Vom Eiskratzen zum Strip – einmal Winter, Zion und Vegas bitte
Wir stehen inzwischen so zuverlässig gegen sieben Uhr auf, dass man fast meinen könnte, wir wären im Urlaub einem streng durchorganisierten Schichtplan unterworfen. Nur dass hier niemand pfeift und ich trotzdem längst angezogen bin, während Stefan noch versucht, eine diplomatische Beziehung zu seinem Kopfkissen aufrechtzuerhalten. Das ist morgens unsere übliche Arbeitsteilung: Stefan wacht langsam auf, ich beginne derweil schon einmal damit, unser gesamtes Reiseleben wieder im Auto zu verstauen. Je nach Kofferraumgröße ist das weniger Gepäckverladung als dreidimensionales Tetris für Fortgeschrittene. Koffer drehen, Fototasche kippen, Jacken irgendwo hineinstopfen, Schuhe in die letzte freie Ecke und anschließend die Heckklappe möglichst schließen, ohne dass einem der halbe Hausstand wieder entgegenkommt. Ich bilde mir ein, darin inzwischen eine gewisse Meisterschaft erreicht zu haben. Andere sammeln Bonusmeilen, ich könnte vermutlich irgendwann eine olympische Disziplin daraus machen.
Das Schöne am Blue Pine Motel ist immerhin, dass unser Dodge direkt vor der Zimmertür steht. Tür auf, zwei Schritte, Koffer rein – genau so mag ich Motels. Heute allerdings öffne ich die Tür und bekomme von Utah unmittelbar eine klimatische Ohrfeige. Minus vierzehn Grad. Das Auto ist komplett zugefroren, die Luft fühlt sich an, als hätte jemand über Nacht beschlossen, Panguitch in ein Tiefkühlfach umzubauen, und ich bin innerhalb weniger Sekunden ungefähr so beweglich wie eine Packung Fischstäbchen.
Immerhin ist der Himmel bereits makellos blau. Keine Wolke, kein Grau, nur Sonne – optisch also Postkarte, temperaturmäßig Nordpol. Unsere amerikanische Version einer Standheizung besteht darin, den Motor anzulassen und das Gebläse auf eine Stufe zu stellen, bei der normalerweise lose Gegenstände durchs Auto fliegen. Während der Dodge langsam auftaut, bringe ich weiter Gepäck nach draußen, immer im schnellen Wechsel zwischen Zimmerwärme und Schockfrosten. Einige Minuten später erscheint auch Stefan reisefertig, die Scheiben geben wieder Sicht auf die Außenwelt frei, und wir werfen die letzten Sachen ins Auto. Türen zu. Heizung an. Niemand bewegt sich unnötig.
Zum Frühstück geht es wieder ins Flying M. Nicht etwa, weil wir innerhalb von zwölf Stunden eine tiefe emotionale Bindung zu dem Restaurant entwickelt hätten, sondern weil Panguitch Anfang März gastronomisch ungefähr so viel Auswahl bietet wie ein Bahnhofskiosk kurz vor Ladenschluss. Der Rest des Ortes befindet sich noch im Winterschlaf. Das Flying M hat geöffnet, also ist das Flying M heute unser kulinarischer Mittelpunkt. Und dann entdecke ich auf der Karte das Steak-&-Eggs-Special. Steak zum Frühstück ist natürlich vollkommen vernünftig. Schließlich steht ein langer Tag bevor, und niemand kann ernsthaft erwarten, dass man den Zion National Park mit einem einsamen Toastbrot bewältigt. Dazu Eier, Frühstückskartoffeln und alles, was ein amerikanisches Frühstück braucht, um kalorisch bereits als Mittagessen durchzugehen. Stefan bleibt etwas klassischer, aber auch sein Teller macht nicht den Eindruck, als müsse jemand auf dem Weg zum Auto noch verhungern. Damit sind wir endgültig aufgetaut und startklar.
Von Panguitch aus fahren wir auf dem Highway 89 Richtung Süden. Noch liegt Schnee entlang der Straße, die Luft ist glasklar, und die Landschaft sieht aus, als hätte jemand Utah über Nacht mit Puderzucker bestäubt. In Mount Carmel Junction biegen wir auf den Highway 9 ab, der uns von Osten mitten durch den Zion National Park bringen wird.
An der Kreuzung liegt eine dieser amerikanischen Tankstellen, die mit einer deutschen Tankstelle nur gemeinsam hat, dass draußen Zapfsäulen stehen. Drinnen gibt es gefühlt alles zwischen Kühlschrankmagnet, Cowboyhut, Hot Dog und kompletter Grundausstattung für ein neues Leben. Ideal für eine kurze Toilettenpause, denke ich.
Leider haben exakt gleichzeitig zwei Reisebusse offenbar denselben Gedanken. Ich betrete den Store durch den Hintereingang und finde mich wenige Sekunden später in einer dicht gedrängten Reisegruppe wieder, in der Souvenirs begutachtet, Hüte aufgesetzt und sämtliche Gegenstände fotografisch dokumentiert werden. Vor der Toilette bildet sich entsprechend eine Schlange. Immerhin läuft der Betrieb dort erstaunlich effizient – einige der Damen lösen das Kapazitätsproblem offenbar ausgesprochen kreativ. Ich beschließe, keine tiefergehenden Fragen zu stellen. Man muss auf Reisen nicht alles verstehen.
Kurz darauf taucht eines dieser vertrauten Motive am Straßenrand auf, bei denen meine Kamera praktisch von allein aus der Tasche springt: die Checkerboard Mesa. Wie oft wir diesen weißen, kreuzweise gefurchten Fels inzwischen fotografiert haben, weiß kein Mensch. Aber selbstverständlich halten wir trotzdem. Dieses Mal liegt immerhin Schnee darauf, womit ich das Bild vor mir selbst problemlos als komplett neue fotografische Dokumentation rechtfertigen kann. Stefan stellt sich neben die Infotafel und deutet fachmännisch in Richtung Berg, als hätte er die Checkerboard Mesa persönlich errichtet und wolle mir gerade erklären, wo er beim Bau ein paar Schwierigkeiten mit der Statik hatte. Der tiefblaue Himmel darüber macht es allerdings auch wirklich schwer, einfach vorbeizufahren. Utah liefert heute optisch wieder volle Punktzahl.

Gegen neun Uhr erreichen wir den Parkeingang und fahren anschließend auf dem Zion–Mount Carmel Highway weiter hinein. Wer den Zion nur aus dem Hauptcanyon kennt, verpasst eigentlich schon bei der Anfahrt die halbe Show. Die Straße windet sich zwischen massiven Sandsteinwänden hindurch, steigt in engen Kurven an und verschwindet stellenweise zwischen roten und cremefarbenen Felsen, an denen noch Schneereste kleben. Alle paar Minuten kommt die nächste Haltebucht, und natürlich nutzen wir sie. Wir sind schließlich nicht hier, um effizient irgendwo anzukommen. Wir sind hier, um aus jedem Straßenabschnitt ein kleines Fotoshooting zu machen. Die Sonne steht inzwischen höher, die Temperaturen werden angenehmer, und von den minus vierzehn Grad in Panguitch ist immer weniger zu spüren. Lediglich die Schneeflecken an den schattigen Hängen erinnern daran, dass wir heute Morgen noch beim Kofferpacken beinahe am Auto festgefroren wären.
Kurz vor dem Zion–Mount Carmel Tunnel stellen wir den Dodge ab und machen uns auf den Canyon Overlook Trail. Der beginnt ziemlich unscheinbar direkt an der Straße und gewinnt dann erstaunlich schnell an Höhe. Über in den Fels gehauene Stufen und Slickrock geht es bergauf, während unter uns der Highway immer kleiner wird. Der Weg ist nicht lang, hat aber genau die richtige Mischung aus Landschaft, ein bisschen Kraxelei und Stellen, bei denen man sich lieber darauf konzentriert, wohin man die Füße setzt. Besonders schön ist die Passage entlang des Pine Creek Canyon. Dort fällt das Gelände ziemlich abrupt ab, und eine kleine Brücke führt unter einem gewaltigen Felsüberhang hindurch. Sie sieht auf den Fotos fast aus, als hätte Indiana Jones hier jederzeit mit einer Lederjacke um die Ecke kommen können. Stattdessen kommen uns andere Wanderer entgegen, die genauso begeistert in alle Richtungen fotografieren wie wir.
Hinter dem Alcoven wird der Weg wieder sandiger, führt zwischen Büschen, Yuccas und Felsen hindurch und steigt schließlich noch einmal an. Dann stehen wir am Canyon Overlook. Der Blick ist fantastisch. Unter uns liegt die kurvige Straße, die sich durch den Pine Creek Canyon zieht, dahinter stapeln sich die mächtigen Felswände des Zion übereinander. West Temple, Towers of the Virgin, East Temple – Namen braucht man eigentlich gar keine, weil man ohnehin erst einmal nur dasteht und versucht, die Dimensionen zu begreifen. Die Landschaft sieht aus, als hätte jemand beim Modellbau das Thema „dramatisch“ etwas übertrieben. Wir setzen uns auf einen Felsen und bleiben einfach eine Weile dort. Nach all den Tagen, an denen wir uns teilweise durch Matsch, Schnee und irgendwelche Wasserlöcher gearbeitet haben, ist ein Aussichtspunkt, an dem man schlicht sitzen und schauen darf, fast schon luxuriös.

Für zusätzliche Unterhaltung sorgt ein älteres deutsches Ehepaar, das einige Meter von uns entfernt versucht, mit einem iPad ein gemeinsames Foto zustande zu bringen. Der Mann hält das Gerät ungefähr auf Armlänge vor sich, drückt ab und reicht das Ergebnis anschließend seiner Frau zur Qualitätskontrolle. Diese fällt vernichtend aus. Noch einmal. Wieder nicht gut. Noch einmal. Offenbar hat der Mann entweder den Horizont falsch ausgerichtet, einen ungünstigen Gesichtsausdruck erwischt oder schlicht fotografisch versagt. Die genaue Anklageschrift verstehen wir nicht, die Tonlage dagegen schon. Dieses Ritual wiederholt sich so oft, dass ich kurz überlege, ob wir ihnen einfach anbieten sollen, das Foto zu machen. Andererseits ist die Szene inzwischen viel zu unterhaltsam. Als wir schließlich unseren Rückweg antreten, ist die fotografische Ehekrise jedenfalls noch nicht beigelegt. Wahrscheinlich steht der Mann heute noch dort mit dem iPad.
Zurück am Parkplatz wartet die nächste kleine Überraschung. Direkt in der Nähe unseres Autos steht ein Tier und bewegt sich so wenig, dass ich zunächst ernsthaft überlege, ob der National Park Service hier neuerdings täuschend echte Dekoration aufstellt. Erst die Augen und gelegentlich ein kaum merkliches Drehen des Kopfes verraten, dass es tatsächlich lebt. Das Tier stand da, ließ sich bewundern und fotografieren und vermittelte den Eindruck, es hätte für den heutigen Vormittag offiziell die Parkplatzaufsicht übernommen. Unser Dodge schien jedenfalls in guten Händen gewesen zu sein.

Anschließend fahren wir durch den langen Tunnel hinunter in den eigentlichen Zion Canyon. Anfang März dürfen wir noch mit dem eigenen Auto auf dem Scenic Drive unterwegs sein, was im Sommer längst nicht mehr möglich ist. Und schon nach wenigen Minuten verstehen wir wieder, warum. Die Parkplätze sind voll. Richtig voll. Und das an einem Sonntag Anfang März. Offenbar hatten nicht nur wir bemerkt, dass blauer Himmel, Sonnenschein und angenehme Temperaturen eine ziemlich brauchbare Kombination für einen Tag im Zion ergeben. Im Sommer wäre hier mit privaten Autos vermutlich innerhalb kürzester Zeit kompletter Verkehrskollaps. Heute können wir dagegen noch gemütlich durchfahren, immer begleitet von diesen gigantischen roten Felswänden, die direkt neben der Straße aufragen und dafür sorgen, dass selbst große Autos plötzlich aussehen wie Spielzeug.
Wir fahren bis zum Temple of Sinawava am Ende des Scenic Drives und machen dort eine kleine Pause. Zwischen den mächtigen Wänden des Canyons entdecken wir Kletterer, die sich an einer Felswand nach oben arbeiten. Mit bloßem Auge erkennt man eigentlich nur kleine farbige Punkte, die an einer gigantischen senkrechten Wand kleben. Erst mit der Kamera sieht man, dass dort tatsächlich Menschen hängen. Ich finde so etwas gleichzeitig faszinierend und vollkommen absurd. Andere Leute sehen eine mehrere hundert Meter hohe Felswand und denken: „Da will ich hoch.“ Ich sehe dieselbe Wand und denke: „Da unten ist doch ein wunderbar ebener Weg.“ Wahrscheinlich braucht die Menschheit beide Sorten.

Auf dem Rückweg halten wir noch einmal beim Trailhead zu Angels Landing. Der berühmte Aussichtspunkt steht für die nächste Reise bereits ziemlich weit oben auf unserer Liste. Wir stehen unten, schauen hinauf und sind überzeugt: Das machen wir. Nächstes Jahr. Früh morgens natürlich, bevor die Menschenmassen kommen. Diese Idee klingt in diesem Moment ausgesprochen vernünftig. Dass „früh morgens“ bei uns inzwischen regelmäßig bedeutet, dass normale Menschen noch schlafen und wir irgendwo mit Taschenlampen durch die Landschaft stolpern, verdrängen wir vorsichtshalber.
Am frühen Nachmittag verlassen wir den Zion und fahren weiter nach St. George. Innerhalb relativ kurzer Zeit verändert sich die Landschaft schon wieder komplett. In Panguitch hatten wir am Morgen minus vierzehn Grad und mussten unser Auto auftauen, jetzt stehen in St. George Palmen am Straßenrand und die Sonne fühlt sich plötzlich nach Frühling an. Das ist einer dieser Momente, in denen man im Westen der USA wieder einmal merkt, wie wenig Kilometer hier manchmal klimatisch bedeuten. Wir hätten morgens eigentlich noch einen Schneemann bauen und am Nachmittag unter einer Palme sitzen können. Uns interessiert allerdings zunächst etwas anderes: In St. George gibt es ein Texas Roadhouse. Und damit ist der Ort für uns automatisch von strategischer Bedeutung.
Für ein 12-Unzen-Ribeye ist es kurz nach zwei allerdings selbst nach unseren Maßstäben noch etwas früh. Also betreiben wir zunächst eine andere Form amerikanischer Freizeitgestaltung und ziehen durch die umliegenden Geschäfte. Bed Bath & Beyond, Best Buy – solche Läden können uns erstaunlich lange beschäftigen, selbst wenn wir überhaupt nichts brauchen. Das ist vermutlich der Trick. Man geht hinein, um „nur mal zu schauen“, und fünfzehn Minuten später steht man vor irgendeinem Küchengerät oder elektronischen Spielzeug und überlegt ernsthaft, wie man bisher ohne dieses Ding leben konnte. Wir widerstehen zumindest weitgehend und wechseln gegen halb vier endlich zum eigentlichen Tagesordnungspunkt: Texas Roadhouse.
Dort bekommen wir zuverlässig genau das, weshalb wir gekommen sind. Ribeye, Beilagen, diese gefährlich guten warmen Rolls mit Cinnamon Butter und anschließend das Gefühl, dass in den nächsten Stunden keine weitere Nahrungsaufnahme erforderlich sein dürfte. Das Steak ist hervorragend, die Portionen amerikanisch und damit selbstverständlich geeignet, eine kleinere Familie durch den Winter zu bringen. Danach rollen wir satt zum Auto und machen uns auf den Weg nach Las Vegas.
Von St. George aus sind es etwa zwei Stunden auf der Interstate 15. Die Strecke fährt sich angenehm, die Landschaft wird trockener und irgendwann beginnt in weiter Ferne dieses diffuse Häusermeer aufzutauchen, das Las Vegas ankündigt. Man sieht die Stadt gefühlt schon ewig, bevor man tatsächlich dort ist. Wie eine Fata Morgana mit Spielautomaten. Nur dass sich kurz vor dem Ziel plötzlich der Verkehr staut. Auf dem Las Vegas Motor Speedway findet irgendeine Veranstaltung statt, und offenbar hatten sämtliche Menschen Nevadas beschlossen, gleichzeitig dorthin zu fahren. Wir stehen, rollen drei Meter, stehen wieder. So kann man natürlich Zeit verbringen. Muss man aber nicht.
Also ändern wir den Plan. Wenn Las Vegas uns schon nicht freiwillig hineinlässt, fahren wir eben shoppen. Über ein paar Seitenstraßen mogeln wir uns zum Las Vegas Premium Outlets North und überlassen den anderen ihren Stau. Sollen sie dort ruhig Stoßstange an Stoßstange stehen – wir kümmern uns solange darum, die amerikanische Wirtschaft zu stabilisieren. Und dafür sind wir ausgesprochen qualifiziert. Das Outlet liefert alles, was man dafür braucht: unzählige Geschäfte, Rabattschilder und dieses gefährliche Gefühl, dass man Geld spart, wenn man nur genug ausgibt. Eine Finanzstrategie, die bei mir nicht ausschließlich in Outletcentern logisch klingt.

Besonders absurd ist inzwischen allerdings die Temperatur. Morgens minus vierzehn Grad in Panguitch, jetzt in Las Vegas rund 28 Grad. Zweiundvierzig Grad Unterschied innerhalb weniger Stunden Autofahrt. Am Morgen hätten wir beinahe Handschuhe gebraucht, jetzt könnte man problemlos in kurzen Hosen herumlaufen. Unser Kofferraum enthält inzwischen Kleidung für ungefähr vier Klimazonen, und zum ersten Mal ergibt diese völlig übertriebene Packerei sogar Sinn.
Sonntags schließen die Outlets schon um sieben, was vermutlich gut ist, weil andernfalls irgendwann zusätzlich ein Anhänger fürs Gepäck nötig geworden wäre. Mit reichlich Beute im Auto fahren wir anschließend über den Las Vegas Boulevard Richtung Süden. Jetzt ist endlich dieses typische Vegas-Gefühl da: Lichter, Verkehr, Hotels, Leuchtreklamen und überall irgendetwas, das größer, heller oder absurder sein möchte als das Gebäude daneben. Unser Ziel ist das Hard Rock Hotel, wo wir über Booking.com ein geradezu lächerlich gutes Schnäppchen gemacht haben: ungefähr 50 Euro pro Nacht. Für vier Nächte. In Las Vegas. Das allein macht mich schon ausgesprochen zufrieden.
Beim Check-in habe ich außerdem meinen kleinen Plan vorbereitet. Ausweis, Kreditkarte und ein Zwanzig-Dollar-Schein liegen griffbereit. Die berühmte Vegas-Frage lautet schließlich, ob ein freundlich platzierter Zwanziger eventuell dabei helfen könnte, aus einem normalen Zimmer ein etwas besseres zu machen. Als ich an der Reihe bin, reiche ich Larry hinter dem Tresen alles gemeinsam hin und frage möglichst beiläufig nach einem complimentary Upgrade. Larry ist ausgesprochen freundlich, der Zwanziger verschwindet diskret, und wenig später erklärt er uns, dass er etwas für uns gefunden habe. Casino Tower. 18. Etage. Großes Zimmer. Strip View. Manchmal funktioniert Kapitalismus einfach wunderbar.
Als wir das Zimmer betreten, bin ich endgültig versöhnt mit diesem Tag. Groß, modern, zwei riesige Betten – und dann der Blick aus dem Fenster. Vor uns liegt das nächtliche Las Vegas. Flughafen, Mandalay Bay, Luxor, MGM und dahinter dieses gesamte leuchtende Durcheinander, das eigentlich komplett wahnsinnig ist und gerade deshalb so faszinierend aussieht. Flugzeuge schweben in der Dunkelheit über die Stadt, der Luxor-Strahl schießt in den Himmel und überall blinken Hotels, Straßen und Casinos um die Wette. Nach Panguitch am Morgen, dem Zion Canyon, St. George, Steak, Shopping und zweiundvierzig Grad Temperaturunterschied endet dieser Tag also hoch über Las Vegas mit einem Panorama, bei dem ich mich am liebsten einfach ans Fenster setzen und stundenlang hinausschauen würde.
Schlafen könnte man natürlich auch. Aber wir sind in Vegas. Schlafen kann man schließlich zuhause.

























