen. Überall knackt und plätschert es. Irgendwo tropft Wasser in eine tiefe Öffnung, an anderer Stelle verschwindet ein kleines Rinnsal unter dem Eis, und man bekommt sehr schnell ein Gefühl dafür, dass dieser riesige Brocken keineswegs so unbeweglich ist, wie er aussieht.
Die einzige Wolke weit und breit hatte sich natürlich genau über dem Gletscher platziert. Der Rest Alaskas lag unter blauem Himmel, nur über uns hing dieses eine graue Ding, offenbar mit persönlichem Auftrag. Mit Sonne wäre das Eis vermutlich noch spektakulärer gewesen, aber ehrlich gesagt war es auch so beeindruckend genug. Vielleicht passte die Wolke sogar ganz gut dazu. Gletscher brauchen kein Postkartenwetter. Die sehen auch ohne Filter bedrohlich gut aus.
Wir verbrachten mehr als eine Stunde auf dem Eis, kletterten herum, fotografierten jede Spalte aus mindestens drei Perspektiven und versuchten gleichzeitig, nicht an Stellen zu treten, die aussahen, als könnten sie uns direkt in die Erdgeschichte befördern. Stefan verschwand zwischendurch hinter einer Eisformation, und auf einem der Fotos schaut nur noch sein Kopf zwischen zwei weißen Wänden hervor. Ein Bild, das den Tag ziemlich gut zusammenfasst: zwei Deutsche irgendwo mitten auf einem Gletscher in Alaska, ohne jeden vernünftigen Grund außer „weil wir schon mal da sind“.
Als wir schließlich zurück zum Parkplatz liefen, war mit der morgendlichen Einsamkeit Schluss. Plötzlich kamen uns immer mehr Menschen entgegen. Zwanzig, dreißig, vielleicht noch mehr. Und während sie an uns vorbeiliefen, sah ich vor meinem inneren Auge keine Touristen mehr, sondern kleine wandelnde Zwanzig-Dollar-Scheine.
Zwanzig Leute: 400 Dollar.
Dreißig Leute: 600 Dollar.
Und es war noch nicht einmal Mittag.
Ich brauche definitiv einen Gletscher.
Auf dem Rückweg nahmen wir uns dann – wie ursprünglich geplant – Zeit für die Landschaft. Diesmal stand die Sonne höher und die Herbstfarben leuchteten noch intensiver. Ganze Hänge waren gelb, dazwischen dunkle Nadelbäume, im Hintergrund die weißen Berge. Dazu immer wieder der Fluss, kleine Brücken und diese endlose Straße, auf der manchmal minutenlang kein anderes Auto auftauchte. Alaska machte es einem wirklich schwer, irgendwann zu sagen: „So, jetzt habe ich genug fotografiert.“
Bei Chickaloon entdeckten wir ein winziges Post Office, das aussah, als hätte jemand ein Gartenhäuschen mit amerikanischer Flagge offiziell zur Bundesbehörde erklärt. Genau solche Dinge liebe ich an amerikanischen Roadtrips. In Deutschland würde man vermutlich erst zwölf Jahre planen, drei Ausschüsse gründen und eine DIN-Norm erstellen. Hier stellt man ein rotes Häuschen hin, hängt „Post Office“ dran und fertig ist die Infrastruktur.

Kurz vor Palmer machten wir noch Halt bei der Musk Ox Farm. Moschusochsen wollten wir uns zumindest einmal anschauen, auch wenn wir auf eine einstündige Führung verzichteten. Nach unseren Yellowstone-Reisen sind wir bei Tieren etwas verwöhnt. Wenn man Bisons schon frei über Straßen laufen und vor dem Auto stehen gesehen hat, wirkt ein eingezäunter Moschusochse zwangsläufig ein bisschen wie die Museumsvariante. Beeindruckend sind diese Tiere trotzdem. Zottelig, massiv und mit einem Gesichtsausdruck, der ungefähr sagt: „Ich wohne in Alaska. Was willst du?“ Im kleinen Museum stand ein ausgestopftes Exemplar, das gefühlt das halbe Zimmer ausfüllte. Falls ich bis dahin noch Zweifel hatte, dass man einem lebenden Vertreter besser nicht auf die Füße treten sollte, waren die damit erledigt.

Inzwischen meldete sich allerdings mein Magen. Und Stefan kennt dieses Warnsignal. Hunger ist bei mir kein Zustand, sondern eine sich langsam entwickelnde Gefahrensituation. Noch bin ich freundlich, aber jetzt sollte irgendwo zeitnah Essen auftauchen. Sonst wird aus Sightseeing plötzlich Krisenmanagement.
Zum Glück fiel uns beim Durchfahren von Palmer das Colony Inn Cafe auf. Hübsches weißes Haus, geöffnet, Parkplatz davor – die Lage war gerettet. Drinnen wurden wir von einer ausgesprochen freundlichen Kellnerin bedient, die sehr, sehr schwanger war. So schwanger, dass ich während der Bestellung kurz überlegte, ob wir besser schon einmal kochendes Wasser und Handtücher bereithalten sollten. Sie bewegte sich inzwischen eher in diesem sehr speziellen Endstadium-Watschelgang, den man vermutlich ausschließlich im neunten Monat beherrscht. Dabei blieb sie unglaublich nett und gut gelaunt und brachte uns ein hervorragendes Sandwich mit Pommes. Ich hoffte inständig, dass sie wenigstens noch bis zum Dessert durchhielt.
Wir teilten uns das Sandwich, wünschten ihr beim Abschied alles Gute für die bevorstehende Geburt – die nach meinem Eindruck ungefähr jederzeit zwischen unserer Rechnung und dem Parkplatz beginnen konnte – und drehten anschließend noch eine kleine Runde durch Palmer. Das war schnell erledigt. Palmer ist nett. Sehr nett sogar. Aber eben auch ein Ort, bei dem man nach einer Weile nicht mehr das Gefühl hat, gerade etwas Entscheidendes zu verpassen. Also zurück Richtung Anchorage.
Nun hätte man nach einem Gletscher, mehreren hundert Kilometern Straße und ausreichend Jetlag durchaus sagen können: Für heute reicht es.
Wir sagten natürlich: „Wir könnten noch auf den Flattop Mountain.“

Die Sonne schien immer noch und der Himmel sah gut aus. Also fuhren wir hinauf zum Trailhead des Flattop Mountain, dem Hausberg von Anchorage. Schon vom Parkplatz aus war die Aussicht sensationell. Tief unter uns lag Anchorage, dahinter Wasser, Wälder und eine Landschaft, die selbst von hier oben noch riesig wirkte. Der Reiseführer versprach für den eigentlichen Gipfel natürlich einen noch spektakuläreren Blick. Reiseführer versprechen so etwas gerne. Sie erwähnen meistens nur etwas zurückhaltender, was man dafür körperlich tun muss.
Wir starteten zunächst auf dem Blueberry Loop. Der begann harmlos genug, fast gemütlich. Wald, Wege, schöne Aussicht, alles wunderbar. Genau die Art Spaziergang, bei der man sich nach einem langen Tag einreden kann, man mache jetzt nur noch ein bisschen Bewegung.
Dann kamen die Treppen. Holztreppen. Ausgewaschen, schief, rutschig und teilweise so angeordnet, als hätte jemand beim Bau beschlossen, Treppen seien zwar grundsätzlich eine gute Idee, müssten aber nicht zwingend waagerecht sein. Wir arbeiteten uns nach oben und sahen dabei vermutlich nicht nach ambitionierten Bergwanderern aus, sondern eher wie zwei Menschen, die auf einer schlecht gewarteten Hüpfburg versuchen, ihre Würde zu behalten.

Mit jedem Höhenmeter wurde es winterlicher. Das Verrückte war, dass sich Herbst und Winter auf wenigen Metern abwechselten. Auf der einen Seite des Hangs wuchsen rote und gelbe Pflanzen, auf der anderen lag Schnee. Ein paar Schritte Sonne, ein paar Schritte Winter. Alaska hatte offenbar Schwierigkeiten, sich auf eine Jahreszeit festzulegen.
Irgendwann erreichten wir die Abzweigung zum eigentlichen Flattop Mountain Trail. Und dort war Schluss mit lustig. Vor uns führte nur noch ein schmaler Weg durch tiefen Schnee weiter nach oben. Wir beobachteten einige Wanderer, die sich durch den Hang kämpften, teilweise rutschten und sichtbar damit beschäftigt waren, nicht als menschlicher Schlitten wieder unten anzukommen.
Ich schaute hoch. Stefan schaute hoch. Dann schauten wir uns an. Man muss nicht jeden Gipfel erobern. Es gibt Momente im Leben, in denen Mut eine Tugend ist. Und es gibt Momente, in denen man erkennt, dass man für einen Berg mit Schnee vielleicht nicht gerade in Jeans und normalen Schuhen hätte aufbrechen sollen. Der Blick von unserem Standpunkt war ohnehin großartig. Also blieben wir auf dem Blueberry Loop und überließen den restlichen Gipfel Menschen, die entweder besser ausgerüstet oder schlechter im Einschätzen ihrer eigenen Sterblichkeit waren.
Und genau diese Entscheidung sollte sich kurz darauf als Glücksfall herausstellen. Wir waren schon wieder auf dem Weg Richtung Parkplatz, als plötzlich Bewegung im Gebüsch war. Ein Elch. Ein richtiger, echter, ziemlich großer Elch.
Er kam direkt aus der Vegetation und überquerte nur wenige Meter vor uns den Weg. Ganz ruhig. Kein hektisches Davonrennen, keine Panik. Er schlenderte einfach dahin, als gehöre ihm der Berg. Was vermutlich auch eher der Wahrheit entsprach als die Vorstellung, dass wir hier Gäste wären.
Natürlich fiel mir genau in diesem Moment ein, was ich vorher gelesen hatte: In Alaska sollte man Elche nicht unterschätzen. Die Tiere sehen zwar aus wie überdimensionierte, leicht melancholische Waldpferde, können aber ziemlich unangenehm werden, wenn sie sich bedrängt fühlen. Und wenn so ein Tier beschließt, dass man ihm auf die Nerven geht, hilft es einem vermutlich wenig, höflich darauf hinzuweisen, dass man Tourist ist.
Unser Elch interessierte sich zum Glück überhaupt nicht für uns. Was ihn allerdings nicht davor bewahrte, fotografisch vollständig dokumentiert zu werden. Meine Kamera stand bereits auf Serienbild. Das war sein Pech. Klickklickklickklickklickklick.
Bis er im Wald verschwunden war, hatte ich ungefähr fünfzig Fotos. Im Grunde könnte ich damit eine komplette wissenschaftliche Bewegungsstudie veröffentlichen: „Elch überquert Weg – Phase 1 bis 47“. Aber ganz ehrlich: Für unsere erste echte Tierbegegnung in Alaska durfte es ruhig ein bisschen eskalieren.
Wir gingen die letzten Meter zurück zum Parkplatz und waren beide ziemlich begeistert. An unserem ersten richtigen Tag hatten wir morgens bei Denny’s gefrühstückt, waren durch eine goldene Herbstlandschaft gefahren, hatten einen Gletscher bestiegen, über den Kauf einer eigenen Eiszeit-Immobilie nachgedacht, Moschusochsen besucht, in Palmer beinahe eine Geburt miterlebt, uns auf dem Flattop Mountain durch Schnee und Holztreppen gearbeitet und zum Abschluss einen Elch aus nächster Nähe gesehen.
Eigentlich hätte man damit wirklich zufrieden sein können. Aber Alaska macht hungrig. Also endete der Tag genau dort, wo schon der Ankunftstag geendet hatte: im Texas Roadhouse. Ribeye auf den Teller, erschöpfte Füße unter den Tisch und noch einmal sämtliche Eindrücke des Tages sortieren. Das Restaurant entwickelte sich gefährlich schnell zu unserer persönlichen Außenstelle in Anchorage.
Und während wir später im Bett lagen, war klar: Wenn das erst Tag eins gewesen war, dann hatte Alaska die Messlatte verdammt hoch gelegt.



































