2011 – Roadtrip, Roulette & Hochzeit. Wie aus einem Urlaub ein Familienprojekt mit Trauschein wurde

Unterwegs mit Bianca, Nadine & Patrick

Eigentlich wollten wir nach Las Vegas. Punkt. Drei Wochen Neon, Wüste, Klimaanlagenlärm, billige Hotelzimmer und dieses ganz spezielle Gefühl, dass um einen herum permanent jemand entweder gerade heiratet, alles verspielt oder beides gleichzeitig. Death Valley, Hoover Dam, Grand Canyon West mit Skywalk – der Plan war sauber, logisch und fertig gedacht. Eigentlich.

Dann kam die Realität in Form von Flugpreisen. Direkt nach Vegas? Unverschämt. Also das Übliche: ein bisschen klicken, ein bisschen fluchen, ein bisschen „Ach komm, nur noch einmal aktualisieren“. Und plötzlich: Phoenix, Arizona. British Airways. Schnäppchen. Nicht gesucht, aber gefunden. Phoenix stand ohnehin schon länger auf der inneren Wunschliste, und die paar Stunden Fahrt nach Las Vegas? Geschenkt. In amerikanischen Maßstäben ist das ja eher „mal kurz um den Block“.

Kaum waren die Flüge gebucht, meldete sich Tochter Nadine. Sie hätte da eine Idee. Sie würde auch gerne nach Las Vegas kommen. Kleines Detail: sie hat nur zwei Wochen Urlaub statt unserer drei. Kurze Denkpause. Schulterzucken. Natürlich kommt sie nach. Also noch ein Flug nach Phoenix, späterer Termin, Abholung eingeplant. Klingt kompliziert – wird später auch genau das sein.

Und dann wurde es richtig dynamisch. Bianca und Patrick hörten von unseren Plänen und reagierten so, wie man es von Menschen erwartet, die jung, motiviert und offenbar nicht ganz bei Trost sind: Sie nahmen spontan Urlaub und beschlossen mitzukommen. Allerdings nicht nach Phoenix, sondern nach San Francisco. Eigener Roadtrip, eine Woche Westküste, Treffpunkt später in Las Vegas. Warum einfach, wenn es auch verstreut über den halben Kontinent geht.

Als wäre das noch nicht genug Koordination für eine Kleinfirma, kam ein weiteres Detail dazu, das man nicht mal eben in einen Kalender einträgt: Bianca und Patrick beschlossen, in Las Vegas zu heiraten. Kein Scherz. Kein „vielleicht“. Einfach: Wir sind ja schon da. Das ist Las Vegas. Warum nicht. Und plötzlich war unsere Urlaubsplanung nicht mehr nur Roadtrip, sondern auch Hochzeit – mit allem, was dazugehört, nur eben zwischen Slotmaschinen und Hochzeitskapellen.

Während Nadine also noch eine Woche Schulbank drückte und Bianca und Patrick irgendwo zwischen San Francisco, Meerblick und Motelparkplätzen unterwegs waren, standen wir da: mit Zeit, Auto und dem festen Willen, nicht einfach nur zu warten. Also taten wir, was man in den USA immer tun sollte, wenn sich ein Zeitfenster öffnet: losfahren.

Arizona, Colorado, New Mexico. Asphalt, Wüste, Berge, Hitze, endlose Straßen und diese Momente, in denen man sich fragt, ob man gerade wirklich hier ist oder nur durch einen sehr gut gemachten Film fährt. Das war kein Lückenfüller. Das war ein eigener Roadtrip – ungeplant, intensiv und manchmal genauso absurd, wie es sich anhört.

Wie das alles ausgegangen ist, wie viele Meilen wir wirklich gefahren sind, wie man zwischen Roadtrip und Hochzeit die Nerven behält und warum Las Vegas am Ende genau der richtige Treffpunkt war – das erzählen die nächsten Tage. Schritt für Schritt. Meile für Meile.